Erfahren Sie mehr über Plastik im Alltag. Ein Plastik-ABC

Plastik kommt in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Verwendungen vor. Es prägt unseren Alltag wie kaum ein anderer Stoff und ist dabei nicht immer ungefährlich. Doch wo taucht Plastik im Alltag auf? Das ABC gewährt uns Einblicke in die komplexe Plastikwelt – von A wie Acryl über V wie Vibrator bis Z wie Zahnpasta.

A cryl: Acryl ist ein hochwertiger Kunststoff, der sich unter Einwirkung von Wärme beliebig formen lässt und zum Beispiel für Brillengläser und Kontaktlinsen verwendet wird. Der Begriff leitet sich von lateinisch acer (scharf) bzw. griechisch ákros (spitz) wegen des scharfen Geruchs der Acrylsäure ab. Schon gewusst? Die Lebensdauer von Acryl ist beinahe unbegrenzt – zudem ist der Kunststoff recyclingfähig und daher umweltverträglich.

B ier: Trotz des sogenannten deutschen Reinheitsgebots für die Bierbrauerei fügen fast alle Großbrauereien ihrem Bier Plastik hinzu. Das Kunststoffgranulat PVPP (Poly-vinyl-poly-pyrrolidon) sorgt dafür, dass das Bier monatelang schön klar bleibt und bis zu anderthalb Jahre lang verkauft werden kann. Gesundheitsschädlich ist PVPP nach derzeitigem Wissensstand nicht.

C elluloid: Celluloid ist eine Gruppe von Kunststoff-Verbindungen, die aus Cellulosenitrat und Kampfer hergestellt werden. Es ist der erste synthetische Thermoplast der Geschichte und kann leicht geschmolzen und verformt werden. Schon gewusst? Mit Celluloid war man ab 1870 erstmals in der Lage, Imitate von Luxusartikeln (z.B. Perlmutt und Bernstein) herzustellen.

D uroplaste: Duroplaste bilden mit den Thermoplasten und den Elastomeren die Gruppe der Polymere (= Kunststoffe). Die drei Polymergruppen unterscheiden sich voneinander durch ihr thermisch-mechanisches Verhalten. Ein ausgehärtetes Duroplast kann man durch Erhitzen nicht mehr nachträglich umformen. Übrigens: Wenn du schon mal daheim mit Klebstoff gebastelt hast, dann war dieser sehr wahrscheinlich ein Duroplast.

E lastomere: Elastomere sind formfeste, aber elastisch verformbare Kunststoffe. Sie geben bei Zug oder Druck nach, nehmen dann aber wieder ihre ursprüngliche Form an. Man findet sie in Reifen, Dichtungsringen oder Gummihandschuhen.

F luorkunststoffe: Fluorkunststoffe, auch Fluorpolymere, sind Hochleistungskunststoffe und gehören zur Polymergruppe der Thermoplaste. PTFE (Poly-tetra-fluor-ethylen) ist das mengenmäßig wichtigste Fluorpolymer. Umgangssprachlich wird dieser Kunststoff oft mit dem Handelsnamen Teflon der Firma DuPont bezeichnet, die unter anderem für ihre Teflonpfannen bekannt ist.

G ummi: Der Begriff Gummi (aus dem ägyptischen kami) bezeichnete ursprünglich Kautschuk oder andere kautschukähnliche Pflanzensäfte. Sie verhärten beim Eintrocknen durch Polymerisation zu plastisch-elastischen Feststoffen. Als Werkstoff Gummi bezeichnet man heutzutage Natur- oder Synthetik-Kautschuk, der von einem festen in einen dehnbaren Zustand überführt wurde.

H arnstoffharze: Ja, du hast richtig gelesen! In der verrückten Plastikwelt gibt es auch Kunststoffverbindungen aus Urin bzw. aus dem natürlichen Salz des Urins (= Harnstoff). Diese sogenannten Harnstoffharze sind Kunststoffe, die als Kondensationsprodukte aus Harnstoff und Aldehyden (insbesondere Formaldehyd) hergestellt werden. Harnstoffharze finden Verwendung als Imprägnierharze, Isolierharze, Textilveredelungsmittel und Bindemittel für nassfeste Papiere.

