Es macht müde, entspannt die Muskeln und mindert Schmerzen – gleichzeitig ist es weltweit die häufigste illegal konsumierte Droge: Cannabis. Schon seit Jahrhunderten wird die zur Gattung der Hanfgewächse gehörende Pflanze als Heilmittel in der Medizin eingesetzt. Andererseits genießen viele auch einfach den berauschenden Zustand der Droge. Wie sich Cannabis auf Schlaf und Träume auswirken kann, beschreiben Allgemeinmediziner Franjo Grotenhermen und Cannabis-Konsumenten*innen im Interview.

Einer von immer mehr Vertreter*innen, die Cannabis als Schlafmittel einsetzen: Franjo Grotenhermen. © Franjo Grotenhermen

Seit 25 Jahren beschäftigt sich Franjo Grotenhermen mit Cannabis und Cannabinoiden. Der Allgemeinmediziner arbeitete in der Inneren Medizin, der Chirurgie und zuletzt in einer Klinik für Naturheilverfahren. Heute setzt er sich stark für den Einsatz von Cannabis als Arzneimittel ein. Auch bei Patient*innen mit Schlafstörungen sieht der 64-Jährige Cannabis als Heilmittel, dessen psychoaktive Wirkstoffe als Betäubungs- und Beruhigungsmittel funktionieren. Bereits im 19. Jahrhundert gab es hierzu erste Untersuchungen in Deutschland. Grotenhermen berichtet von Bernhard Fronmüller, der 1869 eine Studie mit 1.000 Patient*innen durchführte, die unter Schlafstörungen litten. Er verabreichte ihnen verschiedene potentielle Schlafmittel, unter anderem Cannabis. Das Ergebnis zeigte, dass sich die Schlafsituation der Patient*innen mit Cannabis in über 50 Prozent der Fälle verbesserte.

Warum wirkt Cannabis schlaffördernd?

„Auch heute geht man noch davon aus, dass THC (‚Tetrahydrocannabinol‘, Anm. d. Red.), der psychoaktive, also berauschende Bestandteil von Cannabis, bei 50 Prozent der Fälle müde macht. Das kann zum einen störend sein, wenn man einfach müde wird und nicht möchte. Es kann aber erwünscht sein, wenn man Schlafstörungen hat und dann besser damit schlafen kann“, erklärt Grotenhermen. Bei dem zweiten Cannabis-Wirkstoff CBD (‚Cannabidiol‘, Anm. d. Red.) seien sowohl schlaffördernde als auch schlafhemmende Effekte beobachtet worden. Laut Franjo Grotenhermen gibt es Patienten*innen, die sagen, „wenn ich CBD nehme, hilft mir das beim Einschlafen“. Andere hingegen würden vom CBD wacher und könnten dann nicht mehr schlafen, wenn sie zu viel CBD konsumieren. „Das ist eine sehr individuelle Reaktion, das kann man nicht verallgemeinern, weder für THC noch für CBD“, sagt der Allgemeinmediziner.

Mehr Schlaf, weniger Träume

Bei regelmäßigem Cannabis-Konsum verändern sich der Schlaf und mit ihm auch die Träume der Patient*innen. Diese Veränderung variiert jedoch von Mensch zu Mensch. Grundsätzlich wirke THC eher lädierend, „das heißt die meisten Patient*innen haben einen schlaffördernden Effekt. Zudem unterdrückt es die Träume, es unterdrückt den REM-Schlaf, den Rapid-Eye-Movement-Schlaf. Dies kann je nach Patient*in erwünscht oder unerwünscht sein“, erklärt Grotenhermen. Beim normalen Schlaf sei dieser Wegfall der Träume nicht unbedingt wünschenswert. Wer hingegen an Alpträumen leide, empfände das Ausbleiben der Träume jedoch als willkommene Wirkung. „Diese Unterdrückung des REM-Schlafs macht sich auch bemerkbar, sobald der Cannabis-Konsum reduziert wird, da die Träume dann wieder lebhafter werden“, so Grotenhermen.

Cannabis wird als Schlafmittel in Tropfenform, als Kapseln oder zum Inhalieren verschrieben. © Pixabay

Cannabis als Medikament

Vor allem für Personen mit Schlafstörungen jeglicher Art nutzt Franjo Grotenhermen Cannabis als Schlafmittel. Allgemein sei Cannabis in der Medizin noch sehr ungebräuchlich. Es gelte immer noch der Mythos, dass Cannabis nicht bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden sollte, weil es genauso psychiatrische Probleme verursachen könne. Den meisten Ärzt*innen fehle hier die Erfahrung und das Wissen, wann Cannabis situationsverbessernd und wann es -verschlechternd wirke. Franjo Grotenhermen gehört zu einer größer werdenden Gruppe von Mediziner*innen, die auch in Deutschland Cannabis als Heilmittel einsetzen und die ausgelöste Müdigkeit und den beruhigenden Effekt zur Behandlung von Krankheiten nutzen.

