Wenn du zu viel arbeitest, die Arbeit dich auslaugt und du vor lauter Belastung keine Aussicht auf Entlastung siehst: Früher nannte man das eine Erschöpfungs-Depression, heute reden wir von Burnout.

 

Wie alles begann

Der Grund, warum sich die Wissenschaft mit Burnout beschäftigt und nach Antworten sucht, ist ein reales und soziales Problem! Mitte des 20. Jahrhunderts hörte man von den ersten Fällen der totalen Erschöpfung und da begann man sich zu fragen: Woher kommt das? Wie kann es so weit kommen? Und wie äußert sich Burnout überhaupt – mal abgesehen von der Erschöpfung? Mit diesen Themen beschäftigt sich der Beitrag in reduzierter Form; denn das Thema Burnout mit all seinen Facetten und unterschiedlichen Verläufen, Symptomen und Ursachen ist viel, viel größer, als es dieser Rahmen zulässt.

Vom Arbeitsalltag in den Abgrund

Ein erstes Symptom, das zu einem Burnout auswachsen kann, zeigt sich zunächst im zwischenmenschlichen Verhalten: Du hast keine Lust mehr nach der Arbeit etwas zu unternehmen, keine Freude an Gesellschaft und kapselst dich ab. Es folgen dann körperliche Anzeichen: Deine Verdauung macht nicht mehr so richtig, was sie soll, du hast häufig Kopfschmerzen oder kannst schlecht schlafen. Der Experte zum Thema Burnout, Professor Dr. Matthias Burisch, redet an der Stelle vom psychosomatischen Schwerpunkt. Richtig ernst wird es dann, wenn die volle depressive Erschöpfung eintritt; wenn gar nichts mehr geht. Dann redet er von Burnout: ein Syndrom, das erst seit Mai 2019 von der International Classification of Diseases (ICD) offiziell anerkannt ist.

Facettenreichtum – die drei Dimensionen von Burnout, nach Christina Maslach (2003)

  • Erschöpfung:
    Die am häufigsten auftretende Dimension bei einer Burnout-Erkrankung ist Erschöpfung. Eine absolute Erschöpfung, bei der du total überanstrengt bist und dir die emotionalen und physischen Kräfte ausgehen. Sie führt bei manchen Menschen dazu, dass sie sich auf andere Dinge konzentrieren und versuchen sich auf diese Weise emotional und gedanklich von der zu großen Menge an Arbeit, der Ursache des Burnouts, zu entfernen. 
  • Zynismus:
    Auch der Zynismus als Dimension von Burnout entsteht durch zu viel Arbeit. Leidest du unter Burnout und bist überfordert, kann es leichter sein, sich emotional von den Menschen zu distanzieren, die mit dieser Überforderung in Zusammenhang stehen. Es ist als läge ein Abgrund zwischen dir und deinen Kollegen. Du verhältst dich also zynisch, um die Anforderungen der Kollegen besser zu bewältigen. Du ignorierst ihre Qualitäten, um Distanz zu ihnen zu erlangen – Abstand zu Kollegen bedeutet Abstand zur überfordernden Arbeit.
  • Erfolglosigkeit:
    Ein Gefühl von Erfolglosigkeit oder auch Wirkungslosigkeit stellt sich bei Burnout-Patienten dann ein, wenn ihnen die Kraft ausgeht, ihre Arbeit zu erledigen. Das Gefühl von Erfolglosigkeit geht einher mit Erschöpfung und manchmal auch mit Zynismus. Wenn du so erschöpft bist, dass du nicht mehr arbeiten kannst – wie willst du da auch noch kompetent, produktiv und erfolgreich sein? Wie willst du dann noch etwas bewirken?

Eben noch die Flamme entfacht, schon brennt sie aus.

Jeder geht seinen Weg im beruflichen Leben, macht eine Ausbildung oder studiert, um am Ende einen erfüllenden Job zu finden. Wenn du diesen einen tollen Job gefunden hast, bist du Feuer und Flamme: Spaß an der Arbeit stehen dir bevor und du bist voll motiviert!
Es kann aber passieren, dass es irgendwann weniger Spaß macht, dass es immer anstrengender und deine Flamme der Leidenschaft kleiner wird, bis sie irgendwann ausbrennt. Aber wodurch genau eigentlich?

