In den letzten Monaten schwirren verstärkt Bilder von Plastik in den Meeren durch die Medien. Häufig wird Mikroplastik in Shampoos und anderen Kosmetikprodukten als Ursache der Umweltverschmutzung genannt. Doch schaden nicht nur feste Plastikpartikel unserer Umwelt, auch in flüssiger Form ist Kunststoff in Shampoos enthalten. Welche Schadstoffe sind in Shampoos enthalten? Und wie kann dies beim Kauf entdeckt werden?

Mikroplastik findet sich in zahlreichen Alltagsprodukten.

Zunächst einmal: Was genau ist Mikroplastik? Und wo findet man es? Im März 2016 zitiert das Umweltbundesamt in einem Artikel über Mikroplastik in Kosmetik die EU-Kriterien für das EU-Ecolabel für Wasch- und Reinigungsmittel und definiert Mikroplastik als „Partikel mit einer Größe von weniger als 5 mm eines unlöslichen, makromolekularen Kunststoffs“.

Allerdings folgen auf EU-Kriterien keine rechtlichen Maßnahmen, wodurch die Kosmetikindustrie angehalten ist, auf Mikroplastik zu verzichten. Laut Greenpeace tricksen viele Hersteller beim Ausstieg vom Mikroplastik „da es keine offizielle, einheitliche Definition von Mikroplastik gibt“. Dabei kritisiert Greenpeace, dass der „freiwillige Ausstieg nur auf so genannte „Rinse-off“ Produkte, die sofort wieder von Haut und Haaren abgewaschen werden“ bezogen wird. So sind alle anderen Produkte, die längere Zeit auf dem Körper bleiben, von der Definition ausgeschlossen. Kunststoffe in flüssiger Form sind also nicht relevant und mogeln sich weiter durch Kosmetikprodukte in die Umwelt.

Fragwürdige Inhaltsstoffe und Handlungsbedarf

In einer NDR-Reportage vom 26.03.2018 mit dem Titel „Plastik in Kosmetik: Gefahr für die Umwelt“ wird verdeutlicht, welche chemischen Substanzen in Produkten versteckt sind, die wir täglich verwenden. Mikroplastik ist sichtbar in Peelings, Gesichtsmasken oder Zahnpasta. Flüssige Kunststoffe verstecken sich hinter komplexen chemischen Namen und sind für den Verbraucher nur schwer erkennbar. Synthetische Polymere wie Silikone sind ein günstiger Ersatz für pflanzliche Fette und Öle. Jedoch legen sich Silikone, wie z.B. Dimethicon, wie ein Film über die Haut und verstopfen die Poren.

Bereits 2010 erscheinen Berichte über unbedenkliche Kosmetikprodukte. Mit dabei ist auch ein ZEIT- Artikel mit dem Titel „Schaumige Versprechen“. Die Autorin Birgit Herden deckt dabei die Maschen der Kosmetikindustrie auf und verweist auf die negative Wirkung von flüssigem Kunststoff. Vermehrt kreisen Diskussionen um synthetische Kunststoffe in Shampoo und Cremes. 2015 empfiehlt die Europäische Chemikalienagentur, Silikonöle (Siloxane) aufgrund ihrer schwer abbaubaren und giftigen Eigenschaften zu meiden. Einige Hersteller suchen nach einer Alternative, die genauso wie Silikon für Glanz, Kämmbarkeit und Reduktion von Haarschäden sorgt. Der Ersatz: Polyquaternium.

Für die Hersteller war dies ein Werbeerfolg: Der Schriftzug „ohne Silikone“ war zunächst gewinnbringend und kam bei den Verbrauchen gut an. Die Gesellschaft war kurzzeitig überzeugt, ein Produkt zu nutzen, das dem Menschen nicht schadet. Doch was ist Polyquaternium? Und welche Auswirkungen hat es auf den Menschen und die Umwelt?

Das Kleingedruckte

Das Duschgel enthält Polyquaternium und sollte somit gemieden werden.

Polyquaternium besteht aus polymeren Molekülen, also Teilchen, die miteinander vernetzt sind und lange Ketten bilden.

Polyquaternium weist antistatische Wirkungen und filmbildende Eigenschaften auf. Zudem bewirkt der flüssige Kunststoff genau das, was sich viele Verbraucher bei der Verwendung von Shampoo und Spülung wünschen: glatte und glänzende Haare!

Die positiv geladenen Teilchen des Moleküls lagern sich an die negativ geladenen Teilchen der Haare an, sodass ein „Build-up-Effekt“ entsteht. Dadurch bleiben die Moleküle für lange Zeit auf den Haaren haften. Das klingt also zunächst gut, die Haare bleiben dadurch lange kämmbar und glänzend. Das verspricht doch Vorteile, oder etwa nicht?

Leider nein, denn man sollte wissen, dass Polyquaternium Spuren von Acrylamid aufweisen kann – einer krebserregenden Substanz. Des Weiteren wird Polyquaternium durch ein komplexes chemisches Verfahren hergestellt. Synthetischen Polymere wie Polyquaternium kommen nicht natürlich in der Umwelt vor und sind nicht oder nur schwer biologisch abbaubar. Polyquaternium dient hier nur als Beispiel, es gibt noch weitaus mehr Kunststoffe in Shampoos.

Und wie erkenne ich, ob Plastik drinsteckt?

