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In der Geschichte gab es viele Frauen, die sich für andere oder die Allgemeinheit eingesetzt haben. Die Heldinnen haben durch ihre kleinen und großen Taten viele junge und alte Frauen und auch Männer inspiriert. Wir haben in unseren bisherigen Artikeln schon einiges über heldenhaften Serienfiguren, Sportlerinnen oder Mütter gelesen. Wie gut kennst du dich bisher mit Heldinnen aus? Teste dein Wissen im Heldinnen-Quiz!

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Held Helden

Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch. Hier argumentiert Ulli Hagenlocher, warum Donald J. Trump kein Held ist.

Warnung: Der Folgende Artikel enthält kein stumpfes Trump-Bashing. Er konzentriert sich weder auf das Deuten von Tierformen in Frisuren, noch auf  Mr. Trumps Schummeleien beim Golf und führt auch nicht die Installation eines roten Knopfes im Büro des 45. Präsidenten der USA, bei dessen Betätigung ein Mitarbeiter sofort eine gekühlte Cola zu servieren hat, als Argument für schlechte Politik an. Stattdessen erfahrt ihr hier, warum Donald J. Trump insbesondere für die Leute kein Held (mehr) ist, die ihn vor der Wahl als einen solchen ansahen.

Eine Mauer von Mexiko gegen Mexiko?

Ein zentrales und in der Öffentlichkeit stark wahrgenommenes Wahlversprechen von Trump war der Bau einer 3.000 km langen Mauer an der Südgrenze zu Mexiko. Diese Mauer sollte laut Trump diejenigen Mexikaner daran hindern in die USA zu gelangen, denen er eine Reihe krimineller Aktivitäten unterstellte. Außerdem versprach Trump, dass die mexikanische Regierung allein den Bau der Mauer finanzieren werde. Diese lehnte seinen Vorschlag jedoch, wenig überraschend, voll umfänglich ab. Bis heute gibt es lediglich einige amerikanische Unternehmen, die Prototypen für den Bau einer solchen Mauer vorsichtig vorgestellt haben. Von der konkreten Realisierung kann jedoch keine Rede sein, ganz zu schweigen von einem tatsächlichen Baubeginn und der völlig ungeklärten Finanzierung. Trump-Wähler, für die der Bau dieser Mauer ein wichtiges Argument war, dürften also ziemlich enttäuscht sein. Hier also schon einmal die erste nicht vollbrachte Heldentat.

Global warming fake (oder doch nicht)?

Im Vergleich zu Europa ist es in den USA stärker verbreitet, den menschengemachten Klimawandel als nicht hinreichend wissenschaftlich belegt anzuzweifeln. Trump gehörte im Wahlkampf zu diesen Menschen und formulierte als Wahlversprechen aus dem Pariser Klima-Abkommen auszusteigen. Nun kann man hier zum einen kritisieren, dass dieses Wahlversprechen relativ weit in die Zukunft greift, denn ein Ausstieg der USA aus dem Pariser Klima-Abkommen ist frühestens 2020 möglich. Um diesen Ausstieg als Präsident durchzuführen müsste Trump der Präsidentschaftskandidat in der eigenen Partei bleiben und darüber hinaus in eine zweite Amtszeit gewählt werden, was immerhin fragwürdig ist. Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum der Ausstieg aus dem Klimaabkommen möglicherweise wieder zurückgenommen werden könnte. Tatsächlich veröffentlichte die Regierung von Trump kürzlich selbst über den Climate Change Special Report eine Studie, welche zu dem Schluss kam, dass der Klimawandel zumindest vom Menschen beeinflusst ist – eine Aussage, die Trump im Wahlkampf immer beharrlich bestritten hat. Trump-Wähler und zugleich Klimawandel-Kritiker müssen sich also mit einem sehr instabilen und bald vielleicht sogar ganz aufgehobenen Wahlversprechen zufrieden geben.

