Plastik belastet nicht nur unsere Umwelt – winzige Plastikteilchen können auch in Blut und Magen gelangen. Mit unschönen Folgen: Unter anderem können die Plastikpartikel Entzündungen und Immunreaktionen auslösen. Wie sie in unseren Körper gelangen und welche Folgen das für die Gesundheit hat, lest ihr in Teil 1 unserer Serie über Plastik in unserem Essen.

Ein Forscherteam der Freien Universität Amsterdam hat in diesem Jahr erstmals kleinste Plastikpartikel im menschlichen Blut nachweisen können. Das Team um die Chemikerin Marja Lamoree beschreibt in seiner Studie, die im März diesen Jahres im Fachmagazin Environment International erschien, dass in 17 von 22 Blutproben der Proband*innen Plastik nachweisbar war. Im Durchschnitt 1,6 Mikrogramm pro Milliliter.

Bis zu fünf Millimeter groß: Mikroplastik. Von Forschenden erstmals auch im menschlichen Blut nachgewiesen. ©Pcess609/Adobe Stock

Doch es war nicht nur eine Art von Kunststoff im Blut zu entdecken, sondern gleich drei verschiedene. Am häufigsten – nämlich bei der Hälfte der Proband*innen – war der Kunststoff PET enthalten. Dieser wird beispielsweise für Getränkeflaschen verwendet. Jede dritte Probe enthielt Polystyrol und jede vierte Polyethylen. Aus ersterem werden unter anderem Lebensmittelverpackungen hergestellt, aus letzterem Folien. Bei manchen Teilnehmer*innen fanden sich sogar alle drei Kunststoffe in ein und derselben Probe.

Aber damit nicht genug. Denn Mikro- und Nanoplastikpartikel sind nicht nur im menschlichen Blut zu entdecken, sondern auch im Darm. Zur Erklärung: Nanoplastikpartikel werden diejenigen genannt, die unter 0,001 Millimeter groß sind, während Mikroplastikpartikel eine Größe von bis zu fünf Millimetern aufweisen. Ein Forscherteam der Medizinischen Universität Wien veröffentlichte die Ergebnisse einer Übersichtsstudie im Fachmagazin Exposure & Health. Die Forschenden fanden heraus, dass in den Magen-Darm-Trakt eines Menschen pro Woche im Durchschnitt rund fünf Gramm Plastik gelangen.

Bisher ist noch unklar, ob Plastikpartikel frei im Blutplasma schwimmen oder an Zellen gebunden durch den Körper transportiert werden. Ebenfalls fraglich ist, ob sich das Plastik im Körper anreichert oder nach kurzer Zeit wieder ausgeschieden wird.

Wie Plastik in unseren Körper gelangt

Wenn wir aus einer Plastikflasche trinken, kann es sein, dass Mikroplastik in den Körper gelangt. ©Peggy Marco/Pixabay

Die Wege, wie Plastik in unseren Körper gelangt, sind zahlreich. Zum Beispiel durch das Trinken aus Plastikflaschen. Rund 90.000 Plastikpartikel gelangen pro Jahr auf diese Weise in den Körper – bezogen auf die empfohlenen zwei Liter Wasser pro Tag. Auch durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel nehmen Menschen Plastik in den Körper auf.

Allerdings beschränkt sich die Aufnahme von Plastik in den menschlichen Körper nicht nur auf Nahrungsmittel. So geben auch Kleidungsstücke aus synthetischen Fasern Plastikpartikel ab. Diese lösen sich während des Tragens oder landen nach einem Waschgang im Abwasser. Und sogar durch das Einatmen von vermeintlich frischer Luft gelangen Mikroplastikpartikel in unseren Körper. Wie diese Partikel in die Luft kommen? Durch den Abrieb von Autoreifen. Auch in Reinigungsmitteln, Medizinprodukten, Kosmetika und Schuhsohlen ist Plastik enthalten – weitere potenzielle Transportmittel für die Plastikpartikel auf dem Weg in den Körper.

