Monets Seerosen gehören zu den bekanntesten Bildern des Impressionismus. In diesem Artikel erfahrt Ihr sieben weniger bekannte, aber äußerst wissenswerte Fakten rund um die Liebe des Malers zu den schwimmenden Pflanzen mit den großen grünen Blättern.

Ein Porträt des französischen Künstlers Claude Monet

Claude Monet © Pixabay

Am 14. November 1840 erblickt Claude Monet das Licht der Welt. Er gilt als der Begründer des französischen Impressionismus und malte in seinen ersten 50 Lebensjahren die unterschiedlichste Motive in dieser charakteristischen, aus vielen verschiedenen Farbstrichen zusammengesetzten Weise. Dann entdeckte er seine Liebe zu den Seerosen. Er widmete ihnen die letzten 30 Jahre seines Lebens – vom Ende der 1890er Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1926.

Entgegen einem relativ weit verbreiteten Irrglauben handelt es sich bei Monets Seerosen nicht um ein einziges Gemälde. Vielmehr handelt es sich um eine Serie von fast 300 Gemälden in verschiedenen Größen. In allen Gemälde konzentriert sich Monet auf die Oberfläche des Wassers. Jegliche Darstellung des Landes oder des Himmels erfolgt nur durch ihre Reflexion im Wasser.

1. Der Titel

„Seerosenteich“ von Monet, 1904. Ausgestellt im Museum für moderne Kunst André Malraux, Le Havre © Wikimedia

Die Seerosen-Serie von Monet ist reich an Konturen und Grenzen, die sich in Richtung Abstraktion bewegen. Der originale französische Name lautet „Nymphéas“. Das kommt aus dem Griechischen (nýmphē) und bedeutet Nymphe. Nymphen sind Naturgeister, die in der griechischen und römischen Mythologie vorkommen. Die Entstehungsgeschichte der Blume ist daher mit Nymphen verbunden, hat aber verschiedene Versionen. Einige Erzählungen besagen, dass sich die Nymphe, die sich unerwidert in Herakles verliebte, aus Trauer in eine Seerose verwandelte. Andere Erzählungen besagen, dass eine Sternschnuppe in einem See landete, der zu einer Seerose wurde. Nymphaea ist auch der wissenschaftliche Begriff für die Pflanzengattung.

2. Der Ausstellungsort

Stücke aus der Seerosen-Serie sind in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt zu sehen. Eine der interessantesten und einzigartigsten Ausstellungen von Monets Seerosen befindet sich allerdings im Orangerie-Museum in Paris – in den ovalen Räumen. Die beiden großen Räume haben massive Tafeln von fast zwei Metern Höhe auf einer Gesamtfläche von 200 Quadratmetern. Fast 100 lineare Meter Malerei umfassen den Betrachter*innen und schaffen, wie Monet selbst sagt, „die Illusion eines endlosen Ganzen, eines Wassers ohne Horizont und ohne Ufer“.

“Seerosen, Grüne Reflexionen” von Claude Monet. Ausgestellt im Musée de l’Orangerie, Paris © Wikimedia

Monet als ernannter Vater des französischen Impressionismus plante alles, wenn es um die ovalen Räume ging – einschließlich der Formen, der Volumen, der Positionierung und der Räume zwischen den verschiedenen Platten. Er orchestrierte die Erfahrung der Besucher*innen durch verschiedene Eingänge in die beiden Räume. Bei der Anfertigung seiner Platten berücksichtigte Monet sogar das Tageslicht, das oben von den Fenstern einfällt, wenn die Sonne scheint. Sowie die Veränderung des Lichts, wenn das Sonnenlicht durch Wolken verdeckt wird.

Ovaler Raum, Musée de l’Orangerie, Paris. Bild von Sailko © Wikimedia

3. Der Garten

1883 zog Monet von Paris aufs Land, in den kleinen Flecken Giverny in der Normandie. Dort entdeckte er sich neu als Maler von zu Hause aus. Und in dieser Zeit seines Lebens begann er, Serien von ländlichen Motiven anzufertigen – etwa Heuhaufen, Pappeln und eben auch Seerosen.

Monet (rechts) auf seiner japanischen Brücke in seinem Garten in Giverny, 1922 © Public Domain

Den berühmten Garten, der in der Seerosen-Serie immer wieder zu sehen ist, legte der Pariser Künstler sorgfältig selbst an. Er war von den japanischen Wassergärten inspiriert, die er von Drucken kannte, die er schon länger leidenschaftlich sammelte. Um seinen eigenen Wassergarten zu verwirklichen, brauchte Monet einen Fluss. Also beantragte er während des Bauprozesses die Erlaubnis, den Ru, einen kleinen Bach, auf sein Grundstück umzuleiten. Dies machte seine Nachbarn zunächst offensichtlich misstrauisch. In einer Zeit der manikürten Hecken und Versailler Firlefanz machten die asiatischen Traditionen die Nachbarn unsicher. Glücklicherweise hatte das Misstrauen der Nachbarn keine Auswirkungen auf Monets Arbeit. Mit Hilfe einer kleinen Armee von Gärtnern gelang es ihm, seinen japanisch inspirierten Wassergarten zu errichten. Er leitete den Ru um, baute eine japanische Fußgängerbrücke, pflanzte Seerosen, exotische Blumen, Trauerweiden und Bambusbäume. Und anschließend sagte er:

„Mein schönstes Meisterwerk ist mein Garten.”

