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Keine Zombie-Apokalypse, keine Aliens aus dem Weltraum – asiatische Horrorfilme bevorzugen es mit alltäglichen Dingen Alpträume zu verursachen. In diesem Longread werden drei klassische Filme aus verschiedenen Orten Asiens vorgestellt und erläutert, warum der Ursprung unserer Angst aus vertrauten Dingen entstehen kann. 

Ju-on: The Grudge 1 & 2 (Japan 2002, 2003)

Ju-on: The Grudge (2002)

Die Altenpflegerin Rika soll eines Tages ein Haus in Nerima, Tokyo, aufräumen und sich um eine alte Dame kümmern. Dort erlebt sie jedoch den Mord der alten Frau von einem hässlichen Geist und fällt in Ohnmacht. Nach und nach sterben viele ihrer Freunde aus ungewissen Gründen. Rika versucht eine Freundin zu retten, welche sich nach einem ihrer Schüler erkundigen will und deswegen sein Haus aufsucht. Jede Hilfe kommt jedoch zu spät. Auf der anderen Seite soll die Schauspielerin Kyoko als Moderatorin an einem TV-Programm über Mordhäuser teilnehmen. Nach und nach werden alle ihre Kollegen von einer blassen Frau umgebracht. Auch ihr Freund liegt eines Tages tot auf dem Boden ihres Wohnzimmers. Aber die Schwangere wusste gar nicht, dass es noch etwas Schlimmeres auf sie wartete.

Ju-on (japanisch 呪怨) bedeutet Fluch aus Groll. In den beiden Filmen werden zahlreiche kurze Geschichten nichtlinear erzählt. Alle Opfer, die von dem grausamen Geist Takeo getötet werden, haben direkte Kontakte mit dem Mordhaus oder Familienmitgliedern sowie zu Freunden, die das Haus betreten haben. Das Mordhaus gehörte vorher einer dreiköpfigen Familie: dem Mann Takeo, seiner Ehefrau Kayako und ihrem Sohn Toshio. Kayako war ein schüchternes und ungeselliges Mädchen und verliebte sich in ihren Mitschüler Kobayashi in aller Heimlichkeit. Sie verfolgte ihn und schrieb alles über ihn in ein Tagebuch. Diese exzentrische Frau heiratete Takeo, nachdem Kobayashi eine andere ehemalige Mitschülerin heiratete. Sechs Jahre nach der Geburt von Toshio wünschte Takeo sich ein weiteres Kind, aber gleichzeitig erfuhr er, dass er wahrscheinlich unfruchtbar ist. Anschließend fand er das geheime Tagebuch von Kayako. Aus Wut tötete er seine Frau und seinen Sohn auf ungeheure und brutale Weise. Als er sich an der Kobayashi-Familie rächen will, erscheint der Geist von Kayako. 

Der Fluch der Kayako-Familie scheint wie ein Virus zu sein. Niemand kann sicher sein, nachdem er oder sie absichtlich oder unabsichtlich dem bösen Geist begegnet ist. Und die neuen Opfer werden auch zu neuen Tätern. Die unzufriedenen Geister tauchen schlagartig auf und überraschen ihre Opfer – ob vor der Wand, unter dem Bett oder hinter dem Rücken der Opfer. Was den Film jedoch noch furchteinflößender macht, ist die Präsentation der bekannten alltäglichen Umgebung in gruseliger Atmosphäre. Das Haus scheint nichts besonders zu sein, doch wenn man das schmale Treppenhaus, die enge Dachstube und den dunklen Wandschrank genau beobachtet, kommen dazwischen plötzlich blasse Gesichter mit blutroten Augen hervor. Eine ikonische Szene zeigt, wie ein Opfer versucht, sich aus Angst unter der Bettdecke zu verstecken… Der Ergebnis kann man sich vorstellen, es ist zu gruselig, um es hier zu erwähnen. Außerdem gibt es kaum Musik in den Szenen. Wie das Alltagsleben herrscht auf der Leinwand weißes Rauschen. Erst wenn die Zuschauer sich an die Stille gewöhnt haben, passiert das Ungewöhnliche ohne Warnung.

A Tale of Two Sisters (Korea 2003)

A Tale of Two Sisters (2003)

Su-mi und Su-yeon kehren nach einem langen Aufenthalt in einer Psychiatrie nach Hause zurück, wo ihr Vater und ihre Stiefmutter sie erwarten. Das erste Abendessen markiert die angespannte Beziehung zwischen den Schwestern und ihrer Stiefmutter. Die ältere Su-mi streitet sich ständig mit der neuen Frau ihres Vaters, die nach ihrer Ansicht das vorherige glückliche Leben der Familie zerstört hatte. Die jüngere und ängstliche Su-yeon hingegen, wird wegen Kleinigkeiten bestraft. Als sie den Käfig der Lieblingsvogels der Stiefmutter kaputt macht, muss sie zur Strafe in den Kleiderschrank. Dort erleidet das Mädchen einen Nervenzusammenbruch. Su-mi wendete sich verzweifelt an den Vater. Dieser antwortet jedoch nur, dass er nichts mehr von dem Kleiderschrank hören will. Gleichzeitig passieren ungewöhnliche Ereignisse in der Familie: Der Vater spricht immer öfter mit einer unbekannten Person über das Geschehen in der Familie am Telefon; ein weiblicher Geist hebt mitten in der Nacht die Bettdecke von Su-yeon auf; unter dem Geschirrspüler taucht das Gespenst von einem Mädchen auf; Su-mi träumt von dem Geist, der ihrer Mutter ähnelt…

