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Paranormal activity 1

„Paranormal Activity“ zählt zu den rentabelsten Horrorfilmen aller Zeiten. Der Low-Budget-Film spielte Millionen an den Kinokassen ein. Viele vermuten hinter dem Erfolg die Darstellung des Bösen im US-amerikanischen Erfolgsstreifen. Mit seiner Geisterdarstellung versucht Regisseur Oren Peli die Angst der Zuschauer*innen vor dem Unbekannten zu wecken. Außerdem spielen auch die gelungenen Marketing-Aktionen eine nicht unwesentliche Rolle für den Erfolg des Films.

Im Jahr 2009 durfte eine ausgewählte Anzahl von Personen den neuen Horrorfilm „Paranormal Activity“ zum allerersten Mal im Kino schauen. Die Reaktionen der Zuschauer*innen wurden aufgezeichnet. Versteinerte Mienen, weit aufgerissene Münder und mit den Händen verdeckte Gesichter sind in diesem kurzen Video zu sehen. „Paranormal Activity“ zählt zu den schlimmsten Horrorfilmen der letzten Jahre.

Entstehungsgeschichte

Die Idee für den Film stammt von dem US-amerikanischen Filmemacher Oren Peli. Bis dato hatte er noch keinen Film selbst produziert. Ausgestattet mit einem Budget von 15.000 US-Dollar, seinem eigenen Haus als Drehort und zwei Schauspieler*innen, begann er den Dreh. Es gab kein konkretes Skript. Die Schauspieler*innen hatten einen groben Handlungsablauf vorgegeben, woraus sich die Dialoge ergaben. Der ganze Film ist im „Found Footage“-Stil gehalten. Das heißt, es wird der Eindruck erweckt, die Hauptcharaktere filmten sich selbst mit einer Handkamera und dokumentierten ihr Leben. Oft wird der Film deshalb mit dem vor zehn Jahren gedrehten, pseudodokumentarischen „Blair Witch Project“ verglichen. Innerhalb einer Woche war der Film abgedreht.

Die Handlung

Katie schlafwandelt und beobachtet ihren Freund Micah über Stunden. Die Kamera zeichnet alles auf. (Foto: Variety)

Die beiden Hauptcharaktere Katie Featherston und Micah Sloat behalten auch ihre Vornamen für den Film. Das junge Paar lebt in einem netten, kleinen Häuschen in San Diego. Als Katie eines Nachts seltsame Geräusche hört, stellt ihr Freund Micah eine Kamera im Schlafzimmer auf, um die Sache aufzuklären. Aber die nächtlichen Ereignisse verschlimmern sich.

Die Schlafzimmertür knallt zu, der Kronleuchter fällt von der Decke und Katie schlafwandelt. Schon als Kind hatte Katie mit solchen paranormalen Ereignissen zu kämpfen. Micah sieht es nicht ein, die Kamera zu entfernen, da er denkt, dem Spuk so Einhalt zu gebieten. Doch da irrt er sich. Die Phänomene werden immer schlimmer, bis diese zu einem schrecklichen Höhepunkt gelangen.

Der Geist in „Paranormal Activity“

Obwohl der Geist in „Paranormal Activity“ nie in Erscheinung tritt, jagt er den Zuschauer*innen dennoch einen gehörigen Schrecken ein. Der Film spielt mit der Furcht vor dem Unsichtbaren. Dazu nutzt der Regisseur die Angst der Zuschauer*innen vor dem Unbekannten. Dass man nicht genau weiß, wovor man sich eigentlich fürchtet, macht die Situation umso gruseliger. Der Geist tritt nie als Person oder als Gestalt auf. Man kann lediglich seltsame Geräusche vernehmen und das Bewegen von Gegenständen beobachten. Als der Geist aber auch nicht mehr davor zurückschreckt, Katie aus dem Bett zu ziehen und zu verletzten, wird klar: Mit ihm ist nicht zu spaßen. Besonders gruselig wird es dann, wenn der/die Zuschauer*in merkt, dass der Geist von Katie Besitz ergriffen hat und sie nicht mehr dieselbe ist. Plötzlich ist sie zu schrecklichen Taten fähig.

Im Laufe des Films vollzieht sich die klassische Steigerung der Ereignisse bis  zu einem absoluten Höhepunkt. Was zunächst nur harmlose Poltergeisterscheinungen sind, entpuppt sich als wahrhafter Horror. Durch die langsame Steigerung wird der/die Zuschauer*in in die Situation der Protagonist*innen versetzt. Jede Nacht ist durch die Kamera dokumentiert, so ist man scheinbar live dabei. Die sehr authentische Darstellung der Schauspieler*innen verstärkt diesen Eindruck noch. Auf spannungssteigernde Musik wird gänzlich verzichtet. Stattdessen kündigt ein tiefer Brummton an, dass gleich wieder etwas Unheimliches passieren wird. Auf diese Weise wird die Spannung noch mehr gesteigert.

