Steven Spielbergs Drama Die Verlegerin glänzt mit erstklassigen Schauspielern und behandelt ein Thema von brisanter Aktualität: die Pressefreiheit.

Ein prunkvoller Salon, ein Kronleuchter hängt glänzend über einem dunklen Holztisch. Sechs Männer in schwarzen Anzügen stehen um die einzige Frau im Raum, die in ihrem langen, weißen Kleid dasitzt und kaum zu Wort kommt. Sechs Anzugträger, die sie entweder nicht beachten oder eifrig auf sie einreden. Sie erhebt sich, bringt die Männerstimmen mit einer bestimmten Handbewegung zum Schweigen. Sie muss einen Entschluss mit möglicherweise schweren Folgen fassen: Die Story bringen oder nicht? Ihre zunächst unsichere Stimme wird immer fester, als sie sich zu Wort meldet: „Meine Entscheidung steht fest. Ich gehe jetzt ins Bett.“ Lächelnd dreht sie sich um und verlässt den Raum, die sprachlosen Männer zurücklassend.

Das Drama von Steven Spielberg, Die Verlegerin, lief im Februar 2018 in den deutschen Kinos an und gewann zahlreiche Preise: einen Oscar und einen Golden Globe als bester Film und eine Nominierung für das beste Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer. Meryl Streep erspielte sich in ihrer Rolle als Katherine „Kay“ Graham, als diese von Männern umringte Frau, einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Sie verkörpert in ihrem ganzen Auftreten den inneren und äußeren Kampf einer Frau in den 1970er Jahren, die sich der von Männern dominierten Welt, politischem Druck und der Zensur der Presse behaupten und für ihre Zeitung kämpfen muss.

Die Verlegerin erzählt die Ereignisse rund um die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere und konzentriert sich auf das Leben und die Memoiren Katherine Grahams sowie des damaligen Chefredakteurs der Washington Post, Ben Bradlee (Tom Hanks). Kays Vater Eugen Meyer hatte die Washington Post im Jahr 1933 erworben und sie zu einer renommierten Tageszeitung gemacht. Mit dem Selbstmord ihres Mannes, Phil Graham, der das Blatt 1946 übernommen hatte, steht Kay an der Spitze des Familienunternehmens. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und ist mit dem Kampf um Pressefreiheit von alarmierender Aktualität. Der deutsche Titel bezieht sich auf die 2001 verstorbene Kay, die als Erbin der Post, wie der Originaltitel lautet, die erste US-amerikanische Frau als Herausgeberin in einer leitenden Position war. Ob in Form von noch leerem Papier im Druck, ob als fertig gedruckte Zeitungsblätter in der Washington Post, ob als die zahlreichen Verträge die sie zu unterzeichnen hat oder ob in Gestalt der geheimen Pentagon-Papers: das Thema Papier ist dabei sowohl im Film, als auch rund um Kay allgegenwärtig.

Papier im Film: Die Pentagon-Papiere

New York, 1971: Der Vietnamkrieg ist, vier Jahre vor Kriegsende, noch in vollem Gange. Die Kriegsbeteiligung der US-Amerikaner ist noch hoch, als der Kriegsveteran und Mitarbeiter im Verteidigungsministerium Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) Informationen aus dem Ministerium stiehlt und kopiert. Die geheimen Pentagon-Papiere, The Papers genannt, sind eine 7.000-seitige Studie, durchgeführt im Auftrag des Verteidigungsministers Robert McNamara (Bruce Greenwood). Und eine Rechtfertigung des Weißen Hauses zum Krieg. Vier US- Präsidenten, von Nixon über Truman, Johnson und Kennedy, haben die Bevölkerung jahrelang zu den Kriegsmotiven und -geschehnissen belogen und im angeblichen Kampf gegen den Kommunismus einen seit Jahren verlorenen Krieg gerechtfertigt.

Nachdem die New York Times bereits einen Teil der Papiere veröffentlicht hat, muss diese sich vor Gericht behaupten. Als dem Chefredakteur der Washington Post die ganzen Papiere zugespielt werden, stehen er und Kay vor der Wahl. Es gilt, 7.000 Seiten mit Material und Informationen zu sichten. Dutzende Papierstapel, deren Seiten dicht beschrieben, mit kleiner Schrift bedruckt und völlig unsortiert sind. 7.000 Seiten gilt es zu lesen, sie in eine logische, chronologische Reihenfolge zu bringen und sie für die Leser in der Zeitung knapp und verständlich aufzubereiten. 7.000 Seiten – und das in einem kleinen, vertraulichen Redaktions-Team in weniger als einem Tag. Es geht um vieles: Einen Gerichtsprozess mit möglicher Gefängnisstrafe. Um Kays Vermögen und ihre Zukunft, um die der befreundeten Politiker, die der Mitarbeiter und des gerade an die Börse gegangenen Blattes. Es geht um Meinungsfreiheit, die Rolle der Tageszeitungen und die der Presse als ein unabhängiges Medium. Und um die Pentagon-Papiere. Papiere, mit deren Veröffentlichung ein Krieg enden könnte.

