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Einen passenden Friseur zu finden ist oft schwierig. Einen Herrenhaarschnitt für acht Euro in einem der vielen billigen Friseursalons am besten noch spontan und ohne Termin. Das ist gerade bei jungen Menschen der Trend. Dabei wird oft vergessen, dass die „Sparfrisur“ auch auf die Kosten der Mitarbeiter geht. Diese stehen oft unter massiven Druck. Aber es gibt auch viele Friseursalons bei denen einmal waschen, schneiden und föhnen zwischen 40 und 70 Euro kostet. Doch wie kommt dieser enorme Preisunterschied zustande und ist ein teurer Friseur automatisch besser als ein billiger?

Generell ist es schwierig zu behaupten, ein guter Friseur sei teuer und ein schlechter Friseur billig. Ein vergleichsweise günstiges Friseurgeschäft kann durchaus auch in manchen Fällen insgesamt besser sein (Kosten, Beratung, Wartezeit, Qualität der Frisur) als ein teurer Friseur, denn das Ergebnis bewertet jeder Kunde und jede Kundin individuell. Das zeigt eine Reportage des K1 Magazins. Jeder Kunde und jede Kundin legt seinen eigenen Maßstab an und natürlich gibt es Preisunterschiede wie bei jeder Dienstleistung. Ein Friseur soll ja auch für jeden Geldbeutel zugänglich sein.

Die Frage, ob man bei dem Friseurbesuch eine Empfangsdame, einen Kaffee, eine Massage oder Zeitschriften braucht, kann ebenfalls nicht generell beantwortet werden. Manche wollen den Friseurbesuch als ein Erlebnis wahrnehmen, andere wollen ihn einfach so schnell wie möglich hinter sich bringen. Der Preis lässt sich laut des Geschäftsführers des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks Jörg Müller durch bestimmte Parameter errechenen. Dazu gehören die Salonmiete, Schulungen sowie Ausbildung der Mitarbeiter, Salonambiente und die durchschnittliche Zeit, die die Dienstleistung in Anspruch nimmt.

Friseursalons im niedrigen Preissegment

Friseure im Preiskampf

Best Price. Quelle.

Friseursalons im niedrigen Preissegment wollen mit ihren Preisen, Produkten und Dienstleistungen oft eine junge und trendbewusste Kundschaft ansprechen. Diese Kundschaft sollte sich aber auch dessen bewusst sein, dass sie oftmals keine kompetente und umfassende Beratung erwarten darf. Ein Männerhaarschnitt beispielsweise dauert in den wenigsten Fällen länger als 15 Minuten. Dafür werden dann zwischen acht und zehn Euro verlangt. Wer zum Friseur geht, um seine bestehende Frisur nur nachschneiden zu lassen, oder weiß, wie seine Frisur aussehen soll, ist in diesem Segment bestens aufgehoben. Wer allerdings eine individuelle Beratung oder dergleichen erwartet, sollte lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen, denn die Zeit eines Billiganbieters reicht dazu schlicht und einfach nicht aus.

Ausbeutung der Mitarbeiter/Innen in billigen Friseurgeschäften ist keine Seltenheit

Nicht allen preiswerten Anbietern kann das unterstellt werden – es gibt immer Ausnahmen – aber oftmals (häufig bei Friseurketten) ist folgendes Szenario die traurige Realität: Die Mitarbeiter/Innen sind in sogenannten „Knebelverträgen“ gefangen. Beispiel: Eine Friseurin, nennen wir sie Emily, arbeitet in einem solchen Geschäft. Sie muss je nach Lage und Stadt ihres Arbeitgebers zwischen 280 und 350 Euro pro Tag erwirtschaften. Nehmen wir an, dass der durchschnittliche Kunde mit Beratung, schneiden, färben usw. etwa 30 Minuten in einem Geschäft verbringt. Wenn der Haarschnitt dann 15 Euro kostet (dieser Preis ist für billige Friseure schon recht hoch) hat Emily nach 8 Stunden Arbeit einen Umsatz von 240 Euro erwirtschaftet. Das bedeutet Überstunden und zwar jeden Tag. Die Überstunden bezahlen diese Salons so gut wie nie.

Wenn Emily dann nach ihrem Arbeitstag ihren Umsatz nicht erreicht hat, kann ihr eine Abmahnung, eine Kündigung oder eine Lohnkürzung  (beispielsweise durch Reduzierung der Arbeitszeiten) drohen. In ihrem Vertrag steht nämlich eine Klausel über die „Nichteinhaltung der Mindestarbeitspflicht“, welche den Arbeitgeber zu diesen Schritten berechtigt. Sollte ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin diesen Bedingungen nicht zustimmen, ist Mobbing häufig eines der letzten Mittel, zu denen der Arbeitgeber / die Arbeitgeberin greift, um diesen loszuwerden.

