Window Shopping – darunter verstehen viele, dass man durch die belebte Einkaufsstraße flaniert und sich berieseln lässt. Doch statische Schaufenster mit adrett gekleideten Mannequins und Lifestyle-Produkten gehören vielleicht bald der Vergangenheit an. Denn das Zeitalter der Smartphones und interaktiven Schaufenster mit smarten Displays hat bereits begonnen. Mit nur wenigen Klicks eine Sonnenbrille anprobieren, oder ein Sofa ins Wohnzimmer stellen? Augmented Reality macht es möglich. Doch was ist Augmented Reality und wie verändert es unsere Window Shopping-Realität?

Mal ist es das gute Wetter, ein Shopping-Trip mit Freund*innen oder auch das bezaubernde Lächeln des Kassierers, was uns in die Stadt lockt. Doch um der Kauflust nachzugehen, muss man im postdigitalen Zeitalter keinen Schritt mehr vor die Tür machen. Im Zuge des Aufstiegs von E-Commerce stellen nämlich die Displays unserer mobilen Endgeräte die Schaufenster dar. Es ist nun überall und jederzeit möglich, Window Shopping zu betreiben. Um dieses Erlebnis zu verbessern, setzen viele Unternehmen sowohl in ihren stationären Geschäften als auch in Online-Shops Augmented Reality ein. Mit dem Angebot des Augmented Shoppings treffen sie auch den Nerv der Zeit: Denn laut der Google Consumer AR Survey im Jahr 2019 sind 66 Prozent der Befragten daran interessiert, die AR-Technologie beim Einkauf zur Unterstützung zu nutzen.

Wie Augmented Reality uns beim Shopping helfen kann

Unter dem Begriff Augmented Reality wird eine computerbasierte Technologie verstanden, welche die wahrnehmbare Realität der Menschen mithilfe von Zusatzinformationen wie Bildern, Texten und Gegenständen virtuell erweitert. Beim Augmented Shopping können potenzielle Kund*innen sich intensiv mit Produkten digital auseinandersetzen: Ob Sneakers, Brillen, oder Make Up – mithilfe der virtuellen Anprobe kann man von zuhause aus die Produkte schnell am eigenen Körper an- und ausprobieren. Auch ein Sofa oder Fernseher lassen sich einfach ins Zimmer stellen.

Wer in einer größeren Stadt dem Window Shopping nachgehen möchte, dem begegnet Augmented Reality auch in den Läden. Die Schaufenster sind mit smarten Displays ausgestattet und können unterschiedliche Funktionen bieten, sodass Passant*innen mit ihren Schaufensterinhalten interagieren. Dabei verfolgen Unternehmen bzw. Marken stets ihre marktwirtschaftlichen Interessen. Beispielsweise in Form einer digitalen, interaktiven Anzeige versuchen sie die neuesten Artikel besser zu vermarkten und vorbeilaufenden Menschen zum Engagement mit ihren Produkten zu motivieren. Um ihr Interesse zu verfestigen, bieten sie eine Suchfunktion, damit sie mehr Informationen über ein gewünschtes Produkt finden können.

Gerade beim Window Shopping ist die Funktion des Magic Mirrors besonders interessant für kauflustige Menschen, die Kleidung anprobieren möchten – ohne dabei auch nur einen Schritt in den Laden zu machen. Durch die Vielzahl an neuen Interaktionsmöglichkeiten mit Produkten steigern Unternehmen und Marken nicht nur das Kaufinteresse ihrer potenziellen Kundschaft, sondern sie gewähren ihnen auch den Zugang zu einem komfortableren, abwechslungsreicheren Shopping-Erlebnis.

Wenn das Schaufenster zu uns kommt

Eine der wichtigsten und populärsten Anwendungen, die auf Augmented Reality basiert, ist die virtuelle Anprobe. Damit ermöglichen Hersteller der Kleider- und Kosmetikbranche, dass Konsument*innen von zuhause aus Kleidung, Accessoires und Make Up virtuell in Echtzeit ausprobieren können. Ehe man sich versieht, verwandelt sich das kleine Bildschirmfenster in einen virtuellen Umkleideraum.