I nliner: Wie zahlreiche andere Alltagsgegenstände bestehen auch Inliner beinahe zu 100 Prozent aus Plastik – ob das Gehäuse, die Rollen, das Bremsgummi oder das Polyester-Innenfutter. Mehr zum Thema Plastik an unseren Füßen liest du hier.

J angtse: Der chinesische Fluss Jangtsekiang ist weltweit am stärksten mit Kunststoffpartikeln belastet – mit über 333.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr. Leipziger Forscher*innen entdeckten, dass insgesamt zehn Flusssysteme rund 90 Prozent des Plastiks transportieren, das jedes Jahr aus Flüssen ins Meer gelangt (in etwa vier Millionen Tonnen Plastik).

K autschuk: Kautschuk ist im Milchsaft (Latex) von tropischen Pflanzen enthalten und wird hauptsächlich aus dem Gummibaum gewonnen. In der Natur dient er dem Schutz des Baumes, denn er schützt verletzte Stellen vor Bakterienbefall. Es gibt sowohl synthetischen Kautschuk als auch Naturkautschuk. Schon gewusst? Bereits 1.600 Jahre v. Chr. verwendeten indigene Völker in Mexiko und Mittelamerika Latex von Gummibäumen für die Herstellung von Schuhen und Gummibällen.

L ego: Die meisten Klemmbausteine des dänischen Spielwarenherstellers Lego werden aus einem Kunststoff namens ABS (Acrylnitril-butadien-styrol-copolymer) hergestellt. Es erfüllt eine lange Liste an Anforderungen in Bezug auf Sicherheit, Haltbarkeit und Qualität und ist deshalb für Kinder besonders geeignet. Übrigens: Diesen Typ Plastik verwendet Lego seit 1963!

M ikroplastik: Mikroplastik sind Plastikstücke, die kleiner als fünf Millimeter und deshalb mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen sind. Mikroplastik ist deswegen so gefährlich, weil die winzig kleinen Plastikteilchen wie ein Magnet auf Schadstoffe reagieren und Pestizide und andere Umweltgifte an sich binden.

N agellack: Wenn wir über verstecktes Plastik im Alltag sprechen, dann muss auch der Nagellack genannt werden. Der enthaltene Kunststoff Nitrocellulose macht den Lack dickflüssiger und widerstandsfähiger.

O hropax: Ohropax-Ohrstöpsel gibt es in den verschiedensten Varianten – so auch in einer Kunststoff-Variante. Die Stöpsel bestehen aus einem leichten Polyurethan-Schaum, der Umgebungsgeräusche zuverlässig abhält.

P utzmittel: In den meisten chemischen Putzmitteln aus der Plastikflasche versteckt sich Plastik in Form von Flüssigkunststoffen (Cross-Polymeren). Das Mikroplastik soll besonders bei intensiven Putzmitteln für hartnäckigen Schmutz diesen durch Reibung abschleifen – etwa in Glasreinigern.

Q uittung: Kassenbons aller Art bestehen aus sogenanntem Thermopapier, das wiederum die giftige Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthält. Bisphenol A ist der Grundbaustein, aus dem der Kunststoff Polycarbonat hergestellt wird. Die von der EU finanzierte European Food Safety Authority warnt seit einiger Zeit vor der Chemikalie, da sie im Verdacht steht, menschliche Hormone zu beeinflussen. Laut diverser Studienergebnisse könne BPA bereits in geringen Mengen das Hormonsystem stören und sogar Krebs und Unfruchtbarkeit verursachen.

R adiergummi: Bei Radiergummis wird zwischen Naturkautschuk-Radierern und Kunststoff-Radierern unterschieden. Kunststoff-Radierer bestehen meist aus plastiziertem PVC-P (Poly-vinyl-chlorid), das durch den Zusatz von Weichmachern elastisch wird.

