Grün, Grün, Grün sind alle meine… Bücher! Doch weshalb haben so viele Bücher einen grünen Buchumschlag? Hat das überhaupt eine Bedeutung und wenn ja, welche? Ob Naturschauspiel, Meeresspiegel oder Edelsteine: Wir stellen euch vier grüne Bücher und ihren interessanten Zusammenhang mit der Farbe vor.

Läuft man im Bücherladen an den vielen Büchern vorbei, lassen sich unzählige Farben auf den Covern erkennen: Krimis sind oft schwarz, die bekannten Reclam-Heftchen erstrahlen in gelber Farbe und Kinderbücher bedienen sich auch unterschiedlicher Farbpaletten. Hinter vielen Designs der Buchumschläge stecken ästhetische Werte, jedoch lassen sich oftmals Verbindungen zwischen der Farbwahl und den Geschichten erkennen. Um das herauszufinden, habe ich mich vor mein Bücherregal gestellt und vier Bücher herausgeholt, die für mich und für viele andere Leser symbolisch für die Farbe Grün stehen. Bei näherer Betrachtung dieser Bücher fällt auch auf, dass sich ein „grüner Faden“ durch die Geschichten zieht, welcher alle vier Bücher mit dem Aspekt der Natur verbindet. Ich möchte euch daher heute diese vier Bücher vorstellen und klären: Welchen Sinn hat die grüne Farbe für das Buch? Und was hat sie mit der jeweiligen Geschichte zu tun?

1. Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Eine doppelte Bedeutung der Farbe Grün lässt sich an diesem Cover erkennen. © btb Verlag

Der Roman des erfolgreichen japanischen Schriftstellers Haruki Murakami behandelt die Konfrontation von Zukunft und Vergangenheit des Studenten Toru Watanabe im Japan der Sechziger. Während andere Studierende sich vergnügen und ihre Zeit genießen, wandern Torus Gedanken immer wieder zu seiner Vergangenheit zurück, in der er mit seinem besten Freund Kizuki und Kizukis Freundin Naoko viel Zeit verbrachte. Aus unerklärlichen Gründen nimmt sich Kizuki jedoch mit nur 17 Jahren das Leben und hinterlässt zwei zerbrochene Seelen, Naoko und Toru.

Während Toru im ersten Studienjahr ist, treffen sich die beiden zufällig nach einigen Jahren in einer U-Bahn und verbringen seit diesem Tag jeden Sonntag gemeinsam. Nach einiger Zeit hört Toru immer weniger von Naoko, bis er eines Tages durch ihre Eltern informiert wird, dass sie in einem Sanatorium untergebracht wurde. Sie war durch den Selbstmord Kizukis immer noch traumatisiert und brauchte nun psychologische Hilfe, um sich selbst nicht zu gefährden.

In schweren Zeiten steht man sich zur Seite. © Diana Bossert

Dieses Sanatorium befindet sich in der freien Natur, mitten in einem dichten Wald. Toru besucht Naoko oft in der Heilanstalt, spricht mit ihr über Vergangenes und hilft ihr, dieses endlich loslassen zu können. Die Idee dahinter ist, dass die Patientinnen und Patienten mit Blick auf das Grüne zu einer schnelleren Genesung kommen und es den generellen Heilungsprozess beschleunigt. Die Farbe des Covers deutet also einerseits auf die Natur als Heilmittel hin, andererseits spiegelt sie aber auch ein anderes Detail wider: Am Anfang des Buches wird vom Tag des Selbstmords von Kizuki berichtet. Er hatte sich am Nachmittag mit Toru getroffen, um mit ihm Billard spielen zu gehen, was die letzte gemeinsame Erinnerung der beiden besten Freunde darstellt. Das Grün des Billard-Tisches spiegelt sich auch hier wider, Torus Vergangenheit und seine Gegenwart mit Naoko verschmelzen. Ob es Toru gelingen wird, Naoko zu helfen und auch selbst mit der Vergangenheit abzuschließen?

2. Lyman Frank Baum – Der Zauberer von Oz

Die Smaragdstadt erstrahlt in vollem Glanz. © Penguin Books Ltd

Das Werk wird vielen bekannt sein, den Autor kennen nur wenige. Lyman Frank Baum schrieb die Urfassung des berühmten Romans im Jahre 1900. Die erste deutsche Übersetzung zu diesem Buch entstand zwar erst 40 Jahre später, jedoch erfreute es sich seitdem auch hier in Deutschland einer hohen Bekanntheit. Das Buch dreht sich hauptsächlich um das Abenteuer des Mädchens Dorothy Gale und ihres Hundes Toto. Auf ihrer Reise werden sie von einer unverständigen Vogelscheuche, einem herzlosen Blechmann und einem mutlosen Löwen begleitet.

Ihre Mission: Alle wollen den mächtigen Zauberer von Oz antreffen, um jeweils einen Wunsch zu erbitten. Dorothy würde gerne wieder nach Hause, nachdem sie mit ihrem Hund in dem Haus ihres Onkels von einem Sturm erfasst und weggeweht wurde. Die Vogelscheuche hätte gerne Verstand, der Blechmann unbedingt ein Herz und der Löwe den Mut, den ein Löwe seiner Meinung nach bräuchte.

