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Selten hat ein Protagonist einer Serie so eine große Entwicklung durchgemacht wie Walter White in Breaking Bad – inklusive seiner Haare. Diese entwickeln sich während der Serie parallel zu seiner Persönlichkeit. Neben seiner Frisur sind auch die Frisuren der anderen Figuren symbolisch aufgeladen. Und da die von Hairstylisten inszenierten Frisuren im Film selten ihre verdiente Aufmerksamkeit bekommen, soll sich das jetzt ändern.

 

Breaking Bad und Hairstylist? Wer diese Serie kennt, wird jetzt vermutlich lachen, denn ein auffälliges Stilmittel ist nicht nur Walter Whites Frisur, sondern auch die der anderen männlichen Protagonisten – nämlich die Glatze.

Quelle: @breakingbadedits, Instagram

Dieses Mem (deutscher Begriff für Meme, geht zurück auf Richard Dawkins) ging mit der Bildunterschrift „Kelly Nelson has the easiest job in the history of jobs“ durch das Internet. Natürlich finde ich nicht, dass Kelly Nelson den leichtesten Job der Welt hat. Wie meine Film-Dozentin immer so schön gesagt hat: „Film kostet Geld. Da passiert nichts zufällig!“ Und vor allem nicht, wenn die Glatze sich so durch die Serie zieht. Was steckt demnach hinter Nelsons Glatzen-Symbolik in Breaking Bad?

 

 

Vom Chemie-Lehrer zum Drogenbaron

Der erste Wendepunkt in Walter Whites Geschichte ist seine eher aussichtslose Krebsdiagnose. Aus diesem Schicksalsschlag heraus entscheidet er sich zu einem drastischen Schritt. Anstatt weiter Chemie-Unterricht in einer High School zu geben, kocht er Crystal Meth, um seiner Familie nach seinem Tod genug Geld zu hinterlassen. Für manche zur Einstimmung, für andere zur Wiederholung, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung der fünf Staffeln Breaking Bad in drei Minuten:

 Je weniger Haare desto gewalttätiger

Wie man im Mem oben sehen kann, hat fast der ganze Männercast der Serie wenige Millimeter lange bis gar keine Haare. Im Allgemeinen beobachtete ich während der Serie Folgendes: je weniger Haare die Figuren haben, desto gewalttätiger, gefährlicher und teilweise auch böser werden sie. Das folgt ganz dem Vorbild anderer Bösewichte der Filmgeschichte wie Ernst Blofeld bei James Bond oder Lord Voldemort in Harry Potter.

Walter White Jr. und Gale Boetticher sind die einzigen beiden sympathischen, netten und ungefährlichen männlichen Hauptfiguren der Serie. Und guess what, sie haben beide volles Haar. Die einzige Waffe, die die beiden haben, ist vielleicht ihre Sensibilität oder ihre geradezu naive Nettigkeit.

Saul Goodman mit seiner immer perfekt sitzenden Haartolle steht in dieser Theorie freilich für sich. Er ist zwar der kriminelle Anwalt, macht sich jedoch nie die Hände schmutzig und wahrt den Schein des seriösen Anwalts, sodass er mit seiner perfekten Frisur keine direkte Gefahr oder Gewalt ausstrahlt.

In den frühen Folgen der Serie haben außerdem die zwei Hauptfiguren Jesse Pinkman und Walter White eine normale, unauffällige Kurzhaarfrisur. Als die beiden im großen Stil in die Drogengeschäfte einsteigen wollen, hadern sie noch sehr oft mit ihrem Gewissen, haben noch eine Spur von Moral und bringen es kaum über sich, Gewalt anzuwenden oder jemandem umzubringen.

