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In der Geschichte gab es viele Frauen, die sich für andere oder die Allgemeinheit eingesetzt haben. Die Heldinnen haben durch ihre kleinen und großen Taten viele junge und alte Frauen und auch Männer inspiriert. Wir haben in unseren bisherigen Artikeln schon einiges über heldenhaften Serienfiguren, Sportlerinnen oder Mütter gelesen. Wie gut kennst du dich bisher mit Heldinnen aus? Teste dein Wissen im Heldinnen-Quiz!

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Die 60er-Jahre waren ein besonderes Jahrzehnt, das zahlreiche Ikonen und einzigartige Persönlichkeiten hervorbrachte. Neben Audrey Hepburn und den Beatles waren auch Bob Marley und Angela Davis wichtige Ikonen dieser Zeit. Dies äußerte sich auch an ihrem Erscheinungsbild: Alle vier Persönlichkeiten trugen außergewöhnliche Frisuren – Markenzeichen, die stilprägend waren. Was es mit Audrey Hepburns Beehive und Bob Marleys Dreadlocks auf sich hat, wofür Angela Davis Afro steht und warum die Beatles auch die Pilzköpfe genannt wurden, erfahrt ihr im Folgenden.

In den 60er-Jahren herrschte der Kalte Krieg, eine Mauer trennte Deutschland in zwei Hälften und die Beatles schrieben Musikgeschichte. Die 60er-Jahre waren auch die Zeit der modischen und kulturellen Rebellionen. Doch dieses ereignisreiche Jahrzehnt hat noch mehr zu bieten: Der erste Mensch landete auf dem Mond und die Emanzipation der Frauen nahm ihren Anfang. Während Studenten für Freiheit und mehr Gerechtigkeit protestierten, entstand gleichzeitig die Terroristengruppe RAF. Prägend für die 60er war außerdem der Generationenkonflikt: Die Jugend begann, die traditionellen Wertevorstellungen zu hinterfragen und sich gegen ältere Generationen aufzulehnen. Zusätzlich ermöglichte das Wirtschaftswunder mehr Konsum und damit stieg auch die Zahl der verkauften Autos. Die Gesellschaft wurde zunehmend mobiler. Diese vielen einschneidenden Ereignisse zeigen: Die 60er-Jahre waren Zeiten des Wandels.

Auf den Spuren von Audrey Hepburn

Es ist früher Morgen in New York. Die Straßen sind menschenleer. Vor Tiffany’s hält ein schwarzer Wagen. Es steigt eine junge grazile Frau aus. Sie trägt ein schwarzes Kleid, eine große Sonnenbrille und die Haare zu einer komplizierten hoch aufgetürmten Hochsteckfrisur. Sie betrachtet das Schaufenster des Juweliers, isst Gebäck aus einer Tüte und trinkt von ihrem Kaffee. Diese Szene aus dem Film “Frühstück bei Tiffany’s” machte Audrey Hepburn im Jahr 1961 über Nacht bekannt und zu einer einzigartigen Stilikone.

Der Beehive – ein Bienenkorb auf dem Kopf?

Noch heute, 25 Jahre nach ihrem Tod, gilt Audrey Hepburn als großartige Inspirationsquelle. Bewundert wurde nicht nur ihr schauspielerisches Talent oder ihr Kleidungsstil, sondern auch ihre besondere Frisur. Das Bild von Audrey Hepburn mit einem Zigarettenhalter in der Hand und ihren dunklen, zu einer Hochsteckfrisur gesteckten Haaren ist eines der bekanntesten Porträts der Filmgeschichte.

Stilikone Audrey Hepburn

Audrey Hepburn als Stilikone: Beehive, Zigarettenhalter und das schwarze Kleid waren stilprägend für die 60er-Jahre.

Audreys Kultfrisur wird als Beehive bezeichnet, da die Form an einen Bienenkorb erinnert. Noch heute wird die Frisur als Symbol des Zeitgeists der 60er-Jahre betrachtet: Sie steht für Jugend und Selbstbewusstsein. Jahrzehnte später griff Amy Winehouse den damaligen Trend erneut auf. Mit ihrem voluminösen Beehive sorgte sie für viel Aufmerksamkeit und brachte damit ein Stück Zeitgeschichte der 60er-Jahre in das 21. Jahrhundert. Dies wurde auch zu ihrem Markenzeichen und ist bis heute untrennbar mit ihrer Persönlichkeit verknüpft.

Dass der Haarklassiker sich bis heute großer Begeisterung erfreut, wird an den unzähligen Anleitungen zum Nachahmen des Beehives deutlich. Die Hochsteckfrisur fand zahlreiche Nachahmer*innen. Unter waren einige populäre Persönlichkeiten: So trugen auch die Sängerinnen Barbara Streisand und Beyonce Knowles die Kultfrisur. Die voluminöse Pracht fand sich auch bei amerikanischen Schauspielerinnen wieder: So wurden zum Beispiel Jennifer Lopez, Penélope Cruz und die Sängerin Adele mit dem Beehive abgelichtet.

Hepburn steht für Emanzipation, Erfolg und Stil. Der Beehive steht daher heute sinnbildlich für all diese Eigenschaften. Dabei steht besonders das Charakteristikum Emanzipation stellvertretend für die 60er-Jahre. Diesen Tatsachen geschuldet ist es kaum verwunderlich, dass sich viele gerne einen „Bienenkorb“ auf den Kopf setzen.

Der Beehive zum Nachmachen – moderne Varianten: 66 atemberaubende Beehive-Frisuren, die Sie begeistern werden.

BREATHTAKING photography (Kennedy Center Honors, Barbara Streisand, 2009).

Gepostet von The Beehive (Beyonce) am Mittwoch, 19. Dezember 2012

Hepburn zählt zu den prägendsten Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts. In mehr als 30 Filmen begeisterte die britisch-niederländische Stilikone ihr Publikum. Sie glänzte jedoch nicht nur durch ihre schauspielerische Leistung, sondern auch durch ihren modischen Stil. Schon bald wurde sie zur Modeikone. Weite Röcke, große Sonnenbrillen und Ballerinas zählen zu den elementaren Bestandteilen ihres Stils. Stilprägend war aber vor allem “das kleine Schwarze”, in dem sie im Film “Frühstück bei Tiffany” im Jahr 1961 ihren größten Erfolg feierte. Hepburn repräsentierte ein neues Schönheitsideal: Sie verkörperte die “ewig mädchenhafte Frau, unschuldig, aber raffiniert”. So war auch der französische Modedesigner Hubert de Givenchy von ihr begeistert und erschuf für sie einen vollkommen neuen Stil. Sie selbst kommentierte dies: “Frauen können aussehen wie ich, wenn sie sich die Haare hochstecken, große Sonnenbrillen und ärmellose Kleider tragen” (Liebenswert Magazin).

Wer war Audrey Hepburn noch?

Hepburn war aber nicht nur Schauspielerin und Stilikone. 1988 wurde sie zur UNICEF-Botschafterin ernannt: Hepburn setzte sich nach dem Ende ihrer Schauspielkarriere für arme Kinder auf der ganzen Welt ein. Sie selber erzählte oft von ihrer schweren Kindheit, die von Armut und Hungersnot geprägt war. Begründet in ihren persönlichen Erfahrungen beschloss sie, das Leid von Kindern, die ein ähnliches Schicksal teilen, zu lindern. Hepburn starb 1993 in der Schweiz an Darmkrebs. Nach ihrem Tod gründeten ihre beiden Söhne mit Hepburns langjährigem Lebenspartner den “Audrey Hepburn’s Children Fund”, um ihre wertvolle Arbeit noch nach ihrem Ableben fortzuführen. Sie blieb als große Stilikone und Hollywood-Legende in Erinnerung.

