„Blätter, Trauer, Wissenschaft, ganz Deutschland hat diese Farbe“: Dies ist die Definition, die Frida Kahlo der Farbe Grün in einem ihrer persönlichen Tagebücher gibt. 

Bekannt für ihre Selbstportraits und andere Kunstwerke ist Frida Kahlo die Hauptvertreterin der mexikanischen Renaissance. Sie war Kommunistin, Frau des Malers Diego Rivera und Vorkämpferin der Emanzipation. In ihren farbenfrohen Gemälden und von Schmerz erfüllten Selbstportraits öffnet sie ihr Innerstes.Ihr bewegtes Leben wurde bereits mit Salma Hayek in der Hauptrolle im Hollywoodfilm „Frida“ verfilmt.

Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo beginnt und endet in der mexikanischen Metropole Mexiko-Stadt. Jedoch liegen ihre Wurzeln nicht nur dort, sondern auch in Deutschland.

Grün bedeutet für Frida Kahlo Deutschland

In Frida Kahlos Tagebuch findet sich eine Liste mit Farben und deren Bedeutung für die Malerin. Sie beschreibt die Farbe Grün darin, als würde ganz Deutschland aus dieser Farbe bestehen. Aber warum empfand Frida Kahlo so?

Frida Kahlos Farbliste ihres Tagebuchs: „Grün: Blätter, Trauer, Wissenschaft, ganz Deutschland hat diese Farbe“ ©️ Angélica C. Aguilar

Die Verbindung zwischen der mexikanischen Malerin und Deutschland basiert auf der liebevollen Beziehung zwischen Frida und ihrem Vater Wilhelm Kahlo. Er war Deutscher und wurde 1871 in Pforzheim geboren.

Mariella C. Remund ist Kunsthistorikerin und unterrichtet seit 2011 an der Cetys Universität Mexicali in Mexiko. Als Kuratorin war sie für Frida-Kahlo-Ausstellungen in den USA und in Deutschland verantwortlich. Die Professorin für Innovation und strategisches Marketing  ist Mitbegründerin des Kunstmuseum Gehrke-Remund in Baden-Baden und verweist im Gespräch mit Grünzeug zu Details über die Biografie von Wilhelm Kahlo auf den Museumskatalog, der aus Fridas Ich-Perspektive verfasst ist.  Zum bereits neunten Mal innerhalb der letzten 12 Jahre präsentiert das Kunstmuseum Gehrke-Remund mit „Frida: meine Geheimnisse“ seit dem 1. Februar 2020 eine neue Ausstellung über das Leben und die Werke der Frida Kahlo. Im Austellungskatalog ist über Frida Kahlos Familienbiographie zu lesen:

„Mein Vater wurde 1872 in der Evangelischen Kirche in Pforzheim getauft und lebte dort mit seinen Eltern am Markplatz. Als mein Vater drei Jahre alt war, zogen seine Eltern nach Baden- Baden und wohnten in der Lichtentaler Str. 50, wo mein Vater aufwuchs, bis er im Alter von 18 Jahren nach Mexiko auswanderte. Er verließ Baden-Baden, weil seine Mutter und eine seiner Schwestern gestorben waren und sein Vater schnell eine neue Ehe einging“.

Zur Bedeutung der Farbe Grün für Frida Kahlo und der möglichen Verbindung zu Deutschland erläutert Remund:

„Frida Kahlo war nie in Deutschland, wahrscheinlich verbindet sie Grün mit Deutschland aufgrund der Erzählungen ihres Vaters, der seit seinem 18. Geburtstag nie wieder in seine Heimat zurückkehrte und dies zeitlebens auch nicht mehr tat. Auch kann ich mir vorstellen, dass Deutschland in Wilhelm Kahlos Erinnerung sehr grün aussah, da es im Vergleich zu Mexiko-Stadt weitaus mehr regnet und Baden-Württemberg ebenfalls eine besonders grüne Region ist.“

Frida Kahlo Ausstellung

Die Ausstellung „Frida: Meine Geheimnisse“ im Kunstmuseum Gehrke-Remund Baden-Baden ©️ Angélica C. Aguilar

Frida Kahlos innige Beziehung zu ihrem deutschen Vater

Portrait von Fridas Vater Wilhelm Kahlo (unten, Replika); Frida bei der Erstellung des Gemäldes (oben) in Kunstmuseum Gehrke-Remund Baden-Baden ©️ Angélica C. Aguilar