Walter White alias Heisenberg

 Erst nachdem Walter seine Lungenkrebsdiagnose erhalten und das erste Mal mit bloßen Händen jemanden umgebracht hat (Staffel 1 Folge 3), entscheidet er sich, seine ausfallenden Haare abzurasieren (Staffel 1 Folge 6). Sein Gewaltpotenzial ist zu diesem Zeitpunkt schon beunruhigend gestiegen. Um gegenüber dem konkurrierenden Drogenboss Tuco furchteinflößend zu wirken, entscheidet sich Walter zu diesem Frisurenwechsel. Kurz darauf verursacht er in Tucos Hauptquartier eine Explosion – mit der neuen Frisur beginnt Walter also, sein Gewaltpotenzial so richtig auszuschöpfen. Darüber hinaus ist dieser Frisurenwechsel ebenfalls symbolisch eine Transformation in Walters Persönlichkeit. Nicht nur sein Charakter verändert sich zum Bösen hin, sondern er erschafft zu diesem Zeitpunkt ebenfalls sein Alter Ego Heisenberg, den Drogenbaron. Seine neue Frisur steht folglich für seine neue Identität. Die alte Identität des unscheinbaren, passiven und unterdrückten Verlierers legt er als glatzköpfiger, furchteinflößender Heisenberg ab. Diesen Übergangsritus des Frisurenwechsels kennen wir aus unserem Alltag, wenn wir uns passend zu einem neuen Lebensabschnitt, beispielsweise nach einer Trennung, verändern wollen.

Am Ende der Serie erleben wir Walter als pure Gegenerscheinung: Mit langen Haaren und langem Bart erkennen wir ihn kaum wieder. Zu diesem Zeitpunkt ist er aus dem Drogengeschäft ausgestiegen und auf der Flucht. Er lässt sich die Haare wieder wachsen, da er von seiner Heisenberg-Identität zur Walter-White-Identität zurückgekehrt ist. Jedoch wachsen seine Haare scheinbar unkontrolliert, ungebändigt und wild. Sein Bart und seine Haare sind länger, als sie es jemals in der Serie waren. Dieses Erscheinungsbild passt zu ihm – Walter White als Flüchtender vor seinem alter ego und seiner Drogenbarongeschichte. Er lebt zurückgezogen in einer Hütte im Wald – und genau so sehen seine Haare aus. Er ist nicht mehr der Gleiche wie am Anfang. Deshalb stellen seine Haare eine neue Seite von ihm dar und machen ihn optisch durch das Verwahrloste zum Außenseiter der Gesellschaft.

Die Skala der haarlosen Gewalttätigen

Jesse Pinkmans Wuschelkopf hingegen bleibt ihm recht lange erhalten. Erst in Staffel 4 Folge 4 rasiert dieser sich die Haare vor lauter Schuldgefühlen ab, nachdem er das erste Mal jemanden umgebracht hat. Durch diese Tat wird Jesse noch stärker verändert als Walter. Seine zuvor noch leichtsinnige Persönlichkeit macht mit dem Frisurenwechsel eine Transformation hin zu einer ernsthaften, verbitterten und gewalttätigen Persönlichkeit durch. Danach steigt Jesses Bereitschaft zur Gewalt immens. Erst als er sich in Gefangenschaft befindet, wachsen seine Haare wieder. Verwahrlost, wild und ungebändigt symbolisieren sie sein Leben, das nicht mehr er selbst, sondern seine Peiniger in der Hand haben.

 

Bei der Entwicklung in diesem Video sieht man die Veränderung sowohl in Jesses Persönlichkeit als auch bei seiner Frisur.

 

In die Reihe der immer haarloseren Protagonisten gehören außerdem in aufsteigender Reihenfolge nach der Gewalttätigkeitsskala Mike Ehrmantraut, der clevere Drogenboss Gus Fring, der soziopathische Drogenboss Tuco Salamanca und die Auftragskiller-Zwillinge aus Mexiko. All diese Figuren bewegen sich von Anfang an auf der bösen und illegalen Seite, sodass sie von Beginn furchteinflößend erscheinen. Verstärkt wird dieser Eindruck auch durch die Glatze der Figuren.

Doch auch Hank, der DEA Agent und Walters Schwager, hat eine Glatze, obwohl er auf der Seite des Gesetzes steht. Hank steht ab Folge eins der Serie für Männlichkeit. Er ist impulsiv und schreckt nicht davor zurück in seinem Beruf als DEA Agent Gewalt anzuwenden, auch gegenüber Wehrlosen. So prügelt er Jesse Pinkman krankenhausreif. Schließlich ist es Hank, der herausfindet, wer Heisenberg ist und so zur Gefahr für Walter wird.

Das Symbol Glatze

Eine Glatze ist demnach nicht immer ein Beweis dafür, dass die Figur auf der bösen Seite steht. Vielmehr symbolisiert sie bei allen Figuren Gewalttätigkeit, Gefahr und Männlichkeit. Haare funktionieren in dieser Serie als symbolische Wendepunkte. Sie führen uns die Transformation der Figuren vor Augen und drücken gleichzeitig Charaktereigenschaften und teilweise Milieu- und Szenezugehörigkeiten aus.