Mehr Informationen zu Audrey Hepburns Biographie können im Beitrag Heldinnen des Kinos nachgelesen werden.

Hepburn war zwar eine Ikone der rebellischen 60er-Jahre, verkörperte vor allen Dingen aber Eleganz, Anmut und Raffinesse. Ihr Beehive, der die Haare an Ort und Stelle hält und so das Haar stets aufgeräumt aussehen lässt, bildet ein Kontrast zu den prägenden Charakteristika der 60er-Jahre: Protest und Rebellion. Genau dies hingegen verkörpern allerdings die Beatles mit ihrer Frisur: eine Entwicklung von Hepburns strukturierter angepasster Frisur zur wilden rebellischen Haarpracht der Beatles…

 

Die Beatles: Vier Pilzköpfe revolutionieren die Musikwelt

Der amerikanische Komponist Aaron Copeland sagte einst, wer über das Lebensgefühl der 60er-Jahre etwas erfahren möchte, sollte sich die Beatles anhören. Ihm zufolge spiegelt die Musik der Band dieses Jahrzehnt wieder wie kein anderes zeitgeschichtliches Dokument. In den Songs der Beatles finde sich “die kreative Eruption der Epoche – die Befreiung vom Muff der Nachkriegszeit, die Aggressivität politischer Konflikte wie die naiven Hippie-Träume von Love and Peace, die sexuelle Revolution wie die psychische Revolution der Halluzinogene” (FAZ).

Beatles Statue in Liverpool

Ein Touristen-Highlight: Die Beatles-Statue in Liverpool.

Auf ihren Auftritten boten die Beatles ein außergewöhnliches Erscheinungsbild: Bekannt waren sie für ihre schwarzen Anzüge und Topfschnitt-Frisuren. Analog dazu werden die Beatles in Deutschland häufig als “die Pilzköpfe” bezeichnet. Aufgrund der Ähnlichkeit zu einem Wischmopp war im englischsprachigen Raum oft die Rede von “mop-tops”.

Woher kommt die Pilzkopffrisur?

Um die Herkunft der Pilzkopffrisur ranken sich verschiedene haarsträubende Erzählungen und unterschiedliche Theorien, wer der eigentliche Erfinder ist. Als Begründer des Pilzkopfes gilt heute aber der deutsche Fotograf Jürgen Vollmer. Vollmer ist gebürtiger Hamburger, arbeitete aber viel im Ausland und porträtierte zahlreiche Prominente.

Doch wie kamen die Beatles zu ihrem Markenzeichen? Während eines Aufenthalts in Paris traf Vollmer im Jahr 1961 die Beatles in einem Pariser Café. Wenige Stunden später verpasste er kurzerhand in seinem Hotelzimmer zwei Bandmitgliedern, Paul McCartney und John Lennon, denselben Haarschnitt, wie er selbst ihn trug: den Pilzkopf-Haarschnitt. Der damalige Bassist Stuart Sutcliffe ging mit gutem Beispiel voran, er trug bereits den Pilzkopf-Schnitt. Diesen schnitt ihm Vollmers damalige Bekannte Astrid Kirchherr. Jürgen Vollmer selbst wollte mit seiner gewagten Frisur vor allem gegen das Spießertum protestieren. In einem Spiegelartikel erzählt Vollmer, dass die meisten Jugendlichen im damaligen Hamburg ihre Haare adrett zurückgekämmt trugen, angepasst eben. Die, die aufbegehren wollten, trugen ihr Haar wild aufgetürmt, Elvis-Tolle inklusive. Vollmer suchte einen Weg dazwischen und wollte seinen eigenen Stil entdecken.

Dank Vollmer erhielt die Pilzkopffrisur die für die 60er-Jahre typische und untrennbare Konnotation des rebellischen Aufbegehrens der Jugend gegen die autoritäre Gesellschaft. Doch wie kam Vollmer zu dem außergewöhnlichen Haarschnitt? Die Geburtsstunde der Pilzkopffrisur ist im Jahr 1955 zu verorten. Vollmer berichtet in einem Spiegel-Artikel von einer prägenden Schulschwimmstunde: Nach dem Schwimmunterricht föhnte er sein Haar nicht und kämmte es nicht wie gewohnt zurück, sondern ließ dieses trocknen und in die Stirn fallen. Der Pilzkopf-Haarschnitt war geboren. Vollmer zufolge waren seine damaligen Lehrer wenig begeistert von der neuen Frisur. Dies bestärkte ihn aber nur noch mehr darin, die neu entdeckte Frisur beizubehalten. So erhielten die Beatles dank dieser Anekdote im Schwimmunterricht ihr einzigartiges Markenzeichen, das bis heute stellvertretend für die Band steht.

Eine solch einzigartige Frisur blieb nicht ohne Nachahmer. Zahlreiche Fans wollten so aussehen wie ihre großen Idole: Die 60er-Jahre waren das Zeitalter der Rebellion und der Pilzköpfe. Der Friseurmeister Ernst Rudolf berichtet in einem Artikel, viele Kunden kämen mit Fotos ihrer großen Vorbilder aus den Bereichen Sport, Musik oder Film. Rudolf erzählt, seine Kunden möchten ihre Verbundenheit zu ihren Idolen durch entsprechend gleich aussehende Frisuren zum Ausdruck bringen. In seinen 50 Jahren als Friseurmeister hat Rudolf viele Modetrends mitgemacht. Dass er unter den zahlreichen Modeerscheinungen die Pilzkopffrisur, die mit den Beatles Einlass in die Friseursalons fand, als einzigen Trend aufzählt, spricht Bände.

Die Beatles sind als erste Boyband der Popgeschichte bis heute die Gruppe mit den meist verkauften Platten weltweit. Mit den 60er-Jahren begann eine neue Ära der Popkultur. Der bis dato vorherrschende Trend des Rock ’n’ Roll trat mehr und mehr in den Hintergrund. John Winston Lennon, James Paul McCartney, George Harrison und Richard Starkey aus Liverpool revolutionierten die Musikgeschichte. Der Grundstein für die erfolgreiche Musikkarriere der Beatles wurde in Hamburg gelegt. Hier hatte die Band ihre ersten Auftritte. Und schon bald tourte die Gruppe durch die ganze Welt und begeisterte das Publikum mit ihrer Musik.

Das Ende der Beatles

1970 trennte sich die Band. Die Fans warteten jahrelang auf ein Comeback – jedoch vergeblich. Als 1980 John Lennon erschossen wurde, stand endgültig fest, die Beatles wird es nie wieder geben. Doch die Musik blieb: Damit haben die Beatles ein zeitloses Werk geschaffen, das tief in unserem kulturellen Bewusstsein verankert und auch noch über 50 Jahre später bedeutsam ist.

Mit ihren Pilzkopffrisuren boten die Beatles einen wilden Anblick, der in starkem Kontrast zum traditionell streng zurückgekämmten Haar stand. Einen noch wilderen Anblick jedoch bot eine weitere Persönlichkeit der 60er-Jahre…

 

Bob Marley, der Reggae und die Dreadlocks

Bob Marley

Bob Marleys stilisiertes Porträt ist zum Symbol des Reggae geworden.

1963 gründen ein paar Jugendliche in Jamaika eine Band: The Teenagers. Nach mehreren Umbenennungen wird man sie später eher als The Wailers kennen. Mit dabei: der 18-jährige Bob Marley. Zu dem Zeitpunkt kann niemand ahnen, dass er einmal zu einer internationalen Ikone des Reggaes werden und Dreadlocks als Frisur etablieren würde.