Obamacare is (not) dead

In einem anderen Beispiel riefen interne Streitigkeiten einen plötzlichen Sinneswandel bei Trump hervor. So bezog dieser im Wahlkampf eindeutig Position gegen Obamacare, ein von seinem Vorgänger, Präsident Barack Obama, eingeführtes Gesundheitsprogramm, das in etwa mit dem deutschen Gesundheitssystem verglichen werden kann. In der Endphase seines Wahlkampfes ließ sich Trump sogar zu der Aussage „Obamacare is dead“ hinreißen. Wenig später dann die Verkündung des exakten Gegenteils. Obamacare sei alles andere als tot, hieß es nun von Trump, der seine volle Unterstützung des Programms damit deutlich unterstrich. Dem vorausgegangen war eine überparteiliche Einigung von Republikanern und Demokraten, bei der die Republikaner von einer Abschaffung Abstand nahmen und die Demokraten einer Überarbeitung des Gesetzes zustimmten. Leser, die sich mit der deutschen Geschichte auskennen, dürften sich hier vielleicht an das Zitat des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer erinnert fühlen: “Es kann mich doch niemand daran hindern jeden Tag klüger zu werden.“

Vom Sumpf verschluckt

Abgesehen davon mussten seine Wähler noch eine weitere Enttäuschung hinnehmen, die für manche vielleicht die bitterste Enttäuschung war. Ein zentrales und nahezu charakteristisches Vorhaben von Trump war es den „Sumpf von Washington“ trocken zu legen, sprich mit elitären Gefälligkeitsbeziehungen zu brechen und Vorzüge auf Staatskosten nicht länger zu gewähren. Die Realität stellte sich, welch Überraschung, wieder einmal vollkommen anders dar.  Trump hat sich mit dem Sumpf offenbar lieber angefreundet als ihn auszutrocknen. Zahlreiche Posten im Weißen Haus wurden mit früheren Lobbyisten besetzt, so der Economist, und Trumps Minister wie zum Beispiel Steve Mnuchin oder Ryan Zinke reisen genauso gerne in Privatjets auf Staatskosten wie die Minister der Vorgängerregierungen auch.

Fazit

Abschließend bleibt festzustellen, dass an Trump auch aus Sicht derjenigen, die seine Positionen teilen und seine Vorhaben unterstützen, bisher wenig wirklich Heldenhaftes erkennbar ist. Ganz abgesehen von seinen Kritikern, die seine ganze Agenda ohnehin für grundlegend falsch halten, ist er vielleicht insbesondere für diejenigen eine Enttäuschung, die ihn aufgrund einer tief ersehnten Veränderung in der amerikanischen Politik gewählt haben, deren Richtung fast zweitrangig war.

Das ist doch alles Blödsinn, denkst du? Lies hier die Gegenmeinung von Jan Doria und gib hier deine Stimme ab.

Quelle Beitragsbild: Google Screenshot

Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch. Marx ist seit 135 Jahren tot. Sein Werk und seine politischen Gedanken sind geblieben. Marx Schriften werden in Vorlesungen diskutiert und bieten Fundamente, auf die sich ganze Regierungssysteme stützen. Dieses Erbe hat sich Marx hart erarbeitet. Er wählte für sein Leben nicht den einfachsten Weg. Marie argumentiert: Karl Marx als Held.

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Karl Marx Statue in Leipzig

Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch.

Im derzeitigen „Karl-Marx-Jahr“ wird wieder viel über den Gesellschaftstheoretiker geredet. Auch Menschen, die dem Marxismus politisch nicht nahestehen, verfallen dabei oft in ein eine leicht verklärte Art der Heldenverehrung.  Meiner Ansicht nach zu Unrecht. Insbesondere weil ich selbst keineswegs alle Erkenntnisse von Marx für falsch halte, ist es meiner Meinung nach falsch und möglicherweise sogar gefährlich, sich nicht kritisch mit den Theorien dieses Menschen auseinander zu setzen. Warum Marx, für seine Zeit sicher ein kluger und analytischer Denker, kein Held war, erfahrt ihr in folgendem Artikel.

Kritik an der marxistischen Praxis

In der Vergangenheit wurde bereits oft der Versuch unternommen, die marxistische Theorie in der Praxis umzusetzen. Nach Marx soll der Weg zur klassenlosen Gesellschaft über den Sozialismus, eine sogenannten Diktatur des Proletariats, also der Arbeiterklasse, gegangen werden.