Vor allem Patient*innen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, die durch extreme Belastungen wie etwa Krieg oder Missbrauch als Kind ausgelöst werden, leiden häufig unter Alpträumen. Hier sei Cannabis ein sehr gutes Mittel, um diese Personen von ihrem nächtlichen Leiden zu befreien. Bei Patient*innen mit beispielsweise schizophrenen Psychosen beeinflusse Cannabis hingegen die Krankheit häufig ungünstig. Hier müsse man differenzieren. Grotenhermen berichtet: „Als ich vor 25 Jahren angefangen habe, mich mit Cannabis zu befassen, dachte ich auch, dass Cannabis bei psychiatrischen Belastungen nicht eingesetzt werden sollte, sondern nur bei körperlichen Belastungen, Schmerzen, Spastik. Doch das hat sich bei mir komplett verändert.“

Erholsamerer Schlaf durch Cannabis

Sein Einsatz von Cannabis als Schlafmittel zahlt sich aus. Grotenhermen berichtet von einem Patienten, der durch einen Aufenthalt im Schlaflabor die positive Wirkung von Cannabis bestätigte. Hier wurden Einschlafzeit und Schlafdauer einmal mit und einmal ohne Cannabis ermittelt. Die Schlafdauer unter Cannabis-Konsum war ungefähr zwei Stunden länger. Der Patient empfand seinen Schlaf zudem als erholsamer und fühlte sich ausgeschlafener. Bei anderen Schlafmitteln sei genau hier eine Schwachstelle, da viele Betroffene ihren Schlaf unter Schlafmitteln als nicht erholsam empfinden und sich nicht ausgeruht und fit fühlen, sogar noch eine gewisse Restmüdigkeit beschreiben.

„Ich schlafe ein, bin komplett weg und ich wache auch so wieder auf.“

Regelmäßige Cannabis-Konsument*innen bestätigen den schlaffördernden Effekt. Die 26-jährige Laura M. (Name ist der Redaktion bekannt), die an posttraumatischen Belastungsstörungen leidet und täglich Cannabis konsumiert, beschreibt ihren Schlaf sehr drastisch: „Ich rauche und werde müde, ich kann Sorgen quasi abschalten und bin dann, sobald ich eingeschlafen bin, was relativ zügig geht, sofort zack, weg, und im gleichen Atemzug bin ich genauso sofort wieder zack, wach, sobald der Wecker klingelt. Das ist quasi alles eine Masse in einem, es gibt also keine Einschlafphase oder, dass ich mal früher wach werde, sondern ich schlafe ein, bin komplett weg und ich wache auch so wieder auf.“ Auch der 24-jährige Paul H. (Name ist der Redaktion bekannt) konsumiert täglich und beschreibt seinen Schlaf als „bewusstlos, tief, fest und ohne langfristige Erinnerung an meine Träume“.

So einfach das Einschlafen mit Cannabis ist und so ruhig der Schlaf sein kann, genauso unangenehm wird es für Konsument*innen jedoch, wenn sie weniger kiffen: „Dann ist es so, dass sich das Einschlafen wirklich wahnsinnig zieht. Dass ich viel unruhiger schlafe, dass ich nachts wach werde, dass ich zum Beispiel auch so etwas wie Harndrang verspüre, wenn ich mal müsste, was sonst alles komplett verschoben wird. Und dass die Träume so extrem sind, dass ich über den Schlaf hinweg auch öfters aufwache. Morgens in den ersten Tagen bin ich völlig gerädert, erst ab der fünften Nacht merke ich, dass ich wesentlich erholter bin“, so Laura M. „Es ist mehr Schlaf als Koma“, so Paul H.

Vom leeren Nichts zu lebhaften Träumen

Wenn sie täglich Cannabis konsumieren, träumen die Befragten überhaupt nichts, können sich an keine Träume erinnern. Die Betroffenen berichten, dass sie aufgrund der Symptome spüren, wenn sie einen Alptraum haben, sie wachen etwa verschwitzt auf – die Inhalte sind jedoch nicht mehr da, denn „alles geht unter, weil es nicht genug Nachdruck hat“. Umso stärker kehren die Träume dann zurück, sobald der Cannabis-Konsum reduziert oder abgesetzt wird. Bereits drei bis vier Tage nach komplettem Absetzen des Cannabis‘ beginnen sich bei Laura M. und Paul H. Schlaf und Träume wieder umzustellen. Vor allem die ersten Nächte ohne Cannabis seien dann schrecklich. Ohne Cannabis binden sie vor allem ihren Alltag in ihre Träume ein.

Der Inhalt ist dann „viel mehr darauf basierend, worüber ich mir Sorgen mache und was ich mit dem Cannabiskonsum sonst eher etwas verniedliche sozusagen. Da kommen dann tatsächlich auf wahnsinnig extreme Art und Weise die Dinge, die im Alltag Relevanz haben und Sorgen bereiten. Da wird alles viel realistischer und man wird in viel mehr Schwachstellen sozusagen getroffen. Ich träume dann die krassesten Szenarien“, erklärt die 26-Jährige. Gleichzeitig beschreibt der 24-Jährige seinen Schlaf ohne Cannabis als „erholsamer, bewusster, mehr Träume, es ist mehr Schlaf als Koma“. Vor allem die Erinnerung an die Träume kehrt durch den Entzug zurück, die REM-Schlafphase wird nicht unterdrückt. Paul H. erläutert: „Wenn ich nicht kiffe, dann ist es auf jeden Fall so, dass ich, wenn ich aufwache, eigentlich immer noch weiß, was ich geträumt habe.“

Der Grat zwischen wünschenswerten und nachteiligen Effekten ist bei Cannabis-Konsum also sehr schmal, worauf Allgemeinmediziner Franjo Grotenhermen, Verfechter von Cannabis als Schlafmittel, hinweist. Vor allem der Schlaf wird durch Cannabis sehr individuell beeinflusst.  Für Menschen mit Schlafproblemen oder psychischen Erkrankungen kann erholsamer Schlaf mithilfe von Cannabis ein Segen sein – traumreiche Nächte bleiben hier jedoch auf der Strecke.

