Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch. Marx ist seit 135 Jahren tot. Sein Werk und seine politischen Gedanken sind geblieben. Marx Schriften werden in Vorlesungen diskutiert und bieten Fundamente, auf die sich ganze Regierungssysteme stützen. Dieses Erbe hat sich Marx hart erarbeitet. Er wählte für sein Leben nicht den einfachsten Weg. Marie argumentiert: Karl Marx als Held.

Der Kämpfer

Marx war sein Leben lang ein Kämpfer. Er hat viel gelitten in den unruhigen Zeiten seiner Epoche. Herausstechend an Marx‘ Lebenslauf ist der häufige Wohnortwechsel. Soziale Unruhen zogen Marx an, aber sie waren auch verantwortlich dafür, dass Marx flüchten muss. Marx lebte lange in London im Exil. Sein politisches Engagement bot ihm zudem nur wenige Einnahmequellen und war der Grund für die ständige Herausforderung, seine Familie ernähren zu können. Für Marx eine Herausforderung, der er mit aller Männlichkeit entgegentreten musste. Marx war ein überzeugter Vertreter der Männlichkeit, dazu gehörte die Ehre und keine Angst zu zeigen. Mehrere Male duellierte sich Marx: als Student in Bonn gegen andere Studentengruppierungen, aber auch später als Vater forderte er Redakteure wegen Anschuldigungen heraus. Tief beeindruckt von dem tapferen Umgang eines Freundes mit dem Tod beschloss auch er, keine Angst vor dem seinen zu haben.

Bild von Diego Rivera, Mexiko Stadt.

Das starke Auftreten Marx‘ kann dennoch gegen ihn sprechen. Marx wird als Tyrann bezeichnet, der seine Schwestern herumkommandierte. Nach dem Tod des Vaters soll es zu unschönen Erbschaftsstreitigkeiten gekommen sein. Diese Aussagen wurden allerdings von Personen gemacht, die gleichzeitig politische Gegner waren, und sind daher nicht zwingend glaubwürdig. Eindeutig ist aber, dass Marx ein Ziel hatte, für das er viel gegeben hätte. Zwar war sein eigentliches Ziel eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschheit, aber um dies zu erreichen, war das erste Ziel die Revolution. Für Marx war eine momentane Verbesserung der Lebensumstände keine Lösung. Er wollte die Revolution, und für dieses höhere Ziel hatte die Bevölkerung zu leiden.

Marx hatte ein starkes Auftreten, er konnte reden und überzeugen. Eine weitere Stärke liegt in Marx‘ ständigem Zweifel. Nicht alle Artikel gingen ihm einfach von der Hand. Häufig waren viele Versuche nötig, und der Abgabetermin machte zusätzlich Druck. Selbstzweifel sind wichtig. Durch die Reflexionen verbessern sich die Idee. Selbstzweifel zeugen von Menschlichkeit und sind eine Herausforderung, der sich jeder Mensch stellen muss. Marx hat nie aufgegeben.

Der Ehemann

1858, Jenny mit Tochter Laura Marx.

Marx‘ Liebesleben ist ungewöhnlich. Jenny von Westphalen war die Tochter einer befreundeten Familie und vier Jahre älter als Marx. Die beiden verlobten sich heimlich, es dauert sieben Jahre, bis sie heiraten könnten. Eine Zeit, in der Marx stürmische Liebesbriefe schrieb und geplagt war von Eifersucht. Jenny hatte keine Mitgift und war keine gute Partie. Sie war sich dessen bewusst und wollte Marx‘ Antrag annehmen, aber sie hatte auch Zweifel. Sie sorgte sich, dass Marx‘ Liebe erlöschen und sie keinen Zugang mehr zu ihm finden würde. Marx war ein romantischer Träumer.

Geld war ein ständiger Streitpunkt des Paares. Trotz den Streitigkeiten wurden sie als ein sich liebendes Paar beschrieben. Jenny Marx war nicht bloß eine Hausfrau. Sie war beteiligt an Marx‘ politischen Schaffen: Jenny war seine Sekretärin und intellektuell mit einbezogen. Marx zeigte mit diesem Umgang großen Respekt seiner Frau gegenüber.