Der Erfolg des Filmes lässt sich einerseits auf die unerwartete Handlung zurückführen, als man erfährt, dass die sogenannten Gespenster Illusionen von Su-mi sind, weil sie unter Schizophrenie leidet. Auch ihre jüngere Schwester und die Stiefmutter sind zwei Persönlichkeiten von ihr, denn sie erlebte den Selbstmord ihrer Mutter und den zufälligen Tod ihrer Schwester mit. Su-mi brach darunter zusammen.

Auf der anderen Seite gelingt es dem Film, die fiktiven und schrecklichen Vorstellungen mit dem wirklichen Alltag zu kombinieren. Der Kleiderschrank, in dem die Mutter in Wirklichkeit Selbstmord beging und von dem dem Su-yeon zufällig erschlagen wurde, ist ein normales Möbelstück in jedem Familienhaus. Unter dem Geschirrspüler, auf den man im Alltag kaum achtet, verbirgt sich das blasse Gespenst mit verzerrtem Gesicht. Unter der kuscheligen Bettdecke fühlt man sich nach diesem Film nicht mehr sicher. „A Tale of Two Sisters“ erzählt uns eine ungewöhnliche Familientragödie in einer für uns ganz gewöhnlichen Umgebung, in dem Haus einer normalen Familie.

A Wicked Ghost (Hong Kong 1999)

A Wicked Ghost (1999)

Vier Freunde von Ming spielen ein spirituelles Spiel, indem sie Wasser mit Blut trinken. So rufen sie einen weiblicher Geist herbei. Kurz darauf sterben alle Freunde nacheinander an plötzlichen und unerklärlichen Ereignissen: Herzinfarkt, Selbstmord… Nur Ming überlebt. Um sich zu retten, sammelt Ming zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Freund Mao alle Informationen über den bösen Geist. Gleichzeitig benutzt der Geist eine Freundin von Ming, um ihr mitzuteilen, dass sie nur noch drei Tage zu leben habe.

Der Film war der Alptraum zahlreicher Chinesen. Und plötzlich verwandelten sich alltägliche Gebrauchsgegenstände in Orte der Angst: sei es der Fahrstuhl, die Toilette oder das Haarewaschen… Der Geist war eine Schauspielerin der kantonesischen Oper (eine traditionelle Opera Chinas) und trägt stets das klassische blauen Kostüm. Man stellt sich unbewusst vor, wie die blassen Hände unter dem blauen Ärmel hervorkommen und an der Schulter berühren. In einer klassische Szene wird eine Frau von dem Geist auf dem Weg zu Toilette verfolgt. Die Zuschauer sehen wie der Geist so nah an ihr lehnt, dass fast kein Abstand zwischen ihnen ist. Die Frau merkt jedoch nichts außer einem kühlen Schauer. Nachdem man diese Szene gesehen hat, fällt es schwer noch unbeschwert zur Toilette zu gehen.

Sigmund Freud schreibt in seinem Essay Das Unheimliche, dass es nicht nur das Unvertraute, sondern zugleich das Vertraute sein kann, dass uns am Meisten gruselt. In den drei oben genannten Filmen versteckt sich das Unheimliche, die Geister und Gespenster, perfekt in dem uns Vertrauten. Die Zuschauer von Horrorfilmen gewöhnen sich vielleicht daran hässliche Geister auf der Leinwand zu sehen, diese asiatischen Filme lassen jedoch jeden Horror-Fan erschaudern – hinter allem Alltäglichen steckt das Unheimliche. Wer glaubt, dass solche Filme doch gar nicht so gruselig sind, der soll es einmal selbst ausprobieren und sich dem Grusel des Alltäglichen stellen. Ich habe vor drei Jahren „A Wicked Ghost“ gesehen und kann immer noch nicht meine Haare in schwachem Licht waschen.

Das Geisterfest in China, ein Fest für den Tod wie der Día de los Muertos in Mexiko, fällt auf den 15. Tag des 7. Monats nach dem chinesischen Mondkalender. Ursprünglich zählte es zu den wichtigsten traditionellen Festen, aber allmählich verliert es seine Bedeutung für die moderne Gesellschaft. Nur noch einige Bürger*innen, Bauern und Bäuerinnen in einigen Regionen sowie manche Überseechines*innen feiern heutzutage noch diesen Vollmondtag. Warum interessieren sich die meisten Chines*innen nicht mehr für das Geisterfest?