Der Film hat für seine Geisterdarstellung viel Kritik einstecken müssen. „Paranormal Activity“ weckt in Zuschauer*innen die Angst vor dem unsichtbaren Bösen. Das ist jedoch keine wirklich tiefgreifende Angst. Es geht eher darum, sich in regelmäßigen Abständen zu erschrecken wie in einer Geisterbahn. Außerdem spiegelt es unsere Kindheitsängste wieder: Ein Monster könnte sich nachts im Zimmer aufhalten und sich unter dem Bett oder im Schrank verstecken. Bei Katie wird diese Angst zur Realität. Natürlich kommt dadurch auch Gruselatmosphäre auf. Horrorklassiker bedienen sich aber meist noch anderer, tiefgreifenderer Ängste. Es handelt sich bei Pelis Werk um eine eher einfach gehaltene Schauergeschichte und nicht um ein filmisches Meisterwerk.

Die Erfolgsgeschichte

Trotz der Kritik funktioniert das Erfolgskonzept: Dies hängt aber auch mit den Marketing-Aktionen des Herausgebers „Paramount Pictures“ zusammen. Durch einen „Demand it“ (dt.: Verlange es)-Button auf der Facebook-Seite von „Paramount Pictures“ konnte jeder/jede darüber abstimmen, ob „Paranormal Activity“ in seiner/ihrer Stadt gespielt werden soll. Die 20 Städte mit den meisten Klicks bekamen den Film zuerst zu sehen. Außerdem wurde eine „Tweet your scream“ (dt.: Teile deinen Schrei)-Kampagne ins Leben gerufen. So gibt es noch heute überall im Internet Videos, wie Zuschauer*innen den Film schauen und sich dabei filmen, wie sie sich erschrecken. Nach der offiziellen Premiere in der ganzen USA gingen die Kinobesuche durch die Decke. Weltweit spielte der Horrorfilm 190 Millionen US-Dollar ein. Diese Marge kann sich sehen lassen. Mit einem derartigen Erfolg des Streifens hatte wohl selbst der Regisseur nicht gerechnet.

„Paranormal Activity“ ist ein durchaus sehenswerter Film, vor allem für Zuschauer*innen, die sich gerne gruseln. Zu viel Tiefe darf man jedoch nicht erwarten, auch bei den Hauptcharakteren nicht. Die Geisterdarstellung ist dem Regisseur Oren Peli definitiv gelungen. Denn nachdem man Paranormal Activity“ gesehen hat, ist jeder froh, wenn er/sie nicht alleine schlafen muss.

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Manche Geister sind realer, als man denkt. Wenn man mit Depressionen lebt, ist es andauernd so, als würde man von Gespenstern verfolgt. Diese Gespenster kann man nur besiegen, wenn man sie konfrontiert. Ein Erfahrungsbericht.

Wenn man mit Depressionen lebt, ist es ein bisschen so, als würde man konstant von Geistern verfolgt. Diese Geister sind anhaltende Traurigkeit, oft über Tage oder sogar Wochen. Schlaf- und Essstörungen. Lustlosigkeit und Selbstisolation. Selbstverletzende Tendenzen und Ängste. Im schlimmsten Fall sind es Selbstmordgedanken oder -versuche. Weltweit sind es mehr als 300 Millionen Heimgesuchte. Allein in Deutschland sind über fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. Unsere Schreckgespenster sind Depressionen.

Dreierlei Gespenster

Bild via Pixabay

Wenn ich von Depressionen als Gespenstern schreibe, hat das viele Gründe. Der eine ist, wie schon erwähnt, dass die Symptome und die Krankheit selbst die Betroffenen heimsucht, wie böse Geister, ohne Ankündigung und oft ohne Gründe. Es ist nicht überraschend, dass in religiösen Kreisen bis heute Depressionen oft als Zeichen dämonischer oder geisterhafter Besessenheit gedeutet werden. Betroffene können sich ihren Zustand oft selbst nicht erklären. Angehörige stehen dem häufig hilflos und unverständlich gegenüber.