Als Gegenentwurf zum kapitalistischen Wirtschaftssystem, in dem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, setzte der real existierende Sozialismus auf eine zentral gesteuerte Planwirtschaft, nach welcher ein Komitee aus Experten den Bedarf der Bevölkerung berechnet und produzieren ließ. Als negatives Beispiel ist die wirtschaftliche Lage in der ehemaligen DDR (Deutsche Demokratische Republik) bekannt ­– auch noch in der Erinnerung vieler Betroffener. Das Problem der Planwirtschaft liegt in der Praxis in der Schwierigkeit begründet, den Bedarf von Menschen im Voraus zu berechnen. Es liegt in der Natur des Menschen, seine Bedürfnisse zu ändern, mit Trends zu gehen oder auch einen kompletten Wandel zu durchleben. Auf derartige Änderungen kann die statische Planwirtschaft so gut wie gar nicht reagieren, was Engpässe und Überproduktion zur Folge hat. In der DDR betrug die Wartezeit für ein Auto beispielsweise nicht selten über fünf Jahre. Ebenso waren lange Warteschlagen vor Geschäften, die gerade neue Ware geliefert bekommen hatten, nicht selten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Schriften von Marx nicht eindeutig verstanden werden, unvollständig sind und viel Raum für Interpretation lassen. Beispielsweise beschrieb Marx nirgendwo, wie die marxistische Gesellschaft konkret auszusehen habe. Diese vagen Formulierungen führten in der Vergangenheit zu furchtbarem Missbrauch an dessen Spitze einige der furchtbarsten Diktatoren der Welt wie Stalin, Mao Zedong oder Pol Pot zu nennen sind. Diesen Missbrauch kann man Marx zwar nicht persönlich anlasten, dennoch zeigt es seine Fehleinschätzungen bezüglich der menschlichen Natur deutlich auf.

Kritik an der marxistischen Theorie

Den Marxismus hier auch nur ansatzweise voll auszuführen sprengt den Rahmen dieses Beitrags bei weitem. Deshalb hier ein Versuch, den Kerngedanken seiner Theorie verständlich auf den Punkt zu bringen.

Das Ziel des Marxismus ist eine klassenlose Gesellschaft. Das bedeutet, dass es keinen Privatbesitz an Produktionsmitteln wie z.B. Maschinen gibt. Diese Gesellschaft soll nach Marx eine in Frieden und Wohlstand lebende „ideale“ Gesellschaft sein. Erreicht werden kann diese jedoch nur durch eine internationale Revolution der Arbeiterklasse, die keine Produktionsmittel besitzt, gegen die Klasse der Kapitalisten, die Produktionsmittel besitzende Klasse, welche die Arbeiterklasse über die Lohnarbeit ausbeutet.

Hierbei fällt bereits auf, dass sich die Theorie von Marx auf historische Verhältnisse bezieht, die sich nicht eins zu eins auf die Gegenwart oder gar die Zukunft übertragen lassen. Bereits in der heutigen Welt ist eine Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse kein unabänderliches Schicksal mehr, wie es zu Marx Zeit nahezu der Fall war. Durch neue Technologien lässt sich darüber hinaus keine klare Trennung zwischen Produktionsmitteln und Nicht-Produktionsmitteln ziehen. Ein Notebook kann beispielsweise nur zum privaten Vergnügen eingesetzt werden aber genauso gut die Basis für die Gründung eines Unternehmens sein, welches Software verkauft oder Webseiten erstellt und betreut.

Zuletzt bedachte Marx bei der internationalen Revolution nicht, dass es zwischen verschiedenen Kulturen große Differenzen gibt, die ein internationales Zusammenwirken erschweren oder sogar unmöglich machen. Wie utopisch es ist, eine komplexe Idee wie den Marxismus international umzusetzen, sieht man vielleicht am besten daran, dass die heutige Welt noch weit von der grundlegenden Einhaltung elementarer Menschenrechte entfernt ist, da die Vorstellungen hier auseinander gehen. Beispielsweise ist es in China oder Japan möglich seine Menschenwürde zu verlieren, während diese in westlichen Gesellschaften als unantastbar gilt.

Warum also kein Held?