Titelbild: © Pixabay

 

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Kopf mit bunter Wolke Träume

Schlaf und Traum hängen biologisch gesehen eng zusammen. Doch während wir nachts friedlich schlummern und der Körper nahezu regungslos daliegt, arbeitet das Gehirn mehr, als wir je zu träumen wagten. Warum die REM-Phase dabei eine entscheidende Rolle spielt, erklären wir euch im folgenden Beitrag.

Bei Menschen unterscheidet man zwischen fünf Schlafstadien, wie im Werk Biologische Psychologie von Rainer Schandry erläutert wird. Dabei werden vier als sogenannte Non-REM Stadien und die fünfte als REM-Stadium bezeichnet. Das erste ist das Wachstadium, also das Stadium, in dem wir uns unmittelbar vor dem Einschlafen befinden. Stadium eins umfasst schließlich eine gewisse Übergangsphase zwischen dem Wachzustand und unserem Schlaf. Dabei schaltet der Körper zunehmend in den Ruhemodus. Beim Schlafen verbringen wir die meiste Zeit in Stadium zwei, welches man als sogenanntes Leichtschlafstadium bezeichnet. Die Schlafstadien drei und vier, die auch als Slow Wave Sleep bekannt sind, stehen schließlich für den mittleren bis Tiefschlaf.

Der Mensch durchläuft fünf Schlafstadien, bei denen das REM-Stadium hier rot dargestellt ist und Stadium eins ähnelt.

Wann träumen wir genau?

Ein wichtiges Schlafstadium in Bezug auf unsere Träume ist das fünfte, sogenannte REM-Stadium, auch REM-Schlaf genannt. Die Abkürzung REM steht für Rapid Eye Movement, da in der Forschung, während des menschlichen Schlafes untypische, schnelle Augenbewegungen festgestellt wurden. Eine dabei registrierte Gehirnaktivität ist sonst nur im Wachzustand üblich. Aus wissenschaftlichen Beobachtungen in den 1950er Jahren ging schließlich hervor, dass unsere Träume meistens im REM-Stadium ablaufen.

John P. J. Pinel und Paul Pauli schreiben in ihrem Lehrbuch Biopsychologie, dass der REM-Schlaf im Jahr 1953 von dem Schlafforscher Nathaniel Kleitman und seinem Studenten Eugene Aserinsky entdeckt wurde. 80 Prozent der aus dem REM-Schlaf geweckten Proband*innen berichteten anschließend von einem Traum. Währenddessen waren es beim Aufwecken aus dem Non-REM Stadium gerade mal sieben Prozent.

Bis wir einmal alle Schlafstadien durchlaufen haben, vergehen nach dem Lehrbuch Biopsychologie von Thomas Köhler wiederum circa 90 Minuten. Danach geht der gleiche Zyklus wieder von vorne los – und das ungefähr fünfmal pro Nacht. Dabei nehmen die Tiefschlafstadien zunehmend ab, während der Anteil an REM-Schlaf zunimmt. Übrigens findet der REM-Schlaf nicht ausschließlich beim Menschen, sondern auch bei Säugetieren jeder Art statt. Neben dem Non-REM Schlaf und unserem Wachzustand wird der REM-Schlaf als dritter Bewusstseinszustand betitelt.

Was zeichnet den REM-Schlaf aus?

Als auffälliges, körperliches Merkmal gilt, laut Schandry, im REM-Stadium die schnelle Augenbewegung. Diese kann man aber nicht kontinuierlich beobachten, sondern sie treten in gewissen Schüben auf, den sogenannten REM-Bursts. Grob entspricht das ein bis vier Rollbewegungen der Augen pro Sekunde, welche sich auch unter geschlossenen Augenlidern erkennen lassen. Diese sind doch nicht zwingend mit dem jeweiligen Trauminhalt in Verbindung zu bringen. Die erhöhten Genitaldurchblutungen, die ebenfalls typisch für den REM-Schlaf sind, lassen sich auf eine zunehmende Durchblutung zurückführen. Ein weiteres Merkmal dieses Schlafstadiums ist die muskuläre Inaktivierung. Die Muskeln werden dabei deswegen so gehemmt, um das intensive Ausleben des Traums nicht durch unkontrollierte Bewegungen zu unterbrechen.

Der REM-Schlaf wird auch oft als paradoxer Schlaf bezeichnet, da er einerseits dem Wachzustand eines Menschen sehr ähnelt, es andererseits jedoch schwer ist, jemanden aus diesem Schlafstadium aufzuwecken. In der Schlafforschung würde man sagen, dass die Weckschwelle sehr hoch ist, also ein sehr starker Reiz ausgelöst werden muss, um eine schlafende Person daraus zu wecken. Der REM-Schlaf macht in einer herkömmlichen Nacht bei einem erwachsenen Menschen ca. 20 Prozent dessen Schlafes aus. Um zwischen Non-REM und dem REM-Stadium zu wechseln, finden in unserem Gehirn einige komplexe Vorgänge statt, an denen verschiedene Neuronen und Zellen beteiligt sind.