Geboren 1945 als Robert Nesta Marley, wuchs er in armen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein weißer, bereits 60-jähriger britischer Offizier, verließ die Familie bald. Mit 16 brach Marley die Schule ab, um seinen Traum von einer Musikkarriere zu verwirklichen. Gemeinsam mit seinen Freunden brachte er tatsächlich 1964 seine erste Hitsingle „Simmer down“ heraus, eine lockere Ska-Nummer. Doch die Gruppe trennte sich zunächst. Marley heiratete 1966 Rita Anderson und folgte seiner Mutter in die USA. Als er nach einigen Monaten wieder nach Jamaika kam, schloss er sich erneut mit seinen Freunden Bunny Wailer und Peter Tosh zusammen. Die Musik Jamaikas wandelte sich in dieser Zeit von Ska über Rocksteady bis hin zum Reggae, den auch The Wailers für sich entdeckten. Sie waren schnell in Jamaika bekannt, doch Bob Marley reichte das nicht. Er schaffte es, einen Plattenvertrag bei Island Records in London zu bekommen. Mit den Alben „Catch a Fire“ und „Burnin“ gelang ihm Anfang der 70er tatsächlich der internationale Durchbruch, der jahrelangen Erfolg mit sich bringen sollte.

Die Rastafari-Bewegung

Aber Bob Marley machte nicht nur den Reggae in der Welt bekannt, sondern auch seine politisch-religiösen Überzeugungen. Seine Hinwendung zur Rastafari-Bewegung beeinflusste ihn nachhaltig, schlug sich in seiner Musik nieder und brachte ihm sein Markenzeichen ein – die Dreadlocks. Denn die langen verfilzten Haarsträhnen waren keinesfalls nur ein modisches Statement, sondern ein religiöses Symbol. Der Rasta-Kult hat christliche Ursprünge und viele alttestamentliche Bezüge. Die Anhänger glauben, Ras Tafari Makonnen, der sich 1930 als Haile Selassie zum letzten äthiopischen Kaiser krönen ließ, sei der wiedergekehrte Messias gewesen. Dieser sollte die afrikanischen Sklaven aus der Karibik zurück nach Afrika führen. Als dieser nach dem italienisch-äthiopischen Krieg geflohen war, beriefen sich seine Anhänger auf ein biblisches Gebot (Num 6,5), wonach sie ihre Haare nicht schneiden würden, bis der Kaiser auf seinen Thron zurückgekehrt sei.

Bob Marley

Bob Marleys Markenzeichen waren die langen Dreadlocks.

Später bekamen die Dreadlocks eine eigene Bedeutung und wurden zum Symbol der Rastafari. Die Bewegung zeichnet sich neben der Verehrung Haile Selassies durch die Ablehnung des westlichen Systems und den Kampf für die Gleichberechtigung der Schwarzen Bevölkerung aus. Mit den charakteristischen Dreadlocks grenzen sich die Rastafaris bewusst von den „weißen Unterdrückern“ ab. Neben dieser politischen Dimension symbolisieren die Dreadlocks aber auch Naturverbundenheit und stehen mit ihrer Ähnlichkeit zu einer Löwenmähne für die Verbindung zu Haile Selassie, den „Löwen Judas“. Manchmal wird die Frisur auch auf die biblische Geschichte von Samson (Richter 13-16) zurückgeführt, dem zufolge die Haare Sitz der Kraft sind und deshalb nicht geschnitten werden dürfen. Es gibt noch andere Gebote, zum Beispiel sollen Rastas kein Fleisch und kein Salz essen. Der Konsum von Marihuana bei der Meditation ist dagegen erlaubt.

Aber Bob Marleys Dreadlocks sind nicht nur Zeichen seines persönlichen Glaubens. Mit ihnen kam der Reggae und mit dem Reggae die Lebensphilosophie der Rastas: Nächstenliebe und der Kampf für Gleichberechtigung von Schwarzen. Eine Botschaft, die Marley nicht nur in seinen Texten verbreitete, sondern auch lebte. Als es in Jamaika zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen von Anhängern der Regierungspartei PNP und denen der Opposition kam, bat Bob Marley den damaligen Premierminister und den Oppositionsführer beim One Love Peace Concert auf die Bühne. Mit sanftem Nachdruck bewegte er sie zum historischen Handschlag. Die Parteien beendeten in der Folge weitgehend ihre Auseinandersetzungen.

Dass Bob Marley bis zur letzten Konsequenz zur Lebensweise des Rastafari stand, zeigt tragischerweise sein Tod. Als unter seinem Zehnagel Hautkrebs diagnostiziert wurde, weigerte sich Marley aufgrund seines Glaubens, den Zeh zu amputieren. Einige Zeit später hatte sich der Krebs in seinem Körper ausgebreitet und ließ ihn sogar seine Dreadlocks verlieren. Mit nur 36 starb er 1981 schließlich auf dem Rückflug von Deutschland nach Jamaika.

Auch heute gibt es Rastafari, die aus religiösen Gründen Dreadlocks tragen. Doch hat sich die Frisur mittlerweile von dieser Bedeutung gelöst. Vielmehr ist der Rasta-Look für Jugendsubkulturen zu einer Möglichkeit geworden, sich abzugrenzen. Die Dreadlocks sind ein Zeichen für Individualität und Rebellion gegen Konventionen. Eine ideologische Bedeutung kommt den Dreadlocks auch in Zusammenhang mit der US-amerikanischen Black-Power-Bewegung zu: Afroamerikaner*innen nutzten die als natürlich empfundene Frisur, um gegen die Unterdrückung von Schwarzen zu protestieren. Noch größere Beliebtheit erlangte in dieser Zeit allerdings der Afro.

 

Angela Davis: Der Afro als politischer Protest

Angela Davis

Angela Davis‘ Afro steht nicht bloß für einen Modetrend. (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-M0804-0757 / CC-BY-SA 3.0 via wikimedia commons)

Laut dem New York Times Magazine ist sie eine der 50 wichtigsten Mode-Trendsetter des 20. Jahrhunderts: Angela Davis mit ihrem Afro. Eine Bezeichnung, mit der sich die afroamerikanische Aktivistin so gar nicht identifizieren kann – sie möchte nicht als eine Frisur in Erinnerung behalten werden.

„It is both humiliating and humbling to discover that a single generation after the events that constructed me as a public personality, I am remembered as a hairdo.“ – Angela Davis

Denn Angela Davis ist eine der bekanntesten Protagonistinnen der US-amerikanischen Black-Power-Bewegung. Seit den 60er-Jahren engagiert sie sich in vielfältigen Bereichen politisch, besonders für Bürger- und Frauenrechte. Die Aktivistin auf ihre Rolle als Trendsetterin zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht. Allerdings steht der Afro symbolisch für eine Bewegung – und für eine Frau, die sich dem Kampf gegen die Unterdrückung verschrieben hat.

 

Die intellektuelle Rebellin

Bereits in ihrer Kindheit wurde Angela Davis mit dem allgegenwärtigen Rassismus der Südstaaten konfrontiert. Geboren 1944 in Birmingham, Alabama, wuchs sie in einem Stadtteil auf, der „Dynamite Hill“ genannt wurde. Der Ku Klux Klan verübte hier immer wieder rassistisch motivierte Anschläge. Mit 15 Jahren erhielt Angela Davis ein Stipendium von einer Privatschule in New York. Dort kam sie das erste Mal mit dem Kommunismus in Berührung und schloss sich einer entsprechenden Organisation an. In den 60er-Jahren studierte Davis erst Französisch in Massachusetts und Paris. In dieser Zeit lernte sie den Politikphilosophen Marcuse kennen, der ihr einen Studienplatz in Frankfurt vermittelte. Hier studierte sie Philosophie und Soziologie unter anderem bei Adorno und Horkheimer. Ihren Master absolvierte sie dann an der University of California, San Diego, bei Marcuse und promovierte schließlich an der Humboldt-Universität in Ostberlin.