Werner Eckert, SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung, erklärt, dass die Bezeichnung „Poly-“ ein guter Indikator ist, um Kunststoffe im Shampoo oder anderen Kosmetikprodukten zu entdecken. Hier eine Liste der umweltschädlichen Kunststoffe:

Eine Übersicht über Kunststoffe kann beim Einkaufen helfen, umweltschädliche Produkte zu meiden.

Folgen für Natur und Gesellschaft

Klar ist, dass über das Abwasser Mikroplastik über Flüsse in die Meere gelangt. Also ist Kunststoff in Shampoos zunächst einmal ein Problem für die Umwelt. Allerdings sind die Schadstoffe nicht biologisch abbaubar und können auch von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. In den Meeren angekommen, wird der Kunststoff von Tieren aufgenommen. Schließlich finden sich Kunststoffe in unserer Nahrung wieder und landen im menschlichen Körper.

Die Folgen: Flüssige Kunststoffe, wie Polyquaternium, können Entzündungen im Magen-Darm-Trakt hervorrufen. Darüber hinaus befürchten Experten eine Behinderung der Verdauung, die Einschränkung der Mobilität und des Fortpflanzungsverhaltens bei Tieren. Allerdings sind Forschungen zur Gesundheitsgefährdung der flüssigen Kunststoffe noch in den Kinderschuhen. Daher lassen sich keine weiteren Schritte gegen die Kosmetikindustrie einleiten, um flüssige Kunststoffe aus den Produkten zu vermeiden. In hochkonzentrierter Lösung ist Polyquaternium -10 giftig für Wasserorganismen. Für die Natur bedeutet dies schwerwiegende Folgen, und für den Menschen sind synthetische Polymere gesundheitsgefährdend. Welche Auswirkungen dies haben könnte, ist bisher noch unklar.

In Zukunft? Was nicht abbaubar ist, gehört nicht ins Abwasser!

Bevor beim nächsten Einkauf zum bisher verwendeten und günstigen Shampoo gegriffen wird, wäre es also ratsam, auf der Rückseite die kleingedruckte Inhaltsangabe zu prüfen. Ein mögliches Hilfsmittel ist die Code-Check App. Anhand dieser können Verbraucher die Produkte genau unter die Lupe nehmen. Dabei wird einfach der Barcode gescannt, und sofort erhält man Infos zu bedenklichen Inhalten. Eine weitere Alternative zu „Plastik-Shampoos“ sind zertifizierte Naturkosmetikprodukte, wie Lavera und Weleda. Die Produkte verzichten auf Kunststoffe und Nutzen die Kraft der Pflanzen. Wer gerne einmal alternative Haarwaschmittel ausprobieren möchte, kann sich auf ganz natürliche Art mit Roggenmehl oder DIY-Shampoo die Haare waschen.

Lesenswerte Beiträge zur Geschichte des Shampoos und Erfahrungen zum Verzicht auf Shampoo sind in unserem Blog zu finden.

Weitere Informationen und Ratgeber finden sich unter Greenpeace und BUND.

 

Quellen:

https://utopia.de/ratgeber/mikroplastik-kosmetik-produkte/

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Plastik-in-Kosmetik-Gefahr-fuer-die-Umwelt,plastik236.html

https://www.swr.de/buffet/leben/mikroplastik-in-unserem-shampoo/-/id=257304/did=20227390/nid=257304/177e026/index.html

https://www.umweltbundesamt.de/themen/mikroplastik-in-kosmetika-was-ist-das

„Karottenkopf“, „Ginger“ oder „Pumuckl“ – Wer rotes Haar hat, darf sich im Laufe seines Lebens so manchen Spruch anhören. Rothaarige haben oft mit Mobbing und Vorurteilen zu kämpfen, es gibt heutzutage aber auch Gegenbewegungen. Doch woher kommen diese stereotypen Vorstellungen gegenüber dieser besonderen Haarfarbe? Über widersprüchliche Klischees und eine stolze Minderheit

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Jeder von uns kennt die Versuche des Friseurs oder der Friseurin während der Behandlung zaghaft ein Gespräch zu beginnen. Jeder von uns kennt die innere Zerrissenheit zwischen weiterem Anschweigen mit vereinzeltem Augenkontakt oder einer oberflächlichen, weitestgehend uninteressierten Unterhaltung. Gelegentlich entstehen aus der Not heraus aber auch humorvolle Gespräche, die das Haareschneiden erträglich machen.

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Ist die lange Mähne nur noch nervig? Oder willst du mal eine neue Frisur ausprobieren? Aber die Haare einfach wegzuwerfen, ist auch zu schade? Wer seine Haare abschneiden möchte, der kann – wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt – diese auch spenden. Was es für Organisationen gibt, welche Voraussetzungen man erfüllen muss und an wen die Haare gehen, erfährst du hier.

Die Organisationen

Eine sehr bekannte Organisation, die sich in den USA befindet, ist „Wigs for kids“. Sie wurde 1981 von Jeffrey Paul, einem Friseur, gegründet. Sein Anliegen: Kindern, die durch Krebs ihre Haare verloren hatten, ein Stückchen Normalität wiedergeben und ihr Selbstwertgefühl aufbauen. Auf der Homepage schreibt er:

„Children shouldn`t have to worry about how they look, especially when they’re in the middle of a health crisis“.

