Plastik ist schön! Deshalb gibt es Schönheitsoperationen, die man auch plastikchirurgische Eingriffe nennt. Moment mal… Da passt doch was nicht. Plastikchirurgie stimmt so nicht ganz. Es heißt doch plastische Chirurgie. Was dieses Feld genau ist, warum dort kaum Plastik verwendet wird und wie teuer das Ganze eigentlich ist, erfahrt ihr hier! 

Mit Plastik verbinden viele den bunten, aber auch umweltverschmutzenden Alleskönner, der uns jeden Tag begegnet. Egal ob als Stein aus Plastiktüten, Nylon oder in Trabis. Man kann schnell den Überblick darüber verlieren, was eigentlich aus Plastik ist und was nicht. Eine gute Übersicht dazu bietet unser Plastik-ABC. Der Fakt, dass bei Schönheitsoperationen nicht direkt Plastik verwendet wird, wurde manchen von uns wahrscheinlich erst später bewusst, als wir zugeben wollen. Dabei führt der Begriff des „Plastischen“ oft auf die falsche Fährte. 

Plastik, plastike oder plastique

Das deutsche Wort Plastik wurde vom französischen plastique übernommen, welches wiederum vom griechischen Verb plassein abstammt und so viel wie „formen“ oder „bilden“ bedeutet. Selbst heute versteht man unter Plastik nicht nur den Kunststoff, sondern auch eine künstlerische Abbildung, die geformt beziehungsweise mit bestehendem Material gebildet wird. Der Verwendung des deutschen Begriffs „Plastik“ ergibt also Sinn, da es wie das Kunstwerk alle möglichen Formen und Strukturen annehmen kann. Ein richtiges Wundermittel also. Verwandte deutsche Wörter sind beispielsweise Plasma oder Pflaster. Und wo werden Pflaster eingesetzt? Richtig! Im Krankenhaus. 

Plastik in der Medizin

In der Medizin findet Plastik viele Anwendungsmöglichkeiten. So wird es beispielsweise für künstliche Gelenke, Prothesen oder eben auch künstliche Herzen benutzt. Die Liste an Plastik im Krankenhaus ist lang: von Spritzen, Handschuhen, Infusions- und Blutbeuteln bis hin zu Tablettenverpackungen und Atemmasken. Der Vorteil des formbaren Kunststoffs ist hierbei, dass er steril, geruchsabweisend und sehr stabil, aber dennoch flexibel ist. Außerdem löst Plastik fast keine Allergien aus. Natürlich spielt dabei auch der Preis eine Rolle: Plastik ist billig. Günstig in der Herstellung, aber auch in der Entsorgung. So ist es ein unabdingbarer Allzweckfaktor in der Medizin, der nicht mehr wegzudenken ist.  

Ohne Plastik wären Infusionen und andere Maßnahmen deutlich schwieriger umzusetzen. © Samuel Ramos

Plastische Chirurgie beinhaltet nicht nur Schönheitsoperationen

Die plastische Chirurgie hat eigentlich nur etymologisch etwas mit „Plastik“ zu tun, da bei der Operation formverändernd, also plastisch gearbeitet wird. Genauer gesagt wird dabei ein Teil des Körpers verändert, der einschränkend ist. Das kann aus gesundheitlichen Gründen wie beispielsweise bei Verbrennungsopfern geschehen. Oft findet solch ein chirurgischer Eingriff jedoch aus ästhetischen Gründen statt.

Hierbei ist es Mediziner*innen sehr wichtig, dass nicht allein die ästhetische Chirurgie in den Vordergrund gerückt wird, sondern die eigentlichen Hauptgebiete, wie rekonstruktive Chirurgie, sowie Verbrennungs- und Handchirurgie ebenfalls wahrgenommen werden. Da die ästhetische Seite oft das Hauptgesprächsthema ist, fallen diese leider oft unter den Tisch. Bei der rekonstruktiven Chirurgie werden Funktionen des Körpers, die durch Unfälle, Verletzungen oder Krankheit verlorengegangen sind, wiederhergestellt. Die Verbrennungschirurgie befasst sich, wie der Name schon sagt, mit Verbrennungen Dabei werden die Haut, aber auch andere Teile des Körpers operativ wiederhergestellt.  Der Aufbau und die Funktionen der Hände beziehungsweise Arme sind sehr komplex. Deshalb ist die Handchirurgie ein eigenes Spezialgebiet. Dort werden Fehlbildungen behandelt oder verlorene Finger wiedereingepflanzt (Replantation). Das Fachgebiet der plastischen Chirurgie besteht also nicht nur aus Schönheitsoperationen. Dennoch machen sie einen großen Teil davon aus. 

