Maximilian Laudan ist leidenschaftlicher Rollstuhl-Tennis-Spieler. Seit Geburt leidet er an epiphysärer Dysplasie, einer Krankheit, die die Entwicklung der Wachstumsfugen sowie die Knochenbildung beeinträchtigt. Doch obwohl die Krankheit ihn an den Rollstuhl bindet, ist Max ein Kämpfer. Neben einem Masterstudium in BWL und 20 Stunden Arbeit wöchentlich im Marketingbereich der Deutschen Bahn, trainiert der 27-Jährige um seinem Ziel, den Paralympics 2020, ein Stück näher zu kommen. Mit Charme, Humor und einer extremen Willensstärke spielt sich Maximilian an die Weltspitze.

 

Hallo Maximilian, um dich kennen zu lernen, mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben?

Lustig, ehrgeizig und willensstark.

 

Wie sehr prägen dich diese drei Wörter?

Das sind eigentlich die drei Wörter, die mir einfallen, wenn ich auf der Tennis-Tour unterwegs bin, und die mir am meisten bringen, wenn ich vorankommen will. Also auch beim Sport. Vor allem ehrgeizig zu sein, niemals aufzugeben. Aber das Lustige, das hilft mir auch dabei, viele und gute Freunde zu haben, die immer für einen da sind. Es ist auch extrem wichtig, ein Umfeld zu haben und Leute, die hinter einem stehen. Ich glaube, es wird sehr unterschätzt, wie weit einen sowas bringen kann.

 

Wie vereinbarst du Studium, Arbeit und Tennis? Studierst du noch?

Ich fange jetzt mit dem Master an. Ich hab ewig studiert. Zugegeben, ich hatte gegen Ende auch keinen Bock mehr zu studieren. Tennis war mir einfach wichtiger. Wie ich das kombiniert kriege? Ich bin in der Lage, in einer Woche den Stoff eines ganzen Jahres aufzuholen und dann irgendwie durch die Prüfung zu kommen! So habe ich das hinbekommen, würde ich sagen. Ich habe ja nebenher gearbeitet und bin noch auf den ganzen Turnieren gewesen. Das ging eigentlich nur, indem ich an der Uni kaum anwesend war (lacht).

 

20 Stunden Arbeit, dann noch studieren – wie viele Stunden trainierst du in der Woche?
Vor meiner Verletzung waren es acht bis zehn Stunden Tennistraining und dann nochmal sechs bis acht Stunden Fitness. Ich hoffe es wird bald wieder. Gerade fange ich nach der Verletzung wieder mit dem Sport an. Ich bin auch ganz schön propper geworden. Ich hoffe, dass der Rückennerv nicht wieder einklemmt. Dann kann ich mit dem Tennis auch wieder durchstarten.

 

Wie unterstützt dich deine Familie dabei?

Finanziell ist es zum Beispiel so, dass mein Vater einen Teil meiner Miete übernimmt. Naja, wie unterstützen einen die Eltern sonst so? Dass sie halt hinter einem stehen. Sie sagen zumindest nicht: Konzentrier dich nur auf die Schule oder Arbeit oder lass das mit dem Sport sein. Sie finden es einfach mega cool, dass ich alle drei Sachen unter einen Hut kriege. An sich bin ich finanziell mittlerweile weniger auf meine Eltern angewiesen. Deswegen würde ich es jetzt eher soziale Unterstützung nennen.

 

„Der eine wollte immer besser sein als der andere“

 

Dein Bruder Marcus spielt auch Tennis. Wie beeinflusst dich diese Beziehung im Sport?

Schon extrem, würde ich sagen. Wir haben ja von Anfang an zusammen trainiert. Der eine wollte immer besser sein als der andere und das hat dann schon extrem gepusht. Auf der anderen Seite, nach all der Zeit des Trainings, sind wir beide jetzt an einen Punkt gekommen, wo ich gesagt habe, ich komme nicht mehr voran. Der Wille, besser zu sein als er, hat mich nicht mehr den Fokus auf die gute Technik setzen lassen, sondern nur noch darauf. Das war nicht mehr produktiv, so dass wir gesagt haben, wir trennen uns fürs Training erst mal und schauen wie es läuft.

 

Wie äußert sich dieser Konkurrenzkampf, wenn ihr beim Turnier aufeinandertrefft und gegeneinander antreten müsst?

Das ist voll krass! Marcus kann gegen andere Spieler weniger gut spielen. Da flattern ihm die Nerven, aber gegen mich spielt er sein bestes Tennis überhaupt. Ich kann gegen ihn überhaupt nicht spielen, da geht teilweise gar nichts mehr. Aber ich gewinne deutlich gegen Leute, gegen die er keine Chance hat. Total verkorkst!

 

Und woher nimmst du die Stärke neben deinem Alltag für das Training?

Ich liebe den Sport. Mehr kann ich dazu nicht sagen, es ist einfach eine Sucht.

 

„Musik bringt mich im Voraus in eine Art Rausch“

 

Wie bereitest du dich mental auf so einen Wettkampf vor?

Musik ist für mich wichtig. Ich liebe es mich einfach abzuschotten von außen. Damit kann man sich schon im Voraus in eine Art Rausch bringen. Und wenn ich zum Beispiel merke, dass es nicht läuft, versuche ich mich an den Song zu erinnern, um locker zu werden. Außerdem bereite ich mich auf meine Matches vor, indem ich mir überlege: Wo geht der Wind zum Beispiel lang, wo steht die Sonne im Moment, wo tut es dem anderen vielleicht weh, wie ist der Untergrund, ist an dem Tag vielleicht ein Slice, also ein Ball mit Rückwärtsdrall, effektiv oder eher ein hoher Ball? Oder ich schaue mir einfach an, wie die körperliche Beeinträchtigung vom Gegner ist, vielleicht kann der seinen Arm nicht richtig strecken oder ihm fällt es schwer mit dem Oberkörper nach unten zu gehen. Tennis ist sehr taktisch, das ist einfach super geil.

 

Was war dein größter sportlicher Erfolg bisher?

Das Finale ITF 1 Turnier in Sardinien. Da habe ich in der Vorrunde die Nummer 3 der Welt geschlagen. Im Finale hab ich dann gegen die Nummer 1 der Welt gespielt, wo mir auch gesagt wurde, du kannst ihn eigentlich nicht schlagen, hab einfach Spaß. Im ersten Satz hab ich mir angeschaut, wie er auf meine Schläge reagiert. Im zweiten Satz wusste ich genau, wie er spielt. Es war super knapp, aber ich hab das Spiel gedreht und im dritten Satz gewonnen.

 

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Jetzt im Tennis oder allgemein?

 

Vielleicht allgemein, dann für’s Tennis…

Für das Leben: Also was generell bei mir ein Ziel im Leben ist: Spaß haben. Das hört sich immer so an – dieses typische Studentenleben eben, ihr wollt immer nur Spaß haben. Aber ich denk mir, was bringt dir dein Leben, das geht so schnell vorbei, wenn du keinen Spaß hattest. Im Tennis ist mein Ziel auf jeden Fall 2019, mich unter den Top 10 zu etablieren und dann 2020 die Teilnahme an den Paralympics. 2024 möchte ich Medaillen-Chancen.

 

Viel Erfolg dafür und danke für das Interview, Max.

 

Ein Interview von Alexander Danner, Sina Kallenberger, Marko Knab, Kay Lucie Ostertag und Angelina Wex.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.