Die Theorien von Freud und Hobson

Der amerikanische Professor für Psychiatrie, Allan Hobson, erklärt den Zusammenhang zwischen dem REM-Stadium und dem bevorzugten Auftreten von Träumen folgendermaßen: Träume seien das Endprodukt mehrerer inkohärenter, also zusammenhangsloser, Informationen aus verschiedenen Hirnregionen. Dabei versuchten die Assoziationsregionen, also die Bereiche der Hirnrinde, die zur Informationsverarbeitung von Sinneseindrücken zuständig sind, sozusagen ‚das Beste daraus zu machen‘, nämlich unseren Traum.

Aus Sigmund Freuds Traumtheorie haben sich viele Menschen die Meinung gebildet, dass Träume unsere versteckten Wünsche und Gedanken wiedergeben. Ein weiterer Ansatz aus dem Werk Biopsychologie von Pinel und Pauli, der sich hingegen spezifischer auf den REM-Schlaf bezieht, ist die Aktivierungs-Synthese-Theorie von Hobson aus dem Jahre 1989. Diese besagt, dass während des REM-Schlafs unserem Cortex, also unserer äußeren Schicht des Großhirns, beliebige Informationen zukommen. Diese werden versucht in etwas Sinnvolles umzuwandeln, was dann unseren Traum ergibt.

Im Vergleich zu Freud, bei dem der Fokus eher auf unterdrückten Gedanken liegt, ergibt sich bei Hobsons Theorie die Bedeutung unserer Träume also daraus, was unser Gehirn, neben den zufälligen Informationen, mit gespeicherten Erinnerungen verbindet.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

Aus dem Zusammenhang zwischen dem REM-Stadium und Träumen haben sich viele Annahmen entwickelt, die empirisch überprüft wurden. Beispielsweise vertreten viele Menschen die Ansicht, dass Träume von äußeren Reizen beeinflusst werden können. Der Versuch der Schlafforscher Dement und Wolpert 1958 zeigte, dass von 33 Personen, die sie während des REM-Schlafs mit Wasser bespritzten, 14 nach dem Aufwachen von tropfendem Wasser oder ähnlichem in ihrem Traum berichteten.

Dass jeder Mensch träumt, hat die Traumforschung bereits herausgefunden, wie aus unserem Interview mit Michael Schredl hervorging. Bei Personen, die dennoch behaupten, sie würden nicht träumen, konnten bei Untersuchungen jedoch ebenfalls Traumberichte während des REM-Stadiums festgestellt werden. Dass Schlafwandeln und Sprechen im Schlaf hingegen mit unseren Träumen zusammenhängen, wie vielleicht viele denken, ist nicht der Fall. Im Gegenteil – beides tritt während der REM-Phase am wenigsten auf, sondern eher im Schlafstadium 4 und somit im Tiefschlaf.

Falls bei euch also bald der nächste Traum folgt, denkt daran: Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr euch dabei in dem REM-Stadium befunden habt und euer Gehirn versucht, für euch etwas Sinnvolles zusammenzureimen.

Titelbild: © Pixabay

 

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Kopf mit bunter Wolke Träume

 

Aus der Höhe fallen, gejagt werden, sich nicht bewegen oder sprechen können… Bist du schon einmal aus solch einem verstörenden Traum aufgewacht? Träume mit beunruhigenden Inhalten werden Alpträume genannt und sind den meisten Leuten nicht fremd. Doch woher kommen Alpträume? Und wie können wir sie vermeiden? Zu diesen Themen haben wir für euch das Internet durchforstet und die nützlichsten Informationen aus der Traumforschung zusammengestellt.

Alpträume sind Träume, die in der Regel unangenehme oder unbehagliche Gefühle auslösenzum Beispiel Angst, Verzweiflung, Besorgnis oder Traurigkeit, so die Definition des Dudens. Aber nicht alle beängstigenden Träume sind als Alpträume zu bezeichnen. Laut der American Academy of Sleep Medicine gibt es unterschiedliche Arten von beunruhigenden Träumen: unangenehme Träume (dysphorische Träume), schlechte Träume (ohne Aufwachen) und Alpträume (mit Aufwachen)Wenn man aus einem Alptraum aufwacht, fühlt man sich oft unwohl und ist nicht in der Lage, bald wieder einzuschlafen. Alpträume haben auch einen negativen Einfluss auf unsere Laune am Tag und können in schlimmen Fällen sogar unsere Gesundheit beeinträchtigen, sagte Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien, zu Gesundheit.gv.at. 

Was erleben wir in unseren Alpträumen?

Trotz unserer individuellen Leben und Erlebnisse teilen wir in unseren Alpträumen ziemlich viele Themen. Laut einer Studie des Traumforschers Michael Schredl sind die fünf häufigsten Alptraumthemen: Fallen, Gejagt-Werden, Lähmung, Verspätung und Tod von Familie oder Freund*innen (mehr dazu auch in unserem Interview.) Daneben wurde in einer Studie der Universität Montréal festgestellt, dass körperliche Gewalt das üblichste Thema in Alpträumen ist, gefolgt von Tod, Krankheit und Bedrohung. Auch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Alpträumen wurden in dieser Studie vorgestelltDie Alpträume von Männern beinhalteten oft Themen wie Naturkatastrophen und Krieg, während sie bei Frauen häufiger zwischenmenschliche Konflikte zeigten.  

Obwohl Alpträume für die meisten eine Quelle der Verwirrung oder Angst sind, können sie einen sehr nützlichen Zweck erfüllen, so Deirdre Barrett, Psychologin an der Universität Harvard: „Alpträume sind für das menschliche Überleben hilfreich, sonst wären sie wahrscheinlich von der Evolution abgeschafft wordenSie haben sich vermutlich entwickelt, um uns vor potenziellen Gefahren zu ängstigen“, sagte Barrett zu Livescience. Sie stellte die These auf, dass Alpträume die Aufmerksamkeit des Gehirns auf Probleme konzentrieren, mit denen man sich auseinandersetzen muss. 

