Beschichtete Pappbecher, überflüssige Plastikverpackungen für Gemüse, Körperpflegebehälter aus Einwegkunststoff… Die Liste an Plastikverpackungen, auf die wir beim Einkaufen oder bei der schnellen Mahlzeit unterwegs treffen, ist lang. Was sind praktische Plastikalternativen und wo gehen die Menschen am liebsten plastikfrei einkaufen?Wir haben 20 Tübinger*innen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren gefragt, was ihre liebsten Verpackungsalternativen sind und ob sie es einfach finden, beim Einkaufen oder auswärts Essen auf Plastik zu verzichten.

 

„Glaspfandflaschen für Limo oder Bier, die man beim Supermarkt wieder abgeben kann, sind super!“ – Lea, 24

Biertrinker*innen und Limoliebhaber*innen waren sich einig – auf die Frage, wie sie am liebsten Plastikverpackungen vermeiden, nannten die meisten die Pfandflasche. Diese sei der beste Weg, Einwegverpackungen aus Plastik wie Tetra Paks zu vermeiden. Vor allem beim täglichen oder wöchentlichen Einkauf sind viele der Befragten ständig auf der Suche nach neuen Utensilien, um (Einweg-)Plastik zu ersetzen. Besonders beliebt sind hierbei Stoffbeutel und Einkaufskorb.

Die Einwegflut macht vor niemandem halt. Tübingerinnen und Tübinger haben mir erzählt, wie sie am besten dagegen ankämpfen und wie sie Maßnahmen der (Lokal-)Verwaltungen finden.

Die Einwegflut macht vor niemandem Halt. Tübingerinnen und Tübinger haben mir erzählt, wie sie am besten dagegen ankämpfen und wie sie Maßnahmen der (Lokal-)Verwaltungen finden.

Etwa jede*r Fünfte fand es einfach, Verpackungsalternativen zu Plastik zu finden. Wobei die Befragten hierfür meist Verpackungen verwenden, die sie bereits zu Hause haben – nach dem Motto „reuse, reduce, recycle“. Mit der herkömmlichen Tragetasche funktioniere das am besten. Hoch im Kurs waren auch Glasbehälter und die gute alte Tupperbox, die zur örtlichen Bäckerei oder zum Lieblingsimbiss mitgenommen werden, um das schnelle Mittagessen zu transportieren. Gerade Imbisse bieten vermehrt Glasflaschen an, die man entweder direkt oder selbständig im nächsten Laden wieder abgeben kann.

„Das Konzept von Unverpackt-Läden ist die optimale Lösung gegen übermäßigen Plastikverbrauch“ – Sophia, 29

Unverpackt-Läden sind bei Sophia hoch im Kurs. Ein großes Problem sei allerdings, dass die dort angebotenen Waren und Produkte im Vergleich zu denen im Supermarkt oft teurer sind, sodass diese für viele Menschen keine echte Alternative sind. So zumindest empfinden zwei Befragte, welche Mitte bis Ende 20 sind, das Angebot an verpackungsfreien Läden und verpackungsfreien Abteilungen in Supermärkten wie Edeka. Die größte Sorge: Geringverdiener*innen und Familien mit knappem Budget können selten bis gar nicht auf verpackungsfreie Waren oder Unverpackt-Läden zurückgreifen. So kostet eine unverpackte Zahnbürste aus nachhaltigen Alternativen wie Bambus oder Holz um die 3,50 Euro. Eine Plastikzahnbürste gibt es aber schon für 99 Cent. 

Ähnlich verhält es sich mit Waren, die man abwiegen muss, wie etwa Nüsse oder Getreide. Auch hier sind die Preise der fertig verpackten Portionen im Discounter niedriger. Gerade Studierende, die an der Umfrage teilgenommen haben, finden es sehr wichtig, nachhaltig einzukaufen und auswärts zu essen. Allerdings sah auch gerade diese Gruppe ein Problem darin, nicht genug Geld zu haben, um regelmäßig in großen Supermärkten unverpackt einzukaufen. Eine Alternative sei der Wochenmarktbesuch. Die Preise seien zwar auch höher als bei Aldi, Lidl und Co., dafür bekomme man viele unverpackte Produkte aus der Region.  