Der Geistermonat

Das Geisterfest war ursprünglich ein Opferfest. Diese Tradition lässt sich auf die Qin-Dynastie (221-207 v. Chr.) zurückführen. Die antiken Chines*innen legten viel Wert auf die Opfergabe im Frühling und Herbst. Der Frühling symbolisiert den Anfang des Lebens, während der Herbst den Untergang markiert. Im Herbst hielten der Kaiser und die Fürsten eine Reihe von Zeremonien ab, darunter auch die Opfergabe für Baidi (白帝), den Gott des Todes. Es wurden Speisen und Räucherwerke für den Gott und die Vorfahren aufgestellt und Bankette gegeben. Solche höfischen Veranstaltungen beeinflussten das Bürgertum. Nach und nach wurde der siebte Monat (nach dem chinesischen Mondkalender, ungefähr Ende August nach dem heutigen Kalender) zum Geistermonat. Nach dem Volksglauben wird die Tür der Unterwelt am ersten Tag geöffnet und am 15. Tag wieder geschlossen.

Das Licht auf der Straße soll den Weg für die Toten gen Heimat weisen. Diese Tradition passt nicht mehr zum modernen Stadtleben.

Im Geistermonat kommen die Gespenster nach langer Wartezeit auf die Erde. Traditionell werden auf der Straße Kerzenlichter angezündet und Schuhe aufgestellt, damit die Toten bequem gehen können. Ansonsten verursachen die unzufriedenen Geister unerträgliche Katastrophen, die den Lebenden drohen. Man lässt auch Papierboote und Laternen auf dem Wasser schwimmen. Einerseits weist das Licht den Toten den Weg in ihre Heimat, wo ihre Familien Speisen aufstellen und Höllengeld verbrennen, um ihre Müdigkeit zu vertreiben und ihr Leben in der Unterwelt zu verbessern. Anderseits hoffen die Menschen, dass die Geister voller Groll (weil sie lange Zeit in der Dunkelheit des Jenseits verbracht haben) so schnell wie möglich ihre Zielorte erreichen. Das Geisterfest, das am 15. Tag des Monat gefeiert wird, ist der Höhepunkt – ist es für die Toten doch ihr letzter Tag auf der Erde.

Zwei religiöse Ursprünge

Die Daoisten lesen  heilige Schriften, bringen Opfergaben dar und schreiben Gebete auf Papier.

Das Geisterfest hat zwei religiöse Ursprünge. Für die Daoisten heißt das Fest eigentlich Zhongyanjie (chinesisch 中元节). Die Buddhisten feiern an diesem Tag das Ullamabna-Fest (chinesisch 盂兰盆节). Interessanterweise entwickeln sich die beiden Religionen fast reibungslos in China, wahrscheinlich wegen der Offenheit der chinesischen Kultur. Seit der Song-Dynastie (960–1279) ist zu beobachten, dass Daoismus und Buddhismus gemeinsam mit Konfuzianismus drei unverzichtbare Grundlagen für die chinesische Kultur bilden. Seither können die Anhänger*innen der beiden Religionen das Fest harmonisch gemeinsam feiern.

Nach dem Daoismus entsteht die Welt aus drei Elementen: Himmel, Erde und Wasser. Für die drei gibt es jeweils einen daoistischen Gott. Der Gott des Himmels, geboren an dem 15. Tag des ersten Monats nach dem Mondkalender, erteilt den Segen. Der Gott der Erde, geboren am 15. Juli, verzeiht die Sünde. Und der Gott des Wassers, geboren am 15. Oktober, hilft in der Not. Jeder Gott kommt an seinem jeweiligen Geburtstag zur Erde, um seinen Dienst zu leisten. Es ist also der Gott der Erde, der am 15. Tag des Geistermonats auf die Erde kommt und die verlorenen Seelen rettet. Diese sind Tote, die während ihrer Lebenszeit etwas verbrochen haben. Die Daoisten stellen an diesem Tag einen Altar auf, lesen bestimmte heilige Schriften und verbrennen Räucherwerke, damit sie den Unsterblichen (Gott) empfangen können und beim Sühnen der Sünden der toten Geister helfen.

Mulian sieht das Leid seiner Mutter und wendet sich an Buddha.

Die Geschichte von Mulian

Genau an diesem Tag feiern die Buddhisten das Ullambana-Fest (盂兰盆节). Auf Sanskrit bedeutet Ullam „auf dem Kopf gestellt“. Dieser Stand verkörpert Leiden. Bana ist ein bestimmter Behälter für Opfergaben. Im Ullambana-Sutra wird die Geschichte von Mulian (目连) erzählt, einem heiligen Anhänger Buddhas. Eines Tages träumte er, dass seine bereits verstorbene Mutter in der Unterwelt unter Hunger litt und schlank wie eine Skelett wurde. Er stellte als ihr Nachkomme Speisen vor dem Altar auf, aber sie konnte sie nicht genießen.

So bat er Buddha, das Leid seiner Mutter zu vermindern. Buddha antwortete, dass seine Mutter zu Egui (饿鬼, ein bestimmter Geist, der unter ewigem Hunger leidet) geworden sei, weil sie zu Lebenszeiten geizig und nicht wohltätig war. Um sie zu retten, musste Mulian am 15. Tag des 7. Monats Speisen und Getränken für Buddhisten aus aller Welt anbieten. Als alle dann für sie beteten, konnte sie sich von diesen Leiden befreien. Aus der Geschichte ist ein Fest geworden, bei dem man Opfer gibt, Schriften liest und zusammen für Vater und Mutter der jetzigen und der sieben früheren Generationen betet.

