Welche Personen sind überhaupt Helden? Diese Frage klingt einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. Die „Umstrittene Helden“-Serie des Heldenblogs wagt einen Antwortversuch. Marie argumentiert: hochgelobt, aber kein Held.

Papst Franziskus hält ein Kind auf dem Arm. Er hört zu. Er sitzt wie alle im Bus und im Restaurant. Er wird in unserem Blog als ein Held vorgeschlagen. Gerechtfertigt? Wie unser Blogger Jan in seinem Artikel „der Traum des Papstes“ zeigt, leistet Papst Franziskus Großes. Genug, um enthusiastisch zu werden? Haben wir da nicht etwas vergessen?

Frauen in der Kirche

Das Zitat „Wenn ich die Wahl zwischen einer Frau, die bald schwanger wird und einem Mann habe, stelle ich den Mann ein“ stammt von einem Mann Anfang dreißig. Frauen bekommen bei gleicher Arbeit weniger Gehalt. Unsere Gesellschaft benachteiligt die Frau. Die Kirche ist eine Institution, die ein moralisches Vorbild für die Gesellschaft darstellen sollte. Wie sieht es in der katholischen Kirche mit der Rolle der Frau aus? Selbst das Amt des Priesters ist männlich besetzt. Wie kann das sein? Was sagt der Papst dazu? 2013 lehnte er Frauen als Inhaberinnen geistlicher Ämter ab. Und was ist mit den Rechten der Frau über ihren Körper? 2012 spricht sich der damalige Jorge Mario Bergoglio gegen die straffreie Abtreibung nach einer Vergewaltigung und generell gegen Verhütungsmittel aus.

Marginalisierung Homosexueller

Wer fühlt sich wohl, wenn die alte Nachbarin, bei einem Schwatz am Gartenzaun, über die Schwulen schimpft? Franziskus stellt sich gegen die Gleichberechtigung Homosexueller. Dafür predigt er einen Umgang der Zwischenmenschlichkeit und der Vergebung. Was sollen wir vergeben? Das Verhalten des Papstes trägt dazu bei, dass ein Mensch zu einer Gruppe mit geringerem Wert zugeordnet wird. Hier kann nicht von einer gelungenen Integration gesprochen werden. Legen wir bei einem Mann, der in naher Zukunft heilig gesprochen wird, andere Maßstäbe an, als bei der alten Nachbarin?

Vorwürfe während der Militärdiktatur

Zwischen 1976 und 1983 herrscht in Argentinien eine willkürliche Militärdiktatur. Die Junta verschleppte Menschen in geheime Lager. Sie folterte und mordete. Jorge Mario Bergoglio leitete damals die argentinische Provinz des Jesuitenordens. In den Prozessen von 2011, gegen Mitglieder der Junta, konnte Bergoglio keine Beteiligung an den Machenschaften der Diktatur nachgewiesen werden. Vermutlich war Franziskus weder ein Komplize noch ein Widerstandkämpfer. Widerstand ist schwierig. Dennoch, kein heldenhaftes Verhalten für einen geistlichen in Führungsposition. Dieses Verhalten der geringsten Konfrontation passt auch zu Franziskus Mission.

Seine Mission

Franziskus kämpft für die Armen, die Flüchtlinge und die Umwelt. Jeder will ein Gutmensch sein und den Armen helfen. Kann von der Kirche dies nicht erwartet werden? Die Mission scheint konfliktarm. Die Kürzung der Gehälter einiger bischöflichen Finanzverwalter und Franziskus eigener Verzicht auf Gehalt sind symbolisch. Wozu braucht ein Papst ein Gehalt? Ausgaben Geistlicher werden von der Kirche gedeckt. Die Wohnsituation in einer kirchlichen Einrichtung ist komfortabel. Wenn der Papst den Geburtstagswunsch hat, Schlafsäcke an Obdachlose zu verteilen, muss er dies nicht von seinem Privatvermögen bezahlen. Trotzdem bekommt der Papst Schwierigkeiten bei seinem Versuch, die Kirche vom Reichtum wegzuführen. Der Vatikan ist entfernt von dem, was er predigt. Franziskus viele Reisen müssen nichts mit Nähe zum Volk zu tun haben. Sie können auch als Flucht vor dem Vatikan gesehen werden.

Was bleibt?

Fünf Jahre nach Franziskus Amtsantritt gehen die Reformen der Kirche nicht voran. Ein Mitglied eines Jesuitenordens, wie Papst Franziskus, sollte keine Führungsposition anstreben. Demut und Armut sind seine Doktrinen. Wäre Bergoglio nicht eher ein Held gewesen, wenn er keinen Machtposten angenommen hätte und weiter im Armenviertel in Buenos Aires gearbeitet hätte? Franziskus Verhalten unter der Junta-Diktatur, seine Haltung gegenüber Frauen und Homosexuellen und seine Armenmission haben nichts Heldenhaftes. Auf diese Weise kann der Papst nicht unser Held sein. Der große Anklang des Papstes in der Bevölkerung ist nicht durch Heldentaten seinerseits zu erklären, sondern ein Indiz dafür, wie sehr die Gesellschaft einen spirituellen Führer mit Herz und der Fähigkeit zu Vergebung benötigt. Die Hoffnung, einen solchen Mann vor sich zu haben, setzt uns eine rosa-rote Brille auf, die uns sein Versagen verzeihen lässt. Es ist Zeit die Brille abzunehmen. Unsere Gesellschaft braucht andere Helden.

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Beitragsfoto: commons.wikimedia.org/wiki/File:Messedem

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  1. […] seines Zeichens als Papst Franziskus das 266. Oberhaupt der katholischen Kirche. Held oder Verbrecher? Am Ende entscheidet ihr: Pro oder Con, welchem Autor gebt ihr recht? Diskutiert mit uns, […]

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