Untersuchungen eines Marburger Forschungsteams an Mäusen im letzten Jahr haben gezeigt, dass sich das aufgenommene Mikroplastik in verschiedenen Organen, unter anderem der Leber, ablagert. Die Plastikpartikel haben die Barriere der Darmwand überschritten und sind über den Blutkreislauf in die Leber gelangt.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Eins steht also fest: Mikro- und Nanoplastikpartikel sind in unserem Blut und Magen vorhanden. Doch wie wirken sich die Plastikteilchen auf die eigene Gesundheit aus? Eine abschließende Antwort auf diese Frage steht noch aus, das Thema ist jedoch auf der Agenda einiger Forscher*innen. Beispielsweise untersucht das Team des Wiener Forschungsprojekts microOne die möglichen Folgen von Mikro- und Nanoplastikpartikeln im menschlichen Körper. Einige Zwischentrends haben die Forscher*innen schon feststellen können.

Ein Ergebnis der österreichischen Forscher*innen aus ihren Zellkultur- und Tierversuchen ist, dass Mikroplastik die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm verändern kann. Das Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller mikrobiellen Mitbewohner im Darm. In erster Linie sind protektive Bakterienarten gemeint. Sie verwerten Nährstoffe, produzieren Vitamine und helfen dem Immunsystem bei der Abwehr krankmachender Keime. Gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, begünstigt das vermutlich die Entstehung von Fettleibigkeit, chronischen Lebererkrankungen und Typ-2-Diabetes. Zudem könnten die Mikro- und Nanoplastikpartikel im Darm lokale Entzündungen hervorrufen. Mögliche Langzeitfolge: ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

Herzerkrankungen könnten eine mögliche Folge von Plastik im Blut sein. ©Pexels/Pixabay

Auch das vorhandene Plastik im Blut kann sich womöglich negativ auf die Gesundheit auswirken. So haben Marburger Wissenschaftler*innen an Zellkulturen und Mäusen untersucht, wie sich Mikroplastik auf die Immunzellen und die Blutgefäße auswirkt. Als wichtigstes Ergebnis hält das Forscherteam fest, dass die Mikroplastikpartikel im Blut Entzündungsreaktionen auslösen können und sich dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert.

Bisher sehen weder das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung noch die Weltgesundheitsorganisation eine gesundheitsschädliche Wirkung von Mikro- und Nanoplastikpartikeln als belegt an. Für eine endgültige Beurteilung sei es allerdings noch zu früh, dafür fehlten vor allem weitere Forschungsdaten. Das sieht das Team von microOne genauso: Man müsse weiter untersuchen, wie die Körperzellen und Plastikteilchen im Einzelnen miteinander interagieren, um die bisherigen Vermutungen bestätigen oder widerlegen zu können.

Was nun?

Welche weiteren Risiken Plastik im menschlichen Körper für die Gesundheit birgt, wird die Forschung in den nächsten Jahren zeigen. Fest steht schon einmal: Den eigenen Plastikkonsum zu minimieren, ist ein guter Schritt für die Gesundheit und die Umwelt.

Tipps und Tricks, wie das gelingen kann, lest ihr in Teil 2 unserer Serie zu Plastik in unserem Essen.

Titelbild: ©Westend61

 

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2 Kommentare
  1. Lea Scherm
    Lea Scherm sagte:

    Das ist erschreckend, wie Mikroplastik in unseren Körper gelangt: über Lebensmittel, Kleidung und sogar die Luft. Und wo sich das Plastik dann überall in unserem Körper ablagert: im Blut, Darm und der Leber. Dein Artikel ist sehr spannend und informativ! Er zeigt, dass es bereits einige Forschungen zu der Thematik gibt, vieles aber auch noch unerforscht ist. Da werden in Zukunft bestimmt noch weitere unschöne Ergebnisse herauskommen…

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  2. Chiara Saltaformaggio
    Chiara Saltaformaggio sagte:

    Ich fand deinen Artikel sehr informativ und spannend! 🙂 Ich war sprachlos als ich die Menge der Plastikpartikel gesehen habe, die man im Durchschnitt nur durch Trinken aus Plastikflaschen zu sich nimmt. Ich bin sehr gespannt was die Forschung in den kommenden Jahren noch aufdecken wird und welche weiteren gesundheitlichen Folgen auf die Plastikteilchen in unserem Körper zurückzuführen sind.

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