Nachhaltigkeitsinfluencerin Charlotte Schüler hat bereits zwei Bücher zu plastikfreiem Leben veröffentlicht.

Charlotte Schüler lebt so gut wie plastikfrei und das schon seit acht Jahren. Im Interview erzählt die Münchnerin von ihrem Beruf als Nachhaltigkeitsinfluencerin und wie sie dazu kam, auf Plastik zu verzichten. Außerdem gibt sie Tipps, wie ein plastikfreier Alltag gelingen kann.  

2015 gründete Charlotte Schüler den Blog “Plastikfreileben”, ein Jahr später folgte der eigene Instagram-Kanal. Mittlerweile begleiten über 40.000 Instagram-Follower*innen die 27-Jährige in ihrem fast plastikfreien Alltag. Nachhaltigkeit ist zu ihrem Spezialgebiet geworden, fokussiert hat sich die Bloggerin und Autorin im Speziellen auf das Thema Plastikvermeidung. Dazu hat sie auch bereits zwei Ratgeber-Bücher veröffentlicht.  

Ein fröhliches Hallo klingt durch mein Telefon. Charlotte fühlt sich wohl in ihrem Spezialgebiet, das merke ich schon am Anfang unseres Gesprächs. Umso gespannter bin ich, was sie mir über ihren nahezu plastikfreien Alltag zu erzählen hat.

Plastikfrei leben – das geht doch gar nicht. Was sagst du, wenn du solche Aussagen hörst? 

Was ich an diesen Aussagen besonders schade finde, ist der Fokus auf das Negative. Dabei sehe ich das plastikfreie Leben eher als ein Ideal, also als etwas, das ich gerne mache oder gerne machen würde. Ich habe beispielsweise eine genaue Vorstellung darüber, warum ich gerne plastikfrei lebe. Dadurch fällt es mir nicht schwer, auf Plastik zu verzichten. Ganz konkret würde ich auf eine solche Aussage antworten: Nimm dir ausreichend Zeit, um deinen Alltag umzustellen. Man kann sich dem Ganzen nämlich in Ruhe und Stück für Stück annähern. Da darf man dann auch mal scheitern. Denn im Grunde geht es doch eigentlich darum, im Alltag zu überlegen, was ich ändern kann und wo ich Plastik durch plastikfreie Alternativen ersetzen kann. Ich finde diesen Blick für die alltäglichen Dinge zu gewinnen, das kann jeder. Und sich dabei nicht entmutigen zu lassen, auch wenn es mal nicht gleich hinhaut. Meiner Meinung nach zählt jedes eingesparte Plastikteilchen.  

„Ich wollte das nicht mehr nur für mich machen, sondern auch anderen Menschen davon erzählen.“

Wie bist du eigentlich dazu gekommen, auf Plastik in deinem Alltag zu verzichten?

Das kam vor allem durch meine Mama, die in München einen plastikfreien Laden aufgemacht hat. Ich fand die Produkte in ihrem Laden cool und habe sie dann auch fleißig getestet. Dann habe ich eigentlich auch relativ schnell gemerkt, wie gut ich Plastik in meinem Alltag vermeiden kann und dass mir dadurch auch nichts fehlt. Ich bin beispielsweise auf eine Edelstahltrinkflasche umgestiegen und habe statt Zahnpasta oder flüssigem Shampoo feste Alternativen ohne Plastikverpackung verwendet. Und dann wollte ich das nicht mehr nur für mich machen, sondern auch anderen Menschen davon erzählen und sie inspirieren. Deshalb hab ich vor rund acht Jahren einen Instagram-Account erstellt und angefangen, meine Follower-Community bei meinem fast plastikfreien Alltag mitzunehmen. Ich wollte einfach gerne zeigen, wie ein Leben ohne Plastik und ohne große Einschränkungen aussehen kann. 

Und wie sieht dieser Alltag aus?
Trockene Lebensmittel einfach im Unverpackt-Laden einkaufen – so spart ihr reichlich Plastikverpackung.

Ein Tipp von Charlotte: Trockene Lebensmittel einfach im Unverpackt-Laden einkaufen – so spart man reichlich Plastikverpackung. © Charlotte Schüler

Ein ganz normaler Tag sieht für mich in etwa so aus: Zuerst putze ich mir mit meiner Bambuszahnbürste und Zahnputztabletten die Zähne, dusche mich mit festem Duschgel und Shampoo und schminke mich anschließend mit fester Foundation und nachfüllbarem Lippenstift. Mein Puder ist beispielsweise auch in einer kleinen Pappschachtel. Trockene Lebensmittel kaufe ich meistens unverpackt ein und ergänze das Ganze durch frische Sachen wie Obst und Gemüse, die es nicht mehr in den Supermarkt geschafft haben oder dort übriggeblieben sind. Ein anderer Teil meines Alltags ist dann natürlich auch noch mein Job als Content Creatorin. Hier nehme ich meine Follower-Community in meinem Alltag mit, mache beispielsweise DIYs zu plastikfreien Alternativen und teste neue Produkte. 

„In schwierigen Situationen überlege ich mir, ob sich das Plastikteilchen mit dem Nutzen des Produktes aufwiegt und wenn es das tut, dann ist es für mich total okay.“

Hand aufs Herz: Fällt es dir manchmal auch schwer, auf Plastik zu verzichten?