Gerade als Kind oder Jugendlicher kann das Aussehen eine große Rolle spielen. Damit die Kinder sich so normal wie möglich fühlen, bekommen sie Echthaarperücken aus Spenderhaar. Doch nicht nur in den USA gibt es die Möglichkeit, Haare zu spenden. Auch bei uns gibt es viele Organisationen, die Haarspenden annehmen.
In Deutschland gibt es beispielsweise die Organisationen haare-spenden.de, die Haarspender, den Verein Haarfee oder BVZ Rapunzel.

Wenn du deine Haare lieber behalten willst, kannst du dennoch etwas Gutes tun. Die meisten Organisationen nehmen sowohl Haarspenden als auch Geldspenden an. Die Initiativen lassen aus den gespendeten Haaren Perücken machen oder stellen sie sogar selbst her, um sie dann an kranke Kinder zu verschenken. Bei haare-schneiden.de musst du auf einem Formular ankreuzen, dass das gespendete Haar kostenlos an ein erkranktes Kind gehen soll, da dort auch kostenpflichtige Perücken hergestellt werden. BVZ Rapunzel versteigert das wertvolle Echthaar und gibt den Erlös an gemeinnützige Organisationen wie „Humor hilft heilen“ weiter.

Welche Voraussetzungen muss das Haar erfüllen?

Wer sich zu oft die Haare glättet schädigt die Struktur. Solche Haare sind für Spenden nicht geeignet.

Am wertvollsten ist gesundes, unbehandeltes Haar. In der Regel muss das gespendete Haar eine Mindestlänge von 25 cm haben, je länger das Haar ist, desto besser. Um die Perücken herstellen zu können, braucht man gleichmäßige Längen. Haare-schneiden.de zahlt ab einer Länge von 30 cm eine zusätzliche Spende an eine ausgewählte Partnerorganisation. Welche der Organisationen unterstützt wird, kann der Spender selbst entscheiden.

Für qualitativ hochwertige Perücken sollte das Haar zudem unbehandelt sein. Gefärbtes Haar kannst du bei manchen Initiativen aber dennoch spenden, sofern es in seiner Struktur nicht geschädigt ist und einen gleichmäßigen Farbverlauf hat. Die Haare sollten am besten in einer natürlichen Farbe gefärbt sein, da die Perücken dem Echthaar der Kinder ähneln sollen. Der Verein Haarfee nimmt allerdings keine gefärbten Haare an. Zöpfe, die schon vor ein paar Jahren abgeschnitten und aufbewahrt wurden, können ebenfalls gespendet werden. Die Haare können noch nach 70 Jahren Aufbewahrungszeit genutzt werden. Nicht für Spenden geeignet sind Dreadlocks, Haare, die eine Dauerwelle mitgemacht haben, chemisch geglättetes Haar oder stark beanspruchtes Haar (z. B. durch tägliches Glätten oder andere Hitzeschäden).

Wie und wo kann man seine Haare abschneiden lassen?

Wenn du dich dazu entscheidest, deine Haare zu spenden, hast du zwei Möglichkeiten: entweder du gehst zu dem Friseur deiner Wahl, oder du greifst selbst zur Schere. Viele Friseure bieten das Abschneiden für Haarspenden vergünstigt oder sogar kostenlos an. Listen zu Partnersalons einzelner Organisationen finden sich auf deren Website. In beiden Fällen musst du ein paar Dinge beachten.

Das Haar sollte vorher gewaschen, getrocknet und gut durchgekämmt sein, damit alle Haare in Wuchsrichtung liegen. Teile das Haar am besten in mehrere kleinere Zöpfe auf, dadurch werden weniger Haare zu kurz abgeschnitten. Die Zöpfe sollten mit kleinen Haargummis zusammengebunden werden. Schneide das Haar über dem Haargummi ab, so fallen die Haare nicht auseinander und können leichter geordnet werden. Achte darauf, dass die Zöpfe eine Mindestlänge von 25 cm haben. Bei langen Zöpfen ist es hilfreich, das Haar auch noch mal weiter unten zusammenzubinden. Die Zöpfe können anschließend gebündelt und in einem festen Umschlag an die Initiative deiner Wahl gesendet werden. Je nachdem welche der Organisationen gewählt wird, muss ein Formular ausgefüllt oder eine E-Mail-Adresse angegeben werden, damit man über den Erhalt der Haare Bescheid bekommt.

An wen geht das Spenderhaar?

Das gespendete Haar geht an Kinder, welche durch eine Krankheit ihre Haare verloren haben. Das kann durch Krebs, die Autoimmunerkrankung Alopecia areata oder andere Krankheiten ausgelöst werden. Die Perücken aus gespendetem Haar werden an Kinder und ihre Eltern verschenkt oder kostengünstig bereitgestellt. Normalerweise beginnen Preise für natürlich aussehende Perücken ab etwa 1.200 Euro. Diese Perücken sind in der Regel aber chemisch behandelt oder bestehen aus hochwertigem Kunsthaar. Unbehandeltes Echthaar ist immer noch am besten geeignet und sieht natürlich aus. Perücken aus europäischem Echthaar sind allerdings sehr teuer, wodurch der Preis für eine solche Perücke oft über 3.000 Euro geht. Die verschenkten Perücken ermöglichen es Kindern, sich wieder wohl zu fühlen in ihrer Haut.

