Wer kennt sie nicht, die grünen Ziffern der Matrix, die den Bildschirm runterlaufen. Und nicht nur hier spielt die Farbe Grün eine wichtige Rolle. Auch alle Szenen, die sich in der Matrix abspielen, sind von einem Grünstich durchzogen. Sogar Sushi hat damit zu tun – und das ist garantiert kein Fehler in der Matrix!

Blaue oder rote Pille? Vor dieser Entscheidung steht Protagonist Neo im ersten Teil der Matrix-Trilogie. Neo arbeitet als professioneller Hacker und wird von dem seltsamen Gefühl begleitet, dass sein Leben von etwas Geheimnisvollem gelenkt wird. Im Film trifft er dann auf Morpheus, welcher ihn vor die Wahl stellt: Nimmt er die blaue Pille, wird sich für ihn nichts im Leben ändern. Die rote Pille eröffnet ihm die Wahrheit über sein Leben. Neo entscheidet sich für die rote Pille und erwacht kurz darauf in der Realität: Sein echter Körper befindet sich in einer Art Brutkasten in einer riesigen Zuchtanlage für Menschen. Er muss feststellen, dass seine eigentliche Realität bloß eine Computersimulation – die Matrix – ist. Seine Welt war bloß eine vorgetäuschte Freiheit, alles bloß Sklaverei.

Warum Grün?

Mit der Frage nach der roten oder blauen Pille macht der Film bereits auf seine besondere Farbsymbolik aufmerksam. Der große Erfolg des Kultfilms der Wachowski-Geschwister kam auch durch seine besondere Optik zustande. Durch den Film zieht sich eine Ästhetik des Düsteren, die Farben Grün und Schwarz sind vorherrschend. Sofort denken wir an die grünen Ziffern im Matrix-Code. Schon im Vorspann des Films wird uns die Welt der Zahlen und Codes eröffnet. Wir tauchen förmlich darin ein. Aber welche Bedeutung kommt der Farbe Grün zu?

Neo im Verhörraum der Matrix – alles grün © Screenshot aus „Matrix“

Der Look soll vor allem an die alten Computermonitore aus den 80er-Jahren erinnern, die anfangs nur Grün auf Schwarz darstellen konnten. Jedoch sind nur die Szenen in der Matrix von einem Grünstich durchzogen. So wird verdeutlicht, dass die gesamte Welt der Matrix bloß eine Computersimulation für die Menschen ist. Aufgrund der grünen Farbgestaltung sehen wir diese Welt wie durch einen Computerbildschirm. In der Farbpsychologie steht Grün auch für Verfall, Krankheit und Tod – genau das, was die Matrix mehr oder weniger für ihre Bewohner bedeutet.

Grün könnte auch für Gefahr stehen, was in einigen Szenen zu beobachten ist: Zu Beginn des Films findet eine Kampfszene statt. Hier verprügelt Trinity – eine weitere Hackerin aus der realen Welt – die Polizisten. Diese „Polizisten“ stellen sich später als die bösen Agenten heraus, die als Schutzprogramme in der Matrix funktionieren. In dieser Szene ist ein grüner Farbton vorherrschend. Noch deutlicher wird das in einer Verhörszene mit Neo, hier scheint der gesamte Raum in Grün gehalten zu sein. Zudem trägt Morpheus eine grünliche Krawatte, als er in der Matrix gefangen genommen wird. All diese Situationen sprechen dafür, dass die Farbe Grün im Film für nichts Gutes steht.

Grün und Blau als visuelle Abgrenzungen

Bläuliche Farben in der realen Welt © Screenshot aus „Matrix“

Die Wachowskis setzen in „Matrix“ Farben vor allem ein, um bestimmte Szenen inhaltlich zuordnen zu können. Der Einsatz von Grün dient hier als visuelle Abgrenzung zur realen Welt der Rebellen, die durch einen Blaustich gekennzeichnet ist. Alles wirkt ein wenig kalt, verlassen, düster und alt. Die reale Welt im Film ist zudem von einem artifiziellen Rot durchzogen, das immer wieder die ganz besonderen Szenen herausstellt. Besonders in „Matrix Reloaded“ und „Revolutions“ sind die tragenden Farben Grün und Blau ein steter visueller Begleiter. Aber auch im ersten Teil der Trilogie ist die Abgrenzung zwischen beiden Welten durch die beiden Farben erkennbar, vor allem in der bereits erwähnten Szene, in der Neo in der realen Welt aufwacht.

Es herrscht eine Ambivalenz zwischen den symmetrischen Formen der Matrix und dem organischen Look der realen Welt, was sich in der Farbgebung widerspiegelt. Grün gilt dabei als Farbe der Illusion und ist das visuelle Erkennungsmerkmal des Matrix-Universums. Die grün gefilterten Welten erzeugen einen Eindruck von Künstlichkeit. Die Künstlichkeit der Realitätsinszenierung lässt den Zuschauer seine eigene Form der visuellen Realitätsbetrachtung reflektieren, wie es der Medienwissenschaftler Veit Etzold beschreibt. Damit wird auf die eigentliche Aussage des Films hingearbeitet: die Ambivalenz des Realen.

