Superhelden faszinieren unsere Gesellschaft schon immer. In uns allen scheint eine Sehnsucht nach dem Übernatürlichen zu stecken. Heute sind Superhelden eigentlich überall – wir kommen im Kino, im Fernsehen und auch in Büchern nicht an ihnen und ihren heldenhaften Taten vorbei. Aber es ist uns auch möglich echte Superhelden auf den Straßen der Welt zu finden. Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, uns zu beschützen, gibt es heute nicht mehr nur in Fiktion und Fantasie. Wer sind diese Menschen und was bewegt sie zu ihren heldenhaften Taten?

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Ein junger Assistenzarzt berichtet von seinem Berufsalltag mit all seinen Schattenseiten. Lest hier, was er dennoch an seinem Job liebt. Außerdem: Warum er ein Held ist, aber behauptet, keiner zu sein.

Er steht auf, während die meisten anderen noch in ihr warmes, gemütliches Bett gekuschelt sind und davon träumen, ein Held auf einem fremden Planeten in einer weit entfernten Galaxie zu sein. Selbst die Vögel sind noch still, nur vereinzelt öffnen sie müde ihre Äuglein und geben ein schwaches Krächzen von sich. Im Dunkeln verlässt er das Haus, ganz leise, um die Kinder des Ehepaars nebenan nicht zu wecken und macht sich mit einem dampfenden Kaffeebecher bewaffnet auf den Weg, Menschen zu retten. Hinter dem Nachbarhaus geht langsam die Sonne auf, sie taucht seinen schneeweißen Kittel in ein gleißendes Licht, hebt ihn aus seiner finsteren Umgebung heraus. „Wer ist dieser junge Mann?“, mag sich manch einer verwundert fragen.

Held oder kein Held

Die Rede ist von dem 26-jährigen Jan H., Assistenzarzt in Weiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie.

„Ein Held bin ich aber nicht“, sagt er. „Ich erledige nur meinen Job. Helden sind für mich Ehrenamtliche, denn sie opfern wirklich etwas, um zu helfen.“

Ob Held oder kein Held – Jan beginnt jeden Morgen um 6.45 Uhr seine Arbeit. Er kommt auf die Station des Krankenhauses, verschafft sich einen ersten Überblick: Wie geht es den Patienten auf der Station? Gibt es Neuzugänge? Welche Untersuchungen, welche Operationen müssen heute durchgeführt werden?

Eine Stunde später, um 7.45 Uhr, trifft er sich mit den Oberärzten und dem Chefarzt, denn die erste Operation des Tages steht an. Während viele Leute um diese Uhrzeit noch gemütlich ihren ersten Kaffee schlürfen, um nicht über dem Frühstück wieder einzuschlafen und mit dem Gesicht in der Müslischale zu landen, muss Jan jetzt volle Konzentration zeigen. Er assistiert bei den Operationen und führt kleine Eingriffe selbst durch, immer unter den wachsamen Augen eines Oberarztes. Zwischen den Operationen bleibt kaum Zeit, um durchzuatmen. Jan muss Berichte schreiben, Blut abnehmen und nach seinen Patienten sehen.

Um 15 Uhr bespricht er mit seinen Kollegen die Operationen und Röntgenbilder, die an diesem Tag bisher gemacht worden sind und schaut sich den Operationsplan für den Folgetag an. Von Feierabend kann allerdings noch lange nicht die Rede sein, denn zuerst muss auf der Station alles aufgeräumt werden. Dann folgen Gespräche mit den Angehörigen der Patienten.

„Jetzt stopft man sich meist auch das erste Mal was zu essen und trinken rein, außer man hatte Glück und hat es zwischen zwei Operationen zum Kiosk geschafft“, sagt Jan und lacht.

Feierabend mit Aussicht auf Wochenenddienst

Gegen 17.30 Uhr endet schließlich der Tag für ihn – und kurz bevor die Sonne wieder hinter dem Nachbarhaus verschwindet, erreicht auch er im angehenden Abendrot seine Wohnung. Für Jan besteht die Woche aber nicht nur aus fünf Arbeitstagen, er hat auch noch bis zu sechs zusätzliche Schichtdienste im Monat. Während seine Freunde also am Wochenende feiern gehen oder auf der Couch lümmeln, muss er entweder von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr arbeiten.

Kein gesunder Lifestyle

Ich frage ihn, ob er manchmal das Gefühl habe, das Wohl seiner Mitmenschen über sein eigenes zu stellen.