Warum Marx aus meiner Sicht definitiv nicht als Held, jedoch durchaus als großer Denker anzusehen ist, liegt unter anderem auch daran, dass sein Vermächtnis eher etwas ist, aus dem man lernen kann und sollte, als etwas, dem man nacheifern kann. Das Vermächtnis eines Helden ist für mich etwas, dass mehr Positives als Negatives für die Nachwelt bewirkt hat. Angesichts der 100 Millionen Todesopfern* weltweit , die zumindest in indirekter Verbindung zum Marxismus stehen, ist eine Verehrung mit Statuen und Denkmälern für Marx nicht angemessen.

Um es mal anders zu formulieren, vielleicht wäre Marx für mich ein Held gewesen, wenn er zu Lebzeiten eine Art Kommune gegründet hätte, die nach marxistischen Idealen lebt und unbestreitbar nachweist, dass die Theorie in der Praxis umsetzbar ist. Heute hingegen wird Marx von denen überschattet, die seine Theorien anstelle seiner selbst meist zum Negativen umgesetzt haben. Ob dies in Missverständnis oder böswilliger Fehlinterpretation begründet war, kann ich nicht beurteilen.

Zuletzt hat Marx der Welt auf jeden Fall Ideen und Analysen hinterlassen, jedoch keine Heldentaten.

* Schwarzbuch des Kommunismus, 1997

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/marx-karl-kommunismus-historisch-2662378/

Vielleicht siehst du es ja anders. Lies hier die Gegendarstellung von Marie und stimme hier ab, ob Marx ein Held ist, oder nicht.

Für den einen ist es Batman, für manche Robin Hood, und auch Bibi Blocksberg kann ein Held unserer Kindheit sein. Kindheitshelden gibt es unzählige, egal ob in der Literatur oder in Film und Fernsehen. Jedes Kind hat ein Vorbild oder eine bestimmte Persönlichkeit, die als Held angesehen wird. Wer die Kindheitshelden der Tübinger Studierenden sind, erfahrt ihr hier! Weiterlesen

Was macht Filmstars zu Heldinnen? Nicht alle Kino-Stars sind es ein Leben lang. Viele Kinderstars können nicht an ihren Erfolg anschließen. Ein Blick auf die Lebenswege von fünf weiblichen Leinwand-Heldinnen zeigt: Auch Diven mussten kämpfen. Viele verkörperten in ihren Filmen Frauenbilder, die sie privat ablehnten. Eine Spurensuche bei Katharine Hepburn, Bette Davis, Audrey Hepburn, Ingrid Bergman und Marilyn Monroe.

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Wir alle brauchen Helden. Neben bekannten Helden der Geschichte und populären Comic-Helden gibt es immer auch Helden des Alltags. Hier erfahrt ihr mehr über die typischen Helden der Tübinger Studierenden.

Studenten und ihre Pizza

Auf die Frage nach typischen Nahrungsmitteln antworten die meisten Tübinger Studenten neben Bier und Nudeln oftmals mit dem Begriff ‚Pizza’.
Um an das beliebte kulinarische Wunderwerk zu kommen, gibt es für Studenten zwei Möglichkeiten: das gute alte Tiefkühlprodukt, in nüchternem Zustand leicht zu bedienen, oder die etwas dekadentere Variante: die Lieferpizza, sozusagen der Porsche für die Studentengourmets. Die Lieferpizza steht symbolisch für das Leben der werdenden Erwachsenen. Einerseits verfügen sie über die ausreichende Selbstständigkeit, um etwas telefonisch zu bestellen. Eine erwachsen anmutende Handlungsweise. Andererseits ist es immer wieder schön, das Essen nahezu auf den Tisch – hier an die Tür – serviert zu bekommen, ganz wie bei Mama. So ganz erwachsen fühlt man sich eben doch noch nicht.

Pizzaboten als Helden?

Entsprechend fällt den Überbringern solch feiner Speisen eine ganz besondere Rolle im Leben von Studenten zu. Wenn im Kühlschrank gähnende Leere herrscht, wenn nicht einmal der 24-Stunden-Rewe in der Tübinger Weststadt geöffnet hat, wenn das Magenknurren mittlerweile so laut ist, dass der Mitbewohner es fälschlicherweise mit Bauarbeiten verwechselt, dann sind sie da. Auf ihren schnellen Fahrrädern kommen diese Helden herbeigerast, zwar ohne Umhang, doch mit Helm, und bringen genau diesen Studenten ihre heiß ersehnte Pizza.