Eine Frau unter Männern

Dieser Zwiespalt spiegelt sich in der starken Figurendynamik zwischen der zunächst zaghaften Kay, die ihrer Rolle nicht gewachsen ist, dem ehrgeizigen Chefredakteur und Journalisten Ben, der eine große Story wittert, und den herausragenden Nebendarstellern in schwarzen Anzügen. Die Schauspieler ergänzen sich, glänzen in den Rollen und spiegeln mit Überzeugung den Konflikt wider – Ben auf Ebene des Journalismus, Kay auf der persönlichen, emotionalen: „Die Firma ist mein Familienbesitz, meine Tradition. Ich liebe diese Zeitung, sie ist mein Leben.“

Links: Katherine Graham mit der Washington Post in der Hand. Rechts: Maryl Streep als Kay in Die Verlegerin.

Trotz der wenigen, jedoch ausdrucksstarken Dialoge, trotz fehlender Action und Romantik, erzeugt der fast zweistündige Film mit der Musik von John Williams eine langanhaltende Spannung. Zeit-Online lobt die „doppelte Charakterstudie“ und „die glänzende Darstellung der Hauptcharaktere“, während die FAZ von einer ungeheuren Spannung spricht, ohne dass im herkömmlichen Sinn viel passiere. Spiegel Online bemerkt die „ästhetische und narrative Wirkungsmacht, die inspirierende Geschichtsstunde von aktueller Dringlichkeit“, die Welt „die gelungene Dekonstruktion eines Mythos.“

Die Entscheidung ist gefallen

„Lasst es uns tun,“ ruft Kay durchs Telefon, bevor sie Minuten später im weißen Kleid in den Raum schreitet, in dem die Anzugträger ihr die Entscheidung, die eine Frau angeblich nicht treffen könne, ausreden wollen. Sie setzt sich durch – und geht schlafen. Die Washington Post bringt den Artikel, das Blatt geht in den Druck, die Pentagon-Papiere sind überall zu lesen. „Das ist die Mission der Zeitung, herausragende Nachrichten und Berichterstattung. Sie verpflichtet sich dem Wohlergehen der Nation, den Prinzipien einer freien Presse“, erklärt die durch die Veröffentlichung der Papiere gestärkte Verlegerin. Kleine Blätter folgen ihrem Beispiel und die Washington Post gewinnt zusammen mit der New York Times den Prozess.

1971: Die Washington Post berichtet über den gewonnen Prozess rund um die veröffentlichten Pentagon-Papiere.

Die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere stärkten die Pressefreiheit und waren Grund für das Recht der Bürger, Einblicke in Regierungsdokumente zu bekommen. In Zeiten, in denen Begriffe wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ polarisieren, radikalisieren und die Rolle der Massenmedien in Frage gestellt wird, schwingt im Film ein dringlicher Appell, eine klare Kritik mit. „Die Verlegerin handelt von der Wichtigkeit einer unabhängigen Presse wie auch von der Rolle, die Frauen noch heute in der Wirtschaft zugestanden wird“, erklärt Steven Spielberg im Interview mit Der Welt. Der Arbeitstitel des Historiendramas lautete übrigens The Papers – und unterstreicht damit nicht nur die Relevanz der Tagesblätter, sondern auch die Macht des Papiers.

 

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2 Kommentare
  1. Ann-Christine
    Ann-Christine sagte:

    Wirklich spannend, wie aktuell die Thematik des Films zu sein scheint, obwohl die eigentliche Handlung schon weit in der Vergangenheit liegt. Neben des Konflikts um Presse- und Meinungsfreiheit finde ich vor allem den feministischen Aspekt interessant. Leider scheinen wir, was das angeht, auch heute noch nicht viel weitergekommen zu sein. Aktuelle Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind und oft nicht ernstgenommen werden. Auch wenn diese Erkenntnis natürlich traurig ist, werde ich mir den Film nun auf jeden Fall mal anschauen, allein schon wegen Meryl Streep als Hauptdarstellerin!

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  2. FredericaTsirakidou
    FredericaTsirakidou sagte:

    „I am asking for your advice – not your permission“. Nach deiner Rezension werde ich mir diesen Film auf jeden Fall mal anschauen. Die Mischung aus Biographie, politischem Drama und Emanzipation macht irgendwie Lust auf mehr. Der mangelnde Respekt gegenüber Frauen in der Berufswelt ist natürlich immer noch relevant. Als Frau muss man darauf achten nicht „zu weiblich“ zu wirken, um sich in der Männerwelt zu beweisen. Traurig! Zum Glück gibt es Frauen wie Katherine Graham, die gezeigt haben, dass Frauen genauso viel Respekt wie Männern zusteht. Auch ist es echt faszinierend wie Meryl Streep immer so unterschiedliche Rollen spielen kann und natürlich auch in diesem Film glänzt.

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