Dorothy und ihre Begleiter begeben sich auf die Reise. © Diana Bossert

 

Den Zauberer finden sie in der Smaragdstadt, die nach dem berühmten grünen Edelstein benannt wurde. Die Stadt an sich wird aber nicht nur so bezeichnet: Alle Bewohner der Stadt tragen grüne Klamotten und beim Eintreten der Stadt werden den Besuchern grüne Brillen verteilt. Diese sollen ihre Augen vor dem grellen Licht der grünen Farbe schützen. „Obwohl ihre Augen nun durch die grünen Brillen geschützt waren, wurden Dorothy und ihre Freunde zuerst von der Pracht dieser wunderschönen Stadt geblendet“, heißt es im Roman. „An den Straßen standen schöne Häuser aus grünem Marmor, die überall mit glitzernden Smaragden besetzt waren. Sie gingen auf einem Weg, der aus dem gleichen grünen Marmor gemacht war und dort, wo die Steine aufeinandertrafen, waren dichte Reihen von Smaragden verlegt, die in der Sonne glänzten.“

3. Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer

Das Wasser gibt eine grüne Farbe ab. © cbj Klassiker

Jules Vernes Meisterwerk aus dem Jahre 1869/70 erzählt die Geschichte von Professor Aronnax und seiner Crew, die einem Seeungeheuer auf die Spur kommen wollen. Monate nachdem sie in See gestochen sind, kommt es zu einem plötzlichen Angriff. Doch nicht von einem Seeungeheuer, wie erwartet, sondern von einem U-Boot! Dieses gehört Kapitän Nemo, der Aronnax und seine gesamte Crew gefangen nimmt. Diese sind fasziniert von seinem U-Boot: Es fährt rein mit elektrischer Energie und ist mit zahlreichen technischen Neuerungen ausgestattet. Ob Professor Aronnax und seine Gruppe sich von Kapitän Nemo befreien können und so ihre Untersuchungen fortsetzen können?

Eine lange Zeit wurde vermutet, dass Jules Verne hier das U-Boot in gewisser Weise erfunden hat, erst viel später klärte sich, dass die Idee und Technik des U-Boots schon Jahre vorher feststanden. Verne hat nur technische Details weiter gedacht und aufgeschrieben, wie sie in seiner Fantasie in der Zukunft aussehen könnten. Das erste funktionsfähige U-Boot wurde nämlich schon 4 Jahre zuvor, 1865, von Julius Kröhl in New York fertiggestellt.

Professor Aronnax sticht in See. © Diana Bossert

Weshalb ist denn nun das Buchcover dieses Werkes so oft grün? Erklären könnte man dies mit dem Farbspektrum des Meeres und weshalb es oft von Menschen als Grün gesehen wird. Zuständig dafür sind gewisse Zellen verantwortlich, die als Phytoplankton bezeichnet werden, besser bekannt als Algen.

Diese Organismen nutzen das Sonnenlicht, welches durch die Meeresdecke bricht um zu wachsen. Dabei verändern sie das Farbspektrum des Meeres, welches dann zurückgeworfen wird: Das Wasser wirkt grün eingefärbt. Unter so einem „grünem Wasser“ könnten Kapitän Nemo und Prof. Aronnax wohl noch heute weiter tauchen…

 

 

4. Gesine Schulz – Eine Tüte grüner Wind

Hier wird die grüne Farbe auch im Titel benannt. © Carlsen Verlag

Der Roman der deutschen Autorin Gesine Schulz aus dem Jahre 2005 erzählt die Geschichte der elfjährigen Lucy, welche unglaublich enttäuscht ist. Sie wollte unbedingt mit ihrer Mutter in die USA verreisen, um dort ihre Ferien zu verbringen. Jedoch entscheidet sich ihre Mutter spontan, Zeit mit ihrem Freund zu verbringen. Das Schlimmste daran: Für Lucy ist bei den beiden kein Platz mehr. Stattdessen fliegt sie nun auf Wunsch ihrer Mutter alleine nach Irland, um bei einer ihr nicht bekannten Tante zu leben. Was soll schon schön an Irland sein? Wie sich für sie herausstellt: einiges! Die satten, grünen Felder und die Landschaften erobern ihr Herz im Sturm – so wie auch das Herz der Leserinnen und Leser.

Die grüne Farbe wird hier nicht nur im Buchcover aufgegriffen, sondern findet sich auch im Titel des Buches. Irland ist mit seiner Landschaft für die vielen verschiedenen Grüntöne bekannt, die Natur entzückt das Auge mit der Vielfältigkeit der frischen Farbe. Aber auch im Namen des Hauses ihrer Tante wird der Name aufgegriffen, es heißt nämlich Green Wind Cottage.