Die Tricks der Geschäftsführer/Innen

Aber auch Salonbetreiber/Innen, die diese Geschäftspolitik verfolgen, bedienen sich oft an Tricks um zusätzlich noch Geld zu sparen und somit den Preis weiter nach unten zu drücken. Der Betreiber/die Betreiberin ist dazu verpflichtet, mindestens einen Meister/In in einem Salon zu beschäftigen. Ein Meister oder eine Friseurmeisterin verdient natürlich mehr als ein Lehrling oder ein einfacher Friseur oder eine Friseurin. Deshalb werden oft Meister/Innen bei der Eröffnung eines Betriebs eingestellt und dann ein paar Wochen später wieder entlassen. Durch diesen Trick kann ein Betrieb im Monat mindestens 4.000 Euro an Lohnkosten inklusive Lohnnebenkosten sparen. Das macht einen Wettbewerbsvorteil von bis zu 30.000 Euro im Jahr aus, durch den der Salon dann billigere Preise anbieten kann. Das Ordnungsamt kommt aufgrund von Personalmangel bei der Kontrolle der Friseursalons nicht hinterher. Außerdem muss der Meister/die Meisterin auch nicht immer anwesend sein, was es noch schwieriger macht, einen solchen Verstoß nachzuweisen.

Friseursalons im höheren Preissegment

Das Nachfolgende ist oft die Realität, kann aber nicht für alle Friseursalons behauptet werden. Die Preise vieler Friseursalons  übersteigen die der Billiganbieter um Längen. Jedoch wird dem einzelnen Kunden und der einzelnen Kundin mehr Zeit gewidmet. Neben waschen, schneiden, föhnen und frisieren werden die Kunden/Innen individuell beraten und bekommen somit mehr Leistung für ihr Geld. Weitere Beispiele für zusätzliche Leistungen sind eine Massage, ein Kaffee oder ein Kopfhörer für die Zeit in der die Farbe einwirkt. Klar ist auch, dass das nicht bei jedem Besuch beim Friseur notwendig ist und es ist auch nicht gesagt, dass die Mitarbeiter/Innen eines solchen Betriebs weniger ausgebeutet werden als andere.

Trotzdem haben diese Mitarbeiter/Innen öfter ein angemessenes Arbeitsklima, eine bessere Vergütung und weniger Stress als die Mitarbeiter/Innen von Billig-Friseursalons. Eine bessere Ausbildung ermöglicht individuelle Haarschnitte, weil die Friseure auf Schulungen lernen, auf jeden Kunden sowie auf jede Kundin individuell einzugehen. Die Kosten für diese Schulungen übernimmt meist der Arbeitgeber.

Welcher Friseur soll es werden?

Es lässt sich nicht für alle Friseurgeschäfte sagen, dass teuer auch gleich besser ist. Denn am Ende zählt für viele das Ergebnis. Sieht der Schnitt gut aus wird der Friseurbesuch meist als Erfolg verbucht. Jedoch sollte man bei seinem nächsten Friseurbesuch vielleicht daran denken, wie extrem günstige Preise zustande kommen. Verlangt ein Friseurgeschäft für 45 bis 60 Minuten 60 Euro, sind das die gleichen oder ähnliche Stundensätze, wie wenn ein Friseur oder eine Friseurin in einer Stunde vier Kunden für 15 Euro bedienen muss. Der Druck, der auf den Mitarbeitern/Innen lastet, ist aber um ein Vielfaches höher.

 

Symbolbild Trichotillomanie

Trichotillomanie ist eine relativ unbekannte psychische Störung, bei der sich die Betroffenen Haare ausreißen. Was verbirgt sich genau dahinter? Was bedeutet die Krankheit für Betroffene? Und wie kann man damit umgehen?

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Krieg und Hippietum, Unterdrückung und Emanzipation, Politisierung und Popkultur – die Geschichte der letzten hundert Jahre war eine ziemlich wilde Achterbahnfahrt. Jedes Jahrzehnt zeichnet sich dabei durch sein ganz eigenes Lebensgefühl aus. Ein Gefühl, das sich immer auch deutlich auf den Köpfen seiner Zeitzeugen zeigte. Über kurz in den 20ern oder lang in den 60ern, die Frisur war Verlängerung der Persönlichkeit, politisches Statement oder manchmal sogar Protest. Zwischen Prüderie und Paris Hilton liegt immerhin ein ganzes Jahrhundert. Im Folgenden erwartet euch eine haarige Zeitreise. Und wer den ewigen Kreislauf der Mode durchschaut hat, der weiß: Der Blick zurück in die Geschichte der Haartrends könnte sich lohnen…