„Ja, meine Kollegen und ich schmunzeln schon manchmal untereinander und sagen, dass das ja nun wirklich kein gesunder Lifestyle ist, den wir betreiben. Aber wir haben uns den Job ausgesucht und wir wussten, worauf wir uns einlassen.“

Viel Verantwortung

Medizin studieren wollte Jan schon immer. In die Orthopädie hat es ihn getrieben, weil er selbst viel Sport gemacht hatte und dadurch auch immer wieder mit Sportunfällen in Berührung kam. Durch die zusätzliche Ausbildung zum Facharzt für Unfallchirurgie kann Jan in Zukunft auch in der Notfallmedizin tätig sein und große Operationen durchführen. Angst, dabei etwas falsch zu machen habe er aber nicht, sagt er.

„Es gibt jedoch oft Vorfälle, bei denen nicht ganz klar ist, was für eine Operation am besten geeignet wäre und man hat großen Respekt davor, das entscheiden zu müssen. Aber dann muss man sich eben das nötige Know-how aneignen oder sich mit dem Oberarzt in Verbindung setzen. Unfälle mit Kindern finde ich allerdings immer besonders schlimm und man ist auch viel angespannter, wenn man ein Kind statt einen Erwachsenen operieren soll.“

Schattenseiten

Todesfälle gehören leider ebenfalls zum Berufsalltag eines Arztes. Die Schicksale der Patienten nehmen ihn teilweise sehr mit, verrät Jan. Von seinem schlimmsten Erlebnis berichtet er nur widerwillig, denn er denkt nicht gerne an den Tag zurück. Aber schließlich erzählt er doch, wie eine junge Mutter, die zusammen mit ihrem kleinen Kind in einen Unfall verwickelt war, zu ihnen ins Krankenhaus gebracht wurde. Das Kind verstarb noch in derselben Nacht. In den nur wenigen Minuten Frühvisite musste Jan der Mutter berichten, dass ihr Kind die Nacht nicht überlebt hat. Es sei furchtbar gewesen, sagt Jan, nicht nur ihr Schicksal, sondern auch das Gefühl, die Situation aufgrund des streng getakteten Arbeitstages nicht adäquat betreuen zu können. Er hätte gerne mehr getan – und der Schmerz steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Ein Job, der die Strapazen wert ist

Dennoch liebt Jan seinen Job und kann sich nicht vorstellen, von einer anderen Tätigkeit so erfüllt zu werden wie von derjenigen eines Arztes.

„Ich arbeite in einem tollen Team, das macht einfach Spaß. Ich lerne jeden Tag dazu, es sind oft die kleinen Dinge, bei denen man merkt, dass der harte Job und die langen Arbeitszeiten es wert sind. Ein einfacher Dank des Patienten bei der Entlassung zum Beispiel.“

Und so steht er weiterhin jeden Morgen in aller Frühe auf, um für die Menschen da zu sein, die seine Hilfe brauchen. Auch wenn unser Jan behauptet, kein Held zu sein – für seine Patienten ist er es mit Sicherheit.

 

 

Hast du dich schon jemals gefragt, wer dein persönlicher Alltagsheld ist? Wenn ich die Augen schließe und dann kurz blinzle, sehe ich ganz genau vor mir, wer meine Alltagshelden sind… Ich habe genau vier Menschen, die mir bei dieser Frage in den Kopf kommen. Und mit diesen vier teile ich mir eine WG.

Nach einem langen Wochenende, das ich mal wieder bei meinen Eltern oder meinem Freund verbracht habe, schließe ich die Wohnungstür auf. Es riecht unangenehm. Ist das der nichtentsorgte Biomüll? Oder der Alkohol von der Geburtstagsfete meiner Mitbewohnerin? Ich mache einen Schritt ins Wohnzimmer. Der Fußboden klebt. Wie aus einem Reflex heraus verdrehe ich die Augen und bin kurz genervt, als ein Schwarm Fruchtfliegen an mir vorbeisurrt. Herzlich Willkommen in meiner WG! Zielstrebig in die Küche, wo eine einsame Made die Wand hinaufkriecht. Von einem Anfall gepackt, nehme ich den leicht grünlich schimmernden, flaumigen, aufgeschnittenen Brotlaib meines Mitbewohners und pfeffere ihn in den Mülleimer – nein, halt, der ist zu voll. Ich bringe also den Müllbeutel in die Mülltonne und entsorge den Brotlaib dann. Hinterher kratze ich die angeklebten Nudelreste aus dem Abflusssieb unseres Spülbeckens.

Dann halte ich kurz inne. Ich muss an mein schönes vergangenes Wochenende denken. Jede einzelne Minute war verplant. Immer hatte ich Menschen um mich herum oder irgendwas zu tun. Und jetzt auf einmal kriecht für einen kleinen Augenblick diese blöde Einsamkeit in mir hoch. Richtig allein fühle ich mich in diesem einen kurzen Moment, während ich so in der Küche stehe und den Müll meiner Mitbewohner entsorge.