Doch kann man Pizzaboten tatsächlich als Helden bezeichnen?

Philipp Schmidt (Name geändert), 24, arbeitet seit drei Jahren bei Domino’s, einem Tübinger Pizza-Lieferdienst, den viele Studenten in Anspruch nehmen. Er hat schon zahlreiche Erfahrungen mit Kunden, Lieferorten und Studenten gemacht. Fragt man ihn, sieht er sich nicht per se als Held an. Es seien vielmehr die außergewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnisse, die Pizzaboten eine gewisse Heldenattitüde verleihen.

Mut und ruhige Nerven

Und als Pizzabote erlebt man eine ganze Menge: „Die Schwierigkeit besteht zunächst darin, dass man an jeden Ort und jeden Kunden liefern muss, ohne ihn zu hinterfragen“, sagt der 24-Jährige. Während der eine regelmäßig an ein Tattoo-Studio liefert, zählen zu anderen Lieferorten ein Bordell und ein altes Fabrikgebäude, in dem kuriose Gestalten unterwegs sind. Viele der Bestellungen werden unter Einfluss von Alkohol und Drogen getätigt und es ist oft unklar, wie die Kunden auf den Besuch reagieren werden. Um an solche Orte zu liefern, bedarf es etwas mehr als ein Fahrrad und ein funktionierendes EC-Kartengerät. „Wenn wir davon ausgehen, dass Pizzaboten Helden sind, wären es auf jeden Fall der Mut und die ruhigen Nerven, die wir in solchen Situationen benötigen und die uns zu Helden machen“, so Philipp Schmidt.

Geduld

Auf die Frage, wer zu den häufigsten und verlässlichsten Kunden in Tübingen gehört, kann man dem jungen Studenten zunächst nur ein Grinsen entlocken, bevor er mit der Antwort „Marihuana rauchende Kleingruppen“ für Überraschung sorgt. „Meistens sind es Studentengruppen, die sich eine Super-Maxi-Pizza auf den Heißhunger bestellen und die Augen nicht vom Essen lassen können, sobald ich den Raum betrete“, sagt er lachend.

Auch diese gelten gewissermaßen als Herausforderung: es ist nicht absehbar, ob und wann sie die Tür öffnen werden. Die Klingel wird nicht selten überhört. „Manche Kunden wollen sich ihren Rausch nicht anmerken lassen und sind deshalb überdurchschnittlich freundlich beim Bezahlen. Dann schlagen sie einfach die Tür zu, bevor ich ihnen ihre Pizza überhaupt geben kann. In solchen Momenten fühle ich mich manchmal wirklich wie ein Held, weil ich so viel Geduld aufbringen muss“, sagt Philipp Schmidt.

Alltägliche Anstrengungen

Doch nicht nur die kurioseren Kunden und Lieferorte gelten als Herausforderung im Alltag von Pizzaboten. Da gibt es noch die ganz anderen, eher alltäglichen Anstrengungen des Berufs: die Lieferungen am Samstagnachmittag in den Park, die Wiese bei 28 Grad ist übersät von Studenten, die grillen und Bier trinken. Dort sei es eine Herausforderung, die richtigen Kunden zu finden. Dazu kommen Hauseingänge, die nur schwer oder gar nicht zu finden sind sowie Kunden, die nicht erreichbar sind. „Dann muss ich die Pizza wieder mitnehmen und später beschweren sie sich. Da muss man vorsichtig sein, weil das alles auf Domino’s zurückfällt, wenn die Kunden im Internet schlechte Bewertungen abgeben. Man muss also immer nett und höflich sein und jeden respektieren, ganz gleich wie die Kunden sich verhalten. Das kann ganz schön anstrengend sein“, beschreibt Philipp Schmidt seinen Alltag.

Insgesamt sieht Philipp Schmidt zwar die schwierigen Erfahrungen des Berufs. Er erzählt jedoch auch, wieviel Spaß es machen kann: „Ich habe schon sehr viele unglaublich freundliche Kunden getroffen, mit denen man sich sehr gut unterhalten konnte. Einmal zeigten sie mir sogar ihre Wohnung, die einen besonders schönen Blick vom Balkon aus hatte“.

