Heute kennen wir Plastik in allen erdenklichen Formen und Farben. Angefangen hat die Geschichte allerdings mit Magerkäse und Kautschuk. Die wichtigsten Meilensteine der Plastik-Geschichte im Überblick – eine Reise durch Klöster, Labore und Kinderzimmer.

Kunststoff besticht durch seine Vielfalt und Wandelbarkeit. Die Geschichte des Kunststoffs kennt unzählige chemische Formeln, erfinderische Kreationen und Zufallsentdeckungen. Für eine erste Orientierung haben wir zehn wichtige Meilensteine zusammengestellt – hier erstmal im Überblick, bevor wir die spannendsten Geschichten weiter unten erzählen.

1530 – Rezeptur für Kunsthorn auf Grundlage von Kasein (Milcheiweiß)

1839 – Herstellung von Gummi

1868 – Entwicklung von Celluloid (erster thermoplastischer Kunststoff)

1907 – Druck-Hitze-Patent: Herstellung des phenoplastischen Kunststoffs Bakelit

1958 – Produktion von Lego

1959 – Produktion von Barbie-Puppen

1973 – Einführung von PET-Getränkeflaschen (Polyethylenterephthalat)

1980 – Erste Implantation von künstlichem Herz aus Polyurethan

1988 – Einführung von Recycling-Symbolen für Kunststoffe

1990 – Erfolgreiche Recyclingversuche von PET-Flaschen in den USA

Plastik – a long way to go

Die erste Grundlage, die große Ähnlichkeit mit der Produktion von Plastik hatte, legte ein bayrischer Mönch schon vor knapp 500 Jahren. Der vielseitig interessierte Benediktiner Wolfgang Seidel entdeckte, dass erhitzter Magerkäse formbar wird und im kalten Zustand sowohl seine Härte zurückgewinnt als auch seine neue Form beibehält. Eine revolutionäre Erkenntnis, die viele Möglichkeiten schuf, Naturhorn durch Kunsthorn zu ersetzen. Vor allem Schmuck oder Trinkgefäße fertigte man im Spätmittelalter aus dem Kunsthorn.

Den ersten richtigen Meilenstein der Plastik-Geschichte erreichte man jedoch erst im 19. Jahrhundert. Charles Goodyear legte einen der Grundsteine für viele Kunststoffprodukte. Durch einen wissenschaftlichen Zufallsfund fand er heraus, wie man Gummi herstellt – und zwar mithilfe der Vulkanisation, einem Verfahren, bei dem Naturkautschuk in elastisches Gummi überführt wird. 1844 ließ er diese Entdeckung patentieren. Mit diesem Wissen stellte er im folgenden Jahrzehnt primär Gummischuhe und Zelte her. Auf der ersten Weltausstellung in London 1851 präsentierte er dann Haushaltsgegenstände und Möbel aus Gummi. In Anwesenheit von Napoleon III. wurde er hier für seine Arbeit geehrt.

Knapp 30 Jahre nach der ersten Herstellung von Gummi entwickelte der Chemiker und Erfinder John Wesley Hyatt mit Celluloid den ersten thermoplastischen Kunststoff im Jahr 1868. Damit war er jedoch nicht der erste der Celluloid produzierte, denn der Erfinder Alexander Parkes war ihm zuvorgekommen. Dieser hatte 13 Jahre zuvor bereits Celluloid hergestellt, war damit aber weniger erfolgreich. Der Grund? Sein hergestellter Kunststoff war nicht stabil genug. Hyatts Antrieb war es, einen Kunststoff zu entwickeln, der das teure Elfenbein ersetzen konnte: Mit der erfolgreichen Stabilisation von Celluloid erreichte er dieses Ziel und fertigte fortan Billardkugeln und künstliche Gebisse.

