Lavalampen, Schlaghosen und Plateauschuhe: Der Zeitgeist der schrillen Siebziger ist geprägt von dynamischen Umbrüchen und einer grenzenloser Experimentierfreude. Besonders die Hit-Songs des vergangenen Jahrzehnts transportieren das vorherrschende Lebensgefühl. Zeit für eine musikalische Reise zu sieben erfolgreichen Traum-Hits – von naiven Utopien, spirituellen Eingebungen, gemeinsamen und einsamen Träume bis hin zur Freiheit des Träumens.

In den rauschhaften Sechzigern sangen Künstler*innen wie Janis Joplin, Jimi Hendrix und die Beatles vom Traum von Freiheit, Frieden und Liebe und lieferten damit den Treibstoff für gesellschaftliche Bewegungen einer ganzen Generation. Mit der pünktlich zur Jahrzehntwende abflauenden Hippie-Welle geht die Ära der Sechziger zu Ende. Die Menschen kehren sich von alten Illusionen ab und eine neue Freiheit regt zum Träumen an – auch die Künstler*innen unserer traumhaften Playlist.

1. Moonage Daydream – David Bowie (1972)

I’m an alligator
Im a mama-papa coming for you
Im a space invader
Ill be a rock ’n’ rollinbitch for you.“ 

1972 veröffentlicht David Bowie sein Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars. Wie so oft schlüpft die internationale Pop-Ikone dafür in eine neue Rolle: diesmal in den von ihm kreierten Charakter des außerirdischen, bisexuellen Rockstars ‚Ziggy Stardust‘, den er im Glam-Rock-Song Moonage Daydream erstmals vorstellt. Im Song Five Years desselben Albums singt Bowie davon, wie Ziggy Stardust die Welt vor einer drohenden Katastrophe retten werde. Mit dieser Andersartigkeit der außerirdischen Figur, die scheint, als entspringe sie tatsächlich einem Traum, möchte Bowie etwas ganz Bestimmtes ausdrücken: Sie soll den Menschen zeigen, dass auch sie die Fähigkeit haben sich zu wandeln und die Verbesserung ihres Lebens nur auf der Erde selbst stattfinden kann. Bowie bezieht sich damit auf die in den Siebzigern verbreitete Umweltpanik und Aura technischer Innovationen. Diese wurden besonders durch die Apollo-Missionen und dem damit erfüllten Menschheitstraum der Raumfahrt verstärkt. Auch Bowies Neigung mit Außergewöhnlichem und Neuem zu experimentieren, treffen den Kern der Zeit. Obwohl der Song nicht zu Bowies größten Hits zählt, gilt Moonage Daydream mit seinem vielfach gelobten Gitarrensolo als ein Rockklassiker.

2. Dream On – Aerosmith (1973)

„Sing with me, sing for the year
Sing for the laughter and sing for the tear
Sing with me, if it’s just for today
Maybe tomorrow the good lord will take you away.“

Noch vor der Gründung der Band Aerosmith schrieb Frontmann Steve Tyler als Teenager am Song Dream On, der später auf Platz 173 der 500 größten Rolling-Stones-Hits aller Zeiten landet. Zu den berühmten Arpeggios der Gitarre in Dream On wurde er durch die Musik seines Vaters, einem klassischen Musiker, inspiriert. Indem er Steve mit den Worten „Dream On“ motiviere, beeinflusste sein Vater auch die Lyrik des Songs. In der Autobiografie der Band erklärt Tyler, dass der Song, der 1973 auf dem Album Aerosmith erscheint, von seinen musikalischen Zukunftsträumen handle. Der Text beschreibt die unkontrollierbaren Tatsachen des Lebens wie das Altern und Sterben. Trotzdem oder gerade deshalb – so die Botschaft von Aerosmith – solle man sein Leben in vollen Zügen leben und solange träumen, bis diese Träume wahr würden.

3. Dreamer – Supertramp (1974)

„Dreamer, you know you are a dreamer
Well, can you put your hands in your head? Oh no!
I said, dreamer, you’re nothing but a dreamer
Well, can you put your hands in your head? Oh no!“ 

Der Song Dreamer ist Teil von Supertramps 1974 erschienenem Konzeptalbum Crime of The Century, das die persönlichen Schwierigkeiten eines jungen Mannes behandelt. Genau wie Steven Tyler schrieb der Frontmann Rodger Hodgson diesen Hit schon lange vor seiner Veröffentlichung, mit nur 19 Jahren. Im Interview mit Goldmine Magazine erklärt er, wie der Song innerhalb einer Stunde förmlich aus ihm heraus explodierte, als er das erste Mal auf einem Wurlitzer Piano spielte. Er habe es im Haus seiner Mutter aufgebaut und einfach gesungen, was ihm in den Sinn kam. Im Song ist das lyrische Ich auf der Suche nach der Balance zwischen dem Träumen und der tatsächlichen Verwirklichung dieser Träume. Hodgson empfindet es als besonders, dass er als junger Musiker mit so vielen Bestrebungen und Träumen ausgerechnet mit Dreamer seinen ersten Hit gelandet hat. Auch noch fünfzig Jahre später wird der Titel im klassischen Rockradio auf der ganzen Welt gespielt.