Wie Frisuren Schauspieler beim Einfühlen helfen

Haare wirken nicht nur auf den Zuschauer, indem sie etwas symbolisieren oder veranschaulichen, sondern auch auf den Schauspieler. Frisuren können Schauspielern nach dem Prinzip des Method Actings beim Einfühlen in die Rolle helfen. Der Schauspieler Bryan Cranston findet sichtlich Gefallen daran, sich über seine Haare als Walter White zu identifizieren. Bei diesem Auftritt zeigt Cranston, wie er sich innerhalb von Minuten durch die Frisur und das Kostüm in Walter White verwandeln kann. Ein Schmankerl für jeden Breaking Bad Fan…

 

 

  • Genre
  • Produktionsland und Sprache
  • Erstausstrahlung
  • Dauer
  • Episoden
  • Idee
  • Produktion
  • Cast & Crew
  •  Drama, Krimi
  • USA, Englisch
  •  20. Januar 2008 (USA auf AMC)
  • 2008-2013
  • 62 Episoden in 5 Staffeln
  • Vince Gilligan
  • Vince Gilligan, Mark Johnson
  • Cast & Crew

 

Quellen:

 

Mehr Bedeutung von Haaren in Film gefällig?

Dann hier entlang: Neunmal Perücke, neunmal Sophie.

Vor ein paar Wochen habe ich mal wieder „Beetlejuice“ angesehen. Einen Film, den ich liebe, seit ich ihn mit ungefähr zehn Jahren zum ersten Mal gesehen habe. Keine Frage, Tim Burton hat 1988 mit diesem Film definitiv seinen viertbesten Film abgeliefert, hinter „Ed Wood“ und „Big Fish“ und möglicherweise „Batman Returns“. Keine Sorge, es ist in Ordnung, wenn du das anders siehst. Du liegst falsch, aber es ist okay, wenn du mir nicht zustimmst.

Als Warnung, weil das dieser Tage natürlich immer wichtig ist: Dieser Text enthält Spoiler für „Beetlejuice“, einen dreißig Jahre alten Film. Welche Überraschung. Wenn ihr also den Film noch nicht kennt und mit Spoilern für einen dreißig Jahre alten Film ein Problem habt, dann schaut ihn euch schnellstmöglich an.

Filmplakat

 

Wenn ihr mit Spoilern  kein Problem habt, aber trotzdem den Film noch nicht gesehen habt, schaut ihn euch jetzt trotzdem an. Macht euch keine Sorgen, ich kann warten. Speichert diesen Tab, geht auf Amazon und leiht ihn euch zum Streamen aus oder bestellt euch die DVD. Vielleicht gibt es den Film auch irgendwo kostenlos. Schaut ihn euch nur an. Tut euch den Gefallen. Ich warte solange.

Willkommen zurück. Was mich persönlich so an „Beetlejuice“ begeistert, ist, wie unglaublich optimistisch und sogar lebensbejahend er letztendlich ist. Klar, der Film beginnt mit dem überraschenden Unfalltod von Adam und Barbara Maitland. Letztendlich ist die Botschaft des Filmes im Grunde aber, dass der Tod dir nicht die Freude am Leben nehmen muss.

Noch kurz zum Plot

Kurz zur Handlung: „Beetlejuice“ beginnt mit dem tragischen Tod der Maitlands, dargestellt von Alec Baldwin und Geena Davis. In ihr nun leerstehendes Haus zieht alsbald die reiche Familie Deetz ein, bestehend aus Bauunternehmer Charles und seiner Frau, der Bildhauerin Delia (Jeffrey Jones und Catherine O’Hara), sowie Charles‘ Goth-Tochter aus erster Ehe, Lydia, gespielt von einer jungen Winona Ryder. Falls ihr euch je gefragt habt, was die Gute vor „Stranger Things“ gemacht hat. Die Maitlands, die von ihrer Sachbearbeiterin im Leben danach erfahren, dass sie für 125 Jahre in ihrem Haus bleiben müssen, beschließen, dass die neuen Bewohner*innen aus dem Haus verschwinden müssen. Doch ihre Spukversuche und Poltereien bleiben vergebens. In ihrer Ratlosigkeit beschließen die beiden, Hilfe bei dem selbstständigen Poltergeist Betelgeuse, dargestellt von Michael Keaton, zu suchen. Diese Entscheidung soll sich jedoch schon bald als Fehler herausstellen, denn Betelgeuse verfolgt voll und ganz seine eigenen Pläne.