Und dann… reißt plötzlich eine meiner Mitbewohnerinnen ihre Zimmertür auf und hüpft singend die Treppe herunter. Im gleichen Augenblick dreht sich der Schlüssel im Haustürschloss und mein Mitbewohner kommt herein. Lässt sich auf die Couch fallen und schaltet den Fernseher ein. Mein ganzer Groll von vorher verfliegt, der Müll ist mir auf einmal egal und ich bin einfach nur froh, dass ich nicht mehr allein bin. Da ist plötzlich dieses Gefühl von Geborgenheit, von zuhause sein, das mir diese Menschen geben ohne etwas Besonderes zu tun. Einfach nur durch ihre Anwesenheit.

An einem anderen Tag liege ich im Bett und krümme mich vor Bauchschmerzen. Seit Tagen bewege ich mich nur zwischen Bett und Bad hin und her. Ab und zu schleppe ich mich in die Küche, um Tee zu kochen. Am liebsten wäre ich wieder fünf Jahre alt und hätte meine Mama um mich herum, die mir Zwieback und geriebenen Apfel bringt und jede Stunde mit einer heißen Tasse Tee in mein Zimmer kommt. Aber ich bin 20 und wohne nicht mehr zuhause. Meine Mama bringt mir keinen Tee oder besorgt Medikamente. Irgendwann schleppe ich mich dann doch ins Wohnzimmer unserer WG und mir steigt ein Geruch nach deftigem Abendessen in die Nase. Gaisburger Marsch. Sehr lecker eigentlich, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich seit Tagen unter Übelkeit leide, übergebe ich mich fast.

Und dann… stehen auf einmal meine völlig besorgten Mitbewohner vor mir und fragen, was sie für mich tun können. Eine von ihnen kocht mir Tee. Einer schaltet den Fernseher ein und versucht eine möglichst lustige Serie mit mir zu gucken, um mich aufzumuntern. Die dritte im Bunde beginnt schon einmal damit, Suppe zu essen. Und so sitzen wir letztendlich alle fünf in unserem kleinen Wohnzimmer, ich trinke Tee, die anderen löffeln Suppe. Mir ist unendlich schlecht, aber innerlich muss ich grinsen. Über die Situation, über meine Mitbewohner, über uns alle und vor allem darüber, dass die vier mich so lieb aufgemuntert haben. Eigentlich zeichnen sich Helden durch „außergewöhnliche“ und „mutige“ Taten aus. Aber für mich sind meine Mitbewohner Alltagshelden. Das kurze Lächeln und die singende Mitbewohnerin, wenn ich mich einsam fühle. Die heiße Tasse Tee, wenn ich krank bin. Die doof-lustige Serie, um mich zum Lachen zu bringen. Für mich sind das außergewöhnlich liebe kleine Gesten. Wenn ich höre, wie sich Mitbewohner in anderen WGs gegenseitig ignorieren oder gar nichts voneinander mitbekommen und wenn ich erfahre, wie sie gar nicht aufeinander achten, dann weiß ich, dass ich vier Alltagshelden in meiner Wohngemeinschaft habe.

Und was den stinkenden Müll angeht, die Nudeln im Abflusssieb und den dreckigen Boden… Manchmal nervt das, manchmal stört es mich, manchmal bin ich (zugegebenermaßen) auch selbst schuld daran. Aber wenn ich an all die positiven Eigenschaften meiner Mitbewohner denke, dann kann ich all diese kleinen Dinge, die mich manchmal stören, einfach außer Acht lassen.

Vielleicht sind wir fünf – jetzt zähle ich mich auch dazu – nicht kühn und mutig und tapfer, so wie es die Helden der Geschichte waren, aber wir haben die außergewöhnliche kleine Gabe aufeinander Acht zu geben, wenn wir uns brauchen. Und das sollte doch genug sein, um uns als Alltagshelden bezeichnen zu können.

 

(Das Beitragsbild zeigt ein zuckersüßes Lebkuchenhaus. Ein Produkt der Weihnachtsbäckerei meiner WG-Alltagshelden)

Die größten Helden sind immer noch die, die sich selbst nicht als solche ansehen und sich nicht einmal darüber bewusst sind, dass jemand das tun könnte. Die sich morgens in ihre Schürze werfen, die Kaffeemaschine anschalten und das beliebteste Getränk der Deutschen servieren. Etwa 149 Liter Kaffee trinken die Deutschen pro Jahr und die meisten davon wissen nicht ansatzweise, welchen Herausforderungen sich Baristas Tag für Tag stellen müssen. Nicht nur die langen Arbeitszeiten und die hektische Stimmung zu den Stoßzeiten, dazu kommen verschiedenste Kunden mit verschiedensten Bedürfnissen. Die Vielfalt an Kunden lässt sich gut vergleichen mit der Vielfalt an Kaffeesorten und deren Eigenschaften.