Der zweite Grund, warum ich Depressionen mit Geistern gleichsetze, ist, dass Menschen mit Depressionen oft selbst zu Geistern werden. Man kapselt sich von der Gesellschaft ab und erfindet Ausreden dafür, nicht aus dem Haus zu gehen. Bekannt ist das Bild davon, tagelang kaum das Bett zu verlassen. So geht es vielen Betroffenen, und auch enge Angehörige kriegen davon leider oft nichts mit.

Der dritte Grund dafür, dass Depressionen wie Gespenster sind, ist ein gesellschaftlicher. Trotz der Allgegenwärtigkeit der Krankheit wird über Depressionen immer noch sehr ungern gesprochen. Ebenso wenig wie über Selbstmord und Suizidgedanken. Wie einen bösen Geist versucht man sie zu ignorieren. Doch Geister kann man nur besiegen, wenn man sie konfrontiert und sich den Gespenstern stellt.

Nicht böse, nur uninformiert

Dass Depressionen in der Öffentlichkeit nicht allzu gerne behandelt werden, kann für Betroffene fatale Folgen haben. Durch fehlendes Wissen sind allerlei Gerüchte oder Falschinformationen über Depressionen im Umlauf. Menschen setzen Depressionen gerne mit Traurigkeit gleich. Traurig zu sein ist jedoch nur ein Symptom von Depressionen. Medikamente können helfen, dieser tief verwurzelten Traurigkeit Herr zu werden. Entgegen dem Glauben vieler Menschen machen Antidepressiva nicht süchtig.

Frauen sind weltweit häufiger depressiv als Männer, doch Männer sind gesellschaftlich bedingt oft weniger fähig, sich ihre Krankheit einzugestehen oder Hilfe zu suchen. Zudem sind Depressionen keine rein psychischen Zustände, sie können auch erblich bedingt sein und manchmal ohne Anlass und selbst bei intaktem Umfeld auftauchen. Der klassische Ausruf hierbei ist wohl: „Warum bist du denn depressiv, dir geht es doch gut?”

Derlei Unverständnis ist meines Erachtens nach und aus persönlicher Erfahrung selbst im besten Fall nicht hilfreich. Im schlimmsten Fall ist es schädlich und mitunter lebensgefährlich. Allerdings ist es auch verständlich, dass man sich ungerne über solche düsteren Themen unterhält oder sich damit auseinandersetzt. Solche Verhaltensweisen in der Gesellschaft sind also nicht bösartig, egal wie fatal die Folgen auch sein können. Sie zeugen allerdings von gefährlicher Ignoranz. Dass ein Wandel im Gange ist, durch soziale Medien und öffentliche Initiativen, ist jedoch positiv anzumerken, so können sich in sozialen Netzwerken betroffene finden und sie liefern Kanäle, über die Krankheit offen zu sprechen.

Die Geister meines Lebens

Bild via Pixabay

Dieses Thema bedeutet mir persönlich sehr viel. Denn auch meine Geister sind Depressionen. Es ist noch nicht lange her, dass ich alleine zuhause war und ernsthaft darüber nachdachte, wie ich einen Suizid am geschicktesten anstellen könnte. Es ist nicht lange her, dass meine Mitbewohner*innen mich tagelang nicht gesehen haben und ich mir nur die Zähne geputzt habe, wenn ich unbedingt aus dem Haus musste, an die Uni oder zur Arbeit. Damals habe ich mich selbst wie ein Geist gefühlt. Ich fühlte mich alleine, hilflos und unverstanden. Obwohl ich viele gute Freund*innen und eine tolle Familie habe. Meine Krankheit und mein eigenes Unwissen haben mich viele Jahre meines Lebens gekostet.

Heute geht es mir besser. Ich habe mich meinen Geistern gestellt und mir Hilfe gesucht. Diese habe ich dann auch erhalten, wenn auch mit einigen Umständen. Denn ein weiteres Problem ist die Erwartungshaltung, dass depressive Menschen sich selbst Hilfe suchen und monatelange Wartelisten in Kauf nehmen. Das alles mit Ängsten und Motivationsproblemen. Hier ist leider noch einiges zu tun.

Sollte irgendjemand diesen Text lesen, der selbst betroffen ist oder Betroffene kennt, die mit ihren Geistern zu kämpfen haben, dem sollte zuletzt das hier noch gesagt sein: Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu suchen. Es ist auch nachvollziehbar, hilflos zu sein, wenn andere betroffen sind. Manchmal reicht es, zuzuhören. Manchmal reicht es, einfach nur da zu sein.