Ein Fest in der Vergangenheit?

Eine Familie auf dem Dorf stellt Speisen auf den Tisch und wartet auf die Geister der Vorfahren.

Beim Geisterfest kommen Volksglaube, daoistische und buddhistische Traditionen zusammen. Die Grundideen bildet das Erinnern an die Vorfahren, das Leisten der Sühne und das Verehren der Toten. In den modernen chinesischen Städten gerät das Geisterfest zunehmend in Vergessenheit.

Zunächst ist es kein staatlicher Feiertag, obwohl es eine lange Geschichte und vielfältige Ursprünge hat. Das führt dazu, dass die jüngeren Generationen kaum Kenntnis davon haben. Zweitens wird es nicht mehr gemeinsam gefeiert. Buddhisten und Daoisten feiern das Fest im kleinen Kreis, jeweils getrennt voneinander. In einigen Regionen, besonders auf dem Land, werden noch Papierboote und Laternen aufs Wasser geschickt und Speisen auf den Tisch gestellt, aber das wird in einer Gesellschaft, die Atheismus als Leitkultur markiert, eher als Aberglauben angesehen. Nicht zuletzt fehlt dem Fest für die meisten Leute ein gemeinsames Symbol oder Thema, wie Jack O’Lantern bei Halloween oder La Catrina beim Día de los Muertos. Ist das Geisterfest also selbst ein Gespenst in der modernen Welt?

 

Soldat auf einer Straße in China

Nianheng Wu, 23, ist in einer kleinen Stadt in der Provinz Sichuan, China aufgewachsen. Seit fast einem Jahr wohnt sie schon in Deutschland und studiert Computerlinguistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Als Kind hatte sie nicht wirklich persönliche Helden, vielmehr Personen und fiktive Charaktere, die sie einfach nur toll fand. Sie ist ein großer Fan von Detektiv Conan und liebt auch Thor aus dem Marvel Cinematic Universe. Das Thema Helden findet sie schwierig, weil nicht alles schwarz und weiß ist. Es gibt kein Schema, nach dem man Helden bestimmen kann. Man sollte sie immer kritisch analysieren und dann entscheiden, ob es auch Helden sind.

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Wie die geschichtlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen der letzten 100 Jahre, so waren auch die Frisurentrends in China äußerst abwechslungsreich. Wie Kapitalismus und Kommunismus sowie östlicher und westlicher Stil wechselten sich dabei lockige und glatte Haare ab. Jede Generation chinesischer Frauen hatte ihre eigenen Vorlieben. Betrachten wir also die Geschichte der Haartrends in diesem fernen, oft fremden Land.

1910

Frauen zur Zeit der Qing-Dynastie, Quelle: http://www.happyjuzi.com/article-30426.html

In der ersten Dekade des letzten Jahrhunderts ging die Qing-Dynastie zu Ende. Damals zogen die chinesischen Frauen der Mittelschicht noch einen Scheitel und trugen einen Dutt auf dem Kopf. Der traditionelle Charakter der Frisuren der Qing-Dynastie blieb noch lange bestehen und wurde vereinfacht. Das würdevolle Haar war zudem sehr niedrig gekämmt und zeigte eine natürliche Schönheit ohne Make-up.

1920

Ruan Linyu, Quelle:http://www.sohu.com/a/155357950_488934

In den 1920er Jahren, unter dem Einfluss der zeitgenössischen Hollywood-Filme, begannen die Damen beispielsweise, rote Lippen zu bevorzugen. Und auch Bob-Frisuren mit kurzen lockigen Haaren wurden zum Modetrend der Frauen in dieser Zeit. Die Qing-Dynastie endete schließlich. Und die Mädchen durften danach zur Schule gehen. Die gebildeten Frauen wurden zu Pionierinnen der Mode. Sie lernten neue Kleidungen und Frisuren von westlichen Vorbildern kennen. Eine legendäre chinesische Schauspielerin sticht außerdem hervor: Ruan Lingyu war das Vorbild der modernen chinesischen Frau.

1930

Werbung im „Shanghai Girl Style“, Quelle: http://www.happyjuzi.com/article-30426.html

Die 1930er Jahre waren die Welt der Shanghaier Frauen-Modeszene. Der Make-up-Look „Shanghai Girl Style“ begann sich auf die Modetrends des Landes auszuwirken. „Shanghai Girls “ brachten eine radikale Änderung des Haarschnitts mit: Auch in der damaligen Werbung trugen dementsprechend viele Frauen Pony-Frisuren.