Augmented Reality beim Window Shopping: Die virtuelle Anprobe von Amazon (GIF)

Klicke hier für einen ersten Einblick in Amazons neue virtuelle Anprobe. © Amazon

Neben Mister Spex oder Zalando wirbt auch Amazon seit vergangenem Jahr mit einer virtuellen Anprobe. In der Amazon-App können Kund*innen ausgewählte Sonnenbrillen und Sneakers anprobieren. Dafür ist lediglich der Zugriff auf die Kamera und die Aktivierung der virtuellen Anprobe-Funktion notwendig. Mit nur wenigen Klicks kann man das Gesicht mit der Kamera erfassen und wenige Sekunden später sitzt die Sonnenbrille auf der Nase. Auch Sneakers lassen sich so geschwind ‘anziehen’. Diese Effizienz als auch die Visualisierung in Echtzeit unterstützt sie bei der Kaufentscheidung. Mit der Teilen-Funktion bietet Amazon zudem die Möglichkeit, Bilder in den sozialen Medien zu verbreiten. Während Kund*innen Schnappschüsse verschicken, um sich ihre Kaufentscheidung von Freunden und Familie bestätigen zu lassen, machen sie zugleich Werbung für den Online-Händler.

Wie Augmented Reality und Social Media noch zusammengeführt werden können, zeigen uns Sephora und Ulta Beauty: Innerhalb der letzten Jahre veröffentlichten die Kosmetikfirmen AR-basierte Schönheitsfilter auf Instagram und Snapchat. Das Window Shopping verlagert sich somit auch in die sozialen Medien. Dort können Nutzer*innen nach Kosmetikprodukten suchen und diese live testen. Die virtuellen Make Up Looks können als Selfies oder Videos festgehalten und anschließend im Freundeskreis geteilt werden.

Auf spielerische Weise öffnet sich über den Bildschirm ein Fenster zur Beauty-Welt, in der User*innen jederzeit einsteigen und eintauchen können. Durch ihre eigene Zurschaustellung verwandeln sich auch die Nutzer*innen zu Schaufenstern für die Produkte, die sie ausgewählt haben.

Darf es auch ein Showroom für zuhause sein?

Augmented Reality beim Window Shopping: IKEA Place, AR-App

Nie wieder messen oder schätzen: Mit IKEA Place landet das Sofa direkt im Wohnzimmer. © IKEA

Wer mit dem Gedanken spielt Möbel anzuschaffen, der muss nicht länger alles ausmessen – geschweige denn ins Einrichtungshaus gehen. Im Jahr 2017 stellte nämlich der schwedische Möbelhersteller seine AR-App IKEA Place vor. Damit gehörte IKEA zu den ersten Unternehmen in der Branche, die eine App mit integrierten AR-Funktionen entwickelten. Basierend auf dem AR-Kit von Apple verwendet diese Bewegungssensoren und Kameras, um digitale Elemente in die reale Welt zu überlagern. Mit dem Zugriff auf die Kamera ist es möglich, maßstabgetreue 3D-Nachbildungen von Möbelstücken ins Zimmer zu stellen. Dadurch haben Kund*innen die Chance direkt zu testen, ob das Bücherregal an die Schlafzimmerwand passt, oder in welcher Ecke des Wohnzimmers das Sofa besser aussieht. Keine Lust mehr auf die alten Möbel? Sobald man die Kamera auf bereits vorhandene Möbel richtet, schlägt die App neue Möbel und Einrichtungsideen vor.