Stellt euch euren Geistern

Wer sich selbst seinen Geistern stellen will, dem seien diese Nummern ans Herz gelegt:

Info-Telefonnummer der Deutschen Depressionshilfe: 0800 3344533

Telefonseelsorge: 0800 111 0 111; 0800 111 0 222; 116 123

In Baden-Württemberg gibt es zudem den Arbeitskreis Leben, der an vielen Orten aktiv ist und oft kurzfristig Hilfe bieten kann. Weitere, tiefer gehende Hilfe muss oft psychiatrisch und/oder psychotherapeutisch erfolgen. Sich Hilfe zu suchen, um mit seinen Geistern nicht allein zu sein, ist jedoch keine Schande und jeder ist es wert, diese Hilfe auch zu erhalten.

Poltergeister treiben ihr Unwesen

Das Phänomen Poltergeist ist weltweit bekannt – aber was steckt wirklich dahinter? Wissenschaft oder Spuk? Der Diplompsychologe Eberhard Bauer des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg untersucht solche Fälle mit wissenschaftlichen Methoden.  

„Alle Glühbirnen im ganzen Haus sind durchgebrannt. Das ist doch eigentlich unmöglich!“ erzählt mir eine Freundin, als ich ihr von meinem geplanten Blogeintrag über Poltergeister berichte. Vor der Beerdigung ihres Großonkels versammelten sich Freunde und Familie im Haus des Verstorbenen. Auf einmal erloschen im ganzen Haus die Lichter. Alle Glühbirnen waren durchgebrannt. Meine Freundin beschreibt mir die gruselige Atmosphäre nach diesem Ereignis: „Wir haben alle gedacht, dass der Geist meines Großonkels uns ein Zeichen geben wollte.“ Technisch hat sich das Ereignis nicht aufklären lassen.

Buch über Parapsychologie

„An den Grenzen der Erkenntnis“: Handbuch über Parapsychologie (Foto: Amazon)

Das eben erwähnte Phänomen wäre typisch für einen Poltergeist. Er kann elektrische Geräte ein- und ausschalten, Möbel verschieben oder seltsame Klopfgeräusche ertönen lassen. Die Anekdote meiner Freundin erzähle ich dem Diplompsychologen Eberhard Bauer vom Freiburger IGPP. Seit 1972 arbeitet Bauer dort und beschäftigt sich mit paranormalen Erscheinungen aller Art. Was würde er meiner Freundin raten? Bei diesem Fall sei es wichtig, nach der Bedeutung der Vorfälle zu fragen, erklärt er mir. In welchem Verhältnis stand der Großonkel zu dem Haus beziehungsweise zu den Angehörigen? Gibt es noch Sachverhalte in der Familie, die unerledigt geblieben oder verdrängt worden sind? „Mitunter gibt es dann ein Verständnis der Phänomene, wie von selbst“, argumentiert Bauer. Ob es sich dabei um ein Poltergeistphänomen handelt, sei eine Standpunktfrage. Es kann sich demnach um einen ortsgebundenen Spuk und somit um eine andere Geistererscheinung als der Poltergeist handeln. Das Haus spiegele dabei den „Leib der […] Familie“ wider und das Löschen des Lichts sei ein Zeichen für das erlöschende Lebenslicht des Onkels. Ein Poltergeist ist aber personengebunden. Der Spuk wird durch eine sogenannte „Fokusperson“ ausgelöst. Auch dies könnte hier, laut Eberhard Bauer, der Fall sein. Durch verdrängte und nicht verarbeitete Emotionen hatte möglicherweise eines der Familienmitglieder das Erlöschen der Lichter selbst herbeigeführt.

In der Wissenschaft wird dieses Phänomen als „spontane Psychokinese“ bezeichnet. Demnach können Personen durch überschüssige Emotionen oder Energie Gegenstände unbewusst in Bewegung setzen, ohne sie berühren zu müssen. Die Wissenschaft schließt die Existenz eines Poltergeistes aus. Stattdessen geht sie davon aus, dass die „Fokusperson“ den Spuk selbst auslöst.

Der „Rosenheim-Spukfall“

Ein besonders eindrückliches Poltergeistphänomen ereignete sich 1967 in Rosenheim. Hierbei wurde der Spuk angeblich durch eine solche „Fokusperson“ ausgelöst. Die Telefonleitung in einer Anwaltskanzlei spielte verrückt, Leuchtstoffröhren platzten und Knalleffekte erschreckten die Mitarbeiter*innen.

Zunächst gingen die Mitarbeiter*innen der Kanzlei davon aus, dass es sich um erklärbare Vorkommnisse handelte. Sie vermuteten, dass die Stromversorgung dafür verantwortlich sei. Nachdem auch die Stadtwerke nicht mehr weiter wussten, wurde der damalige Leiter des IGPP, Hans Bender, hinzugezogen. Er und sein Team fanden heraus, dass die Phänomene mit der Schreibkraft Annemarie Schaberl zusammenhingen. Die Spukphänomene ereigneten sich immer nur dann, wenn sie anwesend war. Die Expert*innen rieten dazu, Annemarie in den Urlaub zu schicken. Danach hörten die seltsamen Vorkommnisse auf.