 

1910

Gibson Girl Zeichnung des Künstlers Charles Dana Gibson

Quelle: Wikipedia

Unsere Geschichte beginnt 1910 mit dem Gibson Girl: der idealtypischen Darstellung einer eleganten, jungen Dame. Benannt ist sie nach dem amerikanischen Cartoonisten und Illustrator Charles Dana Gibson, von dem auch die obige Zeichnung stammt. Die bevorzugte Gibson-Girl-Frisur ist ein Knoten oben auf dem Kopf, so hoch aufgetürmt wie nur möglich. Abgesehen von der voluminösen Haarpracht war es für das Gibson Girl unabdingbar, einen tadellosen Ruf zu genießen. Über 20 Jahre hinweg zeichnet Gibson ikonische Abbilder der Weiblichkeit, während die Suffragetten für das Frauenwahlrecht und mehr Unabhängigkeit auf die Straße ziehen.

 

1920

Flapper Girl aus den 20er Jahren

Quelle: Getty

Die Goldenen Zwanziger stehen für den Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg. Sie werden beherrscht durch Rausch, Lebensfreude und die Emanzipation der Frauen. Viele hatten in der Kriegsindustrie gearbeitet, erstmals eigenes Geld verdient und damit ein gewisses Maß an Selbstbestimmung erlangt. Entgegen der gesellschaftlichen Normen schneiden sich die „Flappers“ ihre langen, als weiblich geltenden Haare ab. Zudem tauschen sie das enge Korsett gegen weich fallende Kleider. Denn diese Frauen trinken, rauchen und treiben Sport, um sich über die altehrwürdigen Regeln des „guten Benehmens“ hinwegzusetzen. Die beliebtesten Frisuren heißen damals: Bubikopf, Garcon oder Eton-Schnitt. Hauptsache kurz und anders.

 

1930

Foto von Vivien Leigh mit kurzem Lockenhaarschnitt

Quelle: Getty

In der ökonomisch schweren Zeit der 30er Jahre ist kein Platz mehr für die Lebenslust der Flappers. Mit dem New Yorker Börsencrash beginnt die Weltwirtschaftskrise. Es folgt eine Zeit der Rückbesinnung auf alte Ideale und traditionelle Werte. Die Androgynität wird abgelegt und die Haare werden wieder länger, wie man hier bei Vivien Leigh sieht. Die Erfindung der Dauerwelle erfreut sich großer Beliebtheit.

 

1940

Frau mit Haarnetz-Frisur aus den 40er Jahren

Quelle: Pinterest

Der Zweite Weltkrieg prägt auch die Haarmode der 40er Jahre stark. Der Alltag ist bestimmt durch ständige Sorgen und den Kampf um das Überleben. Aus diesem Grund muss es auf dem Kopf praktisch zugehen: Zöpfe, Haarnetze oder Kopftücher sind jetzt angesagt.

Betty Grable mit der Frisur Victory Rolls

Quelle: Getty

Sollte es in den 40ern dann doch ein wenig schicker sein, orientiert man sich an Leinwandheldinnen wie Rita Hayworth oder Betty Grable (Bild). Die Victory Rolls haben Konjunktur: zwei nach oben gedrehte Rollen, die aufeinander zugewickelt sind. Ursprünglich war eine Victory Roll ein akrobatisches Flugzeug-Manöver, das die Piloten vollführten, wenn sie erfolgreich aus der Schlacht zurückkehrten.

 

1950

Marilyn Monroe mit blonden Locken

Quelle: Getty

Mit Ende des Krieges wurden auch die praktischen Frisuren abgelegt. Die 50er Jahre stehen für Rock ’n‘ Roll und Swing. Die Haartrends dieser Zeit spiegeln ein neues Lebensgefühl von Freiheit wieder. Ob Marilyn Monroe mit ihren kurzen, blonden Locken…

Frisur aus den 50ern: Beehive.

Quelle: Pinterest

…oder die aufwändig hochtoupierten „Beehives“ (dt. Bienenkörbe) auf den Köpfen der Damen – das Motto ist ebenfalls Glamour.

 

1960

Janis Joplin mit wilder Hippiemähne und Zigarette in der Hand.