Eine Studie aus 2020 belegt, dass Proband*innen nach der Nutzung der AR-App von IKEA ein größeres Vertrauen und höhere Bequemlichkeit beim Online-Kauf von Möbeln aufwiesen. Den Befragten fiel es leichter Käufe zu tätigen und ihnen wurde die Nützlichkeit der AR-Technologie bewusst. Deshalb ziehen sie es in Erwägung IKEA Place für zukünftige Einkäufe weiterhin zu nutzen. Ausgehend von der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage zeigt sich, dass dadurch das  Shopping-Erlebnis im Einrichtungshaus zugänglicher, effizienter und bequemer gestaltet wird. Auch in dem Fall zeigt sich: Das Display dient als Schaufenster für Produkte. Es fungiert als Fenster, in welches man Einblicke in eine virtuell erweiterte Realität erhält. Diese Einblicke stellen zugleich Ausblicke auf mögliche Zukunftsszenarien dar.

Die Schaufenster von morgen sind da

In großen Städten trifft man beim Window Shopping bereits auf Läden mit futuristischen Schaufenstern. Besonders in der Elektronik-, Gaming- und Modeindustrie ist der Einsatz von Augmented Reality-gestützten Schaufenstern äußerst beliebt. Dabei bietet diese Art des Schaufensters mehrere Arten der interaktiven Erfahrung.

Beim Character Engagement öffnet die AR-Technologie das Fenster zu neuen Welten und ermöglicht potenziellen Kund*innen mit fiktiven Figuren oder Promis zu interagieren. Ebenso können Augmented Reality Windows Interactive Games beinhalten. Dadurch soll die Neugier von Passant*innen geweckt und ein hohes Engagement herbeigeführt werden. Angepasst an die aktuellen Werbekampagnen setzen sie sich mit Produkten spielerisch auseinander. Für diejenigen, die es eilig haben, aber von den aktuellsten Artikel erfahren möchten, gibt es das Enhanced Product Engagement. Anstatt im Prospekt zu blättern, gibt es die Option im Schaufenster nach Produktinformationen, Videotutorials, oder spezielle Angeboten zu suchen. Zuletzt gibt es noch den Magic Mirror, der Ähnlichkeit zur virtuellen Anprobe aufweist. Dafür wird das Gesicht der Person gescannt und anhand eines Gesichtsfotos wird ein passendes virtuelles Körpermodell ausgesucht. Mit nur wenigen Handbewegungen kann man vor dem Magic Mirror jedes einzelne Kleidungsstücke bis hin zu ganze Outfits ‘anziehen’.

Folglich bietet das stationäre Schaufenster wegen seiner Beschaffenheit und Örtlichkeit neue Einsatzmöglichkeiten für Augmented Reality. Ähnlich wie beim Window Shopping von daheim aus wird das Shopping-Erlebnis vor Ort mit Augmented Reality immersiver, effizienter und komfortabler gestaltet.

Augmented Reality beim Window Shopping: Ein Mann steht vor dem Magic Mirror im Timberland (Galeria Mokotów, Warschau)

Einer der ersten seiner Art: Seit 2014 fasziniert der Magic Mirror im Timberland die Besucher*innen des Einkaufszentrums Galeria Mokotów (Warschau). © Lemon & Orange

Der Ausblick in die Zukunft des Window Shoppings

Laut einer diesjährigen Studie wird Augmented Reality sich sehr wahrscheinlich stärker in lokalen Läden und Online Shops etablieren. Die Begründung hierfür liegt einerseits in der fortschreitenden Entwicklung der Technologie. Andererseits spielt auch der Interessensanstieg seitens der Unternehmen und Käufer*innen eine wichtige Rolle. Demnach kann man einer Zukunft entgegenblicken, in der Unternehmen zunehmend ihre Geschäfte mit Augmented Reality ausstatten und uns neue Möglichkeiten beim Window Shopping eröffnen.

Blicken wir um uns herum, so wird eines klar: Sei es das Schaufenster im stationären Geschäft oder das Display unseres mobilen Endgeräts – gleichsam wie ein Fenster offenbaren sie uns den Beginn eines Zeitalters des Window Shoppings, in der sich die physische und digitale Welt nicht nur gegenseitig durchdringen, sondern auch ergänzen.

 

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