Allerdings: Wer Bio-Lebensmittel bereits auf dem Wochenmarkt kauft, wird den Preisunterschied in Unverpackt-Läden weniger merken als Leute, die auf die günstigsten Packungen zurückgreifen. Hervorgehend aus dieser Abwägung zwischen Unverpackt-Läden, Wochenmärkten und Supermärkten kann man also schließen, dass es sich lohnt, verschiedene Produkte von verschiedenen Quellen zu kaufen, um insgesamt nachhaltiger zu konsumieren und dabei auch noch günstig wegzukommen. 

Wie kommt die Tübinger Verpackungssteuer an?

Einwegverpackungen erstrecken sich beim Einkauf und auswärts Essen über Kauf, Transport und Konsum von Produkten. Um diesem Problem auf kommunaler Ebene entgegenzuwirken, hatte das baden-württembergische Tübingen Anfang 2022 ein Gesetz zu einer Verpackungssteuer erlassen. Nachdem dieses Vorhaben der Stadt vor dem Verwaltungsgerichtshof gescheitert ist, hat mich brennend interessiert, was die Befragten hierzu zu sagen haben. Die Antworten fallen nahezu eindeutig aus: Der Ansatz, dass die (Kommunal-)Verwaltung einem Einwegplastikverbrauch entgegenwirkt, trifft auf Zuspruch. Aber… den Bürger*innen, welche durch steigende Lebensmittelpreise ohnehin schon belastet sind, noch mehr Geld abzuverlangen, fand die Mehrheit der Befragten nicht sinnvoll.

Die perfekte Verpackungsalternative zu Plastik beim Kaffeetrinken: Zwei wiederverwendbare Mehrwegbecher, auch "Recups" genannt, stehen im Sonnenlicht vor einem Teller mit zwei Stücken Sahnetorte.

Eine gute Alternative zum kunststoff-beschichteten Einwegbecher beim Kaffeetrinken: Zwei wiederverwendbare Mehrwegbecher, hier des Unternehmens Recup.

„Ich glaube, das macht die Leute eher sauer“ sagte Savannah (23), die sich dafür aussprach, die Verpackungssteuer durch ein stadt- oder landkreisweites Pfandsystem zu ersetzen, um alle Bürger*innen zu „reuse, reduce, recycle“ anzuregen.  

„Das können sich nicht alle leisten!“ findet Sophia (29), welche deshalb auch für ein einheitliches Pfandsystem mit Mehrweggeschirr und -besteck ist. Dieses sollte, laut einigen Befragten, von der Stadt für die Restaurantbetreiber und Läden bezuschusst werden, damit sich die Preise nicht auf die Kund*innen abwälzen. Wie es etwa bereits Recup, das Pfandsystem für Getränkebecher gibt, könnte das System auch auf Schüsseln und Besteck ausgeweitet werden, findet die Mehrzahl der Befragten. Dann kann man immer noch frei entscheiden, ob man selbst Utensilien zum Essen mitbringt oder das Pfandsystem in Anspruch nimmt. Tübingen hat bereits einige Gastronom*innen mit Mehrweggeschirr ausgestattet, was manchen Befragten wohl nicht bewusst war. Hier können Verwaltung oder Gastronom*innen ansetzen und mehr Werbung für Pfandsysteme machen. Anschließend bleibt abzuwarten, ob die Merheit der Menschen die Pfandsysteme dann tatsächlich auch flächendeckend nutzen.

So viele Meinungen und Eigenheiten, die Bürger*innen zu Verpackungsalternativen zu Plastik beim Einkauf und Essen auch haben, eins haben sie alle gemeinsam: eine nachhaltigere Welt anstreben.

 

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