Wenn auch nicht sehr erfolgreich, seine Verantwortung gegenüber der Familie nahm Marx sehr ernst. Er sah sich als das verantwortliche Familienoberhaupt, dessen männliche Pflicht es ist, die Familie zu ernähren.

Der Vater

Marx war stolz auf seine Virilität, für ihn ein Zeichen seiner Männlichkeit. Er wird beschrieben als liebender Vater, der gerne mit seinen Kindern spielte und ihnen vorlas. Seinen Schwiegersohn Charles Longuet wies er zurecht, als dieser keinen so guten Umgang mit seinen Kindern zeigte.

1867, Tochter Jenny und Karl Marx. Jenny trägt ein Kreuz, dass für den polnischen Aufstand steht. Das gründe Band am Hals steht für die irische Nationalbewegung und die schwarze Kleidung für die Trauer. Englang hatte irisch-republikanische Fenier hingerichtet.

Marx machte kein Geheimnis daraus, dass er lieber einen Sohn gehabt hätte. Sein Sohn Edgar starb 1855 früh und Marx war unendlich getroffen. Aber das bedeutete keinen Nachteil für seine Töchter. Trotz der geringen Einkünfte bekamen alle Töchter eine sehr gute Ausbildung. Marx bezogt seine Kinder in seine Arbeit mit ein. Seine älteste Tochter, die wie die Mutter auch Jenny hieß, arbeitete ebenfalls als seine Sekretärin und verfasste eigene Artikel.

Marx war sehr besorgt um die materielle Sicherheit seiner Töchter. An Paul Lafargue, einen radikalen französischen Studenten und der Geliebte seiner Tochter Laura Marx, schrieb er: „Soweit es in meiner Macht steht, will ich meine Tochter vor den Klippen bewahren, an denen das Leben ihrer Mutter zerschellt ist“. Marx wünschte sich von seinen Töchter eine politische Beteiligung und gleichzeitig wollte er für sie einen besseren Lebensstandart als den seinen. Obwohl er so hart mit sich selbst war, war er das nicht mit seiner Familie. Er wollte, dass die Gesellschaft durch das Leiden geht und kämpft, aber dies galt nicht für seine Kinder. Marx zeigte ein großes Herz bei den Menschen, die ihm nahe standen.

Der Held?

Marx Leben ist außergewöhnlich. Nicht nur politisch hat er Großes geleistet, auch privat hat er Mut bewiesen. Eine Frau zu heiraten, die älter war, keine Mitgift mitbrachte und in der Verlobungszeit der Untreue beschuldigt wurde, ist sehr ungewöhnlich. Marx ist seinem Herz und Gefühl gefolgt, ohne sich durch Schwierigkeiten abbringen zu lassen. Auch sein Verhalten als Vater ist ungewöhnlich, aber zeigt viel Liebe. Der damaligen Zeit entsprechend legte Marx großen Wert auf seine männliche Ehre, dies bedeutete für ihn allerdings nicht, wie in der Mittelschicht üblich, sich als unzugängliche Autoritätsperson seinen Kindern gegenüber zu präsentieren.

Marx war nicht einer der revolutionären Helden wie Che Guevara, die früh gestorben sind und keine Familie hatten. Marx hat versucht seine politischen Träume zu verwirklichen und ein privates Leben zu führen. Er war ein Träumer mit utopischen Vorstellungen, aber gleichzeitig hat es sich dem Leben und der Verantwortung gestellt. Marx ist geprägt von seiner Zeit, aber dennoch ein Querdenker mit viel Mut.

Zum Trailer: „Der junge Karl Marx“

Vielleicht siehst du es ja anders. Lies hier die Gegendarstellung von Ulli und stimme hier ab, ob Marx ein Held ist, oder nicht.

Bilder:  commons.wikimedia.org/wiki

Quelle: Sperber, Jonathan 2013: Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert.

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