Quelle: Getty

Vietnamkrieg, Studentenunruhen und Bürgerrechtsbewegung. Die Jugend der 60er Jahre verlangt nach moralischer und sexueller Selbstbestimmung. Sie zweifeln Autoritäten an und entwerfen eine Gegenkultur: Hippies stehen für Pazifismus, Toleranz und eine freie Gesellschaft. Die Anhänger dieser Bewegung tragen ihre Haare deswegen lang und offen wie Janis Joplin. Ein Zeichen von Freiheit und Unabhängigkeit.

Bürgerrechtsaktivistin Angela Davis mit Afro.

Quelle: Getty

Auch die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung setzt auf ein haariges Statement. Der Afro ist das Zeichen für Gleichberechtigung. Die natürliche Krause, wie Aktivistin Angela Davis sie trägt, wird schließlich zum Symbol gegen die Anpassung an das „weiße Ideal“ und gegen Unterdrückung.

 

1970

Farrah Fawcett mit der 70er Frisur "feather cut".

Quelle: Getty

In den 70ern setzt sich die Emanzipation fort, Menschen politisieren sich und gleichzeitig beginnt die Disco-Ära. Viele kulturelle Strömungen beeinflussen zu dieser Zeit die Gesellschaft. Ebenso vielfältig wie die Kultur ist damals auch die Haarkunst. Ob lang, kurz, gelockt oder geföhnt – erlaubt ist, was gefällt. Und besonderen Gefallen findet der „feather cut“ von Farrah Fawcett. Der Schnitt, bei dem die Haarenden ab der Schläfe in Flügel geföhnt werden, geht um die Welt.

 

1980

Madonna mit großer Schleife im Haar. Bild aus den 80ern.

Quelle: Getty

Neon, Schulterpolster und seltsame Frisuren. Die 80er Jahre sind das Jahrzehnt des pulsierenden Lebens und der modischen Freiheit. Madonna wird zur Stilikone.

Cindy Lauper mit gelb-rot-blauen Haaren.

Quelle: Getty

Es geht ziemlich schrill und knallbunt zu, auch auf dem Kopf von Cindy Lauper: Vokuhilas, Dauerwellen und Regenbogenfarben gehören in den 80ern zum guten Ton. Es wird toupiert, geföhnt, gesprayt und gefärbt was das Zeug hält. Eine Strategie, die Gefahren des Kalten Kriegs zu verdrängen?

 

1990

Jennifer Aniston mit dem erfolgreichen "Rachel-Cut"

Quelle: Getty

Die 90er Jahre sind dann geprägt von einer Neuordnung: Der Kalte Krieg ist zu Ende und das Internet vernetzt die Welt. Popkulturell glänzt dieses Jahrzehnt unter anderem mit der Sitcom „Friends“. Es gibt wohl keine Frisur, die global jemals so erfolgreich war wie der „Rachel-Cut“. Schauspielerin Jennifer Aniston bringt den Stufenschnitt ihres Seriencharakters „Rachel“ auf die Köpfe eines ganzen Planeten.

 

2000

Mädchen mit auffälliger "Emo" Frisur in verschiedenen Farben.

Quelle: Pinterest

9/11 und Paris Hilton sind hingegen zwei ganz große Themen der 2000er, was augenscheinlich für ein Übermaß an Emotionen sorgt…

Christina Aguilera mit gekrepptem Haar und roten Strähnchen.

Quelle: The Gloss

Firmen wie Google, YouTube und Facebook starten in den Nullerjahren durch und wirklich jeder trägt einen MP3-Player bei sich. Aber ob diese Entwicklungen in Zusammenhang mit Kreppeisen und roten Blocksträhnchen steht, bleibt auch für Christina Aguilera ungeklärt.

 

2010 bis heute

Victoria's Secret Model Candice Swanepoel mit langen Beachwaves.

Quelle: Getty

Nach unserem Blick in die Geschichte sind wir wieder in der Gegenwart und damit unter anderem bei den Beachwaves von Victoria’s Secret Model Candice Swanepoel angekommen. Rückblickend fällt eines auf: In den letzten acht Jahren haben wir eine Trend-Zeitreise durchlebt. Ob Hippiemähnen der 60er, Kurzhaarschnitte der 20er oder einen Hang zur 90er Ästhetik – die Vergangenheit ist auf Stippvisite.

Miley Cyrus mit Kurzhaarschnitt und Undercut.

Quelle: Short Biography

Kombiniert werden die Klassiker (wie hier bei Miley Cyrus) mittlerweile gerne mit dem „undercut“, einer ausrasierten Haarpartie.

Darf es ein falscher Bart aus Goldstaub sein? Oder doch lieber der jugendliche Caesaren-Look? Im alten Rom dauerte der Friseurbesuch schon einmal länger. Mit ihren Experimenten veränderten die Trendsetter der Antike die Haarmode aber für immer. Weiterlesen