Einen weiteren Meilenstein erreichte Leo Hendrik Baekeland: Mit dem nach ihm selbst benannten Bakelit erfand er den ersten Kunststoff, der nur synthetische Moleküle enthielt. Das Patent für sein Druck-Hitze-Verfahren bekam er im Jahr 1907. Mithilfe dieses Prozesses konnte er das Kunstharz aus Phenol und Formaldehyd durch Druck und Hitze variabel formen. Verwendet wurde der Kunststoff vor allem für Haushaltsgegenstände und Gehäuse für Radios, Lichtschalter und Steckdosen. Bakelit nutzte man jedoch auch in Karosserieteilen für Autos oder Waffen.

Von Spielwaren zu Medizintechnik

Wie an der bisherigen Entwicklung erkennbar ist, weitete sich der Einsatzbereich von Kunststoff immer weiter aus. In den 1950er Jahren erreichte Plastik dann auch die Spielwaren-Industrie. 1958 erfolgte die erste Herstellung von Lego-Bausteinen und im Jahr darauf die erste Produktion der berühmten Barbie-Puppen. Doch nicht nur zum Spaß konnte Plastik viel beitragen, auch die Verpackungsindustrie revolutionierte der Kunststoff. Im Jahr 1973 kamen die ersten Getränkeflaschen aus Polyethylenterephthalat – kurz PET – auf den Markt. Besonders durch die Zwei-Liter-Coca-Cola-Flaschen, die fünf Jahre später die Welt eroberten, waren die Kunststoff-Flaschen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Medizintechnik hat Kunststoff für Furore gesorgt: 1980 wurde das erste künstliche Herz implantiert. Gefertigt wurde es aus Polyurethan und auch heute setzen Forscher*innen noch große Hoffnung in den Einsatz von Polyurethan bei Kunstherzen.

Umschwung ab den 1980ern

Innerhalb der Entwicklungsgeschichte von Plastik gab es ab den 1980ern eine große Veränderung: Bis dahin suchte man vor allem nach neuen Ausgangsstoffen, nun bestimmten neue Syntheseverfahren die Plastik-Entwicklung. Mit diesen Verfahren verfolgte man das Ziel, Kunststoffe für spezielle Anwendungsbereiche zu formen und zu perfektionieren. Ende der 1980er Jahre trat dann ein Ziel ins Bewusstsein, das bis heute eine zentrale Rolle spielt: die Reduktion der Umweltbelastung. Ein erster großer Schritt war die Einführung von Recycling-Symbolen für Kunststoffe im Jahr 1988, weitere folgten beispielsweise 1990 durch erste Recyclingversuche

Deutschland und Recycling – gute Freunde?

Auch in Deutschland wuchs zu Beginn der 1990er Jahre das Bewusstsein für die Trennung und das Recycling von Plastik. Ein Resultat der deutschen Verpackungsordnung aus dem Jahr 1991 war der sogenannte „Grüne Punkt“ – sobald Verbraucher*innen diesen auf einer Verpackung sahen, konnten sie diese in den Gelben Sack werfen. Was solche Recycling-Innovationen gebracht haben? Im Jahr 2019 lag der prozentuale Anteil recycelter Kunststoffe in Deutschland bei 55,2 Prozent. Damit ist Deutschland in Europa unter den Spitzenreitern in Sachen Kunststoff-Recycling. Trotzdem ist natürlich noch viel Luft nach oben, sodass am 1. Januar 2019 das Verpackungsgesetz verabschiedet wurde. Dieses hat eine Recyclingquote von Kunststoff von 58,5 Prozent als Ziel. Geplant ist es, diese Quote im Jahr 2022 auf 63 Prozent zu erhöhen.

Was für eine Geschichte! An Meilensteinen fehlt es Plastik definitiv nicht: Mit innovativen Erfindungen und cleveren Köpfen hat es der Kunststoff geschafft, langsam in vielfältigen Bereichen in unser Leben zu kommen und ist heutzutage nicht mehr wegzudenken.

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