Am 29. Juni diesen Jahres machte Paula Godwin aus Arizona einen morgendlichen Spaziergang mit ihren beiden Hunden Todd und Cooper. Als plötzlich vor ihnen eine Klapperschlange auftauchte, sprang der nur  sechs Monate alte Welpe Todd zwischen das gefährliche Reptil und sein Frauchen – und wurde mitten ins Gesicht gebissen. Nach zwölf Stunden in der Tierklinik war er auf dem Weg der Besserung und die Bilder des kleinen Hundes mit dem geschwollenen Gesicht machten ihn zum Internet-Helden.

Herzerwärmende Geschichten wie die von Todd sorgen immer wieder für Aufsehen in sozialen Medien. Unsere Gesellschaft liebt ihre treuen Vierbeiner mit dem Hundeblick, das ist klar. Und wenn diese Mensch-Hund-Beziehung dann auch noch von mutigen und aufopfernden Taten seitens der Hunde bestärkt wird, steht der Schlagzeile nichts mehr im Wege.

Historischer Held auf vier Beinen

Bildpostkarte des ausgestopften Barry, fotografiert von Emil Nicola Karlen, 1883

Der Hund als Held ist jedoch kein neues Phänomen. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es einen besonderen Vierbeiner, um den sich allerlei Heldengeschichten und Mythen rankten. Barry war einer der ersten Bernhardiner, die damals von Schweizer Mönchen im Hospiz auf dem Großen St. Bernhard gezüchtet wurden. Dem heutigen Bernhardiner noch recht unähnlich, begründete Barry jedoch das Bild des zur Rettung eilenden Lawinenhunds mit dem berühmten Fässchen um den Hals. Auch wenn sich die Sache mit dem Schnapsfässchen als Mythos herausgestellt hat, wurden die Hunde damals von den Mönchen tatsächlich eingesetzt, um ihnen den Weg durchs Schneegestöber zu erleichtern oder um verirrte Wanderer zu finden. Barry soll dadurch bis zu 40 Menschen das Leben gerettet haben und gilt deshalb bis heute als tierischer Held.

Eine kurze Geschichte der Rettungshunde

Fast genau ein Jahrhundert später, im Ersten Weltkrieg, wurden Hunde dann erstmals großflächiger eingesetzt: Als Sanitätshunde war es ihre Aufgabe, verwundete Soldaten aufzuspüren. Während die Ausbildung von Rettungshunden in Deutschland lange Zeit nur eine Sache des Militärs war, begann man in der Schweiz damit, Lawinenhunde auch für den zivilen Gebrauch systematisch auszubilden. Während des Zweiten Weltkrieges konnte vermehrt beobachtet werden, wie Hunde in den Trümmern zerbombter Gebäude Menschen aufspürten: Die Idee des Trümmerhunds war geboren. Nach dem Ende des Krieges kam die Begeisterung für Rettungshunde vorerst zum Erliegen. Man setzte mehr und mehr Vertrauen in technischen Geräte, wie beispielsweise Ortungsgeräte, bei der Suche nach Vermissten.

Landesübung der Staffel Nord der Österreichischen Rettungshundebrigade am 20.03.2010 in Breitenfurt, fotografiert von _dChris

Privatleute bildeten jedoch stets weiter Rettungshunde aus und schlossen sich in Vereinen zusammen. Heute gibt es zum Beispiel den Bundesverband für Rettungshunde, der deutschlandweit zum Katastrophenschutz beiträgt und auch im Auftrag der Polizei zur Hilfe ausrückt. Ihre Hunde werden für verschiedenste Einsätze trainiert: die Suche von Menschen in Lawinen, Trümmern, auf großen Flächen, im Wasser und nach einzelnen Personen, das sogenannte Mantrailing.

Helden, oder doch nur Hunde?

Doch sind all diese Hunde, die regelmäßig im Einsatz sind um Menschenleben zu retten, tierische Helden? Für die Vierbeiner ist ihr Job als Rettungshund wohl eine Mischung aus Spiel und körperlicher sowie kognitiver Herausforderung. Sie sind dazu in der Lage, den einzigartigen Geruch eines Menschen anhand verlorener Hautschuppen zu erkennen und zu verfolgen. Um diese Fähigkeit auch richtig einsetzen zu können, müssen die Hunde ein intensives Training durchlaufen. Dabei lernen sie viele verschiedene Befehle zu befolgen und mit diversen Gefahrensituationen umzugehen. Ob sie selbst wissen, dass es oft um Leben und Tod geht, können wir wohl nicht so einfach beantworten. Wir können aber davon ausgehen, dass die Tiere ihren Job deshalb so gut machen, weil ihnen die Beziehung zu ihrem Begleitmenschen wichtig ist und sie gerne diese Zeit mit ihm verbringen.

Als Rudeltiere sind Hunde soziale Wesen, die auf Kontakt und Gesellschaft angewiesen sind. Wir Menschen ersetzen ihnen ihr Rudel, beschaffen ihre Nahrung und sind zweibeinige Spielgefährten. Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist wirklich etwas Besonderes. Kaum ein Tier wird so selbstverständlich zum Teil unserer Familien erklärt und nimmt einen solch wichtigen Bestandteil in unserem Leben ein. Die Annahme, dass Hunde in uns den Ersatz ihrer – eigentlich vierbeinigen – Familie sehen, lässt doch stark vermuten, dass so manch ein Hund für uns auch zu heldenhaften Taten bereit wäre.

Helden der Herzen

Und es muss ja nicht immer gleich der Biss nach einer giftigen Schlange oder die Rettung aus einem eingestürzten Gebäude sein. Wie vielen Chihuahuas sind wir wohl schon begegnet, die sich die Seele aus dem Leib bellen und (fast schon) bedrohlich die Zähne fletschen, weil wir ihrem Menschen zu nahe gekommen sind? Oder wie viele tapfere Labrador-Retriever kennen wir, die allzeit bereit sind unsere vermutlich ungewollten Leckerbissen auf dem Esstisch aufzuspüren und zuverlässig zu vernichten? Ob all diese Hunde Helden sind, muss vielleicht jeder für sich selbst beantworten. Aber eines ist sicher: Sie machen unser allzu menschliches Dasein auf ihre ganz eigene Art und Weise lebenswerter.

 

Quellen:

Bundesverband Rettungshunde

Barry Hospizbernhardiner e.V. 

 

1 Antwort
  1. Laura Schneider
    Laura Schneider sagte:

    Hunde sind einfach großartig und mein Hund ist auch für mich ein Held. Sie schenken einem bedingungslose Liebe, besonders dann, wenn man sie braucht. Ich habe jahrelang versucht meinen Hund zu trainieren und bin des öfteren verzweifelt. Daher habe ich größten Respekt vor Rettungshunden und Begleithunden. Dein Beitrag ist ein wunderschönes Loblied auf den besten Freund des Menschen!

    Antworten

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