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Die Darstellung von Tod kennzeichnet sich im digitalen Raum durch vielschichtige Weisen. Das trifft auch auf den Tod in Computerspielen zu. Der Game-Over-Bildschirm hat schon fast eine ikonische Stellung in der Geschichte der Games. Weiterlesen

Tod im Metaversum: Neue Technologien, die Erweiterung der Städte und die Zerstörung der Natur – das alles führt im Spielfilm Ready Player One (2018) und im Anime Sword Art Online (2012) zur Flucht in virtuelle Welten, die den Menschen Kontrolle und Unsterblichkeit durch personifizierbare digitale Avatare vorgaukeln. Um in diesem utopischen Metaversum schwelgen zu können, müssen wir in der Zukunft einfach nur die VR-Brille aufsetzen. Weiterlesen

Es ist immer schwer zu begreifen, dass ein ganzer Lebensabschnitt vorbei ist und der Tod eintritt. Einst bunte Landschaften, Gesichter, Gerüche und Gefühle sind nun grau in den Bildern eurer Erinnerung, und nichts kann sie wieder zum Leben erwecken. Aber was, wenn diese „Erinnerungsbilder“ den Tod in Computerspielen aus der Kindheit darstellen? Weiterlesen

Geboren 1991, gestorben 2024? Das Ende der digitalen Fotografie

Wie alle Medien ist auch die Fotografie einem stetigen Wandel unterworfen. Erfindungen wie Diaprojektoren oder analoge Kameras werden von neuen digitalen Technologien an den Rand gedrängt. Seit der Pionierzeit hat sich einiges in der Fotografie verändert. Hat sie sich mit ihrer konstanten Entwicklung ihr eigenes Grab geschaufelt? 

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Am 6. Februar 2023 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Türkei und Syrien. Mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala traf das Beben Gebiete im Südosten der Türkei besonders hart. Tausende Gebäude wurden zerstört, unzählige Menschen verloren ihr Zuhause und die Zahl der Opfer stieg über drei Wochen immer weiter an. Die Geschichte von Mümtaz Gövce und seiner Familie ist eine von vielen, die dieses tragische Ereignis hinterlassen hat, aber sie sticht durch den digitalen Abschied seiner Tochter Elif Eylül besonders hervor.

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Aysha Joy Samuel muss hin und wieder sterben. Nicht in der realen Welt, sondern auf dem Bildschirm. Im Interview spricht die 27-jährige Schauspielerin darüber, wie man sich darauf vorbereitet zu sterben, ohne wirklich die Erde zu verlassen, und wie sich der berufliche Umgang mit dem Tod mit ihrem persönlichen Leben verbindet. Weiterlesen

Plattgewalzt werden und wieder aufstehen, erschlagen werden und als Geist weiterleben oder einfach in den Himmel schweben? Eine Betrachtung vom Tod und Sterben in animierten Filmen und Serien in acht Schritten. Weiterlesen

„Nobody knows where they might end up“ – mit diesem Vorspann beginnt seit nunmehr 20 Jahren jede Folge der beliebten US-Serie Grey’s Anatomy, die sich eingehend mit dem Thema Tod befasst und diesen auf vielfältige Weise darstellt.

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Der Schlager ist die heile Welt der Musik. Friede, Freude, Omas guter Apfelkuchen. Es werden Träume besungen, voneinander geträumt, Träume gelebt. Die Schlagerbranche scheint sympathisch, nahbar, ein sicheres Pflaster zu sein. Eine Umgebung, in der man seine Träume leben kann. Doch hinter der Musik des Genres verbirgt sich eine Welt, die alles andere als traumhaft ist. Michael Lehmann über Vetternwirtschaft, Karrieren gegen Sex, Drogenmissbrauch und tragische Todesfälle.