Die Schreibkraft wechselte daraufhin die Kanzlei. Auch an ihrem neuen Arbeitsplatz kam es zu seltsamen Geschehnissen, jedoch war es lange nicht so schlimm wie in Rosenheim. Dort kam es nie wieder zu seltsamen Ereignissen. Annemarie Schaberl wurde eingehend psychologisch untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass sie instabil und reizbar sei. Ihre Wut habe sich in diesen sonderbaren Phänomenen entladen und damit die oben erwähnte „spontane Psychokinese“ ausgelöst. Nach dieser Hypothese trieb kein Poltergeist sein Unwesen in der Kanzlei. Die psychisch angeschlagene Mitarbeiterin hatte die Ereignisse selbst ausgelöst.

„Der ‚Fall Rosenheim‘ gilt bis heute in den Annalen unseres Instituts als ein außerordentlich gut dokumentierter Fall von ’spontaner Psychokinese‘.“ 

Die Dokumentation des IGPP über diesen Fall beträgt rund 2.000 Seiten. Kritische Einwände gegen ein Spukphänomen und für einen technischen Defekt wurden darin, laut Bauer, widerlegt.

Wissenschaftliche Erklärungsmodelle

Manipulation und Betrug sind oft die erste Vermutung bei einem Spukphänomen. Auch Eberhard Bauer hat schon inszenierte Spukphänomene erlebt.

„Das ist, wenn man die Dynamik dieser Vorgänge kennt, nicht sonderlich überraschend. ‚Spuk‘ hat ja immer einen Appellcharakter, ist eine Art seelischer ‚SOS-Ruf‘ mit vielleicht ungewöhnlichen Mitteln, Wichtig ist das Verständnis der zugrundliegenden Motivation, einschließlich einer möglichen Inszenierung.“

Jedoch sieht sich Bauer in der Funktion des psychologischen Beraters und nicht als Kriminalist. Er versucht zu helfen und nicht einen möglichen Betrug aufzuklären. Er hat keinen Zweifel daran, dass jeder, der ein solches Spukphänomen schon erlebt hat, davon zutiefst verstört ist und ihm „keinen Bären aufbinden“ will. Es gibt aber auch noch weitere Erklärungsansätze für ein Spukphänomen. Der zweite Ansatz arbeitet mit Befunden aus der Psychologie und der Psychoanalyse. Die dritte, spiritistische Deutung erklärt den Spuk mit Geistern von Verstorbenen, die für die Vorfälle verantwortlich sind. Aber welche der Erklärungsansätze ist die wahrscheinlichste? Man könne mit allen drei Ansätzen pragmatisch arbeiten, erklärt Bauer, je nachdem wie das Erkenntnisinteresse aussehe.

Meine Freundin kann ich zunächst beruhigen. Vermutlich hat sich kein Poltergeist im Haus ihres Großonkels eingenistet. Was wirklich hinter dem plötzlichen Durchbrennen der Glühbirnen im ganzen Haus steckt, werden wir wohl trotzdem nie erfahren.

Quellen:

  • Bauer, E., Mayer, G. (2015): Spukphänomene. In Mayer, G., Schetsche, M., Schmied-Knittel, I., Vaitl, D. (Hrsg): An den Grenzen der Erkenntnis: Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik. Stuttgart: Schattauer.
  • Von Lucadou, W. (1995). Psyche und Chaos: Theorien der Parapychologie. Leipzig: Insel Verlag.

Hast du schon mal einem Soldaten am Bahnhof dafür gedankt, dass er den Kopf für dich hinhält? Eher nicht. In einem Interview berichtet der Ex-Soldat Manuel B. von seiner Zeit bei der Bundeswehr und eröffnet neue Perspektiven auf das Leben der Soldaten. Vorsicht – der Beitrag könnte dich dazu bringen, den nächsten Soldaten mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht ja sogar dazu, ihm zu danken.