Angela Davis

Angela Davis war und ist eine gefragte Rednerin, wie hier 1972 in Russland. (Bild: RIA Novosti archive, image #36716 / Yuriy Ivanov / CC-BY-SA 3.0 via wikimedia commons)

Die Studienzeit prägte Angela Davis in ihren politischen Überzeugungen. Sie schloss sich dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) an, einer bedeutenden Organisation der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung und war kurze Zeit Mitglied der Black Panther Party. Beide verließ sie und trat stattdessen dem Che-Lumumba-Club bei. Dabei handelte es sich um die Schwarze Fraktion der Kommunistischen Partei (CPUSA) in Los Angeles. Mit der Bürgerrechtsbewegung kam ein neues Selbstbewusstsein der Afroamerikaner*innen. Nach dem Motto „Black is beautiful“ wurde die Rückkehr zum natürlichen krausen Haar mit dem Afro gefeiert. Anfangs noch strenger frisiert wurden die Afros immer größer – Angela Davis trieb diesen Trend an die Spitze. Aber sie war generell eine Frau, die auffiel; nicht nur mit ihrem Look, auch mit ihren Ansichten. So wurde ihr Vertrag als Dozentin an der University of California nicht verlängert, obwohl sie äußerst beliebt war.

Vom Fahndungsfoto zur internationalen Symbolfigur

Weltweite Bekanntheit erlangte Angela Davis kurze Zeit später jedoch aus einem anderen Grund. Sie hatte sich für die Rechte von Gefangenen eingesetzt und war dabei mit drei Häftlingen im Soledad-Gefängnis in Kontakt gekommen, unter anderem George Jackson, der sich im Gefängnis der Black Panther Party anschloss. Dessen Bruder unternahm im August 1970 einen missglückten Befreiungsversuch, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Eine der verwendeten Waffen war auf Angela Davis zugelassen. Sie tauchte unter und kam auf die FBI-Liste der „10 Most Wanted“-Verbrecher*innen. Nach zwei Monaten wurde sie gefasst und saß für über ein Jahr in Untersuchungshaft.

Angela Davis

Ein Gesicht, das um die Welt ging – mit ihrem markanten Afro wurde Angela Davis international bekannt. (Bild: thierry ehrmann via flickr)

Als Reaktion darauf formierte sich weltweit eine „Free Angela-Bewegung“, die ihre Freilassung forderten. Angela Davis und ihr Afro, die auf zahlreichen Postern und Flyern zu sehen waren, wurden zum Symbol des Protestes gegen den Machtmissbrauch des Justizsystems. Nachdem sie schließlich freigesprochen wurde, setzte sie ihr politisches Engagement fort, lehrte an verschiedenen Universitäten, schrieb zahlreiche Bücher und kandidierte für das Amt der US-Vizepräsidentin.

Auch heute noch ist Davis eine wichtige Stimme gegen Unterdrückung. Ihr politisches Engagement ist vielfältig: Ob Frauenrechte, Gefängnisreform oder Rassismuskritik – Angela Davis betont die Notwendigkeit des sozialen Wandels. Ein Wandel, für den auch ihr Afro symbolisch steht.

Zeit der Ikonen

In vier ganz unterschiedliche Menschen zeigt sich der Zeitgeist der 60er-Jahre. Audrey Hepburn, die ein neues selbstbewusstes Frauenbild verkörpert. Die Beatles, deren Musik sich abheben will vom Mainstream. Bob Marley, der die Idee des Rastafari von Liebe und Frieden in die Welt trägt. Angela Davis, die sich unermüdlich für die Rechte von Unterdrückten einsetzt. In einer Zeit der Umbrüche sind es vor allem die jungen Menschen, die die alte Ordnung hinterfragen. Sie wollen sich abheben von älteren Generationen, protestieren gegen eingefahrene Muster und sehnen sich nach Gerechtigkeit. Dafür suchen sie nach Vorbildern, die auf unterschiedliche Weise diese Bedürfnisse erfüllen.

An ihnen orientieren sich die jungen Menschen – auch modisch. Die Frisur ist dabei eine Möglichkeit, die eigene Einstellung auszudrücken. Vielleicht folgen einige mit ihrem Haarschnitt nur dem Trend der Masse. Doch sie verhelfen den ikonischen Frisuren zu einer Symbolkraft, die in Erinnerung bleibt. An die 60er-Jahre erinnert man sich: wegen ihrer Protagonist*innen und ihren Frisuren, die anders sind, die ein neues Selbstbewusstsein zeigen, die für eine Zeit des Wandels stehen.

Autorinnen: Caroline G. und Anne D.

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Audrey Hepburn

Die Beatles

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Ihr wollt mehr über die Beatles erfahren? In Hamburg werden spezielle Führungen zur Geschichte der Beatles in der Hansestadt angeboten. Weitere Informationen gibt es hier: Beatles-Tour Hamburg

Auch heute wird der Pilzkopf-Schnitt noch getragen: Der neue Pilzkopf

Bob Marley

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Angela Davis

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Geister suchen wir in dunklen Ecken, schaurigen Ruinen oder auf dem Friedhof – doch was ist eigentlich mit den lebenden und analysierenden Geistern zwischen den Bücherregalen der Bibliotheken? Die Geisteswissenschaften werden genau wie ihre untoten Verwandten gefürchtet oder belächelt. Ein Plädoyer für den Mut, sich seines Geistes zu bedienen.

Das Abitur in der Tasche und voller großer Ideen und Fragen, was die Welt zusammenhält. Was ich werden will? Das weiß ich noch nicht so genau – mich interessieren Menschen und Literatur, ich mag Sprachen und fremde Kulturen. Ich entscheide mich gegen die Vernunft in meinem Kopf und folge meinem Herzen: Anglistik soll es sein. Meine Eltern sind nicht sonderlich überrascht – „Das passt zu dir!“ Was „Das“ ist, wissen wir zu dem Zeitpunkt alle nicht so genau.

An der Universität erfahre ich, dass ich nun zu den sogenannten Geisteswissenschaftler*innen gehöre. Dass Anglistik nur ein kleiner Teil im riesigen Becken der verschiedenen Disziplinen der Geisteswissenschaften ist, begreife ich anfangs noch nicht. Allein an der Universität Tübingen zählen über 25 Institute zur Philosophischen Fakultät, von der Geschichtswissenschaft über die Kunstwissenschaft bis hin zu den Philologien, in denen ich mein Zuhause gefunden habe. Schnell wird klar, die Geisteswissenschaft lebt vom interdisziplinären Austausch. Ich fühle mich wohl zwischen Geschichte-Nerds und Literaturliebhaber*innen und es dauert nicht lange, bis ich mich selbst auch zu dem abstrakten Feld der Geisteswissenschaftler*innen zähle.

„Und was macht man dann damit?“

Laut des Statistischen Bundesamtes entschieden sich im Wintersemester 2017/18 12 Prozent aller Studienanfänger*innen für ein geisteswissenschaftliches Studium an einer deutschen Hochschule. Die Geisteswissenschaften zählen damit zu den großen Universitätswissenschaften und reihen sich neben den Natur- und Sozialwissenschaften ein. Auch wenn 12 Prozent sich nach eher wenig anhören, hat sich die Zahl der Einschreibungen für Geisteswissenschaften seit dem Wintersemester 2015/16 immerhin um 3.000 Studierende in ganz Deutschland erhöht.

Geisteswissenschaftler*innen vergraben sich gerne in Bibliotheken – Vorurteil mit wahrem Kern?