1940

Frisur, 40er-Jahre, Quelle: http://www.sobiranistes.info/frisuren-40er-176463/frisuren-40er-new-manner-frisur-40er-jahre-stilvolle-frisuren-beliebt-in-deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während des Zweiten Weltkriegs trugen die meisten Frauen kurze Haare, an Mode wurde wenig gedacht. Nach dem Krieg, verwestlichten chinesische Frauen auch ihre Schminke und Haar-Accessoires noch stärker. Schwerpunkt der Nachahmung waren dabei die Wellenlocken westlicher Frauen.

1950

Quelle:http://www.jiemian.com/article/1337417.html

In den 1950er Jahren, als das „Neue China“ gerade erst gegründet war, setzte sich der Kommunismus durch. Auch gefielen viele Frauen sich nun in einem Image der „ruhmreichen Arbeiterinnen“. Das Bild der sonnengebräunten Landfrau war in dieser Zeit der Maßstab für Schönheit. Die Frisuren sollten deshalb so einfach wie möglich sein.

1960

Rote Garde, Quelle: http://book.ifeng.com/dutu/detail_2011_05/26/6640780_9.shtml

In den 1960er Jahren, während der Kulturrevolution, wurden die Roten Garden populär: Zwei lange Zöpfe hingen an beiden Seiten, und es gab eine sehr beliebte chinesische Armee-Mütze. Die meisten Frauen trugen damals eine Armee-Uniform und lasen zudem das Buch von Revolutionär Mao. Die „Große Proletarische Kulturrevolution“ war eine politische Kampagne in China, die gegen „kapitalistische, bürgerliche und traditionalistische Infiltrierungen“ der Gesellschaft kämpfte.  Dabei wurden allerdings viele Menschen verhaftet und ermordet. Es war also eine Atmosphäre der politischen Polarisierung.

1970

Chinesische Frauen der 70er Jahre, Quelle: http://www.360doc.com/content/15/0713/12/10988502_484611499.shtml

In den 1970er Jahren, als die Kulturrevolution endete, wehte die Ästhetik westlicher und kapitalistischer Frauen jedoch nach China zurück. Und das weibliche Bild des Westens gewann wieder an Popularität. Dieser Zeitpunkt ist ein wichtiger Wendepunkt in der chinesischen Geschichte. Einerseits stellte man das Gaokao (Nationales Examen zur Hochschulaufnahme), welches während Kulturrevolution unterbrochen worden war, im Jahr 1977 wieder her. Andererseits startete die Führung 1978 Reformen und eine Öffnung: gegenüber der Welt und insbesondere dem Westen. Individuelles Aussehen war danach wieder erlaubt.

1980

1980 Frauen in Peking, Quelle:https://m.sohu.com/a/73719692_209914

In den 1980er Jahren wurde China nach Reform und Öffnung von der westlichen Ästhetik stark beeinflusst. Zu dieser Zeit waren viele Frauen nicht nur von gewagten Locken wieder begeistert, auch Accessoires im westlichen Stil wurden populär. Die Dauerwelle war erneut die angesagteste Frisur. Ebenso beliebt war es für Frauen, in einem Friseursalon zu arbeiten.

1990

Hongkonger Frauen mit Stirnband, Quelle: http://www.sohu.com/a/165241700_682491

In den 1990er Jahren entstanden viele chinesische Filme, besonders Hongkong konnte so eine filmische Blütezeit einläuten.  Viele jungen Frauen ahmten die Figuren dieser heimischen Filme nach. Seitdem waren nicht mehr lockige Haare das Maß aller Dinge, sondern glattes Haar. Chinesinnen bevorzugte kurze Bobs und Stirnband. Als die Hongkonger Frauen neue Make-Up-Trends setzten, schwappte dieser Trend auch auf das chinesische Festland.

2000

Zhang Ziyi, Quelle: http://chinamediaproject.org/2012/05/29/posts-on-actress-zhang-ziyi-removed-from-weibo/zhang-ziyi/

Um das Jahr 2000 herum kam der Standard der weiblichen Frisuren von der berühmten chinesischen Schauspielerin Zhang Ziyi. Ihr blasses Gesicht, helles Make-Up und dunkles Haar wurde zum chinesischen Schönheitsideal dieser Zeit. Seitdem stand der Minimalismus im Vordergrund.

Heute

Yangmi, Quelle:http://wemedia.ifeng.com/47291619/wemedia.shtml

Heutzutage hat sich die Popkultur aus Südkorea bis nach China ausgebreitet. Koreanische Schauspielerinnen beeinflussen mit Make-Up und Frisuren die chinesischen Frauen. Mit dunklem Augen-Make-Up und langen lockigen Haaren halten sich viele entsprechend für lebendige Göttinnen.

 

Lust auf mehr Frisurengeschichte? Lest unseren Beitrag „100 Jahre Haare – Geschichte auf dem Kopf“.

Schlangen in Menschengestalt, blutsaugende Dämonen und tödliche Intrigen am Königshof: Die chinesische Kultur ist voller geheimnisvoller Gespenster-Geschichten. Doch hinter dem Überirdischen verbergen sich dann doch ganz irdische Motive.