Held oder kein Held?

Ob er sich selbst als Helden für Studenten bezeichnen würde? Dafür scheint Philipp Schmidt zu bescheiden zu sein. Als größte Helden sieht er eigentlich seine Kollegen, und das aus verschiedensten Gründen. Der eine Kollege springt ein und übernimmt Schichten, die kein anderer übernehmen kann. Der andere kommt zur Hilfe, wenn man einen Platten hat. Wieder ein anderer teilt sein Trinkgeld mit dem, der leer ausgegangen ist. Jeder auf seine Weise, und alle, weil sie letztlich sehr gute Arbeit leisten.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pizza-3007395.jpg

 

Ihr wollt noch weitere Studentenhelden kennenlernen? Hier erfahrt ihr alles über Baristas und warum diese als Helden gesehen werden können: Studentenhelden: Baristas

Superhelden faszinieren unsere Gesellschaft schon immer. In uns allen scheint eine Sehnsucht nach dem Übernatürlichen zu stecken. Heute sind Superhelden eigentlich überall – wir kommen im Kino, im Fernsehen und auch in Büchern nicht an ihnen und ihren heldenhaften Taten vorbei. Aber es ist uns auch möglich echte Superhelden auf den Straßen der Welt zu finden. Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, uns zu beschützen, gibt es heute nicht mehr nur in Fiktion und Fantasie. Wer sind diese Menschen und was bewegt sie zu ihren heldenhaften Taten?

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Ein junger Assistenzarzt berichtet von seinem Berufsalltag mit all seinen Schattenseiten. Lest hier, was er dennoch an seinem Job liebt. Außerdem: Warum er ein Held ist, aber behauptet, keiner zu sein.

Er steht auf, während die meisten anderen noch in ihr warmes, gemütliches Bett gekuschelt sind und davon träumen, ein Held auf einem fremden Planeten in einer weit entfernten Galaxie zu sein. Selbst die Vögel sind noch still, nur vereinzelt öffnen sie müde ihre Äuglein und geben ein schwaches Krächzen von sich. Im Dunkeln verlässt er das Haus, ganz leise, um die Kinder des Ehepaars nebenan nicht zu wecken und macht sich mit einem dampfenden Kaffeebecher bewaffnet auf den Weg, Menschen zu retten. Hinter dem Nachbarhaus geht langsam die Sonne auf, sie taucht seinen schneeweißen Kittel in ein gleißendes Licht, hebt ihn aus seiner finsteren Umgebung heraus. „Wer ist dieser junge Mann?“, mag sich manch einer verwundert fragen.

Held oder kein Held

Die Rede ist von dem 26-jährigen Jan H., Assistenzarzt in Weiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie.

„Ein Held bin ich aber nicht“, sagt er. „Ich erledige nur meinen Job. Helden sind für mich Ehrenamtliche, denn sie opfern wirklich etwas, um zu helfen.“

Ob Held oder kein Held – Jan beginnt jeden Morgen um 6.45 Uhr seine Arbeit. Er kommt auf die Station des Krankenhauses, verschafft sich einen ersten Überblick: Wie geht es den Patienten auf der Station? Gibt es Neuzugänge? Welche Untersuchungen, welche Operationen müssen heute durchgeführt werden?

Eine Stunde später, um 7.45 Uhr, trifft er sich mit den Oberärzten und dem Chefarzt, denn die erste Operation des Tages steht an. Während viele Leute um diese Uhrzeit noch gemütlich ihren ersten Kaffee schlürfen, um nicht über dem Frühstück wieder einzuschlafen und mit dem Gesicht in der Müslischale zu landen, muss Jan jetzt volle Konzentration zeigen. Er assistiert bei den Operationen und führt kleine Eingriffe selbst durch, immer unter den wachsamen Augen eines Oberarztes. Zwischen den Operationen bleibt kaum Zeit, um durchzuatmen. Jan muss Berichte schreiben, Blut abnehmen und nach seinen Patienten sehen.

Um 15 Uhr bespricht er mit seinen Kollegen die Operationen und Röntgenbilder, die an diesem Tag bisher gemacht worden sind und schaut sich den Operationsplan für den Folgetag an. Von Feierabend kann allerdings noch lange nicht die Rede sein, denn zuerst muss auf der Station alles aufgeräumt werden. Dann folgen Gespräche mit den Angehörigen der Patienten.