S ilikone: Unter den Kunststoffen sind Silikone ein Ausnahmetalent. Als Allrounder sind sie beständiger als viele andere Kunststoffe und halten selbst Temperaturen von minus 100 Grad Celsius aus. Schon gewusst? Silikon wurde 1941 als Zufallsprodukt vom deutschen Chemiker Richard Müller entdeckt, als dieser eigentlich künstlichen Nebel herstellen wollte.

T hermoplaste: Thermoplaste sind Kunststoffe, die sich in einem bestimmten Temperaturbereich einfach (thermoplastisch) verformen lassen. Dieser Vorgang ist reversibel, das heißt er kann durch Abkühlung und Wiedererwärmung bis in den schmelzflüssigen Zustand beliebig oft wiederholt werden, solange der Kunststoff nicht überhitzt wird.

U hu-Klebstoff: Im Jahr 1932 stellte August Fischer den weltweit ersten gebrauchsfertigen, klaren Kunstharz-Klebstoff her. Kunstharze wie der Uhu-Klebstoff härten nach kurzer Zeit aus und lassen sich nachträglich nicht mehr schmelzen (Duroplast). Schon gewusst? Der Markenname leitet sich von der Vogelart Uhu ab, denn zu Fischers Zeit war es üblich, Produkte nach großen Vögeln zu benennen (z.B. Pelikan).

V ibrator: Wie zahlreiche andere Sexspielzeuge sind auch Vibratoren aus Kunststoff. Der Kunststoff Jelly, aus dem die meisten Sexspielzeuge gemacht sind, gehört zur Polymergruppe der Thermoplaste. Nach Angaben niederländischer Warenprüfer können Vibratoren aus Kunststoff bis zu zehn Stunden pro Woche gefahrlos genutzt werden. Bei längerem Einsatz könnten zu viele organschädigende Substanzen in den Körper gelangen.

W aschmittel: Wenn wir über Plastik im Alltag sprechen, darf auch das Waschmittel nicht fehlen. In diversen Waschmitteln verstecken sich nämlich Mikroplastik und sogenannte wasserlösliche Polymere. Waschmittel selbst zu machen, ist eine gute Alternative, um Plastik im Alltag sicher zu vermeiden.

Epo X idharz: Epoxidharze sind duroplastische Kunststoffe, die eine hohe Festigkeit, gute Kratzfestigkeit sowie hohe Maßgenauigkeit haben. Mit Epoxidharze finden können Möbel beispielsweise versiegelt und geklebt werden – aber vor allem wird Epoxidharz als Bodenbeschichtung, zur Laminierung von Bodenbelägen und als Bindemittel für Steinteppiche verwendet.

Pol Y -ethylen-terephthalat (kurz PET): PET ist ein thermoplastischer Kunststoff aus der Familie der Polyester mit einem äußerst breitem Einsatzgebiet. Unter anderem werden Getränkeflaschen aus PET hergestellt, woher der Werkstoff wohl auch seine große Bekanntheit erlangt hat. Schon gewusst? PET ist zu 100 Prozent recycelbar.

Z ahnpasta: Die gute Nachricht vorweg: In Deutschland sind die meisten Zahncremes seit 2014 frei von Mikroplastik. Davor enthielten Zahnpasten als Putzkörper das Kunststoffgranulat EVAC (Ethylen-vinyl-acetat-copolymere). Heutzutage findet sich Mikroplastik aber noch in einigen Haftcremes, Zahnfleisch-Pflegegels und Mundspülungen.

 

Titelbild: © ReadyElements / pixabay.com

 

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  1. […] dich, wo Plastik überall drin ist – zum Beispiel mit unserem Plastik-ABC. Welche Initativen, Unternehmen oder kleine Läden um die Ecke versuchen, auf nachhaltige und […]

  2. […] wie „Rennpappe“ oder „Plastikbomber“, denn die Verkleidung der Trabis besteht aus Duroplast, einem gehärteten Kunstharz. Die Beplankung kann als Notlösung bezeichnet werden, denn in der DDR […]

  3. […] 30 Jahre nach der ersten Herstellung von Gummi entwickelte der Chemiker und Erfinder John Wesley Hyatt mit Celluloid den ersten thermoplastischen […]

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