Was kann zu Alpträumen führen?

Auch wenn es ganz normal ist, von beängstigenden Dingen zu träumen, variiert die Häufigkeit der Alpträume pro Person. Manche Menschen haben ständig Alpträume, während andere kaum welche haben. Dazu kommt, dass wir manchmal nur zu einer bestimmten Zeit Alpträume habenSomit stellt sich die Frage: Was beeinflusst die Entstehung von Alpträumen? Welche Faktoren können zu Alpträumen führen? Zu diesen Fragen haben wir einige professionelle Antworten im Internet gesammelt:

  1. Unbequeme SchlafbedingungenDies ist ein häufiger Trigger von Alpträumen. Ein zu heißer oder zu kalter Raum, schmutzige Luft, zu dicke Bettdecken oder ungeeignete Schlafpositionenzum Beispiel mit Druck auf den Brustkorbkönnen die Schlafqualität beeinträchtigen und somit zu Alpträumen führen. 
  2. Ernährung. Diäten haben nachweislich Einfluss auf Träume, so Tore Nielsen, Leiter des Dream and Nightmare Laboratory der Universität Montréal. Laut einer Studie seines Teams sind die häufigsten nahrungsbasierten Auslöser für Alpträume Milchprodukte (insbesondere Käse), scharfe Speisen und zu große Portionen – wenn man sie kurz vor dem Schlafengehen zu sich nimmt. Scharfe Speisen erhöhen die Körpertemperatur und die Schlafqualität wird dadurch verschlimmert, so eine Studie der Universität TasmaniaDarüber hinaus kann auch eine fettreiche Ernährung zu Alpträumen beitragen. „Alpträumer haben häufig Probleme wie schlechteren Schlaf, Bulimie oder emotionales Essverhalten, während die Lebhaftträumer besser schlafen, sich gesünder ernähren und längere Zeiten zwischen den Mahlzeiten einlegen“, sagte Nielsen zu Howstuffworks. 
  3. Psychologische Faktoren. Negative Emotionen wie Stress und Angst, aber auch Depressionen können zu Alpträumen führenForschungen der International Association for the Study of Dreams haben ergeben, dass viele quälende Erlebnisse, zum Beispiel schwere Krankheiten, Unfälle oder der Verlust eines geliebten Menschen, im Zusammenhang mit Alpträumen stehen. Darüber hinaus sind Traumata (mehr erfährst du in unserem Beitrag über Traumata) bzw. die Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) eine Ursache für periodische Alpträume. 
  4. Krankheiten. Wenn man aktuell Fieber hat oder an Schlafstörungen leidet, steigt die Wahrscheinlichkeit von Alpträumen, sagte Holzinger zu Gesundheit.gv.at.
  5. Übermäßiger Alkohol- und MedikamentenkonsumAlkohol und bestimmte Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva, Tranquilizer, Narkotika usw.) dämpfen die Gehirnaktivität und tragen in manchen Fällen zu Alpträumen bei, so Gesundheit.gv.atAußerdem gehören Alpträume zu den Symptomen des SuchtmittelentzugsSolche Alpträume können zu Beginn des Entzugs intensiver sein, vermindern sich aber normalerweise innerhalb weniger Wochen.  
  6. Persönlichkeit. Eine Studie der Universität Mannheim zeigt, dass Erwachsene mit Eigenschaften wie Misstrauen, Verschlossenheit und emotionaler Isolation eher unter chronischen Alpträumen leiden. Darüber hinaus stellte der Traumforscher Ernest Hartmann die These auf, dass Menschen mit höherer Kreativität anfälliger für Alpträume sind. 

Wie können wir Alpträume vermeiden?

Obwohl Krankheiten und Traumata manchmal nicht einfach zu überwinden sind, ist es immer noch möglich, Alpträume auf bestimmte Weise zu vermeiden. Laut der American Academy of Sleep Medicine gibt es folgende Tipps, die wir ausprobieren können, um Alpträume zu vermeiden: 

Melatonin ist ein Hormon, das nachts erzeugt wird und an der Steuerung der Schlaf-Wach-Rhythmen beteiligt ist. © Unsplash

  1. Bewegung. Sich mindestens eine halbe Stunde pro Woche bewegen (zum Beispiel Joggen, Schwimmen oder Radfahren). Das sorgt für eine bessere Gesundheit und Schlafqualität und vermindert dadurch die Wahrscheinlichkeit von Alpträumen. 
  2. Konsum von Alkohol, Tabak und Koffein einschränkenDie Einnahme solcher Substanzen sollte reduziert werden, damit der Körper und vor allem das Gehirn sich gut erholen können. 
  3. Entspannen vorm Schlafengehen, zum Beispiel durch Yoga und Meditation. Ein paar kleine Entspannungsübungen können die Schlafqualität verbessern. 
  4. Einen Schlafrhythmus etablieren, indem man jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett geht und jeden Morgen zur gleichen Zeit aufsteht. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus macht das Einschlafen leichter. 
  5. Keine Elektrogeräte im Bett. Das Blaulicht von Elektronikgeräten unterdrückt die Bildung von Melatonin, wodurch das Einschlafen erschwert und die Schlafqualität beeinträchtigt wird.
  6. Das Schlafzimmer als Ruheort. Darüber hinaus kann die Dekoration des Schlafzimmers mit vertrauten, beruhigenden Gegenständen dazu beitragen, einen geschützten Schlafraum zu schaffen.  