Alptraum Nummer Eins: Vetternwirtschaft

2018 beendete der Sänger NIC („Einen Stern“), bürgerlich Mirco Grunert, seine Karriere und rechnete in einem BILD-Interview mit dem Buchungsprozedere der Branche ab: „In den Schlagershows von Silbereisen treten immer nur dieselben Künstler auf. Eine Helene Fischer, eine Andrea Berg. Es sind immer dieselben Freunde, die da von Silbereisen durchgereicht werden.“ Neue Künstler*innen bekämen kaum eine Chance, meint Grunert: „Es geht nur um Vitamin B. Bei Shows wie ‚Fernsehgarten‘ oder ‚Carmen Nebel‘ ist es genauso.“ Grunerts Vorwürfe werden von Schlagerlegende Nino de Angelo („Jenseits von Eden“) alias Domenico Gorgoglione bestätigt: „Die Branche ist verlogen und gleichgültig. In den großen Shows bei Carmen Nebel und Florian Silbereisen werden immer die gleichen Leute eingeladen. Die sind alle glatt wie ein Kinderpopo. Der Nachwuchs kriegt keine Chance.“

Moderator Florian Silbereisen wird von mehreren Seiten Vetternwirtschaft vorgeworfen. © Flickr

Mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft in einem noch klassischeren Sinne ist auch Matthias Reim („Verdammt, ich lieb’ Dich“) konfrontiert, denn sowohl seinen Sohn Julian (25) als auch seine Tochter Marie (21) platzierte der 63-Jährige in den letzten Jahren immer wieder prominent in verschiedenen TV-Shows. Bei Marie handelt es sich sogar um das gemeinsame Kind mit Schlagersängerin Michelle. Marie Reim gewann im Jahr 2020 die Sendung Schlagerchance, was viele Fans erzürnte, auch weil ihr Halbbruder Julian dieselbe Sendung ein Jahr zuvor gewonnen hatte. Jürgen Drews’ Tochter Joelina und Costa Cordalis’ Sohn Lucas profitierten in der Vergangenheit ebenfalls deutlich von der Bekanntheit ihrer Eltern.

Es zeigt sich also, dass es für den Traum einer Schlagerkarriere nicht schaden kann, berühmte Eltern oder gut vernetzte Freunde zu haben. Doch was, wenn dies nicht der Fall ist?

Alptraum Nummer Zwei: Karrieren gegen Sex

Als Grunert vor drei Jahren seine Karriere beendete, berichtete er von unseriösen Angeboten: „Es gibt Redakteure, die finden dich als Mann gut und wollen mit dir Essen gehen, um dich dann im Programm unterzubringen“, erzählte er der BILD. Als er anschließend seine Heterosexualität offenbarte, seien die Angebote zurückgezogen worden.

„Atemlos“-Komponistin Kerstin Bräuer alias Kristina Bach spricht sogar von einem „Besetzungscouch-Phänomen“ in der von Männern dominierten Branche, ähnlich wie dies in Hollywood so häufig der Fall ist: „Wenn du dich nicht ins Bett kriegen lässt, hast du auch schon verloren“, sagt die 51-Jährige und deutet an, dass es durchaus weibliche Schlagerstars geben würde, die auf diese unmoralischen Angebote eingehen, um ihre Karriere voranzutreiben: „Es gibt genügend Sängerinnen, die angewiesen sind, dass ihnen jemand einen geilen Song schreibt und dafür würden sie, sagen wir mal vorsichtig, einiges ermöglichen.“

Dass der Weg vom Newcomer zum etablierten Schlagerstar oft steinig und geprägt von Machtmissbrauch sein kann, wird anhand dieser Berichte sehr deutlich. Aber selbst wenn man es einmal geschafft haben sollte – die größte Schwierigkeit scheint das Überleben als Star zu sein. Und diese Aussage ist leider recht wörtlich zu nehmen.

Alptraum Nummer Drei: Drogenmissbrauch

Matthias Reim kämpfte sich aus dem Alkohol- und Schuldensumpf. © flickr

Einen großen Aspekt im Schlagerbusiness nimmt das Wahren des traumhaften Scheins ein. Um bei der Hauptzielgruppe des Genres gut anzukommen, werden Künstler*innen darauf getrimmt, ein glattes, skandalfreies Image zu haben. Der Konsum von Rauschmitteln aller Art ist bei den Größen der Branche aber nicht selten. Viele Stars haben enorme Abstürze hinter sich. Einige konnten sich wieder fangen: Domenico Gorgoglione beispielsweise berichtet in seinem Buch Gesegnet und verflucht: Dein Gegner bist immer du selbst über Kokainmissbrauch und Sexorgien. Matthias Reim, der in den 1990ern mit „Verdammt, ich lieb’ Dich“ einen Megahit landete, fing hemmungslos zu trinken an, stürzte in der Folge komplett ab, hatte 13 Millionen Euro Schulden. In seinem 2003 erschienenen Song „Träumer“ schildert Reim ungeschönt seine damalige Lebenslage:

