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„Fehler 404, page not found.“ Diese Fehlermeldung haben wir vermutlich alle schonmal gesehen. Doch was steckt dahinter? Tote Webseiten, das Sterben von Plattformen oder der Tod einer Figur in der Lieblingsserie – der metaphorische Tod gehört zum digitalen Erleben dazu. Aber auch der reale Tod findet zunehmend seinen Platz im digitalen Raum. Seien es Bestattungen per Videoschalte oder Gedenkseiten für Verstorbene auf Social Media. Zudem stellt sich die Frage, was mit unseren Daten geschieht, nachdem wir verstorben sind.

In einer Welt, in der das Internet nie vergisst, verändert sich zwangsläufig auch der Umgang mit dem Tod. Wir beleuchten das Thema Nachleben in digitalen Medien aus verschiedenen Perspektiven, blicken auf Sterblichkeit, Wiederauferstehung und die Faszination mit dem Tod. Lasst Euch mitnehmen auf eine Reise durch das digitale Jenseits.

Ruhm und Fall sind heute schneller möglich als je zuvor, und die Schuld trägt die digitale Welt, denn sie gibt den Ton an. Ein aufgedecktes Geheimnis kann binnen Sekunden viral gehen und jahrelang aufgebaute Karrieren zum Einsturz bringen. Die betroffene Person wird vom digitalen Tod eingeholt und aus dem öffentlichen Leben gelöscht.

Cancel Culture – ein Begriff, der für manche Gerechtigkeit und für andere Zensur bedeutet. Aber was steckt wirklich hinter diesem Phänomen und inwiefern kann das digitale Ansehen oder sogar die gesamte digitale Präsenz einer Person wirklich sterben? Denn wie wir alle wissen: Das Internet vergisst nie. 

Der Sensenmann (Mephisto Schauder) in DIe Sims 4

Wer kennt sie nicht, die unendlichen Stunden, die man in die Welt von Die Sims (EA Games) investiert hat? Die digitalen Bewohner*innen bauen Häuser, pflegen Beziehungen, verfolgen Karrieren und, ja, sie sterben irgendwann. Doch was passiert eigentlich, wenn der Sensenmann an die Tür klopft und unsere geliebten Sims ins virtuelle Jenseits überführt?

Ein aufgeklappter Laptop steht auf einem Schreibtisch und zeigt die Logos von studiVZ, ICQ und Google+.

Der Aufstieg und Fall von Social-Media-Giganten wie ICQ, Google+ und studiVZ zeigen die gnadenlose Dynamik der digitalen Welt. ICQ verlor den Anschluss an innovative Konkurrenten, Google+ scheiterte trotz Googles Macht an Nutzerflaute und Datenschutzproblemen, und studiVZ konnte sich gegen Facebook nicht behaupten. Eine Chronik des Sterbens, die zeigt, wie schnell Erfolg in Vergessenheit geraten kann.

Mit Hilfe digitaler Effekte ist es mittlerweile möglich, gealterte Schauspieler durch De-Aging-Effekte zu verjüngen oder gar verstorbene Stars „wiederauferstehen“ zu lassen. So bleiben die Publikumslieblinge den Zuschauenden erhalten – und natürlich auch den Studios, die durch die Kassenmagneten immer noch ihren Hauptprofit machen. Ist das eine gute Idee?

Unser gesamtes Leben kann digital festgehalten werden und ist auch nach unserem Tod einsehbar. Diese digitale Unsterblichkeit kann beruhigend sein oder gruselig – je nachdem, wen man fragt. Wir haben uns bei jungen Menschen aus Tübingen umgehört. 

Der Tod macht auch vor Persönlichkeiten, die sich in der Welt des Sports durch herausragende Leistungen einen Namen gemacht haben, nicht Halt. Doch während ein Großteil der individuellen Todesfälle an der Menschheit weitgehend spurlos vorbeigehen, hinterlassen einige Sportlegenden sowohl medial als auch gesellschaftlich mit ihrem Vermächtnis einen nachhaltigen Fußabdruck.

In Alex Proyas’ Comicverfilmung The Crow spielen Tod und Unsterblichkeit eine zentrale Rolle – ob im Design oder im Plot oder in der von tragischen Umständen umrankten Entstehungsgeschichte. Das Phänomen The Crow hinterlässt ein Vermächtnis als maßgeblicher Richtungsweiser für nachfolgende, medienübergreifende Werke und sogar als stilbildender Einfluss auf eine ganze Subkultur.  

Dreharbeiten zu Eva Umlaufs interaktivem Zeugnis. Das Bild zeigt sie sitzend in einem Sessel, während sie von einer Studiokamera gefilmt wird. England, 2019. (c) Bright White Ltd

Die wenigen Überlebenden der Shoah sind heute im Schnitt 86 Jahre alt. Eine Herausforderung für die Wissenschaft und Gesellschaft – denn wenn die Zeitzeug*innen sterben, wer erzählt dann ihre Geschichte? Ein Forschungsprojekt der Münchner Universität erstellt Hologramme von den Überlebenden und lässt sie damit quasi unsterblich werden. Wie das geht, erklärt Projektmitarbeiter Ernst Hüttl.

Mit zerfetzten Kleidern und leeren Blicken schleppen sie ihre Gliedmaßen über den Gehsteig. Ihr Anblick lässt dir das Blut in den Adern gefrieren. Horrorvorstellung oder einfach nur lächerlich? Willkommen in der Filmwelt der Zombies – der lebenden Toten, die seit Jahrzehnten in der Popkultur ihr Unwesen treiben.

Eine vermeintlich unheilbare Krankheit, ein tödlicher Schuss direkt ins Herz, Eins gegen Hundert – nichts kann an der Unsterblichkeit der Hauptcharaktere rütteln. Mehrfach werden sie umgemäht, kehren aber emsig, wie Stehaufmännchen, durch den sogenannten Plot Armour beschützt, immer wieder auf wundersame Weise ins Leben zurück, statt brav ins Gras zu beißen.

Das futuristische Bild zeigt eine Frau, deren Gehirn durch zahlreiche Kabel verbunden ist, die nach außen führen. Diese Kabel symbolisieren die Schnittstelle zwischen dem menschlichen Verstand und künstlicher Intelligenz. Die Frau befindet sich im Liegen und konzentriert, während die Kabel in verschiedene Richtungen verlaufen und in digitale Geräte oder Netzwerke übergehen.

Eine Welt, in der Menschen durch Modifikationen übermenschliche Kräfte erlangen, theoretisch ewig leben und das Gehirn ihrer Partner*innen anzapfen können, um deren Gedanken zu lesen. Diese faszinierende und beunruhigende Zukunftsvision zeichnet Ghost in the Shell. Neben spannungsgeladenen Actionszenen, raffiniertem Storytelling und packenden Animationen wirft der Kultfilm tiefgreifende philosophische Fragen zur Menschlichkeit auf.