Protokolliert von Liv Lilian

In einem schweren Panzer erreiche ich ein kleines Dorf in der kargen, trostlosen Landschaft von Afghanistan. Mein Blick ist grimmig, der Schweiß glänzt auf meiner Stirn. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen, atme einmal tief ein. Aus. Dann setze ich meinen Helm auf, lege meine Waffen um und steige aus. Die Frauen verstecken rasch ihre spielenden Kinder hinter ihrem Rücken. Doch ich lächle, greife in meine Hosentasche und hole eine Handvoll Bonbons heraus. Sie schillern in allen Farben des Regenbogens. Es scheint, als würde ich ein Stück Himmel in den Händen halten. Ich bin bewaffnet, doch ich bin nicht der Feind. Ich bin hier, um zu helfen. Die Kinder reißen sich von ihren Müttern los, laufen lachend auf mich zu und greifen mit ihren kleinen Händen nach der besseren Welt.

Zwischen zwei Welten

Im Jahr 2009 startete ich meine Grundausbildung bei der Bundeswehr. Als ich dann Ende 2010 zu meinem ersten Einsatz nach Afghanistan aufbrach, erzählte ich meinen Eltern, ich würde auf einen Übungsplatz nach Magdeburg fahren. Ich wollte verhindern, dass sie sich um mich sorgen. So saß ich mit 21 alleine beim Notar und schrieb mein Testament. Außerdem einen Brief an meine Eltern und einen für meinen kleinen Bruder, die sie bekommen sollten, falls ich nicht mehr aus dem Einsatz zurückkommen würde.

Während der ersten Tagen in Afghanistan hatte ich große Angst. Es konnte jeden Moment sein, dass ich erschossen werde. Mit der Zeit lernte ich aber, die Angst auszublenden. Ich machte meinen Job, ich funktionierte. Doch wenn ich nach den dreimonatigen Einsätzen zurück nach Deutschland kam, hatte ich so furchtbare Albträume, dass ich kaum mehr schlief. Wenn doch, wachte ich schreiend oder schweißgebadet auf. Der ständige Wechsel zwischen dem Leben in Afghanistan und dem in Deutschland war kaum auszuhalten. Deshalb erzählte ich irgendwann meinen Eltern die Wahrheit. Beide weinten, aber dann gaben sie mir die Unterstützung, die ich so dringend brauchte und von der Gesellschaft nicht bekam.

Am Anfang glaubte ich, ein Held in Uniform zu sein. Doch dann wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich nur ein Trottel war, der im zivilen Leben keinen richtigen Job gefunden hatte und deswegen bei der Bundeswehr diente. Das war zumindest das Gefühl, das mir die Gesellschaft vermittelte. Hast du schon mal einem Soldaten am Bahnhof dafür gedankt, dass er den Schädel für dich hinhält? Eher nicht. In den Bundeswehreinweisungen wird einem sogar davon abgeraten, in Köln am Bahnhof in Uniform auszusteigen.

Von Mensch zu Mensch

Wenn wir auf Patrouille waren, hatte ich immer Bonbons in meiner Tasche. Nachdem wir mehrmals im gleichen Dorf waren, wussten die Kinder schon, bei wem sie ein Bonbon bekommen. Wenn du hier einem Sechsjährigen ein Bonbon schenkst, dann sagt er: „Warum sind das keine zehn Euro, du Idiot? Was soll ich denn mit einem einzigen Bonbon?” Dort hingegen schauen dich die Kinder mit leuchtenden Augen an. Sie nehmen dich ganz anders wahr. Du bist zwar bewaffnet, aber du bist dort, um den Kontakt von Mensch zu Mensch zu pflegen. Nicht von Soldat zu Feind. Das waren Erlebnisse, die mir Kraft gaben.

Es gab aber auch andere Momente. Als meinem Freund ins Gesicht geschossen wurde, war ich plötzlich kein starker Soldat mehr. Ich kann heute noch ganz genau sagen, wie seine Augen aussahen, dieser erschrockene Blick, der zu sagen schien: „Freund, lass mich nicht sterben. Ich will hier nicht sterben. Mach, dass ich es schaffe.“ Die Augen meiner verletzten Kameraden haben sich mehr in mein Gedächtnis eingebrannt als alles andere. Nichts war so schlimm wie dieser Blick, dieser hilflose Blick. Davon habe ich auch heute noch Albträume. Mein Freund überlebte, aber direkt nach diesem Vorfall sagte ich, dass ich nicht mehr will. Nicht mehr kann. Ich kündigte. Fünf Jahre hatte ich der Bundeswehr gedient, war dreimal in Afghanistan gewesen, im Kosovo und am Horn von Afrika. Trotz allem bereue ich nicht, zur Bundeswehr gegangen zu sein. Wenn ich von Anfang an ehrlich zu meinen Eltern gewesen wäre, dann wäre ich vermutlich Berufssoldat geworden, wie es immer mein Ziel war.