 

Einige von uns kennen das: Man träumt von einer wallenden, glänzenden Mähne und wenn man morgens aufsteht, erschrickt man über das Vogelnest, das sich über Nacht auf dem Kopf gebildet hat. Dann beginnt man verzweifelt, mit Wasser, Schaumfestiger, Anti-Frizz-Mitteln oder, wer es lieber natürlicher mag, mit Kokosöl etc. gegen den Frizz anzukämpfen. Nur um nach einigen Minuten entnervt aufzugeben und wieder einmal mit der Notlösung – einem Dutt – aus dem Haus zu gehen.

Meine Geschichte

Ich als Kind.

So ging es mir viele Jahre lang. Als Kind hatte ich lange, wellige Haare mit glatter Struktur. Mit etwa elf Jahren bekam ich die grandiose Idee, mir die Haare auf Schulterlänge abschneiden zu lassen. Und damit fing es an. Die Klassenfotos der ersten Jahre auf dem Gymnasium zeigen klar nachvollziehbar, wie meine Haare von glatt über eine Frisur wie Emma Watson als Hermine-Granger-im-ersten-Harry-Potter-Film zu – nennen wir es mal hauptsächlich lockig – wurden. Hauptsächlich lockig deshalb, weil meine Locken grundsätzlich nur direkt nach dem Waschen gut aussahen. Und auch nur, wenn ich sie nicht zu kurz aber auch nicht zu lange im Handtuch gelassen habe, den perfekten Moment abpasste, um den Schaumfestiger aufzutragen und sie danach bloß nicht mehr anfasste oder sie irgendeiner Art von Reibung aussetzte. Von Föhnen mal ganz zu schweigen. Das Ganze hielt dann maximal bis zum nächsten Tag, wenn ich mit dem bekannten Vogelnest wieder aufwachte.

Der Kampf mit dem Frizz

Zugegeben – Haare sehen etwas anders aus. Aber ihr wisst was ich meine?

Ich habe jahrelang wirklich alles versucht. Ich habe alles an Anti-Frizz-Produkten durch, was die Beauty-Industrie zu bieten hat. Zusätzlich habe ich mit einem Dutt geschlafen, mit einem Zopf, mit zwei Zöpfen oder im Sitzen. Ich habe den perfekten Moment abgepasst, um die Pflegemittel aufzutragen und ihn ebenso oft verpasst. Und ich habe Kokos-Shampoo mit echten Stückchen, Anti-Frizz-Spülungen, Lovely-and-Smooth-Hair-Spray und Perfectly-Shiny-Hair-Balm benutzt. Alles ohne Erfolg. Das Vogelnest war jeden Morgen zuverlässig wieder da. Wenn die Haarwurzel gekrümmt ist, kann man eben nichts machen (siehe Blog-Beitrag zum Thema Haarstrukturen).

Was sind eigentlich „schöne“ Locken?

Ich zur Abwechslung mal mit „schönen“ Locken.

Ich möchte Locken keineswegs verteufeln. Die ganzen Hilfsmittel wie Lockenstäbe und -wickler, Papilotten oder Salz-Sprays für die perfekten Beach-Waves gibt es ja deshalb, weil sich viele Menschen Locken wünschen. Und ganz ehrlich, genau solche Haare wünsche ich mir ja auch. Das Problem ist nur, dass diese Produkte für Menschen mit glatten Haaren entwickelt worden sind. Und die haben keine Probleme mit dem Frizz, der bei Menschen mit Naturlocken meist automatisch entsteht.

Manchmal – meistens direkt nach dem Haarewaschen – schaue ich in den Spiegel und denke mir: Eigentlich kann ich ja froh sein, solche Haare zu haben, für die andere stundenlang mit dem Lockenstab hantieren müssen. Aber dann gehe ich raus in den Regen, ziehe mich um oder schlafe eine Nacht (im Liegen) – und schon hat sich das mit den „schönen“ Locken erledigt.

Auch die Reaktionen auf meine Haare waren schon immer sehr unterschiedlich: „Du hast doch so schöne Locken“ oder „andere brauchen Stunden dafür, um so auszusehen“, war die Meinung mancher. Aber auch das Gegenteil war der Fall. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Kommentar eines Klassenkameraden. Dieser erklärte mir nach dem Schwimmunterricht: „Deine Haare sehen ja schon ein bisschen so aus, als hättest du in die Steckdose gefasst.“ Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen verstehen nicht ganz, wie viel Mühe man sich geben muss, um frizz-freie Locken hinzukriegen.

Und der Grad zwischen „schönen“ Locken und einer Frisur wie ein aufgeplatzes Sofakissen ist ziemlich schmal und manchmal nur eine Nachtruhe voneinander entfernt. Nun könnte man ja sagen, es ist egal, was die anderen denken. Es kommt darauf an, dass ich mich gut fühle. Aber gerade in der Pubertät, wenn man sich ohnehin nicht so ganz sicher ist, wie man eigentlich aussehen soll oder will, können einen Kommentare wie der meines Klassenkameraden schon mal verunsichern.