Das Studium beginnt. Endlich bin ich umringt von gleichgesinnten Jane-Austen-Freaks und besuche Seminare zu Theater- und Kulturwissenschaft. Ich lerne alles über Literaturanalyse, den weiten Kulturbegriff und darüber, wie man in kürzester Zeit drei Bücher parallel liest. Lesen ist so ziemlich das einzige, was ich tue, doch das stört mich nicht.

Die Semester fliegen nur so dahin, bis ich das erste Mal auf die Frage aller Fragen antworten muss: „Und was macht man dann damit?“ Ich werfe mit Fachbegriffen um mich und versuche möglichst schlau zu klingen. Schnell merke ich jedoch, dass das mein Gegenüber nicht zufriedenstellt. Von da an wechsle ich zwischen Selbstironie und einem selbstbewussten „Nichts!“, bis hin zu ansatzweise greifbaren Berufen wie Lektorin oder Kulturreferentin. Beides sind Berufe, in denen ich mich eigentlich nicht sehe.

Geisteswissenschaftlerin oder Geisterjägerin?

Langsam realisiere ich, dass außerhalb des universitären Lebens niemand so wirklich weiß, was Geisteswissenschaften genau sind – und vor allem, warum es sie gibt. Selbst ratlos über die Wissenschaft, mit der ich meine Zwanziger verbringe, beginne ich das zu tun, was die Geisteswissenschaftler*innen am besten können – recherchieren.

Der Philosoph Wilhelm Dilthey (1833-1911) sieht den Hauptcharakter der Geisteswissenschaften in dem Versuch, menschliches Handeln zu verstehen. Damit konnte er sie von den Naturwissenschaften abgrenzen, die allgemein gesprochen das Ziel des Erklärens von Naturphänomenen anstreben. Das Einzelne verstehen kann aber nur derjenige, der das Ganze im Blick hat – das Ganze ergibt sich wiederum durch das Einzelne. Es entsteht eine Art Kreislauf – der sogenannte hermeneutische Zirkel. Man merkt, wir machen uns das Leben gerne selber schwer.

Geisteswissenschaftler*innen bedienen sich ihres kritischen Geistes.

Wahrscheinlich könnte die Gesellschaft mit einer Ausbildung zur Geisterjägerin mehr anfangen, wäre zwar schräg, aber immerhin konkret. Nein, wir Geisteswissenschaftler*innen denken abstrakt und deswegen sind unsere Forschungsfelder es nun mal auch. Es geht nicht darum, zu versuchen das Tonndorfer Schlossgespenst zu fangen, sondern zu hinterfragen, wie diese Legende der weißen Frau überhaupt an Popularität gewinnen konnte.

In dem Sammelband „Geisteswissenschaft heute – Die Sicht der Fächer“ verteidigt Julia Aparicio Vogel die Existenz meines Studiengangs:

„In einer Welt, die zunehmend von Informationsüberfluss und Laienwissen dominiert wird, ist ein solcher kritischer Zugang, das Wissen um die Subjektivität jeglicher Meinung, aber auch das Expertenwissen, das die Geisteswissenschaften sehr wohl vermitteln, wichtiger denn je.“

Was G’scheits

Dieser Satz kann auch nur von einer Geisteswissenschaftlerin geschrieben sein – aber wie Recht sie damit hat. Geisteswissenschaften lehren nicht über Steuererklärungen, Kochrezepte oder Businesspläne. Es geht nicht darum, etwas „G’scheits“ zu lernen, wie man in Baden-Württemberg so schön sagt, sondern darum, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen (um Immanuel Kant hier nebenbei mal einfließen zu lassen und zu zeigen, dass sich mein Studium doch im Alltag einbringen lässt!).

Die Geisteswissenschaften beobachten mit einem differenzierten Blick gesellschaftliche Phänomene anhand verschiedener Methoden, immer darauf bedacht, das Ganze im Blick zu haben. Ich beende mein Bachelorstudium und bin zufrieden. Mein Interesse ist geweckt, am Alltäglichen und an Dingen, die Menschen bewegen. Ich habe gelernt zu hinterfragen, warum wir unser Handeln mit „Das macht man halt so“ erklären.

Im Master entscheide ich mich für die Medienwissenschaft und bleibe damit den Geisteswissenschaften treu. Ich freue mich, die lästige Fragerei nach dem Sinn meines Studiums endlich los zu sein – unter Medienwissenschaft kann sich die Allgemeinheit ja vielleicht doch etwas vorstellen. Auf die Frage aller Fragen antworte ich nun voller Zuversicht, als Antwort bekomme ich: „Aah irgendwas mit Medien“. Ist zwar nicht besser, aber immerhin antworte ich jetzt ganz konkret auf die Berufsfrage mit: „Total viel!“ – Gelogen ist das nicht.

Gesellschaftstheoretiker, Ökonom, Philosoph ‒ und Hipster!? Karl Marx ist so populär wie nie, seine Theorien haben Hochkonjunktur. Doch was ist davon noch aktuell, was aus der Zeit gefallen? Und wie steht es heute um das ‚Gespenst des Kommunismus‘?

Karl Marx wird 200 Jahre alt ‒ die deutschen Medien gratulieren höflich. „Karl Marx ‒ der deutsche Prophet“ lautet der Titel eines Doku-Dramas, das im ZDF gezeigt wird. Die Süddeutsche kommentiert: „Die Lektüre von Marx ist ein Schlüssel zur Welt von heute“, bezeichnet ihn als ‚Visionär‘. In seiner Geburtsstadt Trier gipfeln die Feierlichkeiten in Marx-Statue und Marx-Ampelmännchen. Manche(r) Journalist*in dürfte noch Tage nach dem Jubiläum in einer Eistonne liegen und den von Schreibkrämpfen geschüttelten Körper kurieren. Marx, der Visionär und Prophet ‒ was ist von seinen Vorhersagen heute noch übrig? Waren seine ‚Prophezeiungen‘ zutreffend oder bloße Kaffeesatzleserei?

Auch Päpste fürchten Gespenster

Karl Marx und Friedrich Engels als Statue in Berlin (Foto: Pixabay).

Die Autoren des „Manifests der Kommunistischen Partei“ als Statue in Berlin (Foto: Pixabay).

„Ein Gespenst geht um in Europa ‒ das Gespenst des Kommunismus.“ So beginnt das „Manifest der Kommunistischen Partei“ von Karl Marx und Friedrich Engels aus dem Jahr 1848. In dieser Zeit ist ‚Kommunismus‘ ein Kampfbegriff. Er wird verwendet, um politische Gegner*innen zu verunglimpfen. Bei den Herrschenden verursacht das Wort Albträume. Sie wollen ihren Untergebenen den bösen Geist austreiben ‒ am liebsten per Exorzismus. Selbst der Segen von Papst Pius IX. ist ihnen dabei sicher. Denn für Pius IX. ist Kommunismus eine Seuche und einer der großen Irrtümer der Epoche.

Marx selbst kämpft ebenfalls gegen das Gespenst. Allerdings will er der Welt die Angst vor der Spukgestalt nehmen und mit dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus aufräumen. Aus dieser Motivation heraus entsteht das „Manifest der Kommunistischen Partei“. Was Marx darin schreibt, strotzt nur so vor gesellschaftlichem Sprengstoff. Er kritisiert, wie die Oberschicht die Fabrikarbeiter*innen, das Proletariat, ausbeutet. Sein zentrales Thema ist dabei der Klassenkampf, der zur gewaltsamen Revolution, dem Aufstand des Proletariats führt. Am Ende stehe die Umgestaltung der Gesellschaft oder ihr Untergang.

Marx‘ Warten auf die Revolution

Statue von Marx in Trier

Zumindest als Statue kam er nach Trier zurück (Foto: Pixabay).