Wahre Helden

Ich bin definitiv kein Held. Aber ich habe Helden kennengelernt. Es sind nicht diejenigen, die auf den Feind schießen, das kann jeder. Doch wer hilft dir, wenn du dir selbst nicht mehr helfen kannst? Wenn du verletzt wurdest oder beinah daran zerbrichst, weil du getötet hast? Während eines Feuergefechts fühlte ich nichts. Es war kein Problem, den Abzug zu betätigen, zu wissen, ich habe getroffen. Aber danach saß ich in meinem Zelt und weinte minutenlang. Wie ein Kind. Weil es raus musste. Die Psychologen um Hilfe zu bitten war schwer. Heute kann ich sagen, dass ich geweint habe. Aber auch gelacht. Ich hatte Freude, ich hatte Angst, ich habe schlechte und ich habe schöne Erinnerungen. Ich bin an meinen Erfahrungen gewachsen und habe überlebt – das verdanke ich den wahren Helden, den Ärzten und Psychologen.

Während Manuel von Helden spricht, betrachte ich ihn in der Abenddämmerung. Und mir wird klar, dass noch jemand ganz anderes einen Dank verdient. Er selbst. Dafür, dass er einen Job erledigt, den niemand sonst erledigen will. Dafür, dass er seinen Kopf hinhält, während alle anderen wegschauen. Er wird von der Bevölkerung verurteilt, obwohl er nur helfen will. Hilfspakete verteilen. Bunte Bonbons verschenken. Manuel ist verletzlich, mitfühlend, zweifelnd, bescheiden, voller Liebe und Sorge. Ich beobachte, wie sich ein Glühwürmchen auf seiner Schulter niederlässt. Es scheint, als würde es von dem nachdenklichen Soldaten angezogen werden. Als würde es etwas in ihm sehen, das niemand sonst in unserer Gesellschaft sieht, nicht einmal er selbst. Nämlich das helle Licht, das in seinem Helden-Herzen brennt.

 

Was ein OP-Fachpfleger der Bundeswehr zum Thema Helden sagt, lest ihr hier.

Wenn die Angst vor Haaren das Leben bestimmt, fällt oft der Ausdruck „Chaetophobie“. Unser Reporter hat sich auf die Spuren solcher Phobiker begeben: Seine Selbstfindung führte von der britischen Boulevardpresse bis zu den finsteren Abgründen der Tübinger Gastronomie.

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Der Hamburger Sportverein e. V. (HSV) ist ein deutscher Fußball-Bundesligist, der ungefähr zur gleichen Zeit entstand, als in England H.P. Lovecraft, das Horrorgenre mit Geschichten über grausige Monster aus den Tiefen des Verstandes, revolutionierte. Ein solches Wesen sollte auch knapp 100 Jahre später den HSV heimsuchen.

Gegründet wurde der Hamburger Sportverein 1919 und durchlief in seiner langen Historie ruhmreiche Zeiten voller Erfolge, großer Titelsiege, steckte aber auch die ein oder andere herbe Niederlage ein. Jedoch gelang es dem HSV als einzige Mannschaft in Deutschland seit der Gründung der Bundesliga im Jahr 1963, bis ins Jahr 2018 am Erstliga-Betrieb teilzunehmen. Das kontinuierliche Bestehen der Hamburger in der ersten Liga brachte ihnen den Spitznamen „Dino“ ein. In ihrem Stadion prangt eine gigantische digitale Uhr, die die Minuten seit der Gründung der Bundesliga mitzählt und somit auch die beharrliche Anwesenheit des HSV in derselbigen.

Doch diese Saison schien etwas anders zu sein. Manch ein Gast des Hamburger Stadions berichtete von kalten Windzügen, seltsamen Geräuschen auf den Tribünen und schlotternden Knien auf dem Platz. Als würde sich ein Schatten über die Arena legen, beginnend, die ewige Uhr des HSV zu umhüllen. Es dauerte nicht lange bis eine Fotografie die Ursache des Phänomens einfangen und dadurch erklären konnte.

quelle: pixabay - das abstiegsgespenst

Das Abstiegsgespenst (Foto: Pixabay)