4. #9 Dream – John Lennon (1974)

„So long ago
Was it in a dream, was it just a dream?
I know, yes I know
Seemed so very real, it seemed so real to me.“ 

Nachdem sich die Beatles pünktlich zur Jahrzehntwende getrennt haben, startet John Lennon eine erfolgreiche Solokarriere. Teil seines 1974 erschienenen Albums Walls and Bridges ist der Titel #9 Dream, dessen Text Lennon passenderweise tatsächlich im Traum gekommen ist. Das erklärt die Wiederholung des scheinbar sinnlosen Gesangs im Chorus: Ah! böwakawa poussé, poussé“. Obwohl er selbst keine Ahnung hat, welche Bedeutung diese Worte haben, schreibt und arrangiert Lennon den Song um seinen Traum herum, was diesem vor allem durch die Celli im Refrain eine traumhafte Atmosphäre verleiht. Genau wie Revolution 9 und One After 909 aus seiner Beatles-Ära verdankt der Song seinen Titel Lennons Faszination an der in seinem Leben immer wiederkehrenden Zahl Neun. Dahinter lässt sich eine Spiritualität vermuten, die besonders in den Siebzigern einen großen Aufschwung erlebt und häufig in Lennons Texten zu finden ist. So verwendet er beispielsweise in seinem Song God (1970) den spirituellen Ausdruck „Dream Weaver“, um den es auch in unserem nächsten Hit-Song geht.

5. Dream Weaver – Gary Wright (1975)

„I’ve just closed my eyes again
Climbed aboard the Dream Weaver train
Driver, take away my worries of today
And leave tomorrow behind.“
 

Der Progressive-Pop-Klassiker Dream Weaver erscheint 1975 auf dem fast gleichnamigen Album The Dream Weaver und gilt als Vorläufer des später stark verbreiteten Synthie-Pop. Beim Komponieren wird Gary Wright vom Buch Autobiographie eines Yogi von Paramahansa Yogananda (1946) inspiriert. Der Liedtext bezieht sich auf die spirituelle Idee, dass der Geist Träume webt. Wright soll sich nach der Lektüre den Titel „Dream Weaver“ in ein Notizbuch geschrieben und – als er es Jahre später wiederfindet – eine Gitarre genommen und den Song in einer Stunde geschrieben haben.

6. Dreams – Fleetwood Mac (1977)

„Now here I go again, I see the crystal visions
I keep my visions to myself
It’s only me who wants to wrap around your dreams
And have you any dreams you’d like to sell?
Dreams of loneliness.“ 

Stevie Nicks, Sängerin von Fleetwood Mac, komponiert Dreams, als sie sich mit einem Klavier im Nebenraum ihres Studios die Zeit während der technischen Vorbereitung der Musikproduktion vertreibt. Sie singt es den anderen Bandmitgliedern vor, die daraufhin beginnen, sie musikalisch zu begleiten. Alle sind sich einig, dass keine weitere Aufführung des Songs an diese erste Version herankommt. Der Song entsteht zu einer Zeit, in der alle Bandmitglieder turbulente Beziehungen erleben. Nicks und der damalige Sänger und Gitarrist der Band, Lindsey Buckingham, stehen mitten in ihrer Trennung, die sie in diesem Song verarbeitet. Der von ihm geschriebene Song Go Your Own Way kann als Gegenstück zu Dreams gesehen werden, die beide im Erfolgsalbum Rumors (1977) veröffentlicht werden. Heute wird der Song vor allem für seinen entspannten Sound geliebt: Im Jahr 2020 schafft er es nach über 40 Jahren wieder in die US-Charts, nachdem ein Video des Tiktok-Nutzers Nathan Apodaca viral geht. Darin fährt er zu Dreams auf einem Skateboard und trinkt genüsslich Cranberrysaft aus einer Flasche.

7. Dreaming – Blondie (1979)

„When I met you in the restaurant you could tell I was no debutante
You asked me what’s my pleasure, ‚A movie or a measure‘?
I’ll have a cup of tea and tell you of my dreamin’.“
 

Viele Songs von Blondie werden in den Siebzigern vom damaligen Paar, der Frontfrau Debbie Harry und Gitarrist Chris Stein, gemeinsam geschrieben. Er schlägt ihr Melodien oder Textideen vor und sie füllt die Lieder mit Geschichten. So entsteht auch der Song Dreaming: Er liefert ihr den Text „Dreaming is free“ und sie vervollständigt ihn mit einer Geschichte, in der das lyrische Ich in einem Restaurant angesprochen wird. Danach verläuft die Geschichte jedoch ohne roten Faden in verschiedene Richtungen weiter – wie in einem Traum springt ein Erlebnis zum nächsten. Im Chorus wird das Plädoyer fürs Träumen durch die Wiederholung von „Dreaming, Dreaming is free“ aufgegriffen. Dieses Festhalten am Träumen macht den Titel zu einem schönen Ohrwurm für den Übergang in das neue Jahrzehnt.

Am Ende unserer musikalischen Reise habt ihr Lust auf noch mehr traumhafte Hits bekommen? Dann hört doch mal in unsere Träume-Playlist auf Spotify rein:

Titelbild: © Unsplash  

 

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2 Kommentare
  1. Hannah Braun
    Hannah Braun sagte:

    Super zusammengestellte Playlist! Beim Titel musste ich natürlich auch sofort an Fleetwood Macs Dreams denken. Mir wäre hier noch 100 I Dream von Cat Stevens eingefallen, aber vermutlich gäbe es auch noch unzählige weitere traumhafte Songs aus den Siebzigern!

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  2. Jonas Drews
    Jonas Drews sagte:

    Für mich persönlich das beste Jahrzehnt der Musikgeschichte.
    Schöne diverse Track-Auswahl und guter Schreibstil auch wenn für meinen Geschmack zu wenig Progressive Rock vorkommt 😉

    Antworten

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