„Hab meine Gitarre ins Pfandhaus gebracht / Der Typ, der kennt mich schon und hat hämisch gelacht / Und meinen alten Cadillac haben sie einfach still gelegt / Scheiß Realität / Doch dieser neue Song, der grad in meinem Kopf rotiert / Der wird bestimmt ein Hit, verkauft Millionen garantiert / Und in ein paar Wochen sind wir aus dem Gröbsten raus / Verlass dich drauf“

Reims Plan ging auf, er kämpfte sich aus den Schulden und zurück ins Geschäft. Auch seine Ex-Frau Tanja Hewer, bekannt als Michelle, landete fast auf der Straße. Gorgoglione, Reim und Hewer sind heute wieder dick im Geschäft. Jedoch sind die drei eher die Ausnahme…

Alptraum Nummer Vier: Tragische Todesfälle

Besonders männliche Interpreten der Branche, welche nur einen großen Hit hatten und nicht mehr an dessen Erfolg anknüpfen konnten, verfielen häufig dem Alkohol, welcher sie letztlich ins Grab brachte:

„Der Junge mit der Mundharmonika“, Bernd Clüver, war eines der ersten klassischen One-Hit-Wonder in der Musikgeschichte Deutschlands, verkaufte mehr als 10 Millionen Tonträger. Im Jahr 2011 starb er mit 63 Jahren nach einem Treppensturz. Gerüchten zufolge soll Clüver stark betrunken gewesen sein, als er die Treppe zu seinem Haus hinunterfiel. Ehemalige Schlagerkollegen sagten, der mangelnde Erfolg in den letzten Jahren und das Ende seiner letzten Ehe hätten ihn öfters zur Flasche greifen lassen.

Drafi Deutscher war gerade einmal 19, als er seinen großen Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ landete. Mit dem frühen Ruhm kamen die üblichen Probleme: Drogen und Alkohol. Auch nach seinem Schlaganfall im Jahr 1998 mochte er nicht darauf verzichten. Deutscher starb 2006 an multiplem Organversagen.

Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich, bekannt u.a. für „Ganz in Weiß“ und „Schön ist es auf der Welt zu sein“, wollte eigentlich gar kein Schlagerstar werden, sondern hauptberuflich Rock- und Popmusik machen. Doch daraus wurde nichts. Die Kunstfigur Roy Black mit dem glattgebügelten Schwiegermuttertraum-Image, verkaufte sich sehr viel besser. So wollten seine Fans ihn sehen. Und Höllerich konnte oder wollte nicht auf den Ruhm und das damit einhergehende Geld verzichten. An diesem Zwiespalt zerbrach er schließlich. 1991 wurde er tot in seiner Waldhütte gefunden. Eine Obduktion ergab, dass der damals 48-Jährige mehr als drei Promille Alkohol in seinem Körper hatte.

Ludwig Franz Hirtreiter sprang aus seinem Badezimmerfenster. © flickr

Protagonist des vielleicht spektakulärsten Todesfalls der Branche war Ludwig Franz Hirtreiter, Künstlername: Rex Gildo, der Interpret des Partyklassikers „Fiesta Mexicana“. Am Tag seines Todes im Jahr 1999 war er von einer Möbelkette in Bad Vilbel gebucht worden und sollte dort singen. 3 000 Menschen kamen. Vorausgegangen waren etliche misslungene Auftritte in den Jahren davor, die zu Gerüchten über Alkoholprobleme und Medikamentenabhängigkeit führten.

Auch sein letzter Auftritt missglückte. Mit der Begründung, der Sänger habe einen Virusinfekt, hatten die Veranstalter schon vorsorglich die geplante Autogrammstunde abgesagt. Seinen Gesangsauftritt brachte der Sänger mehr schlecht als recht über die Bühne. Als Hirtreiter dann mit seinem Geliebten Dave, den der Frauenschwarm bis zu seinem Tod als seinen Chauffeur ausgab, in München ankam, eskalierte die Lage. Hirtreiter schien verwirrt, sein Freund alarmierte den Notarzt. Als dieser an die Badezimmertür klopfte, sprang der Schlagersänger die acht Meter aus dem zweiten Stock. Ob er sich damit wirklich umbringen wollte, bleibt ungeklärt. Fakt ist: Auch Ludwig Franz Hirtreiter ging an dem ausbleibenden Erfolg nach seinem Megahit zugrunde. Wie für viele zuvor hatte sich auch für ihn der Traum vom Schlagerstar zu einem Alptraum gewandelt.