Die vorstehenden Tipps dienen vor allem dazu, Alpträume durch verbesserte Schlafqualität zu vermeiden. Wenn du jedoch anhaltend unter schweren Alpträumen leidest, wende dich bitte unbedingt an professionelle ärztliche Hilfe. Träumt süß! 

Titelbild: © Unsplash

 

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Kopf mit bunter Wolke Träume

Warum träumen wir eigentlich? Und was beeinflusst unsere Träume? Komplexe Fragen wie diese werden aus verschiedenen Sichtweisen wie etwa der Psychologie, Philosophie oder Biologie unterschiedlich beantwortet. Auch Jan Born, Schlaf- und Gedächtnisforscher, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Themengebiet. Ob Träumen wirklich einen Sinn macht, dazu hat der 63-Jährige aus neurowissenschaftlicher Sicht eine recht nüchterne Einschätzung.

Laut Psycholog*innen oder Philosoph*innen verarbeiten wir in Träumen unseren Alltag. Je nach Trauminhalt zeigen also unterschiedliche Traumsymbole eine Verbindung zur Realität. Auch Jan Born studierte einst Psychologie und kennt diese Perspektive. Heute beschäftigt sich der Tübinger Professor jedoch mit der neurowissenschaftlichen Sicht aufs Träumen. Als Schlaf- und Gedächtnisforscher untersucht er, wie eigentlich unser Schlaf, unsere Träume und unser Gedächtnis zusammenhängen. Aber auch die Neurowissenschaften haben ihre Grenzen das Phänomen ‚Träumen‘ zu erklären, so Born.

Herr Born, wie erfassen Sie als Schlafforscher Träume? 

Für den Gedächtnis- und Schlafforscher Jan Born sind Träume eine Begleiterscheinung im Schlaf. © Jan Born.

Träume in der Forschung werden immer über Traumberichte, also Berichte über Träume erhoben. Wir können nicht direkt erkennen, ob jemand im Schlaf träumt oder nicht träumt. Der Ansatz in den Naturwissenschaften ist, dass man die Probanden schlafen lässt, sie während der Nacht weckt und  fragt, ob oder was ihnen in den Momenten durch den Kopf gegangen ist, bevor sie geweckt wurden. Dann geben sie einen Bericht über ihre Träume ab. Das Wichtige ist, dass der Traum, wenn er als Traumbericht erforscht wird, immer ein ‚erinnerter Traum‘ ist. Wie andere Erinnerungen trügen können, kann auch der erinnerte Traum trügen. Er muss nicht unbedingt das widerspiegeln, was tatsächlich in der Schlafphase vor der Weckung subjektiv erlebt wurde. Man muss auch als Naturwissenschaftler skeptisch bleiben, ob das, was da erzählt wird, als Traumbericht überhaupt etwas davon abbildet, was während des Schlafens stattfindet. Es ist ein erinnerter Traum und mit Erinnerung hat man auch das Gefühl, das ist etwas, das in der Zeit zurückliegt. Was macht also dann dieses subjektive Gefühl einer Erinnerung aus? Hier gibt es nach wie vor große Zweifel bei der Auswertung der Traumberichte.

Wie wertet man dann diese subjektiven Traumberichte aus?

Ich arbeite tatsächlich momentan gemeinsam mit Computerlinguisten an einem Projekt, bei dem es um die Objektivierbarkeit von Traumberichten geht. Inwiefern also Traumberichte objektiv bewertet werden können, weil es ja eigentlich subjektive Berichte sind. Ergebnisse haben wir noch keine, wir sind noch in der Forschung.

Träume hängen auch immer von den unterschiedlichen Schlafphasen ab. Können Sie als Schlafforscher diese Phasen kurz erläutern?

Im Grunde genommen gibt es zwei Kern-Schlafphasen. Zum einen den Tiefschlaf, auch Delta-Schlaf genannt oder im Englischen ‚Slow-Waves-Sleep‘, weil er so langsame Wellen hat im EEG (Elektroenzephalografie, Anm. d. Red.). Dann gibt es zum anderen den ‚Rapid-Eye-Movement‘-, abgekürzt REM-Schlaf, auch Paradoxer Schlaf genannt und von Laien auch häufig gleichgesetzt mit dem Traumschlaf.

„Der REM-Schlaf produziert eher die bizarren Träume.“

Unterscheiden sich die Träume je nach Schlafphase?

Man bekommt Traumberichte sowohl bei Weckungen aus dem REM-Schlaf als auch aus dem Non-REM- oder Delta-Schlaf. Nur unterscheiden sich die Traumberichte in Zahl und Inhalt. In Zahl daher, dass bei Weckungen aus dem Tiefschlaf die meisten Versuchspersonen sagen werden: „Ich habe nichts geträumt“. Im REM-Schlaf, da kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass sie sagen, sie haben gerade etwas geträumt. Dann ist der Inhalt unterschiedlich. Weckungen aus dem Non-REM-Schlaf sind eher an kognitive, gedankenartige Träume gebunden, während der REM-Schlaf eher die bizarren Träume produziert.

Was passiert aus Ihrer Forschungssicht im Gehirn, während wir träumen?