Weiterhin berichtet Remund, dass Frida Kahlo die Lieblingstochter ihres Vaters gewesen sei: „Als sie sich für ein Familienfoto als Junge verkleidete, welches Wilhelm Kahlo 1926 aufnahm, soll dieser gesagt haben: ‚Oh, das ist der Junge, den ich nie hatte‘“. Auch begann Fridas Vater, als sie im Alter von sechs Jahren eine Polio-Erkrankung  durchstehen musste, seiner kleinen Frida Bücher vorzulesen. Es entstand eine enge Vater-Kind-Beziehung, was vermutlich ihr späteres Interesse an deutschsprachigen Klassikern aus dem Bücherregal ihres Vaters erklärt. Aufgrund der engen Beziehung half Frida Kahlo ihrem Vater auch, die von ihm aufgenommenen Sepia-Fotos zu kolorieren. Dadurch lernte sie in sehr jungen Jahren, sehr feine, detaillierte und sanfte Pinselstriche auszuführen, welche sie später auch in ihren Gemälden verwendete.

Wegen Fridas besonderer Zuneigung zu Wilhelm Kahlo unterhielt die Malerin eine indirekte Beziehung zu der Heimat ihres Vaters.

Frida Kahlo hat in Deutschland mittlerweile hohe Bekanntheit und sogar popkulturellen Status erreicht, auch aufgrund der Beziehung ihres Vaters zu diesem Land. Deutschland ist zudem das Land mit einem der höchsten Absätze von Kunstdrucken und Literatur in Europa.

„Die Rezeption Kahlos in Deutschland ist auch deswegen besonders interessant, weil Kahlo selbst […] eine zwiespältige Beziehung zum Herkunftsland ihres Vaters hatte. Während sie auf der einen Seite aufgrund ihres engen Verhältnisses zum Vater viel von dessen Kultur mitbekam, hinderte ihre linkspolitische Einstellung sie auf der anderen Seite daran, eine tiefere Verbindung zu Deutschland aufzubauen“, schreibt Laura Rodríguez Nöhles in ihrem Buch „Frida Kahlo in Deutschland“.

Aber hatte Frida Kahlo jemals Kontakt mit der Familie ihres Vaters in Deutschland?

Mariella Remund sagt dazu: „Wir wissen, dass sie 1948 einen Brief auf Englisch an einen Onkel in Pforzheim schrieb, aber wir wissen nicht, ob sie jemals eine Antwort erhielt“.

Trotz dieser indirekten Beziehung zum grünen Deutschland, ist das Grün des Tagebuchs der Künstlerin ein Sinnbild dafür, dass ein Teil von Kahlos Gedanken mit einem Land verbunden war, das indirekt mit ihrer Herkunft und ihrer Identität zu tun hatte.

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5 Kommentare
  1. Ipek Ivecan
    Ipek Ivecan sagte:

    Super Beitrag! Ich selbst bin eine große Bewunderin von Frida Kahlo. Obwohl sie in ihren frühen Lebensjahren sehr viel gelitten hat, hatte sie scheinbar keine Angst vor Herausforderungen. Ich finde, das sieht man sehr gut in ihren Selbstporträts. Sehr interessant wie ihre deutschen Wurzeln ihre Kreativität beeinflusst haben. Ich glaube jetzt ist ein Ausflug nach Baden-Baden unvermeidbar! 🙂

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  2. Anna Elsaesser
    Anna Elsaesser sagte:

    Zurzeit lese ich ‚Frida Kahlo und die Farben des Lebens‘ von Caroline Bernard. Das Buch beschreibt die außergewöhnliche Lebensgeschichte Fridas und ihre Liebe zur Kunst. Und zu dieser Lektüre passt dein Artikel wunderbar! Faszinierende Frau und spannender Text, danke dafür!

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  3. Hajera Sheikh
    Hajera Sheikh sagte:

    Frida Kahlo ist eine meiner Lieblingskünstlerinnen! Umso spannender ist es für mich, mehr über sie als Person und ihren Hintergrund zu erfahren. Ein wirklich wunderbarer Artikel!

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  4. Solveig Brandt
    Solveig Brandt sagte:

    Sehr interessant, wie man sich damals ein Land vorgestellt hat, das man nur aus Erzählungen kennt. Als Künstlerin ist die Verbindung mit einer Farbe ja nochmal eindrücklicher. Eine echt spannende Geschichte!

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  5. Sandra Amberg
    Sandra Amberg sagte:

    Wie spannend! Die Werke von Frida Kahlo sind ja sehr autobiografisch und haben mich auch immer sehr berührt. Dass sie einen so direkten Bezug zu Deutschland hat, den sie mit der Farbe Grün verbindet ist wirklich interessant und sicherlich auch wichtig um ihre Werke zu rezipieren 😀

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