„Japanische Brücke und Seerosenteich“ von Monet, 1899. Ausgestellt in Philadelphia Museum of Art

4. Clemenceaus Freundschaft

Georges Clemenceau war der Politiker, der Frankreich durch den Ersten Weltkrieg steuerte und zweimal zum sozial fortschrittlichen Premierminister des Landes gewählt wurde. Er hatte ein großes Interesse an der Kunst, und Monet erwiderte Clemenceaus politische Ansichten. Die beiden teilten eine Freundschaft, die Clemenceau auf Monets Sterbebett neben ihm sitzen ließ.

Clemenceau (Links) und Monet (Rechts), 1921 © Wikimedia

Am 12. November 1918, dem Tag nach dem Waffenstillstand für den Ersten Weltkrieg, schrieb Monet einen Brief an Clemenceau: „Ich stehe kurz vor der Fertigstellung von zwei dekorativen Tafeln, die ich am Tag des Sieges unterzeichnen möchte, und bitte dich, sie durch deine freundliche Unterstützung dem Staat anzubieten… es ist nicht viel, aber es ist die einzige Möglichkeit, die mir zur Verfügung steht, um am Sieg teilzuhaben. Ich bewundere dich und umarme dich von ganzem Herzen“. Ursprünglich wollte Monet dem Staat nur zwei Tafeln schenken, aber Clemenceau überzeugte ihn, die gesamte Serie, die im Orangerie-Museum ausgestellt ist, zu spenden.

Clemenceau bewunderte Monet zutiefst als Künstler. Zwei Jahre nach Monets Tod äußerte er sich zu seiner Serie wie folgt: „Monet malte Handlung, die Handlung des Universums, das mit sich selbst ringt. Dieses Drama, gekrönt von dem feurigen Blitz, der uns blendet, wenn die Sonne hinter dem ausgetrockneten Schilf der Wintersümpfe untergeht, wo die zauberhaften Blumen des Frühlings in Vorbereitung in den unergründlichen Abgrund der ewigen Wiederkehr wiedergeboren werden.“

5. Seine Farbpalette

Monets Farbpalette für die Seerosen hatte viele Grüntöne. Eines der Hauptpigmente ist Viridian, das auf Französisch „vert émeraude“ heißt. Viridian ist eine durchscheinende Art von tiefgrünem hydratisiertem Chromoxid. Das Pigment war unter den Impressionist*innen eine beliebte und beständige Wahl. Es wird allerdings verwirrend, wenn die Namen übersetzt werden. Die direkte deutsche Übersetzung von „vert émeraude“ ist Smaragdgrün. Smaragdgrün ist jedoch der Name eines giftigen kupferarsenithaltigen Pigments und nicht das transparente Chromoxidpigment, was man auf Deutsch Viridian nennt. Das Kupferarsenitpigment, also Smaragdgrün, ist im Französischen als „vert véronèse“ bekannt.

„Das Seerosenbecken“ von Monet, 1919. Privatsammlung © Wikimedia

Monet hatte ebenso das arsenithaltige „vert véronèse“ verwendet, das auch als Pariser Grün, Schweinfurter Grün und Smaragdgrün bekannt ist. Er stellte die Verwendung früh in seiner Karriere ein, da das Pigment reaktionsfreudig ist. Besonders, wenn es mit Farben wie Chromgelb und Kadmiumgelb gemischt wird, findet eine chemische Reaktion statt, wie der Sammlungsdirektor der Londoner National Gallery, Ashok Roy, in einem lesenswerten Essay zu „Monet’s Palette in the Twentieth Century: Water-Lilies and Irises“ beschreibt. In seinen späteren Jahren, in denen Monet ausschließlich an seiner Seerosen-Serie arbeitete, benutzte er „vert émeraude“, also Viridian. Dies machte seine Bilder sowohl für ihn als auch für die Betrachter*innen zweifellos unschädlich.