Von Robusta- und Arabica-Kunden

Wenn man so will, lassen sich die Kunden grundsätzlich grob unterteilen in Arabica-Kunden und Robusta-Kunden. Der Arabica-Kunde ist bekannt für seinen guten Geschmack und seine Intensität. Wer einen solchen Kunden bedient, darf also mit intensiven Gesprächen rechnen. Der geschmacksarme Charakter von Arabica-Kunden führt dazu, dass viele das Café nur betreten, um einen etwas geschmacklosen Kommentar über die neuen Getränke oder den Service abzugeben, während sie verbittert ihren Espresso trinken. Doch im Kern sind Arabica-Kunden für ihre Milde bekannt. Wer Arabica bestellt, darf sich selbst also tendenziell eher zu den milden Kerlen zählen.

Der Robusta-Kunde dagegen zeichnet sich – wie der Name vermuten lässt – durch seinen robusten und resistenten Charakter aus. Diesen Kunden kann man zahlreiche Male erklären, dass sie die benutzten Kaffeetassen auf die vorgesehene Ablagefläche hinzustellen haben. Letztlich werden sie immer wieder zu den Baristas zurückkehren und ihnen ihre Tasse in die Hand drücken.
 Mit der Vielfalt an Kunden ist es auch nicht verwunderlich, dass am Ende des Tages eine Menge Geschichten entstehen. Doch welche dieser Geschichten machen Baristas letztendlich zu Helden?

Die zahlreichen Widerstände?

Tag für Tag spazieren unfreundliche Kunden in das Café. Sie geben Anweisung diktatorischer Art und äußern sich mit persönlich beleidigenden Kommentaren zum Aussehen der Angestellten. Trotz der latenten Unausstehlichkeit solcher Kunden, müssen Baristas ihnen kontinuierlich Freundlichkeit und Geduld entgegenbringen. Da bezeichnet der eine Kunde die Angestellte als ‚Fräulein‘, der andere will dafür sorgen, dass sie ihren Job verliert. Es ist gleich, ob der Kunde schlecht gelaunt, unzufrieden oder einfach nur verbittert ist. Am Ende sind es immer die Baristas, die sich diesen alltäglichen Herausforderungen und Widerständen stellen müssen.

Die alltäglichen Rettungen?

Möglicherweise sind es aber auch ganz andere Geschichten, die Baristas zu Helden machen. In einer Studentenstadt wie Tübingen zählen zu den häufigsten Gästen von Cafés bekanntlich Studenten. Da diese größtenteils unter chronischer Müdigkeit leiden, weil sie hier eine Hausarbeit, da eine WG-Party und ganz woanders ein paar Zukunftssorgen haben, kommen Cafés wie gelegen. So berichten Baristas von zahlreichen Studenten, denen sie morgens ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, sobald diese das schwarze Gold auch nur riechen.

Die einmaligen Geschichten?

Neben den alltäglichen Geschichten gibt es auch einmalige Erfahrungen, die Baristas zu Helden machen. Die schwangere Frau, die ohnmächtig wird und glücklicherweise direkt von ihnen versorgt werden kann. Die zahlreichen Stammkunden, für die der Cafébesuch als Ritual gilt, da sie bei den Baristas teilweise ihre größten Sorgen loswerden können. Der langjährige Stammkunde, der jeden Morgen die Stühle und Tische des Cafés aufbaut und daraufhin einen Kaffee spendiert bekommt. Jede dieser Begegnungen ist einzigartig und verdeutlicht, dass der Job als Barista nicht nur darin besteht, Kaffee auszuschenken und dabei zu lächeln.

Der einzigartige Charakter?

Mit ihrer angenehmen und lockeren Art erzeugen Baristas eine einzigartige Stimmung. Sie werden zum Bestandteil einer allumfassenden Magie des Cafés, die so facettenreich ist wie die Kunden selbst. Eine Magie, die darin besteht, den Kunden Erleichterung ins Gesicht zu zaubern, wenn sie an warmen Sommertagen einen Iced Coffee und an kalten Tagen einen heißen Cappuccino in der Hand halten. Eine Magie des Glücks, Momente mit Freunden zu teilen, Gespräche über die Welt und das Leben zu führen, ganz im Sinne der Geisteswissenschaften.

Womöglich ist es das Gesamtpaket an Widerständen und Hindernissen, an Glücksmomenten und Dankbarkeit, das Baristas zu Helden des Alltags werden lässt.