Das Abstiegsgespenst geistert durch die Medien

Im Mai 2018 stieg der Hamburger SV in die zweite Bundesliga ab. Noch bevor das letzte Saisonspiel ausgetragen worden war, wurde schon von mutmaßlich okkult-agierenden Journalist*innen ein in den Annalen der Bundesliga stets gefürchteter Antagonist beschworen: das Abstiegsgespenst. „Und plötzlich grüßt wieder das Abstiegsgespenst“, titelte Die Welt. Auf RTL-Radio ging ein Joachim-Löw-Imitator in Hamburg auf Abstiegsgespensterjagd. Auf Spox.com geisterte es schon länger durch die Berichterstattung. Der Kicker verpatzte die Beschwörung und verwechselte es mit den Geistern einiger Vereinsikonen aus einem längst vergangenen HSV-Vorfall in Malente. Auch Der Spiegel hatte seine Probleme und meinte noch im März 2018 eher den Teamgeist zu sehen anstelle des Abstiegsgespenstes. Doch hätte man sich in Hamburg nicht wundern sollen, als man das Gespenst um die Köpfe von Fans und Verantwortlichen huschen sah. Denn das ZDF hatte schon Wochen zuvor berichtet: „Stuttgart vertreibt das Abstiegsgespenst.“ Und irgendwo musste es ja hin.

Aber wo kam es her?

Zum ersten Mal erschien das Abstiegsgespenst in einer englischen Karikatur aus dem Jahr 1906. Zu sehen ist der Fußballer Alfred Common, der für eine damals furchteinflößende Summe von 1000. Pfund Sterling von Ligakonkurrent Middlesbrough zu Sunderland wechselte. Davor sollte wohl auch das Abstiegsgespenst Angst haben. Auf der Zeichnung schützt Common seinen neuen Verein, der in Form einer scheuen jungen Frau verkörpert wird, vor einem Gespenst, das die gefürchtete zweite Liga repräsentiert. Noch bis heute jagt den Fußballinteressierten das Gespenst auf dieselbe Art Angst ein. Es kommt schleichend und will einen hinab zerren in die chaotischen Tiefen der unteren Ligen. Wo das Fegefeuer sportlichen Misserfolges wartet und man droht, für immer seinen Platz an der Sonne zu verlieren. Tatsächlich verblieb Middlesbrough in der Premier League und konnte dem Spuk vorerst ein Ende setzen. Common war es dann auch, der den ersten Schritt des Exorzismus einleitete, als er direkt bei seinem Debüt einen unscheinbaren Elfmeter in einen 1:0-Siegtreffer verwandelte. Das effektivste Gegenmittel bei Abstiegsgespensterbefall.

abstiegsgespenst

„Who you gonna call?“ Alfred Common! (Foto: Wikipedia)

Fußball und das Spirituelle

Doch existiert das Abstiegsgespenst nicht nur als Hirngespinst geistreicher Journalist*innen. Denn was das Übernatürliche betrifft, ist das Abstiegsgespenst im Fußball in guter Gesellschaft. Fußball wird von Kulturwissenschaftlern*innen und Philosophen*innen schon länger als Art der Ersatzreligion oder Zusatzreligion angesehen und strotzt nur so vor Heiligen, Fußballgöttern und Geistern. Der australische Soziologe Harry Edwards („Sociology of Sport“, 1973) spricht gar davon, Fußball als Super-Religion zu bezeichnen. Ob Fußball Religion ist, steht natürlich zur Diskussion. Aber genau wie Jagd, Krieg, Bürokratie oder auch Formen des Musikkonsums, so kann auch Fußball als Kult beschrieben werden. Der Schritt vom Kult zur Religion ist dann wiederum ein kurzer. Versteht man Religion als die Öffnung einer transzendentalen Welt und Möglichkeit zur Suche nach Bedeutung und Sinn, dann erfüllt der Fußball eigentlich alle Kriterien.

Er öffnet damit aber auch seinen Anhänger*innen die Tür zu einer Geisterwelt. Mal treten die Geister verstorbener Vereinshelden hindurch und setzen sich jungen Spieler*innen belastend auf die Schultern. Oft werden Geister bewusst beschworen zur Unterstützung der eigenen Mannschaft oder zum Leid der gegnerischen. Gerne wird der Fußball aber auch von den Geistern heimgesucht, die er selber gerufen hat. Beispielsweise in Form von geldgierigen Spielerberater*innen und aggressiven Poltergeistern, die auf den Tribünen schwarz vermummt ganze Stadien in dunkle Rauchschwaden einhüllen. Legenden zufolge sind die dunklen Poltergeister meist Vorboten des Abstiegsgespensts. Wo sie gesehen werden folgen meist schon wenig später die ersten Fans, die verkleidet vor der Ankunft des eigentlichen Gespenstes warnen.  So entpuppt sich das Abstiegsgespenst am Ende als die Manifestation der eigenen Angst der Fußballfans. Aber wie schon H.P. Lovecraft sagte: „Selbst bei den größten Ungeheuerlichkeiten ist die Ironie selten abwesend.“

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