Auf den Knall des selbst beschworenen Pulverfasses wartet Marx vergeblich. Lediglich der Pariser Juniaufstand im Jahr 1848 entzündet sich an der Sozialen Frage ‒ doch der erhoffte Flächenbrand bleibt aus. In Großbritannien, dem Vorreiter der Industrialisierung, gibt es kein Revolutionsbestreben. Es wäre ein Vorzeigebeispiel für seine Theorie gewesen. An benachteiligten Proletarier*innen hätte es nicht gemangelt. Stattdessen gewährt Großbritannien Marx Zuflucht vor den Exorzist*innen. Ausgerechnet der Staat, der wie kaum ein zweiter das symbolisiert, was der Kommunist verabscheut. Das ist wohl britischer Humor.

Im Exil rückt Marx vom Klassenkampf ab und wendet sich der Ökonomie zu. Die Wirtschaftsordnung produziere Krisen, Krisen führten zu Umstürzen, so sein neues Mantra. Er schreibt es in „Das Kapital“ nieder. Wieder beginnt das Warten auf die prognostizierte Revolution. Zumindest kann sich der Exil-Trierer damit trösten, dass er nicht alleine warten muss. Um ihn scharen sich ganze Horden von Marxist*innen. Mit unnachgiebigem Blick fixieren sie den Boden ihrer Kaffeetassen. Dort wollen seine Jünger*innen die Anzeichen für die bevorstehende Revolution erkennen, orakeln in Wirtschafts- und Börsenberichten um die Wette. Doch was sie auch im Kaffeesatz zu lesen glauben ‒ die Revolution nach Marx‘ Vorbild lässt sich nicht herbeireden.

Die Wahrheit im Kaffeesatz

Während der Begründer des Marxismus mit seinen Revolutionsprognosen irrt, soll er an anderer Stelle Recht behalten. Bei all der Kritik, mit der er sich am Wirtschaftssystem des Kapitalismus abarbeitet, so erkennt Marx dennoch dessen Potenzial. Der Kapitalismus bietet die Möglichkeit, Wohlstand zu erzeugen, wenn auch ungleich verteilt. Marx denkt über europäische Grenzen hinaus, spricht bereits im „Manifest der Kommunistischen Partei“ vom ‚Weltmarkt‘. Er sieht die Globalisierung voraus und warnt vor der Selbstbereicherung durch Manager*innen.

Porträt von Karl Marx

Voll im Trend mit Hipster-Bart, schon im Jahr 1875 (Foto: John Jabez Edwin Mayall).

Auch das Gespenst des Kommunismus hat seinen Schrecken nicht verloren. Der böse Geist soll dem Staatsapparat vielerorts ausgetrieben werden. Das zeigen diverse Kommunist*innenverfolgungen, beispielsweise in der NS-Zeit. Eine Hetzjagd, die Marx schon 1848 thematisiert. Die Plätze der Exorzist*innen haben mittlerweile andere eingenommen. So tun sich die USA auch nach Ende des Kalten Krieges damit schwer, kommunistische Staaten zu akzeptieren. Denn so viel ist klar: Kommunismus ist unamerikanisch.

Der Hipster Karl Marx

Am aktuellsten bleibt dabei aber seine Kapitalismuskritik, denn die Soziale Frage wird weiterhin diskutiert. Marx deckt die Schwächen des Systems auf: Lohn- und Leistungsdruck auf Seiten der Angestellten, Konzentration der Gewinne bei den Unternehmer*innen. Das führt zur wachsenden Ungleichheit zwischen beiden Gruppen, dazu kommen hohe Mietpreise und Wohnungsmangel in den Städten. Nein, das ist keine zeitgenössische Kritik aus Martin Schulz‘ Wunschwahlprogramm. Das ist Marx ‒ direkt aus dem 19. Jahrhundert. Der Begründer des Marxismus ist aktuell und liegt im Trend. Auch seine äußerliche Erscheinung würde heute wohl kaum aus der Reihe fallen: Die Haare zum ‚Man Bun‘ gebunden, ein anerkennendes Nicken beim Betreten gewisser Berliner Clubs und Cafés wäre ihm sicher. Das erkennt allerdings nur, wer sich von seinem an Kriegstreiberei grenzenden Klassenkampf-Gerede nicht abschrecken lässt.

Die aktuelle Lesart der Werke dürfte auch den heutigen Hype um seine Person erklären ‒ und die überschwänglichen Journalist*innen. Dennoch irrte sich Marx gerade bei seinen großen Revolutionsprognosen.  Besonders das „Manifest der Kommunistischen Partei“ sollte frei nach Mao Zedong im Kern ein Papiertiger bleiben. So findet sich beim Blick in Marx‘ Tasse nicht nur Wahres im Kaffeesatz ‒ obwohl Marx‘ Kaffee keineswegs abgestanden schmeckt.

Wie die geschichtlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen der letzten 100 Jahre, so waren auch die Frisurentrends in China äußerst abwechslungsreich. Wie Kapitalismus und Kommunismus sowie östlicher und westlicher Stil wechselten sich dabei lockige und glatte Haare ab. Jede Generation chinesischer Frauen hatte ihre eigenen Vorlieben. Betrachten wir also die Geschichte der Haartrends in diesem fernen, oft fremden Land.

1910

Frauen zur Zeit der Qing-Dynastie, Quelle: http://www.happyjuzi.com/article-30426.html

In der ersten Dekade des letzten Jahrhunderts ging die Qing-Dynastie zu Ende. Damals zogen die chinesischen Frauen der Mittelschicht noch einen Scheitel und trugen einen Dutt auf dem Kopf. Der traditionelle Charakter der Frisuren der Qing-Dynastie blieb noch lange bestehen und wurde vereinfacht. Das würdevolle Haar war zudem sehr niedrig gekämmt und zeigte eine natürliche Schönheit ohne Make-up.

1920

Ruan Linyu, Quelle:http://www.sohu.com/a/155357950_488934

In den 1920er Jahren, unter dem Einfluss der zeitgenössischen Hollywood-Filme, begannen die Damen beispielsweise, rote Lippen zu bevorzugen. Und auch Bob-Frisuren mit kurzen lockigen Haaren wurden zum Modetrend der Frauen in dieser Zeit. Die Qing-Dynastie endete schließlich. Und die Mädchen durften danach zur Schule gehen. Die gebildeten Frauen wurden zu Pionierinnen der Mode. Sie lernten neue Kleidungen und Frisuren von westlichen Vorbildern kennen. Eine legendäre chinesische Schauspielerin sticht außerdem hervor: Ruan Lingyu war das Vorbild der modernen chinesischen Frau.

1930

Werbung im „Shanghai Girl Style“, Quelle: http://www.happyjuzi.com/article-30426.html

Die 1930er Jahre waren die Welt der Shanghaier Frauen-Modeszene. Der Make-up-Look „Shanghai Girl Style“ begann sich auf die Modetrends des Landes auszuwirken. „Shanghai Girls “ brachten eine radikale Änderung des Haarschnitts mit: Auch in der damaligen Werbung trugen dementsprechend viele Frauen Pony-Frisuren.

1940

Frisur, 40er-Jahre, Quelle: http://www.sobiranistes.info/frisuren-40er-176463/frisuren-40er-new-manner-frisur-40er-jahre-stilvolle-frisuren-beliebt-in-deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während des Zweiten Weltkriegs trugen die meisten Frauen kurze Haare, an Mode wurde wenig gedacht. Nach dem Krieg, verwestlichten chinesische Frauen auch ihre Schminke und Haar-Accessoires noch stärker. Schwerpunkt der Nachahmung waren dabei die Wellenlocken westlicher Frauen.