Eines Tages fragte ein Schüler Konfuzius über das Wesen der Geister. Der Meister sprach: „Wenn man noch nicht den Menschen dienen kann, wie sollte man den Geistern dienen können!“ Konfuzius sprach niemals über Zauberkräfte und widernatürliche Dämonen. Dennoch haben die Mythen über Geister und Gespenster auch im Konfuzianismus zahlreiche Anhänger – selbst unter Würdenträgern und Literaten. Hier nun eine Auswahl der populärsten chinesischen Gespenster-Geschichten.

Yao (妖) – Geister mit menschlichem Aussehen

Green Snake

Szenen aus dem Film „Green Snake“, einer Verfilmung der Geschichte der weißen Schlange aus dem Jahr 1993 (@ Shanghai Film Co., Ltd. All rights reserved).

In der Song-Dynastie (960–1279) gab es einen gut aussehenden jungen Mann namens Xu Xian. Eines Tages machte er einen Spaziergang am Westsee. Da sah er zwei schöne Frauen, die vom heftigen Regen nass geworden waren. Er hatte Mitleid und gab den beiden seinen Regenschirm, während er dem Regen ausgesetzt war. Die Frau mit weißer Kleidung, die Bai Suzhen hieß, verliebte sich auf Anhieb in ihn. Auch Xu fühlte sich von der Frau angezogen. Nach der Hochzeit machte das Ehepaar eine Apotheke am Westsee auf. Alle Menschen bewunderten die neuen Nachbarn für ihre Schönheit und Großzügigkeit. Nur ein buddhistischer Mönch warnte Xu vor seiner Frau. Er behauptete, dass Bai eine böse Hexe sei und den Menschen Unglück bringe. Dann schlug er Xu vor, am Drachenbootfest seine Frau auf einen Xionghuang-Schnaps (einen traditionellen Kräuterschnaps) einzuladen. Xu begann zu zweifeln und tat an dem Tag genau das. Kurz nachdem Bai den Schnaps getrunken hatte, erschien ihre eigentliche Figur: eine weiße Schlange. Der weißen Schlange war  es nach tausendjähriger Meditation endlich gelungen, Menschengestalt anzunehmen. Und Bais sogenannte Schwester war in Wirklichkeit eine grüne Schlange. Sie zaubert an dem Tag des ersten Treffens von Xu und Bai Suzhen einen Platzregen herbei, um ihr dabei zu helfen, Xu um den Finger zu wickeln.

Das Schriftzeichen Yao (妖) steht im Altchinesischen auch für die weibliche Schönheit. Aber in der patriarchalen Kultur wandelte sich die Bedeutung des Wortes allmählich und bezeichnete Tier- und in einigen Fällen auch Pflanzengeister, die Menschengestalt annehmen und die Menschen verführen, weil diese unrechte Begierden haben oder mutwillig Verbrechen begehen.

Guai (怪) –  Geister mit bizarrem Aussehen

Buchcover Jingwei

Der Dialog zwischen dem Vögelchen und dem Gott des Meeres. Titelblatt eines illustrierten Buch über die Legende von Jingwei (Foto: @Tomorrow Publishing House All rights reserved).

Nüwa, die jüngste Tochter von Yandi, einem Kaiser in der Vorgeschichte, führte ein naives und sorgenfreies Leben. Eines Tages spielte sie am Strand des Ostmeeres und war von der schönen Blauen angezogen. Sie schwamm fröhlich ins Meer. Nach und nach wurde das Meer stürmisch, während ihre Kräfte schwanden. Sie konnte nicht ans Ufer kommen, aber sie wollte nicht sterben. Wegen dieses starken Wunsches verwandelte sie sich in einen kleinen Vogel. Das Vögelchen hatte einen farbigen Kopf und griff sich jeden Tag Steinchen vom Westberg, die sie mit roten Klauen ins Ostmeer warf. Als der Gott des Meeres seine Rache entdeckte, lachte er es aus. Selbst eine Million Jahre reichen nicht aus, das Meer aufzufüllen. Das hartnäckige Vögelchen antwortete nun: „Ich werde nie aufhören und eines Tages, vielleicht nach zehn Millionen Jahren, werde ich es aufgefüllt haben.“ Weil es immer „Jingwei“ schrie, nannte man es auch so.

Guai (怪), ähnlich wie Yao (妖), haben menschliche Eigenschaften. Sie denken und handeln. Der größte Unterschied zwischen den beiden ist das Aussehen. Yao (妖) ähneln dem Menschen, während Guai (怪) tierische oder andere ungewöhnliche Gestalten annehmen.

Gui (鬼) – Gespenster, die Toten

Filmplakat "A Chinese Ghost Story"

Das Plakat des Film „A Chinese Ghost Story“ aus dem Jahr 1987 (@Cinema City Co., Ltd. All rights reserved).