Burnout kann ausgelöst werden, wenn du mehr Arbeit bekommst, als du Zeit und Kraft hast. Wenn du eine Deadline nicht einhalten oder eine Arbeitskrise nicht bewältigen kannst. Oder aber du hast das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, weil es einen Rollenkonflikt zwischen dir und einem Kollegen oder einer Kollegin gibt – keine schöne Situation, die schon einmal (innerlichen) Stress auslösen kann. Zwei weitere Faktoren, die zu Burnout führen können, sind fehlende Anerkennung und Fairness. Wenn beispielsweise dein Chef dir nie sagt, dass du deine Arbeit gut machst, sondern nichts sagt oder ausschließlich Kritik ausübt. Denn gute Arbeit zu leisten ist viel schwerer, wenn du von Kunden, Kollegen oder Managern kein positives Feedback oder sogar nur Kritik bekommst. Da kann sich doch nur die dritte Dimension von Burnout, die Erfolglosigkeit, einstellen! Genau so ist es mit Fairness: Du als Mitarbeiter(in) möchtest fair behandelt und unterstützt werden – sonst brennen dir irgendwann die Sicherungen durch und du bist ein Burnout-Patient.

Burnout – Jedermanns Sache?

Jeder kann rein theoretisch an den Punkt kommen, an dem es zu viel wird und man ausbrennt. Aber es gibt gewisse Faktoren, durch welche das Risiko dafür steigt. Beispielsweise ist Burnout schneller erreicht bei Menschen, die wenig oder gar keine Macht in Entscheidungen haben. Also Menschen, die einfach akzeptieren müssen, wie der Hase läuft. Das ist häufiger bei Menschen der Fall, die noch nicht lange dabei sind, was übrigens auch ein Faktor ist: Bist du Berufseinsteiger und hast noch nicht so viel Erfahrung, bist du tendenziell schneller überfordert und daher auch anfälliger für Burnout. Denn anfangs bist du noch dabei dich einzufinden, deine neue Arbeit, den Arbeitsplatz und die Kollegen kennen zu lernen. Da kann zu viel Arbeit gleich zu Beginn schon mal überfordernd sein. Was den Job betrifft, kommt Burnout häufig in sozialen Berufen vor, die mit anderen Menschen zutun haben: beispielsweise in der Lehre oder Pflege. Denn da geht es um Menschenleben, die Förderung oder Betreuung brauchen. Merkst du da, dass es dir langsam zu viel wird, ist es deutlich schwerer sich zurück zu nehmen und kürzer zu treten und dann ist Burnout nicht mehr weit.

Die letzte Frage: Was tun, wenn’s brennt?

Bei dieser Frage gibt es zwei Ansätze: Du kannst schon vor dem Burnout versuchen vorzubeugen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Aber auch wenn es dich schon erwischt hat, gibt es Wege damit umzugehen.

  • Vorbeugung:
    Versuche es nicht so weit kommen zu lassen, dass dir alles zu viel wird. Achte darauf, dass du dir immer die Zeit nimmst, dich von Aufgaben und Anstrengungen bei der Arbeit wieder zu erholen. Hattest du beispielsweise ein besonders arbeitsintensives Event und bist müde davon, ruh dich aus, nimm dir die Zeit!
  • Intervention. Arbeit an dir selbst:
    Hast du bereits zu viel gearbeitet und fühlst dich erschöpft, bist zynisch oder erfolglos, gibt es Interventionsgruppen, denen du beitreten kannst. Sie haben meistens wenige Teilnehmer, sodass man in kleinem Rahmen darüber sprechen kann, welche Strategien für dich infrage kommen, um besser mit Herausforderungen und Stress bei der Arbeit umzugehen.
  • Intervention. Arbeit am Arbeitsplatz:
    Eine zweite Möglichkeit der Intervention wirft einen Blick auf den Arbeitsplatz. Ein Arbeitgeber sollte dafür sorgen, dass jeder sich wohl fühlt und produktiv sein kann. Eine Arbeits-Intervention kann dabei helfen, der Geschäftsführung die Augen für den richtigen Umgang mit Mitarbeitenden und deren Arbeitsaufwand zu öffnen.
    Diese Methode ist sehr effektiv, aber sie funktioniert nur, wenn du parallel auch an dir selbst arbeitest – sie ist also nur in Kombination effektiv.