Die Not-Lösung

Vielleicht hängt mein Wunsch nach glatten Haaren damit zusammen, dass man ja angeblich nie mit dem zufrieden ist, was man hat. Aber eigentlich wollte ich ja gar keine glatten Haare, ich wollte doch nur kein Vogelnest mehr! Immer wieder ließ ich meine Haare natürlich, manchmal auch um den Frizz-Hassern zu zeigen, dass mir ihre Meinung nicht wichtig war. Aber nach einiger Zeit stellte ich fest, dass ich mich durch diese Trotzhaltung auch nicht besser fühlte. Also beschloss ich für mich, dass ich mich mit glatten Haaren wohler fühlte und fing an, meine Haare regelmäßig zu glätten.

Obwohl ich mich damit weitaus wohler fühlte, tat das dauerhafte Glätten den Haaren natürlich nicht gut. Länger als bis kurz über die Schultern konnte ich sie nicht wachsen lassen, weil sie an den Spitzen immer abbrachen. Außerdem nahm es ziemlich viel Zeit in Anspruch und – andere Menschen mit Locken kennen das: man kann nie „mal eben schnell Haare waschen“. Nein, bei Locken-Trägern will jede Haarwäsche sorgfältig geplant sein.

Also begann ich mich nach einigen Jahren, nach dauerhaften Glättungsmethoden umzusehen. Eine chemische Glättung kam nicht in Frage. Schließlich wollte ich meine Haare ja eigentlich wachsen lassen und ich wusste, wie schädlich die Chemikalien sind. Während meines Au-Pair-Jahres in London nach dem Abitur stieß ich dann zufällig auf eine neue Methode, die ich seitdem zweimal angewandt habe: mit zunächst ernüchternden, dann aber sehr zufriedenstellenden Ergebnissen.

In meinem nächsten Beitrag werde ich euch Näheres über meine persönliche Lösung für frizz-freie Haare erzählen…

 

Selten hat ein Protagonist einer Serie so eine große Entwicklung durchgemacht wie Walter White in Breaking Bad – inklusive seiner Haare. Diese entwickeln sich während der Serie parallel zu seiner Persönlichkeit. Neben seiner Frisur sind auch die Frisuren der anderen Figuren symbolisch aufgeladen. Und da die von Hairstylisten inszenierten Frisuren im Film selten ihre verdiente Aufmerksamkeit bekommen, soll sich das jetzt ändern.

 

Breaking Bad und Hairstylist? Wer diese Serie kennt, wird jetzt vermutlich lachen, denn ein auffälliges Stilmittel ist nicht nur Walter Whites Frisur, sondern auch die der anderen männlichen Protagonisten – nämlich die Glatze.

Dieses Mem (deutscher Begriff für Meme, geht zurück auf Richard Dawkins) ging mit der Bildunterschrift „Kelly Nelson has the easiest job in the history of jobs“ durch das Internet. Natürlich finde ich nicht, dass Kelly Nelson den leichtesten Job der Welt hat. Wie meine Film-Dozentin immer so schön gesagt hat: „Film kostet Geld. Da passiert nichts zufällig!“ Und vor allem nicht, wenn die Glatze sich so durch die Serie zieht. Was steckt demnach hinter Nelsons Glatzen-Symbolik in Breaking Bad?

 

 

Vom Chemie-Lehrer zum Drogenbaron

Der erste Wendepunkt in Walter Whites Geschichte ist seine eher aussichtslose Krebsdiagnose. Aus diesem Schicksalsschlag heraus entscheidet er sich zu einem drastischen Schritt. Anstatt weiter Chemie-Unterricht in einer High School zu geben, kocht er Crystal Meth, um seiner Familie nach seinem Tod genug Geld zu hinterlassen. Für manche zur Einstimmung, für andere zur Wiederholung, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung der fünf Staffeln Breaking Bad in drei Minuten:

 Je weniger Haare desto gewalttätiger

Wie man im Mem oben sehen kann, hat fast der ganze Männercast der Serie wenige Millimeter lange bis gar keine Haare. Im Allgemeinen beobachtete ich während der Serie Folgendes: je weniger Haare die Figuren haben, desto gewalttätiger, gefährlicher und teilweise auch böser werden sie. Das folgt ganz dem Vorbild anderer Bösewichte der Filmgeschichte wie Ernst Blofeld bei James Bond oder Lord Voldemort in Harry Potter.

Walter White Jr. und Gale Boetticher sind die einzigen beiden sympathischen, netten und ungefährlichen männlichen Hauptfiguren der Serie. Und guess what, sie haben beide volles Haar. Die einzige Waffe, die die beiden haben, ist vielleicht ihre Sensibilität oder ihre geradezu naive Nettigkeit.

Saul Goodman mit seiner immer perfekt sitzenden Haartolle steht in dieser Theorie freilich für sich. Er ist zwar der kriminelle Anwalt, macht sich jedoch nie die Hände schmutzig und wahrt den Schein des seriösen Anwalts, sodass er mit seiner perfekten Frisur keine direkte Gefahr oder Gewalt ausstrahlt.

In den frühen Folgen der Serie haben außerdem die zwei Hauptfiguren Jesse Pinkman und Walter White eine normale, unauffällige Kurzhaarfrisur. Als die beiden im großen Stil in die Drogengeschäfte einsteigen wollen, hadern sie noch sehr oft mit ihrem Gewissen, haben noch eine Spur von Moral und bringen es kaum über sich, Gewalt anzuwenden oder jemandem umzubringen.