In der Ming-Dynastie (1368–1644) gab es einen großzügigen Mann aus der Provinz Zhejiang namens Ning Caichen. Auf dem Weg in die Stadt Jinhua ruhte er sich in einem Tempel aus. Die imposante Halle war menschenleer. In der ersten Nacht konnte er nicht einschlafen. Plötzlich hörte er Flüstern. Er stand auf und ging zum Fenster. Dort sah er eine schöne Frau, die ihn fragte, ob sie bei ihm übernachten dürfte. Er wollte nicht. Die Frau versuchte ihn zu überreden. So beschimpfte Ning sie so laut, bis sie schließlich wegging. Am nächsten Tag kam ein Gelehrter mit seinem Diener vorbei. Sie übernachteten in einem Zimmer auf der östlichen Seite des Tempels. In der Nacht starben der Gelehrte und sein Diener plötzlich. Man fand ein kleines Loch in der Mitte ihrer Fußsohlen, aus dem noch ein bisschen Blut floß. In dieser Nacht kehrte die ominöse Frau zurück und bat Ning, sie zu retten. Sie gab zu, dass sie, Nie Xiaoqian, im Alter von achtzehn Jahren starb und neben dem Tempel begraben wurde. Danach wurde sie von einem mächtigen Yao (妖) gezwungen, Männer zu verführen. Der tötete die Männer, indem er ihnen das Blut aussaugte. Weil Ning sie abgelehnt hatte, wurde der Gelehrte umgebracht. Sie schlug vor, den Ort so früh wie möglich zu verlassen. Sie bat ihn, ihre Urne mitzunehmen und an einem sicheren Ort zu begraben. Ning glaubte ihr und kehrte sofort in seine Heimat zurück. Nie half ihm von nun an beim Haushalt und passte auf seine Familie auf.

Gui (鬼), anders als Guai (怪) und Yao (妖), steht nur für die Geister der toten Menschen. In den chinesischen Mythen gingen alle Gespenster in die Unterwelt, die Yingjian (阴间) oder Difu (地府) heißt. Nie, die Hauptfigur in der Geschichte, konnte in der jenseitigen Welt keinen Frieden finden, weil ihr Körper an einem falschen Ort begraben wurde und dann unter die Kontrolle des bösen Geistes geriet.

Mo (魔) – mächtige Geister, die Dämonen

„Die Reise nach Westen“ ist einer der vier klassischen Romane der chinesischen Literatur. Es geht in diesem Werk um die Reise des Mönchs Xuanzang und drei seiner Anhänger nach „Westlicher Himmel“, dem heiligen Ort. Von dort soll er die Heiligen Schriften Buddhas in das antike China bringen. Unterwegs lagen insgesamt 81 Hindernisse vor ihnen, die von zahlreichen bösen Geistern verursacht wurden. Hier stelle ich nur ein Hindernis davon vor. Eines Tages kamen die vier in ein Land, das Biqiuguo heißt. Der König dort litt an starken Schmerzen. Sein Schwiegervater machte den grausamen Vorschlag, eintausend Kinder zu verhaften, damit der Schwiegervater Medikamente aus ihren Herzen und Lebern machen könnte.  Die Vier wollten die Kinder retten. Sie fanden schließlich heraus, dass der sogenannte Schwiegervater ein Hirsch und seine Tochter, die Königin, ein Fuchs war. Sie berichteten dem König davon. Dieser beschloss, dass die vier Mönche die bösen Geister töten dürfen.

Anders als die drei anderen Begriffe ist Mo (魔) ein Fremdwort. Am Anfang wurden mit Mo (魔) unrechte Gedanken beim Prozess der Meditation bezeichnet. Allmählich hielt man alle bösen Geister für Mo (魔), die die mächtigeren Gui (鬼), Guai (怪) oder Yao (妖) sein können.

In den zahlreichen Mythen zeigt sich, dass Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus verschiedene Vorstellungen über Tote und Spukwesen haben. Yao (妖), Mo (魔), Gui (鬼), Guai (怪), die Geister und Gespenster und die antiken Mythen über sie spiegeln auch die damaligen gesellschaftlichen Ideen wider. Sie behandeln die großen Menschheits-Motive wie Liebe und Hass, Tugend und Untat, Ehre und Betrug – und zeigen zugleich, wie vielfältig die chinesische Kultur ist.

Ni Kungs Roman Haar

Der bekannte Hongkonger Schriftsteller Ni Kuang hat über 300 Wuxia- und Science-Fiction-Romane und mehr als 400 Drehbücher geschrieben. Er ist als einer von vier Gelehrten Hongkongs bekannt. Eine seiner repräsentativsten Arbeiten, die „Wisely-Serie“, besteht aus 156 Abenteuer-Science-Fiction-Romanen, die er zwischen 1963 und 2004 veröffentlicht hat.

Cover von Haare (頭髮),  Wisely, 17. Auflage, Mingjing, Hongkong.

Cover von Haare (頭髮),  Wisely, 17. Auflage, Mingjing, Hongkong. Quelle

Im Jahr 1978 hat er für diese Reihe eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Haare“ geschrieben. Es geht um Wiselys Abenteuer in Nepal, wo er einen antiken Tempel mit uralten Geheimnissen entdeckt. Im Tempel, so die Geschichte, wurden uralte Artefakte ursprünglich von Außerirdischen zurückgelassen, so dass Menschen den fremden Planeten finden könnten. Wie Wisely herausfindet, sind die Vorfahren der Menschheit nämlich von fernen Planeten gekommen. Aber wegen ihrer Sünden wurden sie auf die Erde verbannt. Danach habe man ihre Sünden ausgelöscht. Bedauerlicherweise wurden sie aber auch ihrer Intelligenz, Unsterblichkeit und der Funktion ihrer Haare beraubt. Das heißt, dass die Menschen sich vom Primitiven noch einmal neu entwickeln mussten.