„Jetzt stopft man sich meist auch das erste Mal was zu essen und trinken rein, außer man hatte Glück und hat es zwischen zwei Operationen zum Kiosk geschafft“, sagt Jan und lacht.

Feierabend mit Aussicht auf Wochenenddienst

Gegen 17.30 Uhr endet schließlich der Tag für ihn – und kurz bevor die Sonne wieder hinter dem Nachbarhaus verschwindet, erreicht auch er im angehenden Abendrot seine Wohnung. Für Jan besteht die Woche aber nicht nur aus fünf Arbeitstagen, er hat auch noch bis zu sechs zusätzliche Schichtdienste im Monat. Während seine Freunde also am Wochenende feiern gehen oder auf der Couch lümmeln, muss er entweder von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr arbeiten.

Kein gesunder Lifestyle

Ich frage ihn, ob er manchmal das Gefühl habe, das Wohl seiner Mitmenschen über sein eigenes zu stellen.

„Ja, meine Kollegen und ich schmunzeln schon manchmal untereinander und sagen, dass das ja nun wirklich kein gesunder Lifestyle ist, den wir betreiben. Aber wir haben uns den Job ausgesucht und wir wussten, worauf wir uns einlassen.“

Viel Verantwortung

Medizin studieren wollte Jan schon immer. In die Orthopädie hat es ihn getrieben, weil er selbst viel Sport gemacht hatte und dadurch auch immer wieder mit Sportunfällen in Berührung kam. Durch die zusätzliche Ausbildung zum Facharzt für Unfallchirurgie kann Jan in Zukunft auch in der Notfallmedizin tätig sein und große Operationen durchführen. Angst, dabei etwas falsch zu machen habe er aber nicht, sagt er.

„Es gibt jedoch oft Vorfälle, bei denen nicht ganz klar ist, was für eine Operation am besten geeignet wäre und man hat großen Respekt davor, das entscheiden zu müssen. Aber dann muss man sich eben das nötige Know-how aneignen oder sich mit dem Oberarzt in Verbindung setzen. Unfälle mit Kindern finde ich allerdings immer besonders schlimm und man ist auch viel angespannter, wenn man ein Kind statt einen Erwachsenen operieren soll.“

Schattenseiten

Todesfälle gehören leider ebenfalls zum Berufsalltag eines Arztes. Die Schicksale der Patienten nehmen ihn teilweise sehr mit, verrät Jan. Von seinem schlimmsten Erlebnis berichtet er nur widerwillig, denn er denkt nicht gerne an den Tag zurück. Aber schließlich erzählt er doch, wie eine junge Mutter, die zusammen mit ihrem kleinen Kind in einen Unfall verwickelt war, zu ihnen ins Krankenhaus gebracht wurde. Das Kind verstarb noch in derselben Nacht. In den nur wenigen Minuten Frühvisite musste Jan der Mutter berichten, dass ihr Kind die Nacht nicht überlebt hat. Es sei furchtbar gewesen, sagt Jan, nicht nur ihr Schicksal, sondern auch das Gefühl, die Situation aufgrund des streng getakteten Arbeitstages nicht adäquat betreuen zu können. Er hätte gerne mehr getan – und der Schmerz steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Ein Job, der die Strapazen wert ist

Dennoch liebt Jan seinen Job und kann sich nicht vorstellen, von einer anderen Tätigkeit so erfüllt zu werden wie von derjenigen eines Arztes.

„Ich arbeite in einem tollen Team, das macht einfach Spaß. Ich lerne jeden Tag dazu, es sind oft die kleinen Dinge, bei denen man merkt, dass der harte Job und die langen Arbeitszeiten es wert sind. Ein einfacher Dank des Patienten bei der Entlassung zum Beispiel.“

Und so steht er weiterhin jeden Morgen in aller Frühe auf, um für die Menschen da zu sein, die seine Hilfe brauchen. Auch wenn unser Jan behauptet, kein Held zu sein – für seine Patienten ist er es mit Sicherheit.

 

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/users/sasint-3639875/