1950

Quelle:http://www.jiemian.com/article/1337417.html

In den 1950er Jahren, als das „Neue China“ gerade erst gegründet war, setzte sich der Kommunismus durch. Auch gefielen viele Frauen sich nun in einem Image der „ruhmreichen Arbeiterinnen“. Das Bild der sonnengebräunten Landfrau war in dieser Zeit der Maßstab für Schönheit. Die Frisuren sollten deshalb so einfach wie möglich sein.

1960

Rote Garde, Quelle: http://book.ifeng.com/dutu/detail_2011_05/26/6640780_9.shtml

In den 1960er Jahren, während der Kulturrevolution, wurden die Roten Garden populär: Zwei lange Zöpfe hingen an beiden Seiten, und es gab eine sehr beliebte chinesische Armee-Mütze. Die meisten Frauen trugen damals eine Armee-Uniform und lasen zudem das Buch von Revolutionär Mao. Die „Große Proletarische Kulturrevolution“ war eine politische Kampagne in China, die gegen „kapitalistische, bürgerliche und traditionalistische Infiltrierungen“ der Gesellschaft kämpfte.  Dabei wurden allerdings viele Menschen verhaftet und ermordet. Es war also eine Atmosphäre der politischen Polarisierung.

1970

Chinesische Frauen der 70er Jahre, Quelle: http://www.360doc.com/content/15/0713/12/10988502_484611499.shtml

In den 1970er Jahren, als die Kulturrevolution endete, wehte die Ästhetik westlicher und kapitalistischer Frauen jedoch nach China zurück. Und das weibliche Bild des Westens gewann wieder an Popularität. Dieser Zeitpunkt ist ein wichtiger Wendepunkt in der chinesischen Geschichte. Einerseits stellte man das Gaokao (Nationales Examen zur Hochschulaufnahme), welches während Kulturrevolution unterbrochen worden war, im Jahr 1977 wieder her. Andererseits startete die Führung 1978 Reformen und eine Öffnung: gegenüber der Welt und insbesondere dem Westen. Individuelles Aussehen war danach wieder erlaubt.

1980

1980 Frauen in Peking, Quelle:https://m.sohu.com/a/73719692_209914

In den 1980er Jahren wurde China nach Reform und Öffnung von der westlichen Ästhetik stark beeinflusst. Zu dieser Zeit waren viele Frauen nicht nur von gewagten Locken wieder begeistert, auch Accessoires im westlichen Stil wurden populär. Die Dauerwelle war erneut die angesagteste Frisur. Ebenso beliebt war es für Frauen, in einem Friseursalon zu arbeiten.

1990

Hongkonger Frauen mit Stirnband, Quelle: http://www.sohu.com/a/165241700_682491

In den 1990er Jahren entstanden viele chinesische Filme, besonders Hongkong konnte so eine filmische Blütezeit einläuten.  Viele jungen Frauen ahmten die Figuren dieser heimischen Filme nach. Seitdem waren nicht mehr lockige Haare das Maß aller Dinge, sondern glattes Haar. Chinesinnen bevorzugte kurze Bobs und Stirnband. Als die Hongkonger Frauen neue Make-Up-Trends setzten, schwappte dieser Trend auch auf das chinesische Festland.

2000

Zhang Ziyi, Quelle: http://chinamediaproject.org/2012/05/29/posts-on-actress-zhang-ziyi-removed-from-weibo/zhang-ziyi/

Um das Jahr 2000 herum kam der Standard der weiblichen Frisuren von der berühmten chinesischen Schauspielerin Zhang Ziyi. Ihr blasses Gesicht, helles Make-Up und dunkles Haar wurde zum chinesischen Schönheitsideal dieser Zeit. Seitdem stand der Minimalismus im Vordergrund.

Heute

Yangmi, Quelle:http://wemedia.ifeng.com/47291619/wemedia.shtml

Heutzutage hat sich die Popkultur aus Südkorea bis nach China ausgebreitet. Koreanische Schauspielerinnen beeinflussen mit Make-Up und Frisuren die chinesischen Frauen. Mit dunklem Augen-Make-Up und langen lockigen Haaren halten sich viele entsprechend für lebendige Göttinnen.

 

Lust auf mehr Frisurengeschichte? Lest unseren Beitrag „100 Jahre Haare – Geschichte auf dem Kopf“.

Eine junge Frau von 24 Jahren, ein Holzflugzeug mit 80 PS und ein waghalsiger Plan: Die Welt im Alleinflug zu umrunden. Elly Beinhorn hob 1932 in Berlin ab und startete ihr Abenteuer in Richtung Indien. Knapp 8 Monate und 31 000 km später landete sie wieder in Deutschland. Dort wurde sie als Heldin gefeiert, und galt wenige Jahre später im Nationalsozialismus als Vorzeige-Deutsche. Ein Leben zwischen Weltreisen, Medienrummel und NS-Ideologie.

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Wer jemandem die Haare gewaltsam abschneidet, demonstriert Macht. Für das Opfer bedeutet es Demütigung.  „Horizontale Kollaborateurinnen“, angebliche Hexen, Sklaven – ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Kahlscheren ist immer wieder angewendet worden, um zu bestrafen, Kräfte zu brechen oder Menschen zu entwürdigen.

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Das Haar auf dem Körper ist oftmals ein ungewollter Wuchs. Deshalb finden sich auch unzählige Beseitigungsmöglichkeiten auf dem Markt. Wer nun aber glaubt, dass der Wunsch des Menschen nach einem haarlosen Körper ein Trend der Moderne sei, der liegt daneben. Die Wurzeln der Haarentfernung reichen bis weit in die Vergangenheit zurück. Dieser Artikel gibt in aller Kürze einen Einblick in die Geschichte des unerwünschten Haars – vom Höhlenmenschen bis zur Gegenwart.
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Schmuck aus Menschenhaar? Das klingt erst einmal befremdlich, für manch einen vielleicht sogar unappetitlich. Dieses Kunsthandwerk hat aber eine lange Tradition. Beschäftigt man sich näher damit, so erkennt man die Romantik und Kunstfertigkeit, die dahintersteckt. Weiterlesen

Krieg und Hippietum, Unterdrückung und Emanzipation, Politisierung und Popkultur – die Geschichte der letzten hundert Jahre war eine ziemlich wilde Achterbahnfahrt. Jedes Jahrzehnt zeichnet sich dabei durch sein ganz eigenes Lebensgefühl aus. Ein Gefühl, das sich immer auch deutlich auf den Köpfen seiner Zeitzeugen zeigte. Über kurz in den 20ern oder lang in den 60ern, die Frisur war Verlängerung der Persönlichkeit, politisches Statement oder manchmal sogar Protest. Zwischen Prüderie und Paris Hilton liegt immerhin ein ganzes Jahrhundert. Im Folgenden erwartet euch eine haarige Zeitreise. Und wer den ewigen Kreislauf der Mode durchschaut hat, der weiß: Der Blick zurück in die Geschichte der Haartrends könnte sich lohnen…

 

1910

Gibson Girl Zeichnung des Künstlers Charles Dana Gibson

Quelle: Wikipedia

Unsere Geschichte beginnt 1910 mit dem Gibson Girl: der idealtypischen Darstellung einer eleganten, jungen Dame. Benannt ist sie nach dem amerikanischen Cartoonisten und Illustrator Charles Dana Gibson, von dem auch die obige Zeichnung stammt. Die bevorzugte Gibson-Girl-Frisur ist ein Knoten oben auf dem Kopf, so hoch aufgetürmt wie nur möglich. Abgesehen von der voluminösen Haarpracht war es für das Gibson Girl unabdingbar, einen tadellosen Ruf zu genießen. Über 20 Jahre hinweg zeichnet Gibson ikonische Abbilder der Weiblichkeit, während die Suffragetten für das Frauenwahlrecht und mehr Unabhängigkeit auf die Straße ziehen.