Was ist die Funktion von Haaren?

Ni Kuang wirft in dieser Geschichte die folgende Frage auf: Was ist die Funktion von Haaren? Schließlich sind Menschen die einzigen Lebewesen auf der Erde, die lange Haare auf dem Kopf haben. Im jungen Alter erzählte man uns vielleicht deswegen, dass die Haare zum Schutz des Kopfes da wären. Dabei hat der Kopf doch mit seinem harten Schädel schon genug Schutz. Und selbst wenn Menschen eine Glatze tragen, hat es keinen Einfluss auf ihr alltägliches Leben. Ist es also wirklich notwendig, etwas so Weiches wie Haare zum Schutz des Kopfes zu besitzen? Jedes Lebewesen auf der Erde hat sich langsam über Millionen von Jahren entwickelt, um sich an die Natur anzupassen. Die Evolution hat fast alle nutzlosen Kreaturen und die nutzlosen Teile heutiger Arten eliminiert. Doch das Haar ist immer noch vorhanden – warum?

Mutige Fantasie in Ni Kuangs Science-Fiction

In seiner Geschichte vermutet Ni Kuang, dass unsere Haare früher eine konkrete Funktion hatten. Früher hätten die Menschen jedes Haar wie einen Finger kontrollieren können. Mit derart vervielfachten Fingern hätten die Menschen viel effizienter gearbeitet als aktuell. Grundsätzlich könnte die Menschheit diese Fähigkeiten immer noch hervorbringen, wenn sie zu ihrem Heimatplaneten zurückfinden würde. Mit einer kleinen Einschränkung: Nur den unschuldigen Menschen wird es erlaubt sein, eines Tages zurückzukehren. Alles nur Science-Fiction?

Alle großen Propheten der Menschheits-Geschichte wie Shakyamuni, Jesus, Mohammed oder Lao seien von diesem fernen Planeten auf die Erde gesandt worden. Damit sie den Menschen diese Weisheit beibringen. Ihre Seelen fuhren in die Körper von Säuglingen und wuchsen in diesen Gestalten auf. Letztendlich geht es auch Ni Kuang darum, die menschliche Güte zu fördern: Solange die Menschen von ganzem Herzen gut sind, könnten sie auf den Heimatplaneten zurückkehren, der das sogenannte Paradies ist. Deshalb seien die vier einflussreichsten Religionen der heutigen Welt im Kern so ähnlich. Sie alle raten dem Menschen, gut zu sein: auch Humanismus genannt.

Obwohl diese Annahme zunächst einmal erstaunlich klingt, formuliert der Autor sie äußerst rational. Religionen bringen nicht nur die Inspiration, sondern beruhen auch auf einem philosophischen System. Die Seele ist ewig, während der Körper zeitlich begrenzt ist.

Eine andere Geschichte über Haare in der Bibel

Dass die Haare eine Schlüsselrolle in Ni Kuangs Kurzgeschichte darstellen, ist nicht unbedingt außergewöhnlich. In vielen verschieden Kulturen spielen die Haare eine Rolle als Topos. Die Vorstellung, dass die Haare eine geheimnisvolle Fähigkeit haben, ist auch in der Bibel vorhanden. So gibt es im Alten Testament eine ähnliche Geschichte über Haare. Der Held Samson hat unbezwingbare Kräfte und tötet Hunderte von den feindlichen Philistern. Später verliebt er sich in eine Frau, die Delila heißt. Aber diese Frau ist auch eine Philisterin. Sie fragt Samson immer und immer wieder, warum er so stark ist. Nach einiger Zeit verrät er ihr tatsächlich sein Geheimnis: Die Herkunft seiner Kraft sind seine Haare. Sollten die Haare einmal geschnitten werden, würde er seine komplette Stärke umgehend verlieren.

Caravaggio, born Michelangelo Merisi, 1571-1610, Imitator. "Samson and Delilah". (Judges 16,20-21). Oil on canvas

Caravaggio, born Michelangelo Merisi, 1571-1610, Imitator. „Samson and Delilah“. (Judges 16,20-21). Oil on canvas

Delila verrät den Philistern diese Geheimnis. Als Samson am nächsten Tag aufwacht, hat sie seine Haare bereits abgeschnitten und er hatte seine Kraft verloren. Die Philister können ihn gefangen nehmen und stechen ihm die Augen aus.

Eines Tages feiern die Philister ein großes Fest und holen Samson aus dem Gefängnis, weil sie ihn demütigen möchten. Aber Samsons Haare sind in der Zwischenzeit wieder gewachsen. Deshalb betet er zu Gott, um seine Kraft wiederzuerlangen. Und tatsächlich gewährt Gott ihm diesen Wunsch. Auf dem Fest tötet Simon schließlich alle seine Peiniger.