Vieles spricht dafür, dass der Traumbericht, also das, was Menschen von ihren Träumen erzählen, im Moment des Aufwachens in kürzester Zeit generiert wird und das dann der Rest, also die Story, die daraus entsteht, ein konfabulierender Akt des erwachenden, sich erinnernden Gehirns ist.

Sie meinen also, die Menschen erfinden den Rest der Geschichte?

Mit dieser Theorie stehe ich eher am Rand der Traumforschung, außer bei den Neurowissenschaftlern, die sich damit beschäftigen. Die Leute ohne Vorwissen würden geradewegs Träume mit REM-Schlaf im Wesentlichen assoziieren, aber das geht meiner Meinung nach zu weit und stimmt aus meiner neurowissenschaftlichen Sichtweise nicht ganz.

Nun zur Verbindung Ihres Spezialgebiets, dem Schlafen und dem Träumen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen unserer Schlafqualität und unseren Träumen?

Im Grunde genommen ist da schon ein Zusammenhang. Es gibt Arbeiten, die zeigen, dass Leute vermehrt von Träumen in Phasen gegen Ende der Nacht berichten, wenn sie während der REM-Schlafphasen häufiger wach werden, also schlechter schlafen. Dieses kurze Aufwachen versetzt das Gehirn in einen Zustand, in dem Traumerlebnisse so gespeichert werden, dass es sich am nächsten Morgen noch daran erinnert. Deshalb würde ich einen schlechteren Schlaf mit häufigerem Aufwachen und daher mit erhöhtem Erinnern verbinden. Aber umgekehrt würde man sagen, dass Alpträume, aus denen man aufwacht, verbunden sind mit einer Verschlechterung der Schlafqualität, weil die Leute Probleme haben wieder einzuschlafen. Auch wenn jemand schlechter schläft bei etwa Absetzphänomenen von Schlafmitteln, kann das mit schlechten Träumen zusammenhängen.

„Träumen ist einfach ein sinnloses Nebenprodukt der Gehirnaktivität.“

Abschließend eine sehr komplexe Frage: Warum träumen wir eigentlich?

Da gibt’s keine Antwort. Ich sehe das als Epiphänomen. Träumen ist einfach ein sinnloses Nebenprodukt der Gehirnaktivität. Das liegt daran, dass man im Wachzustand ständig Bewusstsein generiert und wenn man aufwacht, dann ist die Aktivität des Gehirns ziemlich chaotisch. Aber es gibt Instanzen im Gehirn, die einen dazu zwingen, Episoden zu konstruieren und alles in Raum und Zeit zu bringen. Das Gehirn versucht dann diese residuale Aktivität, die da irgendwo rumschwirrt in den Netzwerken in so eine Art raum- und zeitepisodische Sequenz hineinzukriegen und das ist der Traumbericht.

„Wir würden auch gut durch die Welt kommen, wenn wir nicht träumen würden.“

Warum ist Träumen ein „sinnloses Nebenprodukt“?

Naja, es geht hier mehr um die Funktion des Träumens. Aus biologischer Sicht gibt es keine Funktion des Träumens. Wir würden auch gut durch die Welt kommen, wenn wir nicht träumen würden. Aber das ist genau die Frage, die die Neurowissenschaft beschäftigt, nämlich die Frage des Bewusstseins. Als Neurowissenschaftler muss man da konsequent sein, denn das Bewusstsein als solches hat keine Funktion. Es hat für einen Philosophen eine Funktion in dem Sinne, wenn er über den freien Willen und die freie Entscheidung nachdenkt, dann braucht er Bewusstsein, in dem der freie Wille lokalisiert ist. Das braucht der Neurowissenschaftler nicht. Für den entsteht Bewusstsein und auch Traumbewusstsein immer als Folge einer neuronalen Aktivität. Aber man kann jetzt nicht sagen, dass der neurowissenschaftliche Ansatz empirischer ist, der hat seine Grenzen. Deshalb kann man die Frage, warum wir ein Bewusstseinsphänomen brauchen, neurowissenschaftlich nicht beantworten.

Vielen Dank, Herr Born, für das Gespräch!

 

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Kopf mit bunter Wolke Träume

Hast du das schon einmal erlebt: Nach dem Aufwachen kannst du dich ganz genau an deinen Traum erinnern, aber nach kurzer Zeit schon ist alles weg. Das hat üblicherweise nichts mit Gesundheitsproblemen zu tun, sondern ist völlig normal. Doch woran liegt es, dass wir Träume so schnell vergessen?

Möglicherweise geht uns die Erinnerung an Träume so schnell verloren, weil der Hippocampus zu spät aufwacht. Laut einer Studie der Universität Newcastle über die Neuroaktivitäten im Schlaf gehen verschiedene Gehirnbereiche nicht zur gleichen Zeit in den Schlaf. Der letzte davon ist der Hippocampus, der vor allem dafür zuständig ist, Informationen langfristig zu speichern und umzusetzen. Davon ausgehend behauptet Thomas Andrillon, Neurowissenschaftler an der australischen Monash Universität, dass der Hippocampus ebenfalls der letzte Gehirnbereich ist, der aufwacht. Nach dem Aufwachen gibt es einen kurzen Zeitraum, in dem der Hippocampus noch nicht ganz wach und das Gehirn deswegen nicht in der Lage ist, Erinnerungen zu speichern. Das heißt, Träume, die beim Aufwachen im Kurzzeitgedächtnis vorhanden sind, werden vom Hippocampus nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert und sind daher schnell vergessen.