Titelbild: © Unsplash

 

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Grüne Käfer, rote Schuhe oder gelbe Blumen. Farben in Träumen faszinieren uns und regen nicht selten zur Traumdeutung an. Aber was ist, wenn wir in Schwarzweiß träumen? Wie das mit unseren Medienerfahrungen zusammenhängen könnte, klärt ein Blick in die ‚Traumfarbforschung‘ der letzten hundert Jahre.  

Ein Kind sitzt auf einem Dreirad. Die Räder quietschen, das Lenkrad wackelt und der Blick nach vorne offenbart eine menschenverlassene Stadt. Unzählige Wolkenkratzer machen ihrem Namen alle Ehre und verschwinden im Grau des Himmels. Die Gassen dazwischen engen auf den ersten Blick ein. Sobald das Dreirad um die Ecke quietscht, breitet sich die Entfernung zwischen den Betonfassaden jedoch ins Unendliche aus. Eine Unendlichkeit von Schwarz-, Weiß- und Grautönen. Kein Fensterrahmen, kein Straßenschild, keine Dreiradpedale in dieser Stadt sind in Farbe getaucht. Alles ist schwarzweiß. An diesen Traum kann ich mich erinnern, seit ich Dreirad fahren kann. Zumindest glaube ich mich daran erinnern zu können. Ein Traum ganz ohne Farbe – kann das überhaupt sein?  

Traum oder Film?

Die Traumforschung ist sich darin einig, dass Sorgen, Tätigkeiten und Erfahrungen aus dem Alltag den Inhalt eines Traums beeinflussen. Meine Dreiradfahrt durch den schwarzweißen Großstadtdschungel erinnert jedoch eher an eine Szene aus einem Film Noir. In der nächsten Sequenz könnte sich ein graugekleideter Ermittler, an eine Betonwand gelehnt, seine Zigarette anzünden. Eine in Schatten getauchte Frau würde derweil in eines der Hochhäuser stöckeln, den Blick des Ermittlers auf ihrem Rücken…

Bereits 1926 sprach der Regisseur René Clair von einer besonderen Nähe zwischen Zuschauer*innen eines Kinofilms und Träumenden, die in den Bann ihres Traums gezogen werden. Der klinische Psychologe Robert Van de Castle beschreibt in seinem Buch Our Dreaming Mind tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Trauminhalten. Vor allem emotionale Szenen sollen demnach beeinflussen, welche Geschichten sich nachts in unserem Unterbewusstsein abspielen. Aber auch die formalen Aspekte von Medien scheinen sich in Träumen wiederzufinden. 1961 behauptete der Psychoanalytiker Ángel Garma sogar, Träume seien wie Stummfilme, ohne Ton oder Farbe.

Technicolor-Träume

Können Medien also auch beeinflussen, ob wir in Farbe träumen oder nicht? Die Psychologin Eva Murzyn wollte in einer 2008 veröffentlichten Studie genau diese Frage beantworten. Hintergrund dafür lieferten Unstimmigkeiten, die der Philosoph Eric Schwitzgebel feststellen konnte, als er frühe Traumstudien mit später durchgeführten Erhebungen verglich. Im frühen 20. Jahrhundert waren nicht nur Filme schwarzweiß, sondern auch Träume sollen im Regelfall keine Farben enthalten haben. In einer 1915 durchgeführten Studie träumten nur 20 Prozent der Proband*innen in Farbe. Ebenfalls im Jahr 1915 gründete der US-amerikanische Geschäftsmann Herbert Kalmus das Filmunternehmen Technicolor, welches circa vier Jahrzehnte später den Farbfilm revolutionieren sollte. Nicht ohne Grund nannten Traumforscher*innen Farbträume damals ‚Technicolor-Träume‘.