 

1920

Flapper Girl aus den 20er Jahren

Quelle: Getty

Die Goldenen Zwanziger stehen für den Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg. Sie werden beherrscht durch Rausch, Lebensfreude und die Emanzipation der Frauen. Viele hatten in der Kriegsindustrie gearbeitet, erstmals eigenes Geld verdient und damit ein gewisses Maß an Selbstbestimmung erlangt. Entgegen der gesellschaftlichen Normen schneiden sich die „Flappers“ ihre langen, als weiblich geltenden Haare ab. Zudem tauschen sie das enge Korsett gegen weich fallende Kleider. Denn diese Frauen trinken, rauchen und treiben Sport, um sich über die altehrwürdigen Regeln des „guten Benehmens“ hinwegzusetzen. Die beliebtesten Frisuren heißen damals: Bubikopf, Garcon oder Eton-Schnitt. Hauptsache kurz und anders.

 

1930

Foto von Vivien Leigh mit kurzem Lockenhaarschnitt

Quelle: Getty

In der ökonomisch schweren Zeit der 30er Jahre ist kein Platz mehr für die Lebenslust der Flappers. Mit dem New Yorker Börsencrash beginnt die Weltwirtschaftskrise. Es folgt eine Zeit der Rückbesinnung auf alte Ideale und traditionelle Werte. Die Androgynität wird abgelegt und die Haare werden wieder länger, wie man hier bei Vivien Leigh sieht. Die Erfindung der Dauerwelle erfreut sich großer Beliebtheit.

 

1940

Frau mit Haarnetz-Frisur aus den 40er Jahren

Quelle: Pinterest

Der Zweite Weltkrieg prägt auch die Haarmode der 40er Jahre stark. Der Alltag ist bestimmt durch ständige Sorgen und den Kampf um das Überleben. Aus diesem Grund muss es auf dem Kopf praktisch zugehen: Zöpfe, Haarnetze oder Kopftücher sind jetzt angesagt.

Betty Grable mit der Frisur Victory Rolls

Quelle: Getty

Sollte es in den 40ern dann doch ein wenig schicker sein, orientiert man sich an Leinwandheldinnen wie Rita Hayworth oder Betty Grable (Bild). Die Victory Rolls haben Konjunktur: zwei nach oben gedrehte Rollen, die aufeinander zugewickelt sind. Ursprünglich war eine Victory Roll ein akrobatisches Flugzeug-Manöver, das die Piloten vollführten, wenn sie erfolgreich aus der Schlacht zurückkehrten.

 

1950

Marilyn Monroe mit blonden Locken

Quelle: Getty

Mit Ende des Krieges wurden auch die praktischen Frisuren abgelegt. Die 50er Jahre stehen für Rock ’n‘ Roll und Swing. Die Haartrends dieser Zeit spiegeln ein neues Lebensgefühl von Freiheit wieder. Ob Marilyn Monroe mit ihren kurzen, blonden Locken…

Frisur aus den 50ern: Beehive.

Quelle: Pinterest

…oder die aufwändig hochtoupierten „Beehives“ (dt. Bienenkörbe) auf den Köpfen der Damen – das Motto ist ebenfalls Glamour.

 

1960

Janis Joplin mit wilder Hippiemähne und Zigarette in der Hand.

Quelle: Getty

Vietnamkrieg, Studentenunruhen und Bürgerrechtsbewegung. Die Jugend der 60er Jahre verlangt nach moralischer und sexueller Selbstbestimmung. Sie zweifeln Autoritäten an und entwerfen eine Gegenkultur: Hippies stehen für Pazifismus, Toleranz und eine freie Gesellschaft. Die Anhänger dieser Bewegung tragen ihre Haare deswegen lang und offen wie Janis Joplin. Ein Zeichen von Freiheit und Unabhängigkeit.

Bürgerrechtsaktivistin Angela Davis mit Afro.

Quelle: Getty

Auch die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung setzt auf ein haariges Statement. Der Afro ist das Zeichen für Gleichberechtigung. Die natürliche Krause, wie Aktivistin Angela Davis sie trägt, wird schließlich zum Symbol gegen die Anpassung an das „weiße Ideal“ und gegen Unterdrückung.

 

1970

Farrah Fawcett mit der 70er Frisur "feather cut".

Quelle: Getty

In den 70ern setzt sich die Emanzipation fort, Menschen politisieren sich und gleichzeitig beginnt die Disco-Ära. Viele kulturelle Strömungen beeinflussen zu dieser Zeit die Gesellschaft. Ebenso vielfältig wie die Kultur ist damals auch die Haarkunst. Ob lang, kurz, gelockt oder geföhnt – erlaubt ist, was gefällt. Und besonderen Gefallen findet der „feather cut“ von Farrah Fawcett. Der Schnitt, bei dem die Haarenden ab der Schläfe in Flügel geföhnt werden, geht um die Welt.

 

1980

Madonna mit großer Schleife im Haar. Bild aus den 80ern.

Quelle: Getty

Neon, Schulterpolster und seltsame Frisuren. Die 80er Jahre sind das Jahrzehnt des pulsierenden Lebens und der modischen Freiheit. Madonna wird zur Stilikone.

Cindy Lauper mit gelb-rot-blauen Haaren.

Quelle: Getty

Es geht ziemlich schrill und knallbunt zu, auch auf dem Kopf von Cindy Lauper: Vokuhilas, Dauerwellen und Regenbogenfarben gehören in den 80ern zum guten Ton. Es wird toupiert, geföhnt, gesprayt und gefärbt was das Zeug hält. Eine Strategie, die Gefahren des Kalten Kriegs zu verdrängen?

 

1990

Jennifer Aniston mit dem erfolgreichen "Rachel-Cut"

Quelle: Getty

Die 90er Jahre sind dann geprägt von einer Neuordnung: Der Kalte Krieg ist zu Ende und das Internet vernetzt die Welt. Popkulturell glänzt dieses Jahrzehnt unter anderem mit der Sitcom „Friends“. Es gibt wohl keine Frisur, die global jemals so erfolgreich war wie der „Rachel-Cut“. Schauspielerin Jennifer Aniston bringt den Stufenschnitt ihres Seriencharakters „Rachel“ auf die Köpfe eines ganzen Planeten.

 

2000

Mädchen mit auffälliger "Emo" Frisur in verschiedenen Farben.

Quelle: Pinterest

9/11 und Paris Hilton sind hingegen zwei ganz große Themen der 2000er, was augenscheinlich für ein Übermaß an Emotionen sorgt…

Christina Aguilera mit gekrepptem Haar und roten Strähnchen.

Quelle: The Gloss

Firmen wie Google, YouTube und Facebook starten in den Nullerjahren durch und wirklich jeder trägt einen MP3-Player bei sich. Aber ob diese Entwicklungen in Zusammenhang mit Kreppeisen und roten Blocksträhnchen steht, bleibt auch für Christina Aguilera ungeklärt.

 

2010 bis heute

Victoria's Secret Model Candice Swanepoel mit langen Beachwaves.

Quelle: Getty

Nach unserem Blick in die Geschichte sind wir wieder in der Gegenwart und damit unter anderem bei den Beachwaves von Victoria’s Secret Model Candice Swanepoel angekommen. Rückblickend fällt eines auf: In den letzten acht Jahren haben wir eine Trend-Zeitreise durchlebt. Ob Hippiemähnen der 60er, Kurzhaarschnitte der 20er oder einen Hang zur 90er Ästhetik – die Vergangenheit ist auf Stippvisite.

Miley Cyrus mit Kurzhaarschnitt und Undercut.

Quelle: Short Biography

Kombiniert werden die Klassiker (wie hier bei Miley Cyrus) mittlerweile gerne mit dem „undercut“, einer ausrasierten Haarpartie.