Im Fokus dieser Bilderreihe stehen weder Grünanlagen zwischen emporragenden Wolkenkratzern noch der New York City Central Park. Denn so wichtig die Begrünung der urbanen Betonlandschaft auch sein mag, die Stadt bringt ihr eigenes Grün hervor: die Signalfarbe. Und das ganz ohne Chlorophyll.

Sie sind fast überall auf der Welt gleich: die grünen Ampeln und Notausgangsschilder. Obwohl sich die Menschen nur allzu gern uneinig sind, darauf konnten sie sich festlegen: Grün ist eine Signalfarbe. Sie kennzeichnet Erlaubtes, Funktionstüchtiges und weist uns den Weg in die Sicherheit. Diese Aufgabe ist nicht unbedeutend in einer belebten Großstadt, durch deren Straßen der Verkehr in hohen Geschwindigkeiten strömt. Die grünen Leuchtdioden ermöglichen uns, sich in dem Labyrinth aus Beton, Glas und Stahl zurecht zu finden.

In diesem Beitrag werden einige grüne Details des Stadtlebens ins Auge gefasst, die uns täglich begegnen. Trotz des auffälligen Leuchtens sind sie im Laufe unseres Lebens so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum für erwähnenswert halten. Und doch animieren sie uns zum Losgehen, Handeln oder zum Richtungswechsel. Diese Fotoreihe macht auf ihre Ästhetik aufmerksam und erinnert an ihre Bedeutung in unserem Alltag.

Die explosive Ampel?

Bereits im Dezember 1868 wurde in London der Versuch unternommen, mithilfe einer Lichtanlage den anwachsenden Verkehr auf dem Parliament Square zu regeln. Die Ampel wurde mit Gaslicht betrieben, konnte grün oder rot leuchten und musste dabei manuell bedient werden. Nach wenigen Tagen explodierte sie jedoch und verletzte hierdurch den zuständigen Verkehrspolizisten.

Heutzutage brauchen wir uns nicht vor detonierenden Ampeln zu fürchten. 46 Jahre nach dem Vorfall in London wurde die Lichtanlage zu einem festen Bestandteil der urbanen Landschaft. Rund um die Welt regulieren Ampeln nun den unermüdlichen Fluss aus Fahrzeugen und Passanten. Heutzutage erwarten also selbst die Geduldigsten unter uns im Feierabendverkehr ihr grünes Aufleuchten, um dem Sessel vor dem Fernseher ein wenig näher zu kommen.

Rettungszeichen – Hier entlang bitte!

Wir sehen sie aus dem Augenwinkel in jedem Restaurant, Café oder Bürogebäude: die grün leuchtenden Kennzeichnungen des Notausgangs. Das ist kaum verwunderlich, da ihre Anbringung gesetzlich vorgegeben ist und sie auf Sichtbarkeit in einer Brandsituation abzielen. In den meisten Ländern handelt es sich um weiße Rettungszeichen-Piktogramme vor einem rechteckigen, grünen Hintergrund. Es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsweise werden die Fluchtwege in den USA und Hongkong durch den Text „Exit“ gekennzeichnet. In welcher Gestaltungsform auch immer, bleiben sie ein prägender grüner Akzent öffentlicher Räume, ganz unabhängig von den Dekorationswünschen des Innenarchitekten.

Über die Grenze hinaus – Überraschend grün

Wie bereits erwähnt, erscheint auch außerhalb Deutschlands Grün in der gewohnten Gestalt von Leuchtsignalen und führt uns durch die zu erkundenden Straßen. Vereinzelte Unterschiede treten auf, sind allerdings so subtil, dass wir uns dennoch problemlos im Fremden zurechtfinden können.

Begegnet uns jedoch das vertraute Farbschema an unüblichen Plätzen, kann es wiederum überraschen. Diese Erfahrung beginnt schon mit dem Überqueren der deutschen Grenze in den Osten, wo grünunterlegte Ortsschilder die Straßen säumen. In Großstädten stoßen wir hingegen auf auffällige Neonlichtschriftzüge, beispielsweise in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Das gesellige Beisammensein bei Barbecue und Soju (소주), einer koreanischen Spirituose, wird hier in die rot-grüne Farbkomposition einer Ampel getaucht. Auch in dieser Form sendet uns die Farbe ein Signal. Sie lockt uns in die Bars oder Clubs und zieht unsere Aufmerksamkeit auf grün blinkende Botschaften.

Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Es ist lohnenswert bei einem Städtetrip, ob im In- oder Ausland, die Augen offen zu halten und nach dem Grünen im „Unbegrünten“ zu suchen.

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Bilder © Sylvia Gatzka

5 Kommentare
  1. Johanna Jordan
    Johanna Jordan sagte:

    Tatsächlich begegnet uns „Grün“ häufiger, als es uns bewusst ist. Ich sollte in nächster Zeit meine Augen offen halten und wirklich darauf achten. Das letzte Bild finde ich besonders toll! 🙂

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  2. Ipek Ivecan
    Ipek Ivecan sagte:

    Super Bilder – vor allem die Bilder aus Seoul sind dir wirklich sehr gelungen. Es ist wirklich interessant, welche Assoziationen und Wirkungen die Farbe Grün haben kann, sei als als „to-go“ Zeichen bei der Ampel oder das Rettungszeichen. Ich sollte auch definitiv mehr auf so etwas achten!

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  3. Albina Lutolli
    Albina Lutolli sagte:

    Wow Sylvia, ich liebe deine Bilder! Man merkt richtig, dass du ein Auge für Ästhetik hast.
    Die explodierte Ampel hat mich ein bisschen schockiert, aber bin umso erleichterter, dass unsere Technik weit genug vorangeschritten ist, dass das nicht mehr passiert 🙂

    Danke für deinen schönen, informativen und interessanten Beitrag :*

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  4. Benedikt Matt
    Benedikt Matt sagte:

    Spannend finde ich vor allem, das Grün so oft mit seiner Komplementärfarbe Rot benutzt wird. Mich würde interessieren, ob das von Anfang an durchdacht war oder zu Beginn eher zufällig/intuitiv gemacht wurde und sich dann eben historisch fortgesetzt hat…

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