 

Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice! Via Giphy

Das ist gut, aber wir machen es ganz anders!

Soviel zunächst zum Inhalt. Tim Burton hat das Drehbuch des Films deutlich verändert. Die ursprüngliche Fassung war wesentlich düsterer und mehr Horrorfilm als explizite Horrorkomödie. In Tim Burtons Film weichen die Maitlands mit ihrem Auto einem Hund aus und fahren in einen Fluss, ihr Tod ist entschärft. In der Originalfassung des Drehbuchs von Autor Michael McDowell ist der tödliche Autounfall der Maitlands explizit und brutal. Später exhumieren sie den Dämon Betelgeuse, eine wesentlich grausamere Gestalt. Betelgeuse versucht in der Urversion auch nicht, die Familie Deetz zu vertreiben, sondern zu ermorden. Lydia ist im Drehbuch zwei Töchter, eine ältere und eine neunjährige jüngere Schwester. Betelgeuse versucht die erstere nicht nur zu heiraten, sondern explizit zu vergewaltigen, letztere wird nur verstümmelt. Charmant. Ihr wisst schon. Für Kinder.

Tim Burton hat wohl dieses Drehbuch gesehen und gemeint, dass man daraus bestimmt einen guten Film machen kann. ABER man muss ein paar Kleinigkeiten ändern. Aus der expliziten Gewalt des Todes der Maitlands wird ein sanfterer Tod, aus den beiden Töchtern der Familie Deetz wird Lydia. Und aus dem bösen Dämon Betelgeuse wird Michael Keatons überzogener Mix aus einem Gebrauchtwagenhändler und einem perversen Poltergeist.

Zum Besseren geändert

Die Änderungen waren wohl eine gute Entscheidung. Winona Ryders finale Version von Lydia wirkt gleichermaßen kindlich verletzlich als auch erwachsen und durch ihre Goth-Attitüde ist sehr sympathisch. Sie fühlt sich von ihrem Vater und ihrer Stiefmutter missverstanden und als würde sie nicht ganz reinpassen. Somit macht es Sinn, dass sie sich Ersatzeltern in den Geistern der Maitlands sucht.

Doch die wohl beste Änderung des Filmes ist der titelgebende Geist selbst. Kein mörderischer Dämon aus den Niederhöllen, sondern der Betelgeuse, der Michael Keaton zu einem Superstar machte. Keatons Version des Charakters ist opportunistisch und fies. Er ist pervers, belästigt Barbara und hat eine abnormale Attraktion zu Lydia. Diese will er heiraten, um seinen Fluch zu brechen und in der Welt der Lebenden frei Unheil stiften zu können.

Betelgeuse ist im finalen Film nicht wirklich böse, eher selbstsüchtig, vollständig durchgeknallt und distanzlos. Was er vorher war, ist nicht ganz klar. Er behauptet, studiert und durch die Pest gelebt zu haben. Ob es stimmt oder nicht, das bedeutet nichts. Wichtig ist sein Dasein jetzt, als wahnsinniger Poltergeist.

Erinnerungen eines Poltergeists an das Leben vor dem Tod. Via Giphy

Perfekter Poltergeist

Sein Leben vor dem Tod ist nicht von Bedeutung. Es ist impliziert, dass er Selbstmord begangen hat. In jedem Fall war er zwischenzeitlich Angestellter der Jenseitsbürokratie, wurde aber gefeuert. Nun verdingt er sich als „Bio-Exorzist”, herbeigerufen durch das dreimalige Aussprechen seines Namens. Michael Keaton spielt den Charakter in all seinem Wahnsinn, seinem Sarkasmus und seinen Gemeinheiten. Das alles unter zentimeterdickem Make-Up, ein Kunststück das nicht vielen Schauspieler*innen gelingt.