6. Sein Erzfeind

Claude Monet vor seinem Werk „Die Seerosen“. Bild von Pierre Choumoff, zwischen 1920 und 1926 © Wikimedia

Monet zweifelte in seinen späteren Jahren sehr an seiner Arbeit. Aus Unsicherheit überarbeitete er oft seine Gemälde der Seerosen-Serie. Darüber hinaus ist bekannt, dass er einige sogar zerstört hat. Der Vertrag zur Schenkung seiner massiven Tafeln an den französischen Staat wurde 1922 unterzeichnet. Monet wollte jedoch mehr Zeit, um sein Werk zu perfektionieren. Wie das Orangerie- Museum erklärte, schrieb ihm sein Freund Clemenceau noch im selben Jahr einen Brief: „Du bist dir wohl bewusst, dass du die Grenze dessen erreicht hast, was mit der Kraft des Pinsels und des Geistes erreicht werden kann“. Der Brief war erfolglos. Monet behielt seine Tafeln schließlich bis zu seinem Tod 1926. Er war nie zufrieden genug mit seiner Arbeit, um sie tatsächlich wegzugeben. Nach seinem Tod organisierte Clemenceau alles, um die Räume für die Seerosen genau nach Monets Wünschen einzurichten.

“Reflexionen von Wolken auf dem Seerosenteich” von Monet, 1920 – 1926. Ausgestellt im Museum of Modern Art, New York, © Wikimedia

Ross King, der Bestseller-Autor von kunsthistorischen Sachbüchern und Romanen, erklärt in seinem Buch „Mad Enchantment“, dass Monet bis 1920 zweimal verwitwet war. Außerdem litt er an Katarakt, auch Grauer Star genannt, was seine Sehkraft schwer beeinträchtigte. Sein Selbstvertrauen war äußerst gering, obwohl er seit Jahren ein sehr berühmter Künstler war. Da er der letzte überlebende französische Impressionist war, fühlte er sich einer jüngeren Generation entfremdet, die sein Werk neben dem von Picasso als überholt betrachtete.

7. Die erfolglosen Seerosen

„Seerosen“ von Monet, 1908 © Wikimedia

Die ersten Besucher*innen der Ausstellung in der Orangerie waren alles andere als begeistert. Monet zögerte zu lange, die Seerosen auszustellen. Im 20. Jahrhundert entstanden neue Bewegungen wie der Kubismus, Futurismus, Dadaismus, Surrealismus und mehr. Diese standen jetzt im Mittelpunkt und galten als modern. Die Seerosen wurden also weder von den Besucher*innen noch vom Museum selbst gut behandelt. Das Museum errichtete in den ovalen Räumen provisorische Wände, um andere Kunstwerke auszustellen, was zur Abdeckung von Monets Werk führte.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg erhielten Monet und seine Seerosen eine zweite Chance. 1952 schrieb André Masson, ein dem Surrealismus verbundener französischer Künstler, einen Artikel. Er nannte die ovalen Räume „die Sixtinische Kapelle des Impressionismus“. Danach erlangte Monets Werk ein erneutes Interesse. Dies veranlasste Sammler*innen, Stücke der Seerosen-Serie zu kaufen, die sich nach seinem Tod noch im Atelier befanden. Während dieser Zeit kaufte auch das Museum of Modern Art in New York seine Gemälde und stellte sie aus. Monet wurde in der Kunstszene wieder zum Leben erweckt. So wurden Monet und seine Seerosen nicht nur für Künstler*innen, sondern auch für die breite Öffentlichkeit ewig.

Monet in seinem Garten, ca. 1917. Bild von Étienne Clémentel © Wikimedia

 

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6 Kommentare
  1. Diana Bossert
    Diana Bossert sagte:

    Super interessanter Beitrag, viele der Fakten wusste ich auch als Kunstliebhaberin tatsächlich noch gar nicht. Zusammen mit der Bilderauswahl einfach informativ und sehr inspirierend. Ich glaube, ich muss mir mal eine Monet Biografie zulegen 🙂

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  2. Nicole Geier
    Nicole Geier sagte:

    Spannende Verbindung zwischen Monet und seinen Garten. Die Ausstellung im ovalen Raum muss ich mir unbedingt mal ansehen.

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  3. Natalie Adler
    Natalie Adler sagte:

    Ich finde diesen Beitrag einfach so schön! Ich weiß leider nicht besonders viel über Monet, aber mich hat das total fasziniert, weil mir auch nicht bewusst war, wie wahnsinnig viele Bilder er allein mit Seerosen gemalt hat. Mir hat auch total gefallen, wie viele Hintergrundinformationen es zum Thema gab und wie schön lebendigt du geschrieben hast.

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  4. Sandra Amberg
    Sandra Amberg sagte:

    Monet ist ein so toller Künstler und Visionär. Dein Beitrag ist sehr schön und machen ihn als Mensch sehr nahbar ❤️

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  5. Albina Lutolli
    Albina Lutolli sagte:

    Es ist echt beeindruckend, wie viel ein Gemälde einem eigentlich mitteilen kann und will. Dank deinem Beitrag, hat man einen echt tollen Einblick in das Leben dieses beeindruckenden Visionärs bekommen. Die Fakten im Zusammenspiel mit der Bilderauswahl sind absolut toll. Danke! <3

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  1. […] vorbei an einer alten Forsthütte, riesigen Mammutbäumen, Waldrefugien und mit weiß blühenden Seerosen bedeckten Biotopen. Manche Flächen sind sogar immer noch gezeichnet von Orkan Lothar, der 1999 […]

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