Deutsche duschen im Durchschnitt fünfmal die Woche. Ob morgens oder abends – es erfolgt dabei der Griff zur Shampoo-Flasche. Eine angenehm duftende, manchmal klare, manchmal weiße Flüssigkeit wird ins Haar einmassiert und gleich wieder ausgespült. Shampoo ist ein ganz alltägliches Produkt und aus dem Badezimmer nicht mehr wegzudenken. Doch warum ist das herkömmliche Haarwaschmittel überhaupt flüssig? Was ist in dieser wohlriechenden Flüssigkeit enthalten? Und seit wann gibt es Shampoo?

Ein Leben vor dem Shampoo

Als Waschmittel werden Produkte bezeichnet, die beim Hinzufügen von Wasser ihre säubernden Fähigkeiten entfalten. Diese nutzt der Mensch für sich und seine Umgebung. Um Haare und Kopfhaut von Schmutz, Staub, Hautabschilferungen, körpereigenem Fett und Gerüchen zu befreien, stand bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nur Seife zur Verfügung. Seife besitzt aber einen stark alkalischen pH-Wert. Aus diesem Grund ist sie nicht besonders sanft zur Kopfhaut und reizt zudem die Augenschleimhaut.

Bevor es Shampoo gab, war Seife ein gängiges Haarwaschmittel

Bevor es Shampoo gab, war Seife ein gängiges Haarwaschmittel © pixabay.com

Ein anderer unangenehmer Effekt, der bei der Verwendung von Seife als Haarwaschmittel entsteht, ist die Bildung eines Belags. Das Haar wird auf diese Weise stumpf und glanzlos. Um dieser Wirkung vorzubeugen, war nach der Haarwäsche eine saure Spülung in Form von Essig oder Zitronensäure unbedingt erforderlich.

Ein Pionier auf dem Bereich von Shampoo war Hans Schwarzkopf. Er betrieb in Berlin seit dem Jahr 1898 eine „Drogerie- und Parfümeriehandlung“. Hier arbeitete er daran, ein Haarwaschmittel zu entwickeln, das schonender zur Haut ist als Seife. Im Jahr 1903 konnte in seinem Laden dann endlich ein Pulver-Haarwaschmittel erworben werden. Ein kleiner Schritt in Richtung des heutigen flüssigen Shampoos war gemacht und wurde in den Folgejahren immer weiter ausgearbeitet. Schwarzkopf leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Haarkosmetikindustrie und gründete ein Unternehmen, das bis heute seinen Namen trägt.

Flüssig setzt sich durch

Eine entscheidende Veränderung trat im Jahr 1933 ein, als schließlich das erste alkalifreie Shampoo auf den Markt kam. Die Grundlagen für Shampoos, wie sie heute im Drogerie- oder Supermarkt zu kaufen sind, wurden aber einige Zeit später, in den 1960er Jahren gelegt. Zuvor dominierten Pulver und Cremes.

Shampooflaschen befüllen heute ausgiebig die Regale der Drogerie- und Supermärkte

Shampooflaschen befüllen heute ausgiebig die Regale der Drogerie- und Supermärkte © pixabay.com

Das Aufkommen des flüssigen Shampoos begünstigten nun vor allem zwei Entwicklungen auf dem Gebiet der Chemie. Zum einen war es nun möglich Kunststoffflaschen schnell und billig in großen Mengen herzustellen. Als Verpackung ist Kunststoff aufgrund seines geringen Gewichts super geeignet. Zum anderen wurden verschiedene Tensidklassen entwickelt, die heute zu den Grundbestandteilen eines Shampoos gehören und verträglicher für Kopfhaut und Haar sind.

Multitalente sind im Trend

Die primäre Funktion von Shampoo besteht in seiner reinigenden Wirkung. Das kommt auch aus der Bedeutung des Begriffs Shampoo hervor. Er leitet sich vom hindischen câpnâ ab und heißt übersetzt so viel wie kneten und formen. Heute werden an Shampoos jedoch weit höhere Anforderungen gestellt. Sie sollen zu einer optischen Aufbesserung des Haars beitragen. Bedürfnisse verschiedener Haarqualitäten – von fettig oder trocken bis hin zu koloriert – sollen befriedigt werden. Auch das Alter des Verbrauchers spielt eine große Rolle. Für Babys und Kinder gibt es extra milde Shampoos. Die individuellen Waschgewohnheiten wie die Häufigkeit der Haarwäsche ist ein weiteres Kriterium, auf das ein Shampoo zugeschnitten sein soll. Darüber hinaus erhofft sich der Konsument bei spezifischen Problemen der Kopfhaut, z. B. bei Schuppen, eine therapeutische Wirkung seines Haarwaschmittels.

Das Shampoo muss ein vielseitig begabtes Produkt sein, um allen Anforderungen zu genügen. Möglich macht das die Chemie. Das Haar und die Kopfhaut bekommen auf diese Weise heute einen komplexen chemischen Cocktail serviert, der aus 10 bis 20, in einigen Fällen aus bis zu 30 Inhaltsstoffen besteht. Tensidgemische, Pflege- und Wirkstoffe sowie Hilfsstoffe sind in dieser üppigen Flüssigkeit enthalten.

Inhaltsstoffe eines Shampoos

Abbildung nach Trüeb 1998

Offene Karten?

