Was ist besser: ein großes Team oder lieber eine kleine Gruppe? Wie groß sollte ein Team optimal sein? Man würde behaupten, je größer das Team ist, desto mehr Ideen gibt es. Aber für die Qualität der Ideen und die Leistungsfähigkeit ist die Größe nicht immer entscheidend. Es beginnt mit der Frage: „Bringt viel auch viel?“

„Bringt viel auch viel?“ ist die Frage, über die wir nachdenken sollten. Stell dir eine Situation vor, in der eine Frau in einer U-Bahn durch eine Äußerung beleidigt wird. Wann würdest du ihr helfen? Für mich ist die Antwort folgende: Ich würde der Frau helfen, wenn sie den Blick gezielt auf mich wirft und es in meiner Nähe nur wenige Fahrgäste gibt. Ich würde hingegen weggehen, wenn viele Menschen um mich herumstehen. Denn: Warum soll gerade ich jetzt helfen? Es gibt viele andere Leute, die vielleicht besser helfen können als ich.

Bist du leistungsfähig in deinem Team?

Bei der Studie „kleine Gruppe vs. große Gruppe“ zeigen die Ergebnisse deutlich: Jeder Einzelne leistet in einer Großgruppe weniger im Vergleich zu kleinen Gruppen. Zwar ist es nicht unbedingt so, dass alle Mitglieder nichts tun und ihre eigenen Aufgaben nicht mehr übernehmen. Es ist nur so, dass wir dazu tendieren, weniger zu leisten, wenn wir mit vielen Leuten zusammenarbeiten. Wie bei der Frau in der U-Bahn verstecken wir uns lieber in der Menge.

In kleinen Gruppen hingegen zeigten die Probanden weniger Stress und ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl (z.B. Test von der Universität Hildesheim). Denn in den kleinen Gruppen identifizieren sich die Mitglieder schneller mit den anderen Personen. Es kommt in kleinen Gruppen leichter zu einem Teamgefühl als in Großgruppen. Das Gefühl trägt wiederum dazu bei, dass sich die Mitglieder wohl fühlen und damit auch leistungsfähiger und erfolgreicher sind.

Weniger Verantwortung, aber mehr Zeit für die Kommunikation

In Großgruppen suchen wir uns unsere Arbeit auch weniger aktiv, weil es nicht unsere eigene Arbeit und nicht unsere alleinige Verantwortung ist, die Arbeit zu erledigen. Die genaue Grenze der Verantwortung in Großgruppen ist nicht klar. Die Arbeit in einer Gruppe ist grundsätzlich begrenzt. Wenn es nur wenige Mitglieder gibt und jeder damit eine zuständige Arbeit hat, ist das Verantwortungsgefühl viel stärker.

In großen Teams kommen die Einzelnen auch seltener zu Wort. Es gibt immer jemanden, der nicht so kommunikationsfähig oder auch schüchtern ist und seine eigene Meinung nicht vor vielen Leuten äußern möchte. Wenn die Arbeit nicht im Team erledigt werden muss, existiert diese Verlegenheit nicht. Zeitlich lassen sich diese Probleme in kleinen Gruppen besser lösen: In großen Teams muss viel kommuniziert werden. Bei acht Personen existieren schon 28 Kommunikationsbeziehungen. Wenn eine Beziehung durchschnittlich zehn Minuten dauert, vergehen schon knapp fünf Stunden. Die Teambesprechungen dauern damit entsprechend länger als in den kleinen Gruppen, bis alle Meinungen gehört wurden.

Wenn wir nach Praktika suchen, sehen wir, dass Teamfähigkeit in fast jeder Stellenanzeige steht. Manche Leute sagen, sie hassen Teamwork und sind auch nicht teamfähig. Der Medientheoretiker Nobert Bolz hat geschrieben: „Teamwork ist ein Euphemismus dafür, dass die anderen die Arbeit tun.“ Aber wenn es um eine kleine Gruppe geht, in der alle Arbeit klar aufgeteilt ist und jeder eigene Verantwortung übernimmt, kann Teamwork auch schön sein. Denn die entscheidende Frage von Teamwork ist immer, ob 1+1>=2 oder 1+1< 2.

Ist deine Teamgröße auch optimal?

Aber wie klein ist klein und wie groß ist groß? Dafür gibt es keine genauen Kriterien. Es kommt darauf an, wo und woran wir arbeiten. Ob wir unsere Gruppen verkleinern sollten, können wir leicht durch die folgenden Fragen überprüfen: Kann ich alle Gruppenmitglieder mit Namen aufzählen? Komme ich in dieser Gruppe auch zu Wort? Wird meine Kompetenz in der Gruppe gebraucht? Geht eine Terminvereinbarung schnell? Haben wir alle eine für uns optimale Teamgröße im Kopf. Aus meiner Sicht sind drei Personen die optimale Größe für eine Gruppe.

Jeder von uns weiß, wie schwierig es ist einen Termin zu finden, zu dem alle Gruppenmitglieder kommen können. Je weniger Mitglieder eine Gruppe hat, desto schneller steht auch der Termin. Aber wenn sich große Gruppen nicht vermeiden lassen, können sich auch hier kleine Untergruppen bilden, also Teams im Team. Nur so kann vermieden werden, dass die Arbeit nicht auf andere Mitglieder abgewälzt wird. Aber sobald wir in einer Gruppe zu viel Stress ausgesetzt sind und es uns psychisch damit nicht gut geht, sollten wir uns – egal wie groß die Gruppe ist – fragen, ob es keine andere Möglichkeit gibt, die Arbeit zu erledigen. Die eigene Gesundheit geht immer vor Teamwork.

 


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2 Kommentare
  1. Lioba Wunsch
    Lioba Wunsch sagte:

    Schöner Beitrag! 🙂 Kleine Gruppen finde ich auch definitiv besser, um effektiv zu arbeiten. Das beginnt schon bei der Terminfindung, die oft in endlosen WhatsApp-Diskussionen endet. Je mehr Leute sich koordinieren müssen, desto schwieriger wird es – ein Thema, mit dem wir uns durch den Master wohl mittlerweile alle bestens auskennen. Aus deinem Beitrag kann man für zukünftige Gruppenarbeiten viel mitnehmen. Vielen Dank dafür! 🙂

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  2. Larissa Dahner
    Larissa Dahner sagte:

    Sehr spannendes Thema. Ab einer gewissen Gruppengröße wird es einfach nur anstrengend und stressig sich zu koordinieren, geschweige denn Termine zu finden oder sich abzustimmen. Daher halte ich eine Gruppengröße von 3-6 Leuten für perfekt, auch wenn es da schon zu Schwierigkeiten kommen kann.
    Aber davon abgesehen ist Gruppenarbeit auch immer Typsache, es gibt viele Leute die damit nicht klar kommen oder einfach nur für sich selber arbeiten.

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