Walter White alias Heisenberg

 Erst nachdem Walter seine Lungenkrebsdiagnose erhalten und das erste Mal mit bloßen Händen jemanden umgebracht hat (Staffel 1 Folge 3), entscheidet er sich, seine ausfallenden Haare abzurasieren (Staffel 1 Folge 6). Sein Gewaltpotenzial ist zu diesem Zeitpunkt schon beunruhigend gestiegen. Um gegenüber dem konkurrierenden Drogenboss Tuco furchteinflößend zu wirken, entscheidet sich Walter zu diesem Frisurenwechsel. Kurz darauf verursacht er in Tucos Hauptquartier eine Explosion – mit der neuen Frisur beginnt Walter also, sein Gewaltpotenzial so richtig auszuschöpfen. Darüber hinaus ist dieser Frisurenwechsel ebenfalls symbolisch eine Transformation in Walters Persönlichkeit. Nicht nur sein Charakter verändert sich zum Bösen hin, sondern er erschafft zu diesem Zeitpunkt ebenfalls sein Alter Ego Heisenberg, den Drogenbaron. Seine neue Frisur steht folglich für seine neue Identität. Die alte Identität des unscheinbaren, passiven und unterdrückten Verlierers legt er als glatzköpfiger, furchteinflößender Heisenberg ab. Diesen Übergangsritus des Frisurenwechsels kennen wir aus unserem Alltag, wenn wir uns passend zu einem neuen Lebensabschnitt, beispielsweise nach einer Trennung, verändern wollen.

Am Ende der Serie erleben wir Walter als pure Gegenerscheinung: Mit langen Haaren und langem Bart erkennen wir ihn kaum wieder. Zu diesem Zeitpunkt ist er aus dem Drogengeschäft ausgestiegen und auf der Flucht. Er lässt sich die Haare wieder wachsen, da er von seiner Heisenberg-Identität zur Walter-White-Identität zurückgekehrt ist. Jedoch wachsen seine Haare scheinbar unkontrolliert, ungebändigt und wild. Sein Bart und seine Haare sind länger, als sie es jemals in der Serie waren. Dieses Erscheinungsbild passt zu ihm – Walter White als Flüchtender vor seinem alter ego und seiner Drogenbarongeschichte. Er lebt zurückgezogen in einer Hütte im Wald – und genau so sehen seine Haare aus. Er ist nicht mehr der Gleiche wie am Anfang. Deshalb stellen seine Haare eine neue Seite von ihm dar und machen ihn optisch durch das Verwahrloste zum Außenseiter der Gesellschaft.

Die Skala der haarlosen Gewalttätigen

Jesse Pinkmans Wuschelkopf hingegen bleibt ihm recht lange erhalten. Erst in Staffel 4 Folge 4 rasiert dieser sich die Haare vor lauter Schuldgefühlen ab, nachdem er das erste Mal jemanden umgebracht hat. Durch diese Tat wird Jesse noch stärker verändert als Walter. Seine zuvor noch leichtsinnige Persönlichkeit macht mit dem Frisurenwechsel eine Transformation hin zu einer ernsthaften, verbitterten und gewalttätigen Persönlichkeit durch. Danach steigt Jesses Bereitschaft zur Gewalt immens. Erst als er sich in Gefangenschaft befindet, wachsen seine Haare wieder. Verwahrlost, wild und ungebändigt symbolisieren sie sein Leben, das nicht mehr er selbst, sondern seine Peiniger in der Hand haben.

 

Bei der Entwicklung in diesem Video sieht man die Veränderung sowohl in Jesses Persönlichkeit als auch bei seiner Frisur.

 

In die Reihe der immer haarloseren Protagonisten gehören außerdem in aufsteigender Reihenfolge nach der Gewalttätigkeitsskala Mike Ehrmantraut, der clevere Drogenboss Gus Fring, der soziopathische Drogenboss Tuco Salamanca und die Auftragskiller-Zwillinge aus Mexiko. All diese Figuren bewegen sich von Anfang an auf der bösen und illegalen Seite, sodass sie von Beginn furchteinflößend erscheinen. Verstärkt wird dieser Eindruck auch durch die Glatze der Figuren.

Doch auch Hank, der DEA Agent und Walters Schwager, hat eine Glatze, obwohl er auf der Seite des Gesetzes steht. Hank steht ab Folge eins der Serie für Männlichkeit. Er ist impulsiv und schreckt nicht davor zurück in seinem Beruf als DEA Agent Gewalt anzuwenden, auch gegenüber Wehrlosen. So prügelt er Jesse Pinkman krankenhausreif. Schließlich ist es Hank, der herausfindet, wer Heisenberg ist und so zur Gefahr für Walter wird.

Das Symbol Glatze

Eine Glatze ist demnach nicht immer ein Beweis dafür, dass die Figur auf der bösen Seite steht. Vielmehr symbolisiert sie bei allen Figuren Gewalttätigkeit, Gefahr und Männlichkeit. Haare funktionieren in dieser Serie als symbolische Wendepunkte. Sie führen uns die Transformation der Figuren vor Augen und drücken gleichzeitig Charaktereigenschaften und teilweise Milieu- und Szenezugehörigkeiten aus.