Doch Keaton geht in dieser Situation völlig auf. Er ist natürlich begabt für körperliche Comedy, seine Mimik ist selbst unter der Schminke wahnsinnig vielseitig. Warum um alles in der Welt wurde er seinerzeit nicht als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert? Dinge, die wir nie verstehen werden. Keaton begnügt sich damit, jede Szene, in der er vorkommt, zu stehlen und den Film zu seiner persönlichen Show zu machen. Überhaupt, Michael Keaton ist einer der besten Schauspieler aller Zeiten. Das ist eine simple Wissenschaft.

Und eben so einen Schauspieler braucht es in dieser Rolle. Antagonist Betelgeuse bildet immerhin das Zentrum des Filmes. Der Aspekt des Poltergeisterns ist in diesem Film zentral. Der Geist ist laut, offensiv anstrengend, furchteinflössend und dabei extrem lästig für alle anwesenden. Und er hat dabei einen Heidenspaß. Diese Freude daran, allen auf die Nerven zu gehen. Daran, dass die Maitlands schnell bereuen, ihn um Hilfe gebeten zu haben, diese Freude am Schabernack ist es, was den Film so erinnerungswürdig macht.

Die Ewigkeit in der Warteschleife

Keatons Betelgeuse ist weniger ein durchtriebenes Böses, das besiegt werden muss. Vielmehr ist er eine Lästigkeit, die die beiden Familien, tot oder lebendig, zwingt, sich zusammenzuraufen. Die Moral der Geschichte ist eine, die das Leben bejaht und den Tod nicht als etwas Grundschlechtes, sondern vielmehr als einen neuen, abenteuerlichen Abschnitt des Lebens darstellt. Somit ist es eigentlich nur logisch, dass am Ende Lydia mit ihren Eltern und ihren toten Zieheltern feiert, dass sie eine Eins in Mathe hat, und der Antagonist bekommt was er verdient. Die Ewigkeit im Wartebereich in der Bürokratie im Jenseits. Schlimmer kann die Hölle auch nicht sein.

Bildquellen: © Warner Bros. & Warner Home Video all rights reserved 

Geister müssen uns weder in weißen Laken verfolgen oder angsteinflößend hinter der nächsten Ecke lauern. Nein, Geister können auch anders! Gerade im Film gibt es unterschiedlichste Arten Geister darzustellen – auch als töpfernde Romantiker.

„Ghost – Nachricht von Sam“ lässt die 90er Jahre wiederaufleben. Zurück zu Schulterpolstern und Schnurtelefonen. Warum gerade dieser Film, fragen Sie sich? Patrick Swayze und Demi Moore sind als Liebespaar im Kampf gegen den Tod einfach zu schön, um sie hier nicht zu erwähnen.

Der Film erzählt die Geschichte des Bankers Sam Wheat (Swayze), welcher nach einem Theaterbesuch mit seiner Freundin Molly Jensen (Moore) bei einem Überfall erschossen wird. Sein Geist kann die Erde jedoch noch nicht verlassen und schnell wird klar – Sam hat noch eine Aufgabe zu erledigen.

Medium wider Willen

Für Sam ist seine Situation anfangs schwer zu begreifen, denn er ist mit der Tatsache überfordert, für seine Umwelt unsichtbar zu sein. Schnell findet er heraus, dass sein Tod jedoch kein Zufall war. Sam war dabei eine Verschwörung aufzudecken, und musste deswegen sterben. Was genau Sam da aufdeckte ist zweitrangig, wichtig ist nur: Sam ist der Gute und wurde von den Bösen umgebracht. Der Film spielt mit dem Motiv der Erlösung, denn nur wenn Sam seinen Mörder findet und stellen kann, wird seine Seele frei.

Als Geist sieht Patrick Swayze für den Zuschauer ganz normal aus, kein Schimmer, kein weißes Laken. Während bei Ghostbusters schleimige grüne Monster bekämpft werden, ist es bei „Ghost – Nachricht von Sam“ ein gut aussehender Geist, der die Bösen zur Strecke bringt.

Sam trifft zufällig auf das Geschäft von Oda Mae Brown, einer Wahrsagerin – und Betrügerin. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie selbst überrascht ist, Sam zu hören. Die temperamentvolle Oda Mae hat anfangs so gar keine Lust dem unbekannten Geist zu helfen (zu ihrer Verteidigung, sie sieht ihn ja auch nicht). Mit Oda Maes Hilfe gelingt es Sam jedoch, Molly die Hintergründe zu seinem Tod zu erklären.