Während sich heute ganze Webseiten und Bücher der Frage widmen, was bestimmte Farben im Traum zu bedeuten haben, waren all diese Traumfarben in den Fünfzigern nur eins: Symptome einer psychischen Krankheit. Forscher*innen des St. Louis Krankenhauses in Missouri fanden diese bei psychisch erkrankten Patient*innen etwa drei Prozent häufiger als bei anderen Patient*innen des Krankenhauses. Auffällig ist nun, dass sich diese Auffassung in den Sechzigern änderte. In einer Studie von 1962 gaben rund 83 Prozent der Befragten an, in Farbe zu träumen. Parallel zu diesem neuen Farbanstrich der Traumwelt machte aber auch eine ganze Industrie Fortschritte in Richtung Farbe: die Filmindustrie.

Medien als Traumvorbilder

Die Dreistreifenkamera von Technicolor revolutionierte Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts die Filmindustrie. © Marcin Wichary

Die internationalen Kinoleinwände erstrahlten ab den Vierzigern in immer mehr Farben, Ende der Sechziger produzierte die Traumfabrik fast alle Filme in Color. Zudem besaß die Mehrheit aller US-amerikanischen Haushalte 1972 einen Farbfernseher. Farbmedien ersetzten Stück für Stück ihre schwarzweißen Vorgänger. Eva Murzyn stellt in ihrer Studie zwei Ansätze vor, die erklären, wie diese Entwicklung für den Umbruch in der Traumforschung verantwortlich sein könnte: Entweder beeinflussen Medien direkt die Traumform und somit auch die Farbgebung, oder sie beeinflussen lediglich die Annahmen darüber, wie Träume auszusehen haben. Da Träume nur selten im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, vergisst man schnell Details zu Form und Inhalt des Geträumten.

Allein die Annahme, dass Träume typischerweise schwarzweiß sind, kann die Wahrnehmung verzerren und eigene Träume im Nachhinein farblos erscheinen lassen. Frühe Dokumentationen zu Träumen legen laut Murzyn nahe, dass Menschen vor dem 20. Jahrhundert mehrheitlich in Farbe träumten. Damals, so argumentiert die Psychologin in ihrer Dissertation, gab es auch noch keine Filme, die als Vorlage zur eigenen Realitäts- und Traumwahrnehmung dienten. Menschen, die hauptsächlich Schwarzweißfilme konsumieren, passen ihr Traumerlebnis also an das mediale Vorbild an. Die Träume erscheinen somit in Retroperspektive farblos.

Die Farben der Kindheit

Und wie kommt es, dass Menschen heute noch behaupten, schwarzweiße Träume zu haben? Eva Murzyn untersuchte in ihrer Studie die Träume von 60 Personen darauf, ob sie diese als grau oder bunt wahrnehmen. Dabei teilte sie die Proband*innen in zwei Gruppen auf: die unter 25-Jährigen und die über 55-Jährigen. Den Traumtagebüchern und Befragungen konnte Murzyn schließlich entnehmen, dass in der jungen Gruppe durchschnittlich nur etwa 4 Prozent der Träume schwarzweiß ausfallen. Die älteren Proband*innen hingegen konnte sie nochmals in zwei Gruppen spalten. Diejenigen, die bereits im Grundschulalter Farbfernsehen konsumierten, träumten zu über 90 Prozent in Farbe. Von den Studienteilnehmenden, die mit Schwarzweißmedien aufwuchsen, behauptete jede*r Vierte noch immer, in Grautönen zu träumen. „Es könnte also eine kritische Periode in der Kindheit geben, in der Filme eine wichtige Rolle dabei spielen, wie unsere Träume aussehen“, mutmaßt Murzyn. 

Der schwarzweiße Großstadttraum aus meiner Kindheit kann also noch immer nicht vollständig erklärt werden. Ich gehöre zweifellos zur Generation Farbfernsehen und träume auch sonst nicht in Grautönen. Aber wer weiß, vielleicht hat das dreiradfahrende Mädchen vor dem Schlafengehen ein paar Blicke auf einen schwarzweißen Krimi erhaschen können. Oder vielleicht verzerrte ein späterer Stummfilmmarathon die Erinnerung an die Fahrt durch den Wald aus Wolkenkratzern. Denn Medien haben eine Wirkung auf die Farbwelt unserer Träume – egal, ob sie sich bereits im Schlaf in Grautönen abspielen oder unser Gedächtnis das Geträumte erst im Nachhinein schwarzweiß einfärbt. 

© Titelbild: Unsplash

 

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