Sneaker, Turnschuhe, Trainers – wie man sie auch nennen will, sie sind überall. Vielleicht sogar in diesem Moment an deinen Füßen. Die ursprüngliche Idee: das Laufen mit bequemen neuen Materialien abfedern. Nun treten wir in ihnen mit jedem Schritt – auf Plastik. Sneaker sind zugleich weltweiter Kult als auch buchstäbliche Umweltkatastrophe.

Mehr als 1.2 Milliarden Paar Sneaker werden pro Jahr verkauft. Laut Angabe des Sneaker Reports 2022 des Datendienstleisters Statista beträgt der weltweite jährliche Umsatz etwa 60 Milliarden Euro. Der größte Sportartikelhersteller Nike verkauft 25 Paar Sneaker pro Sekunde. Auf sogenannten Sneaker-Cons werden sie gehandelt wie Wertpapiere. Was ist nun das Erfolgsgeheimnis hinter einem Stück Gummi, Leder und etwas Stoff?

Die Geschichte des Sneakers – Wie alles begann

Vor rund 60 Millionen Jahren entwickelten Kautschukbäume zum Schutz vor gefräßigen Käfern eine giftige, klebrige Substanz. Diese war flexibel und wasserfest. Der Nachteil: In der Sonne schmolz die Masse. Einige Millionen Jahre später, im Jahr 1839 fiel einem gewissen Charles Goodyear jene Masse zufällig auf den Herd und es bildete sich ein elastisches Material, welches Leder ähnelte. Dieses sogenannte vulkanisierte Gummi, eine Art von Kunststoff, veränderte die Welt und machte Dinge möglich wie Bälle, Schläuche, Reifen – und natürlich Sneaker.

Anfänge der Sneaker aus Plastik

Die Keds Champions Sneaker waren im Jahr 1916 der neueste Schrei. ©wikimedia commons

Als im späten 19. Jahrhundert neue Sportarten wie Kricket und Tennis aufkamen, wurde zum Schutz des Spielrasens nach neuen Schuhformen verlangt. Zu dieser Zeit hatten die meisten Schuhe noch harte Ledersohlen. Diese klackerten bei jedem Schritt und galten als ungeeignet für die neuen Rasensportarten. Der leise Tritt kam nun mit der Erfindung der Gummisohle auf, mit welcher ein regelrechtes Anschleichen möglich war. Daher der Name: to sneak heißt schleichen. Zudem ermöglichte die Elastizität des Kunststoffes ein besseres Abrollen des Fußes, was im Sport deutliche Vorteile brachte.

Anfänge der Plastik Sneaker

Basketball-Legende Chuck Taylor signierte 1923 das runde Logo des Sneakers All Star des amerikanischen Herstellers Converse. Seither sind die Schuhe auch als ‚Chucks‘ bekannt. © Lea Sachs

Im Jahr 1892 gründete sich die sogenannte US Rubber Company als ein Zusammenschluss von neun kleinen Kautschukherstellern. Unter ihnen befand sich auch die Goodyear Metallic Rubber Shoe Company, welche der erste Lizenznehmer der Erfindung Goodyears war. Von dort an stellte das Unternehmen unter 30 verschiedenen Markennamen Schuhe mit Gummisohlen her. Bis es sich schließlich 1913 dazu entschloss, die Marken unter einem einzigen Namen zu vereinen. Die Wahl fiel auf den Namen Keds. Und so war es 1917 die Marke Keds, die erstmals den „Sneaker“ als solchen vermarktete. Im selben Jahr etablierte sich zudem der Converse All Star als Sneaker, welcher damals noch speziell für den Basketballsport entwickelt wurde. Eine neue Ära der Fußbekleidung begann. Der Sneaker entwickelte sich über die Jahre hinweg vom Sportschuh zum Allroundtalent und erlangte weltweit Kultstatus.

Umweltkatastrophe Sneaker

Doch zum Unwohl aller Sneakerheads: Sneaker sind eine wahre Umweltkatastrophe. Die Modebranche ist für acht bis zehn Prozent  aller weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich, verursacht laut Angaben des Umweltbundesamts zudem 20 Prozent der Abwässer, verbraucht 25 Prozent der Insektizide und zehn Prozent der Pestizide weltweit. Die Schuhindustrie trägt ihren Teil dazu bei. So basieren Sohle und Oberstoffe von Sneakern auf erdölbasierten Kunststoffen, was einen großen Verbrauch an Energie, Chemikalien und CO2 mit sich bringt. Sie sind also ein Ressourcenfresser und Abfallproduzent.

Das Problem: Sneaker bestehen zu einem Großteil aus nicht verrottbarem Plastik. So kann ein einzelner Schuh aus bis zu 60 unterschiedlichen Teilen bestehen, welche in mehreren 100 verschiedenen Produktionsschritten zum finalen Sneaker zusammengesetzt werden. Dabei sind unterschiedliche Kunststoffe und Gummivarianten in den Designs komplex verarbeitet, wodurch die Trennung und das Recycling zu teuer für die Hersteller wird.