Wie Frisuren Schauspieler beim Einfühlen helfen

Haare wirken nicht nur auf den Zuschauer, indem sie etwas symbolisieren oder veranschaulichen, sondern auch auf den Schauspieler. Frisuren können Schauspielern nach dem Prinzip des Method Actings beim Einfühlen in die Rolle helfen. Der Schauspieler Bryan Cranston findet sichtlich Gefallen daran, sich über seine Haare als Walter White zu identifizieren. Bei diesem Auftritt zeigt Cranston, wie er sich innerhalb von Minuten durch die Frisur und das Kostüm in Walter White verwandeln kann. Ein Schmankerl für jeden Breaking Bad Fan…

 

 

  • Genre
  • Produktionsland und Sprache
  • Erstausstrahlung
  • Dauer
  • Episoden
  • Idee
  • Produktion
  • Cast & Crew
  •  Drama, Krimi
  • USA, Englisch
  •  20. Januar 2008 (USA auf AMC)
  • 2008-2013
  • 62 Episoden in 5 Staffeln
  • Vince Gilligan
  • Vince Gilligan, Mark Johnson
  • Cast & Crew

 

Quellen:

 

Mehr Bedeutung von Haaren in Film gefällig?

Dann hier entlang: Neunmal Perücke, neunmal Sophie.

Wer jemandem die Haare gewaltsam abschneidet, demonstriert Macht. Für das Opfer bedeutet es Demütigung.  „Horizontale Kollaborateurinnen“, angebliche Hexen, Sklaven – ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Kahlscheren ist immer wieder angewendet worden, um zu bestrafen, Kräfte zu brechen oder Menschen zu entwürdigen.

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Die Weltmeisterschaft 2018 ist in vollem Gange – und neben den fußballerischen Qualitäten ist wieder einmal auch die Präsenz neben dem Platz, insbesondere in Form einer ausgefallenen Frisur, gefragt. Dieser Beitrag soll einen Blick auf die Wettbewerbe vergangener Tage werfen. Welche der Haarprachten sind in Erinnerung geblieben? Und welche waren eher ein modischer Totalausfall?

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Bei einer Szene im Film GF*BF rasiert ein Mädchen das Haar ihres Klassenkameraden

In Ostasien kennt jedermann das 9jährige Mädchen Maruko-Chan. Die Protagonistin der populären Manga-Serie ist seit 1986 bekannt und findet bis heute viele Liebhaber unter den Erwachsenen. Ein Grund dafür sind die heiteren Alltagsgeschichten des kleinen Mädchens sowohl in der Schule als auch zu Hause mit ihrer Familie. Noch einer ist sicherlich ihre sympathische Frisur, die die Leute in Taiwan immer an eines erinnert: die Haar-Vorschrift an Schulen. Weiterlesen

Schaut man sich unsere evolutionär nächsten Verwandten an, so fällt einem vor allem ein Merkmal auf: alle Menschenaffen sind an ihrem gesamten Körper mit Fell bedeckt, wir Menschen hingegen nicht. Dabei hat das Fell eigentlich viele Vorteile für seine Träger. So können Tiere mit Fell tags und nachts aktiv sein, da Haare vor Kälte gleichsam wie vor zu viel Sonneneinstrahlung schützen. Damit sind die Tiere weniger von den Temperaturunterschieden abhängig. Auch können viele Tiere über ihr Fell kommunizieren. Das Aufstellen der Haare kann ein Zeichen für Angriff, Verteidigung oder Angst sein. Das Einzige, was uns Menschen davon noch als Relikt geblieben ist, ist die Gänsehaut.

Nacktheit als Vorteil

In der Evolution setzt sich nur derjenige mit der besten Anpassung und der höchsten Fitness durch. Demnach muss die Nacktheit uns Menschen im Laufe der Zeit also einen Vorteil gebracht haben. Mit Hilfe verschiedener Funde konnte nachgewiesen werden, dass unsere Vorfahren durch die Evolution ihr Fell immer weiter reduzierten. In einem 3.sat-Artikel wird erläutert, dass in der sexuellen Selektion Partner mit weniger Fell bevorzugt wurden, wodurch über viele Generationen die behaarten Zonen des Menschen immer weniger wurden. Wieso genau der Mensch sein Fell verlor, ist nach wie vor nicht ganz sicher geklärt. Es gibt jedoch mehrere Theorien, die von unterschiedlichen Wissenschaftlern vertreten werden.

Ohne Fell können die Schweißperlen besser direkt an der Haut kühlen.

Ohne Fell können die Schweißperlen besser direkt an der Haut kühlen. ©pixabay

Fellverlust durch schweißtreibende Bewegung

Die erste und bisher gängigste Theorie geht davon aus, dass der Verlust des Fells mit der jagenden Lebensweise des Frühmenschen zusammenhängt. Wie in einem Artikel des Wissenschaftsmagazins Spektrum erläutert, hatte der Homo ergaster, welcher vor 1,6 Millionen Jahren lebte, schon ähnliche Körperproportionen wie der Mensch heute. An den Knochen erkannten Forscher, dass er viel wanderte, rannte und von der Jagd lebte. Die Regenwälder gingen durch klimatische Veränderungen in dieser Zeit immer weiter zurück. Es entstand ein weitläufiges Savannengebiet mit knapperem Nahrungsangebot und weit auseinanderliegenden Wasserstellen. Durch die Anpassung an die neuen Lebensumstände musste der Homo ergaster ausdauernd laufen und seine Körpertemperatur gut regulieren können. Ein Fell wäre dabei sehr hinderlich gewesen. Der Körper hätte sich in der afrikanischen Savanne bei dieser Ausdauerbelastung zu stark aufgeheizt und der Gefahr eines Hitzschlags ausgesetzt. Durch die Kombination aus weniger Fell und die Vermehrung der Schweißdrüsen passte sich der Frühmensch gut an die neuen Anforderungen an.