Trotz all der Diskussion um Burnout und all der Möglichkeiten, die es gibt, damit umzugehen: Du kannst Stress im Arbeits- und Privatleben nie vermeiden. Stress ist normal – er wird dir immer wieder begegnen. Um Burnout vorzubeugen oder zu bekämpfen, ist es deshalb wichtig, dass du lernst mit Stress umzugehen. Finde deine eigenen Wege dich und deine Psyche zu entlasten. Entweder dadurch, dass du bei der Arbeit klar kommunizierst, dass es dir zu viel ist und dann auch aktiv für eine Entlastung sorgst oder sie beim Chef einforderst. Oder aber du findest Wege den Stress bei der Arbeit auszugleichen: Sei es mit regelmäßigen Spaziergängen, Yoga, Sport oder Meditation – Hauptsache es tut dir gut und hilft gegen den Stress!

 


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5 Kommentare
  1. Yanzhu Bao
    Yanzhu Bao sagte:

    Guter Beitrag!:) Ich stimme völlig zu! Wenn man wegen Arbeit unter viel Druck ist, wird man burnout! Ich mag die Dreidimensionen von Burnout, da man es vergleichen kann, auf welcher Stufe man ist, damit man vorab kontrollieren kann.

    Antworten
  2. Laura Mitlewski
    Laura Mitlewski sagte:

    Der Psychiater Manfred Spitzer hat Burnout mal als Kontrollverlust bezeichnet. Er hat dabei folgendes Experiment beschrieben: Zwei Ratten saßen in je einem Käfig und bekommen gleichzeitig, aber in unregelmäßigen Abständen, Stromschläge. Ratte 1 wird durch ein Lichtsignal vorgewarnt und hat die Möglichkeit, den Stromschlag über das Betätigen einer Taste zu abzuwehren. Ratte 2 wird hingegen nicht vorgewarnt und muss demnach die Stromschläge „aussitzen“. Welche Ratte erfährt nun mehr Stress, sprich bei welcher sind mehr Stresshormone im Organismus nachweisbar?
    Tatsächlich ist das nicht die Ratte 1, die ständig aufmerksam sein muss und schnell reagieren muss, wenn das Licht leuchtet, sondern die zweite Ratte, die gar nichts gegen die Stromschläge machen kann.
    Auf den Arbeitsalltag übertragen finde ich das Konzept sehr sinnvoll: Hat man keine Kontrolle mehr über die Flut an Arbeit, die auf einen einströmt, ist im Extremfall ein Burnout möglich.

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  3. Yichi Zhang
    Yichi Zhang sagte:

    Meine Freunde, die schon arbeiten, beschweren sich immer über die Arbeit mit mir. Manche leiden unter Burnout und fühlen sich erschöpft. Das kann ich total nachvollziehen und ich denke, dass sie einen Weg finden sollten, um den Stress von der Arbeit abzubauen, wie z.B eine andere Stadt am Wochenende zu besuchen. Wenn nötig, sollte man sich an Therapien wenden.

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  4. Maximilian Hirt
    Maximilian Hirt sagte:

    Wichtiges Thema und guter Beitrag dazu!
    Burnout – eine Volkskrankheit wie Depressionen oder sogar eine gegenseitige Konsequenz davon? Warum gab es das nicht früher?
    Man mag es vielleicht infrage stellen, sollte aber auch immer in Betracht ziehen, dass die From der Arbeit sich verändert hat. Querdenken und jederzeit erreichbar sein, so wie Berufe die kein sicheres Einkommen haben, prägen den Arbeitsmarkt und ganz ehrlich…auch damals haben sich die Menschen „seelisch kaputt“ gearbeitet, doch waren psychische Probleme leider noch nicht „salonfähig“.

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