Die Folge: Sneaker bleiben noch lange auf der Erde zurück, auch wenn wir schon lange weg sind. Die Gummisohle beispielsweise benötigt um die 80 Jahre für ihren biologischen Abbau. Andere Kunststoffe und Synthetik beispielweise in den Oberstoffen der Sneaker sogar mehrere 100 Jahre. Laut Umweltbundesamt können Mikroplastikpartikel streng genommen sogar nie vollständig abgebaut werden.

Sneaker aus recyceltem Plastik

Sneaker aus recyceltem Plastik

In diesem Adidas-Sneaker sind recycelte Plastik-Flaschen verarbeitet. Dafür arbeitete das Unternehmen mit der Umweltorganisation Parley for the oceans zusammen. ©unsplash

Verschiedene Sneaker-Hersteller experimentieren daher schon seit einigen Jahren mit recycelten Materialien und nachhaltigeren Produktionsmethoden. Meist handelt es sich bei den Lösungen nicht um geschlossene Kreisläufe, sondern es wird bei der Herstellung neuer Schuhe auf Abfälle wie Autoreifen oder Meeresplastik zurückgegriffen. 12 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in unseren Ozeanen. Diesen Abfall verwenden nun einige Unternehmen wie Adidas, Nike und Veja für die Herstellung ihrer Sneaker. So werden beispielsweise aus dem südchinesischen Meer gefischte Plastikflaschen zuerst gereinigt und sterilisiert, anschließend zu kleinen Kunststoff-Flakes geschreddert und eingeschmolzen. Diese werden wiederum zu Granulat geformt und schließlich zu feinem Garn gesponnen, welches für den Oberstoff der Sneaker verwendet wird.

Die Schuhsohlen der Sneaker hingegen werden zumeist aus Industrieabfällen produziert. Zum Großteil handelt es sich dabei um den Ausschuss von Autoreifenfabriken. Die Überbleibsel werden eingeschmolzen und im Anschluss als Schuhsohle ausgestanzt. Das Endprodukt: Sneaker aus recycelten Plastik-Abfällen. Ein erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Allerdings verschiebt das nur die Frage: Was passiert mit unseren Sneakern nach dem Ende ihres Lebens?

Tatsache ist: Wir Menschen produzieren zu viel Abfall. Die energische Suche nach Lösungen für umweltfreundlichere Sneaker ist daher im vollen Gange: seien es Alternativmaterialien wie Maisleder oder Reisschalen, Projekte zur Zerlegung alter Sneaker in ihre Bestandteile oder Sneaker-Werkstätten für die Verlängerung ihrer Lebenszeit. All das, damit wir unsere geliebten Sneaker auch in einer plastikärmeren Zukunft nicht missen müssen.

Titelbild: © Lea Sachs

 

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3 Kommentare
  1. Elias R.
    Elias R. sagte:

    Ich finde das Ende des Artikels teilweise schwierig, da es fast nach Unternehmens-PR klingt. Meiner Meinung nach sind es gerade Unternehmen wie NIKE, die sich einen feuchten Dreck um Umwelt und Nachhaltigkeit interessieren. Irgendwelche Meeresplastik-Aktion oder Mikroprozente des Schuhs aus Autoreifen ist doch reinstes Greenwashing!

    Schließlich sind es gerade NIKE, die ihr eigenes Greenwashing-Schuhrecyclingprogramm dazu nutzen, um massenhaft Neuware (bspw. aus Retouren) zu vernichten und den geschredderten Rohstoff dann als nachhaltig zu verkaufen. Unternehmen des Großkapitals sind nicht nachhaltig, sondern nur auf Turbowachstum und Profitmaximierung getrimmt – auf Kosten von Umwelt und Kinderarbeit.

    Zum Thema empfehle ich die großartige Recherche von Panorama zum Greenwashing. Anzusehen in der ARD-Mediathek unter https://www.ardmediathek.de/video/panorama/sneakerjagd-nike-vernichtet-neuware/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS81NzQwNmNkYi04MWNiLTQxZjMtYTAyNy1mNjEwYmVhYjFjYzE/

    Vorwürfe gegen NIKE bzgl. Kinderarbeit: https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/firma/nike/

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  2. Elisabeth Held
    Elisabeth Held sagte:

    Sehr interessantes Thema, was wahrscheinlich auch jeden von uns betrifft! Und die Geschichte des Sneakers war mir bisher auch noch nicht bekannt 🙂

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  1. […] I nliner: Wie zahlreiche andere Alltagsgegenstände bestehen auch Inliner beinahe zu 100 Prozent aus Plastik – ob das Gehäuse, die Rollen, das Bremsgummi oder das Polyester-Innenfutter. Mehr zum Thema Plastik zu unseren Füßen liest du hier. […]

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