Ja, da gibt es auf jeden Fall Situationen. Gerade im Bereich von Technik und Medizin komme ich oftmals nicht drum herum, da die Produkte nun mal aus Plastik bestehen – wie etwa meine Kontaktlinsen. Aber das finde ich nicht schlimm, denn das gehört für mich auch einfach zur Realität dazu. In solchen Situationen überlege ich mir dann, ob sich das Plastikteilchen mit dem Nutzen des Produktes aufwiegt, und wenn es das tut, dann ist es für mich total okay. Auch wenn ich reisen bin, fällt mir Plastikverzicht schwer, da ich auf meine Umgebung und deren Begebenheiten angewiesen bin. Aber man muss ja allgemein sagen, dass der Verzicht auf Plastik heutzutage einfacher geworden ist, denn was früher noch ein unangesehenes und seltenes Ökoprodukt war, steht heute in zehnfacher Ausführung im Drogeriemarkt um die Ecke 

Sag mal Charlotte, was stört dich an Plastik so richtig?

(Lacht) Eigentlich das Gesamtkonzept. Plastik bleibt lange da, es kann nicht einfach entsorgt werden und es ist ein richtiger Chemiecocktail. Und vor allem finde ich die Verwendung von Plastik in der Industrie schwierig, da es hier noch keine wirklichen Richtlinien gibt, was in Plastik hineinverarbeitet werden darf. Das macht auch das Recycling von Plastik schwierig. Und die gesamte Tierwelt leidet sehr unter Plastik. 

„Tut euch mit Freunden und Freundinnen zusammen und probiert gemeinsam plastikfreie Alternativen aus.“

Deine Tipps und Tricks für einen plastikfreieren Alltag?

Das Badezimmer eignet sich besonders, um weniger Plastik im Alltag zu verwenden. Es gibt beispielsweise feste Shampoos und Gesichtsseifen oder Zahnputztabletten ohne Plastikverpackung. © Charlotte Schüler

Vor allem im Badezimmer kann man gut anfangen. Da gibt es mittlerweile richtig viele Produkte, die man einfach mal ausprobieren kann. Mein Tipp ist hier immer: Tut euch mit Freunden und Freundinnen zusammen und probiert gemeinsam plastikfreie Alternativen aus. Beispielsweise kann man festes Shampoo oder Duschgel in der Hälfte zerschneiden und teilen. Wichtig ist meiner Meinung nach, offen zu sein und nicht aufzugeben, wenn ein Produkt mal nicht funktioniert. Deshalb finde ich es hilfreich, wenn man nicht zu viel auf einmal erwartet. Wenn etwas nicht funktioniert, mache ich einfach an einer anderen Stelle weiter. Sobald etwas Zeit verstrichen ist, kann ich mich noch mal an diesen Bereich machen. Und beim Einkaufen empfehle ich immer, mit genug Aufmerksamkeit durch die Regale zu schlendern und aktiv nach Alternativen zu stöbern. Oder man nutzt Social Media und richtet sich eine kleine Merksammlung mit Produkten und Tipps ein. Wenn ich dann Lust und Zeit habe, kann ich bei meinem nächsten Einkauf etwas Neues ausprobieren. 

„Der Umgang mit Plastik wird noch bewusster.“

Ein kleiner Ausblick: Werden wir plastikfrei leben?

Ich glaube, dass sich weiterhin viel verändern wird, aber auf Plastik vollkommen zu verzichten, wäre utopisch. Aber der Umgang mit Plastik wird noch bewusster – da bin ich mir sicher. Ich denke, was früher aus Plastik war, wird in Zukunft immer seltener aus Plastik und dafür aus alternativen Materialien bestehen. 

Vielen Dank für das Gespräch, Charlotte!

Titelbild: @ Charlotte Schüler

 

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7 Kommentare
  1. Pauline Rothfuss
    Pauline Rothfuss sagte:

    Richtig spannendes Gespräch und eine Person, die ich auf Instagram noch gar nicht auf dem Schirm hatte! Wen sowas interessiert, muss auch unbedingt mal bei @louisadellert vorbeischauen, ihre Posts sind auch sehr informativ.

    Antworten
    • Katharina Sauer
      Katharina Sauer sagte:

      Fand das Interview auch super interessant und mir gings auch so wie Pauline! Kannte Charlotte davor auch noch nicht und hab gleich mal auf ihrem Instagram-Account vorbeigeschaut – werde den mal weiter verfolgen 🙂

  2. Lea Sachs
    Lea Sachs sagte:

    Das Thema und Interview fand ich total interessant! Die kleinen Tipps und Tricks für den Alltag werde ich mir auf jeden Fall merken und die Augen weiter nach plastikfreien Alternativen offenhalten:)

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  3. Anika Herzig
    Anika Herzig sagte:

    Ein sehr interessantes Interview über ein super spannendes Thema. Ich stelle mir einen plastikfreien Alltag bzw. plastikreduzierten Alltag wirklich schwer vor und finde die Tipps, die Nachhaltigkeitsinfluencerin Charlotte Schüler gibt daher wirklich sehr hilfreich und gar nicht so schwer umsetzbar.

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  4. Chiara Saltaformaggio
    Chiara Saltaformaggio sagte:

    Ich fand das Interview auch super interessant und finde die Mission von Charlotte echt beeindruckend! Ihre Tipps zeigen, wie einfach es sein kann auf Plastik im Alltag zu verzichten und ich werde mir einige davon merken 🙂 Ich habe sie tatsächlich auch noch nicht gekannt, folge ihr aber dank des Blog-Beitrags nun auch!

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  1. […] in den Händen dieser Menschen liegt. Die Zeit ist gekommen, dass wir uns verantwortlich fühlen und unseren Alltag und somit den Konsum unser Gesellschaft so ändern, dass keine Kinder mehr auf Plastikmüllhalden aufwachsen […]

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