Ein knuspriges Brötchen, kühle Butter und darauf eine großzügige Portion Honig: Während wir morgens am Frühstückstisch noch genüsslich in den goldfarbenen Brotaufstrich beißen, sind draußen vor dem Fenster bereits jene schon wieder emsig bei der Arbeit, denen wir Menschen ihn zu verdanken haben – die Bienen.

Ihr Produkt ist schon seit Jahrtausenden beliebt, ob pur auf dem Löffel, als zuckrige Zutat im Kuchen, vitaminreiches Süßungsmittel im Getränk oder entzündungshemmendes Naturheilmittel. Woran beim Genuss oft nicht gedacht wird: die mühevolle Arbeit, die die fleißigen Bienchen dafür leisten.

Süßes Produkt mit Charakter

Honig – aus dem germanischen Begriff ‚Hunanga‘ für ‚goldfarben‘ – war für uns schon immer schmackhaft: Bereits eine circa 12.000 Jahre alte Felsmalerei in Spanien zeigt einen Menschen, der sich die süße Leckerei aus einem wilden Bienenkorb holt. Die gezielte Kultivierung von Bienen begann dann vor ungefähr 7.000 Jahren zuerst in Anatolien und verbreitete sich allmählich auf der gesamten Welt.

Apis Mellifera auf der Suche nach Nektar auf einem Wiesenkerbel

Doch was sich der Mensch seit jeher zunutze macht, dient dem fleißigen Insekt hauptsächlich als Reserve für Zeiten, in denen es den Stock nicht zur Nahrungsbeschaffung verlassen kann. Dank des im Honig enthaltenen Frucht- und Traubenzuckers, der Mineralstoffe, Proteine, Vitamine und dem Wasser ist Honig nämlich die perfekte Energiequelle.

Klare Arbeitsteilung: alles andere als ein Honigschlecken

In einem Bienenstock leben zwischen 40.000 und 60.000 Bienen, darunter gibt es drei Arten von Bewohnern: eine Königin, Drohnen und Arbeiterinnen. Die Königin ist das einzige vollständig entwickelte Weibchen in einem Stock und hat zur Aufgabe, Eier zu legen und das Leben der Arbeiterinnen durch Hormone aus ihrem Mundwerkzeug zu steuern, die bei diesen die Geschlechtsreife unterbindet.

Die Drohnen sind die einzigen männlichen Bienen und schlüpfen, anders als die Königin und die Arbeiterinnen, aus einem unbefruchteten Ei. Sie leben lediglich während der „Schwarmzeit“, d.h. der Vermehrungsphase im Frühsommer, in der sie beim Hochzeitstanz die Bienenkönigin befruchten. Anschließend werden sie nicht mehr in den Stock zurückgelassen und, da sie sich selbst nicht versorgen können, sondern auf den Nahrungsaustausch innerhalb des Stocks angewiesen sind, verhungern.

Neben der Königin und den Drohnen gibt es noch die Arbeiterinnen. Sie machen ihrem Namen alle Ehre, schließlich übernehmen sie während ihres Lebens ihrem Alter entsprechend verschiedenste Aufgaben und ermöglichen so einen reibungslosen Ablauf im Bienenkorb: Nach dem Schlüpfen säubern sie die Zellen, aus denen Larven schlüpfen, und bereiten Pollennahrung für sie zu. Später versorgen sie auch die Königin und beschützen den Stock vor Feinden. Ab dem 21. Tag sind Arbeiterinnen für die Nahrungsbeschaffung zuständig und sammeln Nektar in ihrem Honigmagen, Pollen an den Hinterfüßen sowie Honigtau aus dem Sekret von Pflanzen und Insekten, die dieses absondern. Zurück am Bienenkorb nehmen ihnen die jüngeren Arbeiterinnen die Nahrung ab und verteilen sie an die Brut. Der Überschuss wird dabei in den Waben eingelagert: Da der Nektar direkt nach dem Sammeln noch zu viel Wasser enthält und somit zu dünn ist, um in die Waben gefüllt zu werden, wird er von Arbeiterin zu Arbeiterin weitergegeben und so oft geschluckt und heraufgewürgt, bis der Nektar dank Luftverdunstung und der im Speichel enthaltenen Enzyme dick genug ist, um in den Waben eingedeckelt zu werden.

Honig – beliebtes Naturprodukt.

Zwischen Herausforderung und Meisterleistung

Längst wissen wir, dass es Bienen – trotz eines Gewichts von gerade einmal 82 Milligramm – nicht leicht haben: Durch moderne Landwirtschaft wie den Anbau von Monokulturen ist ihr Nahrungsangebot begrenzt und eingesetzte Insektizide stören den lebenswichtigen Orientierungssinn und vergiften oft gar ganze Völker. Infolge des Klimawandels erschweren ungewöhnliche Kälte- und Hitzeperioden den Insekten zusätzlich ihre Temperaturregulierung im Stock und Krankheiten oder Parasiten wie die Varroamilbe setzen sie außer Gefecht.