Auch felltragende Tiere besitzen Schweißdrüsen und können schwitzen. Sie tun dies jedoch deutlich weniger effektiv als unsere Vorfahren, da der Schweiß die Haare verklebt und eine Wärmeabfuhr des Körpers dadurch eher verhindert wird. Bis zu zwölf Liter kann ein Mensch am Tag schwitzen und dadurch seinen Körper auch über eine längere Zeit der Anstrengung und Belastung hinweg kühlen. Wir haben also eine im Tierreich einzigartige Regulierung der Körpertemperatur entwickelt und sind so vielen Tieren in Sachen Ausdauer um einiges voraus.

Trotzdem zweifeln viele Wissenschaftler wie der Biologe Mario Ludwig diese Theorie an. Sie sehen in der fehlenden Behaarung eine Gefahr für das Leben in der Savanne. Ohne Fell wird die bloße Haut dort der UV-Strahlung ausgesetzt und somit steigt das Risiko für Sonnenbrand und Hautkrebs.

Auf glatter Haut finden die kleinen Blutsauger deutlich schlechteren Halt.

Auf glatter Haut finden die kleinen Blutsauger deutlich schlechteren Halt. ©pixabay

Fellverlust zur Parasitenbekämpfung

Eine weitere und neue Theorie wird unter anderem von den britischen Forschern Walter Bodmer und Mark Pagel vertreten. Sie besagt, dass der Fellverlust eine Reaktion auf Parasitenbefall war. Menschen begannen mit der Zeit sozial zu leben, Verbände zu gründen und sesshaft zu werden. Für viele Parasiten hätte dies beste Bedingungen zur Ausbreitung geboten. Um sich in diesen neuen Lebensgemeinschaften besser vor Läusen, Flöhen und anderen Ektoparasiten schützen zu können, war es also hilfreich, möglichst wenig Fell zu besitzen. Durch die voranschreitende Nacktheit konnten demnach Übertragungsmöglichkeiten für Krankheiten reduziert werden, da das Ungeziefer an glatter Haut schlechter haftet als an Fell. Auch ging damit eine enorme Zeitersparnis einher, da das über Stunden andauernde „Lausen“ wie man es bei vielen Affenarten noch beobachten kann, wegfiel. So konnte mehr Zeit für das Jagen und Sammeln genutzt werden. Außerdem lernten die Menschen, Feuerstellen gegen Kälte anzulegen. Zudem wurde Kleidung hergestellt, welche Schutz bot und sich leichter reinigen ließ als ein Fell.

Das dichte Affenfell muss mehrere Stunden am Tag nach Ungeziefern durchsucht werden.

Das dichte Affenfell muss mehrere Stunden am Tag nach Ungeziefern durchsucht werden. ©pixabay

Trotzdem noch ein wenig Rest-Fell

Welche Theorie nun der Sache am nächsten kommt, ist bisher noch nicht geklärt. Vielleicht gibt es auch eine ganz andere Erklärung, oder es ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren. Relativ einig sind sich die Forscher jedoch bei der Frage, warum der Mensch trotzdem an manchen Stellen des Körpers eine dichtere Behaarung behalten hat.

Ein Überbleibsel des ehemaligen Fells: ein dünner Flaum bedeckt noch immer fast unseren gesamten Körper

Ein Überbleibsel des ehemaligen Fells: ein dünner Flaum bedeckt noch immer fast unseren gesamten Körper. ©pixabay

So schützt das Kopfhaar unser hitzeempfindliches Gehirn vor zu starker Sonneneinstrahlung, sowie vor Kälte und Hautverletzungen. Auch hat es eine ästhetische Wirkung und steigert die sexuelle Attraktivität. Das Schamhaar soll vor allem die empfindlichen Genitalien schützen. Dazu schafft es visuelle Reize und steigert die Wirkung von Pheromonen (Sexualduftstoffen). Außerdem ist fast unser gesamter Körper von einem dünnen Flaum bedeckt. Britische Wissenschaftler vermuten, dass diese dünnen Haare ebenfalls zum Schutz vor Parasiten dienen. Menschen spüren die Blutsauger eher und die Zecken, Läuse und ähnliches brauchen länger, um eine geeignete Bissstelle zu finden.

Trotz Fellverlusts fanden die Menschen unterschiedliche Möglichkeiten mit anderen Individuen zu kommunizieren. So kam es zu Körperbemalungen, dem Tragen von Schmuck, dem Verfeinern von Mimik und natürlich der Entwicklung von Sprache. Es scheint also, dass der Mensch sich im Laufe der Evolution nicht nur in seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten steigerte, sondern sich ebenso im Bereich der Körperbehaarung immer weiter optimierte.

 

Weiterführende Links:

Video: Das Erste: Haarige Sache: Haare im Wandel der Evolution

Podcast: Deutschlandfunk Nova: Das Tiergespräch: Warum der Mensch sein Fell verloren hat

Originalstudien:

Human skin pigmentation as an adaptation to UV radiation

A naked ape would have fewer parasites

Human fine body hair enhances ectoparasite detection