Auch nach einer krebsbedingten Brustoperation kann plastische Chirurgie helfen. © Michelle Leman

Kosten eines Eingriffs

Viele Menschen empfinden übertriebene Schönheitsveränderungen als „billig“ oder geschmacklos. Apropos. Billig ist eine solche Operation nicht. Der Preis eines solchen Eingriffes hängt zwar jeweils von der Behandlung ab – wenn dem Eingriff aber keine medizinische Notwendigkeit zugrunde liegt, übernehmen die Krankenkassen keine Kosten. Beim Straffen der Haut, der Faltenglättung mit Botox oder der Fettabsaugung liegt laut Krankenkassen keine medizinische Notwendigkeit vor. Dafür muss man dann meist selbst zum Geldbeutel greifen. Viele Chirurg*innen bieten dafür aber Finanzierungsmöglichkeiten an.

Anders sieht es bei Nasenkorrekturen oder Brustimplantaten aus. Wenn diese notwendig sind, wird man von der Krankenkasse unterstützt. Die erforderlichen Eingriffe an der Nase helfen so beispielsweise beim Atmen. Die medizinische Notwendigkeit eines Brustimplantats ist auch bei Frauen gegeben, die eine oder sogar beide Brüste durch Brustkrebs verloren haben. Natürlich ist es möglich, diese Anwendungen auch einfach so in Anspruch zu nehmen. Dafür muss man dann aber – wie bei der Faltenglättung – selbst zahlen. Die Kosten etwa für eine Brustvergrößerung durch Implantate betragen in Deutschland zwischen 4.500 und 8.000 Euro. Je nach Implantat kann die Operation aber auch deutlich teurer werden. Laut der International Society of Plastic Surgery wurden 2017 in Deutschland 290.900 Schönheitsoperationen durchgeführt.

Schönheitsoperationen und verwendete Materialien

Geschichten über Beton im Hintern oder ein durch Botox komplett unbewegliches Gesicht kennt jede*r. Es gilt: Bei allen ästhetischen Eingriffen muss man zudem auch das Risiko von Narbenbildungen einkalkulieren. Es ist also wichtig, die Vor- und Nachteile einer solchen Operation genau abzuwägen. Denn viele Menschen wissen nicht einmal, was bei diesen Operationen eigentlich genau passiert. Wie machen denn Chirurg*innen unsere Körper zu einem plastischen Kunstwerk? Hier ein paar Beispiele: 

Um volle Lippen zu bekommen, werden diese entweder mit Implantaten versehen oder können mit Hyaluronsäure aufgespritzt werden. Dabei haben beide Eingriffe den Effekt, dass sie die Lippen voller bzw. voluminöser werden lassen. Da Hyaluronsäure aber im Bindegewebe des Körpers vorhanden ist und sowieso mit der Zeit abgebaut wird, ist das keine dauerhafte Lösung. 

Bei der Faltenglättung werden die Falten mit Botox „geglättet“. Dazu wird das Protein beziehungsweise niedrig dosierte Nervengift „Botulinumtoxin“ in die Gesichtsmuskeln gespritzt. Durch die daraus folgende Lähmung entspannen sich die Muskeln und die Falten gehen zurück. Durchschnittlich hält so eine Behandlung bis zu vier Monate. Danach muss sie wiederholt werden. 

Po- und Brustimplantate bestehen meistens aus Silikon. Am Ende also doch mal ein Kunststoff! Bei Brustvergrößerungen wird aber gerne auch auf Eigenfett oder spezielle mit Kochsalz gefüllte Implantate zurückgegriffen. Bei der Vergrößerung der Pobacken kommt immer wieder auch ein Füller aus Polymilchsäure zum Einsatz. 

Implantate wie dieses werden oft negativ dargestellt. Manchmal sind sie aber auch ein Weg zurück zur Normalität. © Philippe Spitalier

Plastik ist in der plastischen Chirurgie also doch nicht so häufig anzutreffen, wie man denkt. Der Name ist durch die Wortherkunft aber dennoch Programm. Leider zu oft auf Schönheitsoperationen reduziert, ist es ein großes Feld der operativen Eingriffe, das von medizinisch korrigierten Händen über transplantierte Haut bis hin zu vollen Lippen reicht. Wie Plastik ist auch die plastische Chirurgie äußerst anpassungsfähig. Doch selbst Schönheitsoperationen sind keine dauerhafte Lösung, denn im Gegensatz zu Plastik altert der Mensch eben. 

 

Titelbild: © Sam Moghadam Khamseh

 

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1 Antwort
  1. Svenja Uhl
    Svenja Uhl sagte:

    Sehr spannender Artikel! Ich habe gehört, dass die Zahl der Schönheitsoperationen gerade in der Zeit der Pandemie deutlich zugenommen hat. Vielleicht, weil man das eigene Gesicht in Zoom-Meetings viel länger sieht als normalerweise?

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