Doch trotz dieser und weiterer Herausforderungen ist unsere Honigbiene „Apis Mellifera“ gemeinsam mit weiteren 20.000 Bienenarten auf der ganzen Welt fleißig am Nektar sammeln und so werden jährlich weltweit ca. 1,9 Millionen Tonnen Honig geerntet – jeder Deutsche verspeist davon durchschnittlich ein Kilogramm pro Jahr. Diesen Insekten haben wir auch zahlreiche andere Produkte zu verdanken: Propolis, Pollen, Wachs und das Gelée Royale.

Eine weitere Meisterleistung der braun-schwarz-gelben Insekten ist die Bestäubung, schließlich sind mehr als 80 Prozent aller Pflanzen darauf angewiesen und wiederum 80 Prozent davon können lediglich von Honigbienen befruchtet werden. Deshalb sagte Albert Einstein bereits 1949: Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Fest steht: ein Bienenstaat ist ein hochkomplexes Netzwerk. Seine Bewohner, so stark sie als Volk auch scheinen, werden durch den Klimawandel, Gifte, fehlende Lebensräume und ein zu geringes Blütenangebot – kurz: die Einwirkung von uns Menschen – leicht aus dem Gleichgewicht gebracht.

Summ summ summ – Königin, Arbeiterinnen und Drohnen summt herum!

Um ihren Honigmagen, in den 0,5 Gramm Nektar passen, ein Mal zu befüllen, muss eine Arbeiterin zwischen 1.000 und 1.500 Blüten anfliegen. Für 500 Gramm Honig bedeutet dies insgesamt 50.000 Flüge oder auch 75.000 Flugkilometer und somit mehr als zwei Erdumrundungen. Abhängig von der Größe und Winterhärte benötigt ein Bienenvolk für den Eigenbedarf nur circa zehn bis zwanzig Kilogramm Honig pro Jahr. So kann ein Imker pro Bienenstaat dank des Überschusses jährlich bis zu 50 Kilogramm Honig ernten.

Eine wilde Wiese mit insektenfreundlichen Blumen: Mohn, Ringelblumen und Malven.

Dies zeigt, mit welcher Ehrfurcht, Anerkennung und Wertschätzung wir Bienen und Insekten allgemein behandeln können und ihnen zuliebe – wo auch immer wir Platz dafür haben, und sei er noch so klein – insektenfreundliche Blumen säen sollten. Dies sind beispielsweise Lavendel, Kapuzinerkresse, Margeriten oder Verbenen. Und wer gerne selbst einmal einen goldenen Brotaufstrich ganz ohne die Hilfe von Bienen herstellen möchte, kann nun im Frühling und Sommer auf Wiese, Feld und Hain fündig werden (und dabei noch Maja und Co. beobachten): Wie wäre es deshalb mit selbstgemachtem ‚Honig’ aus Löwenzahnblüten, Gänseblümchen oder den jungen Trieben von Fichten auf der zweiten Hälfte des eingangs beschriebenen Brötchens? Weitere spannende Einblicke in das faszinierende Leben der Bienen gibt es in dem 2016 erschienenen Bestseller „Die Intelligenz der Bienen“ von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt.

 


Mehr zum Thema und weitere spannende Beiträge gibt es auf unserem Blog Under Construction. Außerdem halten wir unsere Leserinnen und Leser auf Facebook und Instagram auf dem Laufenden.

3 Kommentare
  1. Kay Lucie Ostertag
    Kay Lucie Ostertag sagte:

    Die Honigproduktion aus der Sicht der Biene zu beschrieben ist eine super Idee. Ein sehr wichtiges und aktuelles Thema, das du sehr schön verpackt hast.

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  2. Laura Mitlewski
    Laura Mitlewski sagte:

    Bienen sind so wundersame, schlaue Geschöpfe! Mein Großvater war Imker und hat mir viel über die Bienen erzählt. Manchmal nahm er eine in die Hand und ich durfte sie ganz vorsichtig streicheln. Natürlich nur die „Willis“, wie er die männlichen Bienen nannte, weil sie nicht stechen. Im Alltag vergisst man die Bienen leider oft – wohl auch, weil wir immer seltener welche zu Gesicht bekommen. Umso schöner, dass du ihnen einen eigenen Beitrag gewidmet hast, Rebecca!

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  3. Linda P.
    Linda P. sagte:

    Wirklich ein wichtiges Thema, das du da angesprochen hast. Ich glaube, dass viel zu wenig Menschen bewusst sind, wie sehr wir auf die Bienen eigentlich angewiesen sind. Da muss ich an ein Meme denken, dass ich mal irgendwo in den Tiefen des Internets gesehen habe. Da wurde der Vergleich Die-Erde-ohne-Bienen und Die-Erde-ohne-Menschen sehr bezeichnend dargestellt. Ich denke, ich muss nicht erklären, auf welchem Bild die Erde schöner aussieht.

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