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Sie werden als Gespenster der Kriege, unsichtbare Soldat*innen oder Geister von Militärkonflikten beschrieben. Dort, wo Regierungen und internationale Konzerne nicht direkt intervenieren möchten, um ihr politisches Interesse zu schützen, werden private Soldat*innen geschickt. Die Söldner*innen bilden heute die größte Armee der Welt, von deren Aktivitäten kaum jemand weiß. Wer sind diese Gespenster der Kriege und was genau ist ihre Aufgabe? 

Gegenwärtige Söldner*innen

Lohnarbeit im Kontext Krieg wird seit jeher betrieben. Seitdem es Kriege gibt, taucht sie in der Geschichte in verschiedenen Formen auf. Heute funktionieren Söldnerunternehmen wie Blackwater nicht anders als andere wirtschaftliche Agenturen. Auf der Welt arbeiten mehr als 100 private Militärunternehmen, die zum Beispiel die sogenannte „Shadow Operations“ für verschiedene Regierungen realisieren. Der angebotene Dienstbereich ist sehr breit. Die Firma Trojan aus den USA bietet zum Beispiel die Überwachung von Containerschiffen in jeder Form an, auch in den berühmten Wassersektoren, die von Pirat*innen besetzt sind. Sehr häufig werden auch Schulungen angeboten, bei denen Professionalist*innen wie Blackwater-Soldat*innen mit Volkssoldat*innen zusammenarbeiten. Eines der berühmtesten Produkte ist der Intelligence Sector, der Aufklärungsoperationen anbietet. Da das sehr oft in den Bereichen Online und Elektronik stattfindet, sind die Daten geschützt. Inoffiziell weiß man, dass die Firmen in diesem Sektor über 20 Milliarden Dollar pro Jahr verdienen, indem sie z.B. Spionageaufgaben ausführen. Letztendlich bieten die privaten Militärunternehmen Lohn-Soldat*innen an, die in der Regel Kriege für große Regierungen führen – wie das auch im Irak der Fall war.

”Söldner sind Männer, die in den Krieg ziehen und für diejenigen kämpfen, die sie bezahlen“.

Invisible Soldiers [Unsichtbare Soldat*innen]

Nicht ohne Grund nennt man die Soldat*innen, die für Unternehmen wie Blackwater arbeiten, „Invisible Soldiers“. Ann Hagedom beschreibt das Thema sehr ausführlich in ihrem Buch „The Invisible Soldiers: How America Outsourced our Security“. Die Soldat*innen verdienen durchschnittlich 6.000 USD pro Monat und bekommen Sonderzahlungen für Operationen, bei denen alle Reise- und Übernachtungskosten von dem Unternehmen übernommen werden. Eine private Armee verursacht viel höhere Kosten als die Streitkräfte des Landes. Dennoch treffen Regierungen immer wieder die Entscheidung, die Aufgaben einer Outsourcingfirma zu übergeben.

„Insgesamt 138 Milliarden Dollar haben externe Dienstleister wie Blackwater im Irakkrieg damit verdient, das US-Militär in Sachen Sicherheit, Logistik und Wiederaufbau zu unterstützen.“

Bis heute bleibt der Status von privaten Militärunternehmen ein kontroverses Thema und ist nicht gesetzlich klar. Vor allem deshalb sind sie für uns „Gespenster des Krieges“. Da es private Unternehmen sind, kann z.B. ein Land wie die USA gesetzlich nicht zur Verantwortung für deren Aktionen gezogen werden. Unternehmen werden auch aus Sicht des Völkerrechts als private Dienstleister*innen angesehen und behandelt. Ihre Soldate*innen arbeiten bei ihren Operationen für eine Regierung nicht als nationale Soldat*innen, sondern als private Auftragnehmer*innen. Deshalb weiß man inoffiziell, dass diese auch für Regierungen und Korporationen Operationen durchführen, die an der Grenze der Legalität liegen.

Neben den juristischen und operationellen Unklarheiten gibt es noch die Perspektive der Soldat*innen. Sie bleiben „Geister des Krieges“ nicht nur wegen ihres unsichtbaren gesetzlichen Status. Vielleich ist ihr gesellschaftlicher Status hierbei wichtiger. Wenn ein Land „seine“ Soldat*innen zum Krieg schickt, löst das oft eine sehr laute soziale und mediale Diskussion aus. Regierungen entscheiden sich dafür, mehr Geld auszugeben und eine private Firma zu bezahlen, da es sie langfristig weniger kostet. Sie bekommen erfahrene Professionelle, die keine Schulung mehr brauchen und gesellschaftlich nicht als Soldat*innen betrachtet werden. Die Gesellschaft kennt sie nicht, meistens weiß niemand, dass sie für die Regierung kämpfen, und das betroffene Land weint nicht, wenn ihnen etwas passiert.

Söldner*innen haben in der Gesellschaft meist schlechtes Ansehen, da sie sich dafür entscheiden, aus finanziellen Gründen Kriege zu führen. Im Vergleich mit regulären Soldat*innen kommen einige Risikofaktoren zu ihrem Job dazu, denn sie dürfen nicht den Status von Kombattant*innen und Kriegsgefangenen haben. Wenn sie also von der anderen Seite verhaftet werden, sind sie auf sich gestellt. Sie werden nicht als „Menschen aus Fleisch und Blut“ betrachtet. Oft werden sie gar nicht berücksichtigt. Sie bleiben unsichtbare Figuren für Zivilisten, da sich die große Masse nicht mit ihnen identifiziert.

Die Gespenster-Soldaten bleiben eine bequeme Lösung für Regierungen und große Konzerne, die auf Skandale verzichten möchten und ihre Interessen leise umsetzen möchten. Blackwater und andere private Unternehmen tauchen ab und zu wegen mit Skandalen in den Medien auf, sie werden aber ziemlich schnell wieder vergessen. Das größte Problem bleibt bis jetzt, dass die Anzahl der Aufträge eigentlich nicht bekannt ist und Zivilisten keine Ahnung haben, für wie viele und für welche Operationen Söldner*innen angestellt werden. Sie gehören zum grauen Bereich des Krieges, die für die Massen unbekannte Politik bleiben. Wir wissen nicht wirklich, wo diese Gespenster sind oder was sie machen.