Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch. Jan versucht zu verstehen, warum Donald J. Trump in den Augen seiner Anhänger als Held gelten kann.

Donald Trump – ein Held?

Dieser Text wird schwer. Wir wollen verstehen, warum Donald Trump trotz aller Unkenrufe bei seinen Anhängern so populär ist, ja, mehr noch: wir wollen wissen, warum er für sie ein Held ist.

Es kann hier nicht darum gehen, zu argumentieren, dass Donald Trump tatsächlich ein Held ist – denn das entspräche auch nicht der Meinung des Autors über ihn. Vielmehr muss es darum gehen, nachzuvollziehen, warum Umfragen zufolge mittlerweile mehr als 51 Prozent der Amerikaner zu Trumps Unterstützern zählen – was den amtierenden Präsidenten beliebter macht als seinen Vorgänger, Barack Obama.

Doch warum sollte man überhaupt den Versuch wagen, Trump-Anhänger zu verstehen? Weil man sonst Gefahr gerät, einen Teil der Gesellschaft aus dem gemeinsamen Diskurs auszuschließen. Und tatsächlich ist das Gefühl, aus den Debatten der liberalen Mehrheit ausgeschlossen zu sein, für seine Follower entscheidend, um ihn ihrem Präsidenten einen Helden zu sehen.

Einer von uns

„Viele Trump-Unterstützer finden es fantastisch, dass ein ‚Nicht-Politiker‘ Präsident geworden ist“, erklärt Lucas Ogden das Phänomen Trump. Selbst ein klassischer Republikaner, hat Ogden, der in Tübingen für das DAI Englischkurse gibt, Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl nicht unterstützt. Doch er hat Kontakt zu vielen Trump-Anhängern, darunter auch seine eigene Schwester. Mit „Zwischenbetrachtung“ sprechen wollte niemand von ihnen, daher erzählt er von seinen Erfahrungen mit Trump-Anhängern.

„Donald Trump ist einer von uns“, diese Aussage bekomme Ogden immer wieder von Trump-Fans zu hören. Sie bezeichnen ihn als ehrlicher als viele andere Politiker, trotz seiner „alternativen Fakten“. Für sie funktioniert ein ganz einfacher Mechanismus: Trump verspricht, und Trump hält, was er verspricht.

Der Volksversteher

Schon in den TV-Debatten vor der Wahl gab Trump sich betont volksnah, erklärt Ogden. Während die anderen Kandidaten über hochkomplexe Details der US-Außenpolitik oder über die korrekte Anrede von Trans-Personen stritten, hatte Trump nur ein Thema: „jobs, jobs, jobs“.

„Trump zeigt: er kann mit den einfachen Leuten kommunizieren“, erläutert Ogden. Er gibt ihnen das Gefühl, dass er sie versteht, obwohl er ein millionenschwerer Immobilientycoon ist. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Politikern versucht er nicht, seinen Reichtum zu verbergen, sondern prahlt sogar damit, immer verbunden mit der Metaebene: wenn es ein Outsider wie ich schaffen kann, gegen alle Widerstände Präsident zu werden, dann kannst du das erst recht.

Zu dieser Kommunikationsstrategie gehört auch, dass Trump als erster Präsident der USA auf sein Präsidentengehalt verzichtet und es stattdessen für einen guten Zweck spendet. Ein Fakt, über den man in der deutschen Presse nur wenig liest.

Einfache Antworten gegen Politikverdrossenheit

Und Trump hält sich an seine Wahlversprechen. Er schert sich nicht um irgendwelche Berater, die im einflüstern wollen, dass sie uneinhaltbar seien. Dass er das Freihandelsabkommen NAFTA mit Kanada und Mexiko nicht kündigen sollte. Dass er keine Stahlzölle erheben sollte. Dass er sich nicht einseitig zugunsten Israels positionieren sollte. Trump macht einfach, und seine Anhänger jubeln.

Natürlich liefert Trump einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Doch in einer globalisierten Welt, die immer komplexer wird, existiert eine Sehnsucht nach dem „starken Mann“, der einfache Lösungen anbietet. Auf diese Weise schafft er es, Menschen für Politik zu begeistern, die sich sonst niemals dafür interessieren würden.

Ein Held gegen alle Widerstände

Interessanterweise erkennt man in Donald Trumps Erfolgsstory Ähnlichkeiten zum klassischen Helden-Narrativ, wenn man nur genauer hinschaut. Und man erkennt Ähnlichkeiten zu „umstrittenen Helden“, die in dieser Serie bereits porträtiert wurden. Papst Franziskus zum Beispiel.

Genauso wie der Papst schert sich Donald Trump nicht um das diplomatische Protokoll: Wo Franziskus sich weigert, im Apostolischen Palast zu wohnen, weigert sich Donald, auf die Ratschläge seiner Berater zu hören. Genauso wie der Papst zelebriert Trump einen direkten Kommunikationsstil zu seinen Anhängern: Wo Franziskus sich der einfachen Sprache des Volkes bedient („Katholiken müssen sich nicht vermehren wie die Karnikel“), schwört Donald auf den ungefilterten Kontakt zu seinen Fans via Twitter. Und genauso wie der Papst kämpft Trump gegen eine als verkrustet, abgehoben und elitär wahrgenommene Institution. Was für Papst Franziskus die römische Kurie ist – korrupt und vom einfachen Kirchenvolk abgehoben ist –, ist für Donald Trump der „Washingtoner Sumpf“, den es „auszutrocknen“ gilt.

Ein Held ist in dieser Betrachtung jemand, der heldenhaft gegen alle Widerstände seinen Willen durchzusetzen vermag. Und der dabei auch noch ein persönliches Risiko eingeht. Denn wäre seine Wahlkampagne gescheitert, so wäre Donald Trump auch als Geschäftsmann gescheitert. Mit seiner Kandidatur riskierte er das gute Image seiner Marke, und mit seiner „America-First-Politik“ gefährdet er seine eigenen Geschäftsinteressen.

Eine Frage des Standpunkts

Trotzdem: Ist ein Mann, der Goldman-Sachs-Banker in sein Kabinett beruft, der Richtige, um die Washingtoner Elite wiederherzustellen, die zweifelsohne den Draht zu dem Volk, das sie angeblich repräsentiert, verloren hat? Wie so oft zeigt sich: Wer ein Held ist und wer nicht, ist eine Frage des politischen Standpunktes. Aus Sicht seiner Anhänger ist eines klar: Einen Helden wie Donald Trump bekommt Amerika so schnell nicht wieder.

Das ist doch alles Blödsinn, denkst du? Lies hier die Gegenmeinung von Ulli Hagenlocher und gib hier deine Stimme ab.

Quelle Beitragsbild: IIP Photo Archive, flickr.com

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