Sind Bestandeile von Shampoos immer ersichtlich und verständlich aufgeführt? Seit 1997 existiert in der Europäischen Union das sogenannte „INCI-System“ (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients). Demnach sind Hersteller gesetzlich dazu verpflichtet, Angaben über die Inhaltsstoffe ihrer kosmetischen Produkte zu machen. Allerdings ist der Weg zur Verständlichkeit mit Stolpersteinen ausgelegt. Düfte werden auf den Verpackungen als Parfüm oder Aroma bezeichnet und nicht näher aufgeführt. Es sind außerdem botanische Bezeichnungen der Stoffe, auf denen das „INCI-System“ beruht. Diese Wortwahl erschwert die Verständlichkeit der Inhaltsstoffe erheblich. Anstelle von Jojobaöl ist beispielsweise der Begriff Simmondsia Chinesis zu finden. Ohne spezifische Fachkenntnisse sind solche Termini nicht zu entziffern.

Ein anderes Beispiel: Wozu ist etwa Propylenglycol gut? Es ist ein chemisches Gerüst, das Bestandteil des Haarwaschmittels ist. Dieser Inhaltsstoff unterstützt das Haar dabei, Feuchtigkeit aufzunehmen und dadurch weich zu bleiben. Propylenglycol wird aus Propylenoxid erzeugt, einem Stoff, der bei der Herstellung von Frostschutzmitteln und Schaumstoffen für Möbel und Matratzen verwendet wird. Der Gedanke, sich auch die Haare mit diesem Stoff zu waschen, erscheint irgendwie befremdlich und unangenehm.

Auch vor dem Shampoo gab es Mittel für die Haarwäsche. Bemerkenswert ist, dass es nach noch nicht einmal 100 Jahren seit seiner Erscheinung auf dem Markt die Badezimmer dieser Welt erobert hat. Die Fülle möglicher Inhaltsstoffe und die nicht transparenten botanischen und chemischen Begriffe führen zu der Frage, welche Gesundheits- und Umweltrisiken könnten Haarwaschmittel bergen? Beim nächsten Mal duschen und dem Griff zur Shampoo-Flasche ist es vielleicht sinnvoll, kurz innezuhalten. Was befindet sich da eigentlich in der eigenen Hand?

 

Wissenswertes über Shampoo und Kosmetik

Kapferer, Oliver (2016): Crème de la Crème. Über die Sinnhaftigkeit der (Haut)Schichtenpflege. In: ProCare, 21. Jg., Nr. 3, 40-43.

Mischke, Roland (04.09.1998): Vor hundert Jahren wurde das Haarshampoo erfunden. Das hat uns viele Unannehmlichkeiten erspart: Haarsträubende Geschichte. https://www.berliner-zeitung.de/vor-hundert-jahren-wurde-das-haarshampoo-erfunden–das-hat-uns-viele-unannehmlichkeiten-erspart-haarstraeubende-geschichte-16669532# (08.06.2018).

Nicolai, Birger (27.06.2014): Die Kosmetik-Riesen wissen genau, wie Sie duschen. https://www.welt.de/wirtschaft/article129519364/Die-Kosmetik-Riesen-wissen-genau-wie-Sie-duschen.html (08.06.2018).

Stache, Helmut/Großmann, Heinrich (1992): Waschmittel. Aufgaben in Hygiene und Umwelt. 2. Aufl. Berlin u.a.: Springer-Verlag.

Trüeb, Ralph M. (1998): Haarwaschmittel (Shampoos): Zusammensetzung und klinische Anwendungen. In: Der Hautarzt, 49. Jg., Nr. 12, 895-901.

Umbach, Wilfried (Hrsg.) (1988): Kosmetik. Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag.

 

5 Kommentare
  1. Yu-Hsuan
    Yu-Hsuan sagte:

    Bei Lesen hat es mir eingefallen:
    http://www.myreplenish.com/#opportunity

    Die Menschen da beschäftigen sich also mit dem neuen Design von Verpackungen, bei denen man ziemlich viel Plastik und Energie für die Umwelt sparen kann. Und zwar finde ich es ein interessanter Gedanke und neuer Ausgangspunkt für die ganze Plastik-Produkt-Industrie.

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  2. Elisabeth Buss
    Elisabeth Buss sagte:

    Spannendes Thema mit dem man sich meiner Meinung nach mehr auseinandersetzen sollte. Vielen ist gar nicht bewusst was sich in ihrem Shampoo, das sie fast täglich benutzen, befindet. Das bezieht sich aber nicht nur auf Shampoo’s, sondern auf kosmetische Artikel im Allgemeinen. Ein Beispiel wäre hier auch das umstrittene Thema: Silikone. Darauf musste dann auch die Industrie reagieren und wir finden mittlerweile auf jeder zweiten Verpackung den Zusatz: ohne Silikone …

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  3. Laura Schneider
    Laura Schneider sagte:

    Ich finde deinen Artikel wirklich wichtig, weil sich zu viele Menschen keine Gedanken darüber machen, wie sie ihren (einzigen!) Körper behandeln. Gerade heute ist es nicht mehr nötig zu den Chemiekeulen zu greifen, da die Naturkosmetik mittlerweile weder signifikant teurer noch schlechter ist. Seit ich mich damit auseinander gesetzt habe nutze ich nichts anderes mehr! Zusätzlich kann man dadurch auch noch der Umwelt etwas Gutes tun.

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  4. Katharina
    Katharina sagte:

    Ich hab mich bisher nie wirklich damit beschäftigt, was eigentlich in dem Shampoo drin ist, das ich benutze. Ich kaufe eigentlich immer nur mit Blick auf das auf der Flasche versprochene Ergebnis. Naja und ich achte darauf, dass „ohne Silikone“ drauf steht. So viel hab ich dann doch mal zum Thema Inhaltsstoffe gehört.
    Eigentlich irre, dass man sich blind alle möglichen undurchsichtigen Chemikalien in die Haare schmiert… Man sollte sich da wirklich genau mit auseinandersetzen. Aber die Hersteller machen es einem da ja leider nicht immer besonders leicht.

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