Dies erklärt zwar, warum Traumerinnerungen so flüchtig sind, aber es bedeutet nicht, dass der Hippocampus die ganze Nacht über untätig ist. Ganz im Gegenteil, dieser Gehirnbereich ist ziemlich aktiv im Schlaf und dient dazu, vorhandene Erinnerungen zu speichern und zu bearbeiten, anstatt auf eingehende neue Informationen zu reagieren. Nach dem Aufwachen braucht er mindestens zwei Minuten, um die Fähigkeit der Informationsaufnahme zu reaktivieren. Während dieser Zeit werden also die vorübergehenden Erinnerungen an Träume nicht vom Hippocampus aufgezeichnet und gehen daher verloren.

Der Hippocampus ist dafür zuständig, Erinnerungen und Emotionen zu konsolidieren. © Wikimedia

Außerdem könnte das Vergessen mit Schwankungen des Hormonspiegels im Gehirn zu tun haben. Laut einer Studie der Universität Cambridge hängt die Fähigkeit, Erinnerungen im Schlaf zu kodieren, mit den Niveaus von zwei Neurotransmittern zusammen: Acetylcholin und Noradrenalin. Das Niveau dieser beiden Neurotransmitter sinkt beim Einschlafen erheblich ab. In der Rapid-Eye-Movement-Phase (REM) – einer Schlafphase, die durch unregelmäßige, schnelle Bewegungen der Augen und niedrige Muskelspannung im ganzen Körper gekennzeichnet ist – steigt das Acetylcholin wieder auf das Niveau des Wachzustands an, während das Noradrenalin auf einem niedrigen Stand bleibt. Diese Veränderungen des Hormonspiegels können dafür verantwortlich sein, dass in der REM-Phase die lebhaftesten Träume entstehen und das Aufwachen in dieser Phase eine deutlichere Erinnerung von den Träumen bewirkt. Niedrige Noradrenalin-Werte schränken jedoch die Erinnerungsfähigkeit ein, so dass man seine Träume schnell wieder vergisst.

Gibt es einen Unterschied in der Fähigkeit, sich an Träume zu erinnern?

Während es völlig normal ist, Träume zu vergessen, gibt es einige Menschen, die sich besser daran erinnern können. Diejenigen, die während des Schlafs leicht aufwachen und länger wach sind, erinnern sich besser an ihre Träume. Laut einer Studie der Universität Cape Town über die Unterschiede in der Traumerinnerung wachen so genannte High Recaller (Menschen mit besserem Traumgedächtnis) häufiger in der Nacht auf als Low Recaller (Menschen mit schlechterem Traumgedächtnis). Das Erwachen mitten in der Nacht dauert bei High Recallern durchschnittlich zwei Minuten, während es bei Low Recallern nur eine Minute ist. Außerdem lässt sich bei High Recallern eine stärkere Steigerung der Gehirnaktivität nachweisen, etwa wenn sie durch Stimmen oder das Nennen ihres Namens geweckt wurden. Das heißt: Das Gehirn von denjenigen, die sich besser an Träume erinnern können, wacht schneller auf. 

Die Erinnerungsfähigkeit an Träume hängt stark mit der Schlafqualität zusammen, insbesondere mit der Dauer der REM-Phase. Bei fortbestehendem Schlafmangel verringert sich die Dauer der REM-Phase, wodurch es schwieriger wird, sich am nächsten Tag an den Traum zu erinnern. Medikamente, insbesondere Antidepressiva, haben auch einen starken Einfluss auf den REM-Schlaf, indem sie das Einsetzen des REM-Schlafs verzögern oder dessen Dauer verkürzen. Dazu kommt, dass viele Schlafstörungen, zum Beispiel Schlaflosigkeit, Schlafapnoe und Narkolepsie, sich negativ auf den REM-Schlaf auswirken können. Alkohol kann die REM-Phase ebenfalls unterdrücken.

Kann man seine Erinnerungsfähigkeit trainieren?

Laut Francesca Siclari, Schlafforscherin an der Universität Lausanne, gibt es eine klare Abgrenzung zwischen den Wach- und Schlafzuständen – und das ist kein Zufall. Menschen, die unter Schlafstörungen wie Narkolepsie leiden, können nur schwer zwischen Wach- und Schlafphasen unterscheiden, was sie häufig verwirrt oder peinlich berührt: „Es ist wahrscheinlich eine gute Sache, dass das Traumleben und das Wachleben völlig voneinander unterschieden sind. Wenn man sich an jedes Detail erinnern könnte wie im Wachleben, würde man die Erlebnisse mit dem verwechseln, was tatsächlich im realen Leben geschieht,“ sagte Siclari zu BBC Future.

Es gibt sogar regelrechte Tipps, wie man die Traumerinnerungen verbessern kann. Robert Stickgold, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School, empfiehlt etwa, vor dem Schlafengehen viel Wasser zu trinken, damit man nachts aufwacht, um zur Toilette zu gehen. Die erhöhte Aufwachzeit in der Nacht hilft, die Erinnerung an Träume zu verbessern. Zudem gibt es die Möglichkeit, ein Traumtagebuch zu führen. Mit einem Stift und einem Notizbuch auf dem Nachttisch können Träume nach dem Aufwachen direkt aufgezeichnet werden. Dabei sollte man sich beeilen, damit sie nicht nach ein oder zwei Minuten gleich wieder verschwinden.

 

Titelbild: © Unsplash 

 

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