Irland ist für seine vielfältigen Leuchttürme bekannt. © Diana Bossert

 

Es lässt sich in allen vier Büchern ein Bezug zur grünen Farbe feststellen, welcher alle vier auf einer tieferen Ebene mit der Natur verbindet: das Grün der Natur als Heilmittel, das Grün des natürlichen Edelsteins Smaragd, das Grün des Meeres und das Grün des irischen Landes. Habt ihr diesen „grünen Faden“ auch entdecken können?

Mehr zum Thema:

Haruki Murakami (2003): Naokos Lächeln. Nur eine Liebesgeschichte. München: btb.

Lyman Frank Baum (2016): Der Zauberer von Oz. Altenmünster: Jazzybee.

Jules Verne (2015): 20.000 Leagues Under The Sea. Oxford: Oxford University Elt.

Gesine Schulz (2005): Eine Tüte grüner Wind. Sommerferien in Irland. Hamburg: Carlsen.

 

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11 Kommentare
  1. Ipek Ivecan
    Ipek Ivecan sagte:

    Toller und sehr spannender Beitrag! Ich selbst habe das Buch von Haruki Murakami auch gelesen und die Interpretation der Farbe Grün in Verbindung mit kleinen Details aus dem Roman ist dir super gelungen! Und auch in Hinsicht auf die anderen drei Büchern sieht man die vielfältigen Bedeutungen und Assoziationen der Farbe Grün.

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    • Diana Bossert
      Diana Bossert sagte:

      Danke dir! Sehr cool, dass du das Buch auch gelesen hast und dir nun auch die grünen Aspekte aufgefallen sind. Murakami hat das schlau gelöst!

  2. Natalie Adler
    Natalie Adler sagte:

    Der Artikel hat mir mega gefallen! Ich bin jetzt erst mal kurz selbst an mein Bücherregal getreten und habe meinen Blick schweifen lassen, was ich da so habe. Vor allem eine wunderschöne relativ alte Ausgabe von David Copperfield strahlt so schön grün, dass ich da jetzt wohl erst mal reinschmökern muss 🙂 Deine Auswahl fand ich sehr gut, weil der grüne Faden echt schön in jedem Buch zu sehen ist. Murakami steht auch auf meiner Liste. Ich bin gespannt 🙂

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    • Diana Bossert
      Diana Bossert sagte:

      Ich bin gespannt, ob du in David Copperfield auch einen grünen Aspekt findest! Erzähl uns davon 🙂

  3. Theresa Heil
    Theresa Heil sagte:

    Ich habe Literatur im Bachelor studiert, deshalb habe ich mich über deinen Beitrag besonders gefreut! Wenn man so darüber nachdenkt, spielt die Farbe Grün in vielen Büchern eine Rolle. Mir fallen da noch „Anne auf Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery oder „Der grüne Blitz“ auch von Jules Verne ein. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, deinen Artikel zu lesen und die Zeichnungen sind auch gelungen!

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    • Diana Bossert
      Diana Bossert sagte:

      Interessant, dass du „Anne auf Green Gables“ erwähnst! Das war tatsächlich auch ein Buch, welches ich in meiner großen Liste aus grünen Büchern im Vorfeld aufgenommen habe. Finde auch da die Bindung zu der Farbe sehr interessant. „Der grüne Blitz“ werde ich mir definitiv noch anschauen!

  4. Hajera Sheikh
    Hajera Sheikh sagte:

    Der Zauberer von Oz war das erste Buch, das mir in den Sinn kam, als ich den Titel sah. Und es freut mich, es in deiner Liste auch zu sehen! Der Zauberer von Oz war tatsächlich eines meiner Lieblingsbücher als Kind. Ich kenne die meisten anderen Bücher nicht, aber ich finde die Art und Weise, wie sie mit der Farbe Grün umgehen, hochinteressant – es ist Zeit, in den Buchladen zu gehen um mehr Grün in mein Bücherregal zu legen!

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    • Diana Bossert
      Diana Bossert sagte:

      Ich bin gespannt, welche grünen Bücher den Weg in dein Bücherregal finden – halte mich auf dem Laufenden! 🙂

  5. Guelce Bengi
    Guelce Bengi sagte:

    Danke für den tollen Beitrag Diana. Voll schön, dass du das Thema Bücher in unseren Blog eingebracht hast:) Deine eigenen Illustrationen sind super schön!

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    • Diana Bossert
      Diana Bossert sagte:

      Mich freut das total, dass ich euch das Thema genauso interessiert und auch begeistert hat wie mich! Danke dir! 🙂

  6. Tim Richter
    Tim Richter sagte:

    Auch ein absolut interessanter und cooler Artikel über die Farbe Grün, den du geschrieben hast! Ich finde es super, dass Bücher in dem Blog nicht zu kurz kommen und dass es trotzdem noch Leute gibt, die ein „leibhaftiges“ Buch, einem e-Book vorziehen. Persönlich ist mir sofort Stephen Kings „Pet Sematary“ in den Sinn gekommen, aber das liegt wohl an meiner Vorliebe für Horror 😀

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