Die Matrix als grüne Geisterwelt

Laut Etzold könnte man annehmen, die Computerästhetik der 80er-Jahre wird in „Matrix“ als grüne Geisterwelt neu inszeniert. Das ganze Matrix-Universum erscheint wie eine andere, fremde Welt. Es laufen Personen in Lederoutfits und Sonnenbrillen durch eine Art Raumschiff und konstruieren eine computerbasierte Welt, indem sie grüne Ziffern auf einen schwarzen Bildschirm tippen. Morpheus hebt sich mit seiner grellgrünen Krawatte über seinem schwarzen Hemd ab wie ein grüner Cursor von einem schwarzen Bildschirm. Agenten irren wie grüne Gespenster durch die Datenwege. Immer wieder dringen wir förmlich in den Bildschirm ein und fahren wie durch einen Tunnel in die unheimliche Existenz einer virtuellen Realität. Die Matrix strahlt eine nicht greifbare, virtuelle Macht aus. Diese Macht ist vergleichbar mit dem abstrakten, nicht körperlichen und nicht zu tötenden Bösen, das wir aus dem Horrorfilm kennen.

„Der Nachtmahr“ in grüner Geisterfarbe      © Städel

Das visuelle Erbe der Farbe Grün als ‚Geisterfarbe‘ finden wir bereits bei Johann Heinrich Füsslis Gemälde „Der Nachtmahr“ von 1781. Dort sehen wir die Umgebung in grünes Kolorit getaucht. Auch die Mumie in John Sinclairs „Mummy“ stolpert uns grellgrün entgegen. Die Festung Minas Morgul in „Herr der Ringe“ erleuchtet ebenso in gespenstischem Grün. Für das Jahr 2022 ist übrigens ein neuer Teil der „Matrix“-Reihe angekündigt. Mal schauen, was hier die Farbgestaltung für uns bereit hält!

Kein Sushi – keine Matrix?

Und was haben die grünen Symbole des Matrix-Codes nun mit Sushi am Hut? 2017 führte CNET ein Interview mit Simon Whiteley, dem Creator des Matrix-Codes. Er erzählt, dass sich die Wachowskis für das Design des Matrix-Codes etwas Altmodisches und Traditionelles im japanischen Design wünschten. Da Whiteleys Frau Japanerin ist, übertrugen sie ihm die Aufgabe. Als er nach Hause kam, suchte er in japanischen Kochbüchern nach Inspiration. Vor allem ein Rezeptbuch fiel ihm dabei ins Auge. Und die darin enthaltenen Rezepte dienten als Grundlage für das, was schließlich zum ikonischen Code des Films werden sollte. In den folgenden Wochen entwarf und bemalte Whiteley jeden einzelnen japanischen Buchstaben in mühevoller Handarbeit. Diese wurden dann digitalisiert, damit sie kaskadenartig über den Bildschirm laufen konnten.

„I like to tell everybody that The Matrix’s code is made out of Japanese sushi recipes. Without that code, there is no Matrix” – Simon Whiteley

Das komplexe System des Matrix-Code ist also nicht mehr als eine Ansammlung an Sushi-Rezepten. Diejenigen, die ihn lesen können, wissen also nicht, was in der Matrix passiert. Sie könnten sich im besten Fall ein nettes Abendessen daraus machen.

 

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4 Kommentare
  1. Theresa Heil
    Theresa Heil sagte:

    Die Bedeutung von Farbe im Film ist echt ein spannendes Thema! Da stecken immer so viele Gedanken dahinter und man denkt als Zuschauer oft gar nichts so sehr darüber nach. Der Artikel ist sehr interessant zu lesen und schön geschrieben!

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  2. Sandra Amberg
    Sandra Amberg sagte:

    Die Matrix-Filme habe ich schon öfters gesehen und diese ausgeklügelte Farbsymbolik ist mir bisher nicht aufgefallen. Die FIlme kann ich jetzt nochmal ganz neu genießen, danke dir! Übrigens auch sehr schön geschrieben!

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  3. Johanna Hiesl
    Johanna Hiesl sagte:

    Ein sehr spannender und aufschlussreicher Beitrag. 🙂 Besonders gut gefällt mir wie der Bogen geschlagen wird von der Einführung der Farbsymbolik der roten und blauen Pillen über die Farbpsychologie, den grünen Computerbildschirmen bis hin zur Sushi-Matrix. Darüber habe ich mir beim Schauen noch nie Gedanken gemacht.

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  4. Johanna Jordan
    Johanna Jordan sagte:

    Wirklich faszinierend, wie Farben unsere Wahrnehmung auch unterbewusst beeinflussen können. Beim Lesen musste ich gleich an den Film „In Time – Deine Zeit läuft ab“ denken. Dabei ist auf dem Unterarm der Menschen eine Zeitangabe zu sehen, die verrät, wie lange die Menschen noch zu leben haben. Und wer hätte es gedacht, die Ziffern der ablaufenden Zeit sind grün. Wenn man darauf achtet, fallen einem wirklich viele spannende Farbdetails beim Schauen auf. Danke für deinen informativen Beitrag 🙂

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