„I love you.“ – „Dito!“

Molly ist anfangs noch skeptisch. Mit Hilfe von gemeinsamen Erinnerungen von ihr und Sam, kann Oda Mae sie letztendlich doch von der Existenz von Sams Geist überzeugen. Sam war kein Mann großer Worte und antwortete auf „Ich liebe dich“ stets mit „Dito“. Dieses kleine Wort überzeugt Molly und zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film.

DVD Cover „Ghost“ (Copyright Paramount Pictures)

Am Ende des Films kommt es zum großen Kampf (wie sollte es anders sein) zwischen Sam und seinem Mörder. Sam hat inzwischen gelernt Gegenstände zu bewegen und durch einen Unfall wird der Angreifer erschlagen und stirbt. Sam ist dadurch natürlich immer noch der Gute, der nur seine Freundin und sein Medium beschützte. Ein wahrer Held eben.

Und nun wird aus „perfect Patrick“ doch noch ein schimmernder Geist, der in weißem Licht erstrahlt. Sam hat seine Aufgabe erfüllt, seine Seele ist nun bereit zu gehen. In diesem Moment kann Molly Sam auf einmal hören und der Zuschauer fragt sich, warum das nicht von Anfang an ging.

Sam nutzt die Gelegenheit Molly endlich direkt zu sagen, dass er sie immer geliebt hat. Molly antwortet mit „Dito!“. Sam verschwindet im strahlenden Licht.

Lass‘ uns töpfern!

Wer jetzt nicht schluchzend auf dem Sofa sitzt hat kein Herz. Was für eine Geschichte! Hollywood in seiner ganzen Pracht: der einfühlsame Banker, der den Schurken das Handwerk legt. Wer dachte, dass Sam wieder von den Toten aufersteht, den muss ich leider enttäuschen.

Patrick Swayze verkörpert Sam und kommt damit endlich von seinem „Dirty Dancing“ Image los (für mich wird er jedoch immer Johnny bleiben). Demi Moore spielt die Künstlerin Molly und symbolisiert die Reinheit und Unschuld – und zeigt zudem bemerkenswerte Töpferfertigkeiten. In einem legendären Flashback werden Molly und Sam gezeigt, wie sie gemeinsam an einer Vase töpfern. Diese Szene erlangte Kultstatus und zeigte allen Männern da draußen, dass gemeinsame Hobbies auch sexy sein können.

Der eindeutige Star des Films ist und bleibt Oda Mea Brown, welche von der wunderbaren Whoopi Goldberg einen Witz und Charme verliehen bekommt, neben dem Molly blass aussieht. Für ihre Leistung erhält sie 1991 den Oscar als beste Nebendarstellerin. Goldberg spielt zwar besser als alle anderen Darsteller, aber ob es eine Oscar reife Leitung war sei dahingestellt. Ohne die Rolle der Oda Mae Brown wäre „Ghost – Nachricht von Sam“ jedoch eine weitere Romanze ohne großen Wiedererkennungswert. Zugegeben, der Film bedient unzählige Klischees von Himmel und Hölle, Gut und Böse und der alles überwindenden Liebe. Durch die Mischung aus Romantik, Komödie und Fantasy ist es dennoch gelungen, einen Klassiker zu schaffen. Ein starker Mann, eine schwache Frau und ein freches Medium – was für ein Dreiergespann!

Und da bekanntlich eh alles wieder in Mode kommt, ist auch „Ghost – Nachricht von Sam“ nicht verschont geblieben. In der Reihe von unnötigen Musical Adaptionen reiht sich seit 2011 nun auch „Ghost – the Musical“ ein. Seit Dezember 2017 exklusiv auch für das deutsche Publikum. Und was gibt es schöneres als Alexander Klaws, den ersten ‚Deutschland sucht den Superstar‘ Gewinner, töpfern zu sehen? Genau – nichts.

 

Blitz bei Nacht

Es ist eine Saga, die schon Jahrtausende alt ist, es jedoch bis ins 21. Jahrhundert überstanden hat: die des Donnergott Thor. Marvel hat es geschafft, die Figur Thor an unser heutiges Verständnis von Helden anzupassen und damit kommerziell sehr erfolgreich zu sein. Aus dem alten nordischen Gott wurde ein Superheld. Weiterlesen